14 January 2010

Chapter 25 - Epilog rayando por ti

Das wäre mir eindeutig zu weit gegangen. Am Ende glaubt Ana noch ich würde mich einmischen wollen. Auf keinen Fall wollte ich alles noch schlimmer machen. Da ich daran interessiert war zu sehen was ich in dem früheren Zimmer von Rafa getan hatte, kam mir das gleich gelegen. Ich war total gespannt als ich die Tür zu seinem früheren Zimmer öffnete. Zu meiner Überraschung hatte sich so gut wie gar nichts verändert.
Es waren noch alle Möbel da, selbst das Bett stand noch an der gleichen Stelle wie früher. Es waren nur die Bilder von den Wänden verschwunden ansonsten sah alles aus wie damals. Das war ja ein Ding! Ich fühlte mich gleich wieder in der Zeit zurückversetzt. Kurz sah ich aus dem Fenster, war echt nicht zu fassen das alles noch genauso war wie damals. Ich setzte mich auf die Bettkante und ließ meinen Blick über die Anbauwand wandern. Oben standen präzise aufgereiht Unmengen an Auszeichnungen.
Ich war mir sicher das dies nur ein kleiner Teil war. Im Haus von Rafa standen ja auch noch welche. Zusammengenommen war das schon erschreckend viel was er alles gewonnen hatte in den letzten Jahren. Das war ein Unterschied zu früher, da hatte er auch Auszeichnungen hier stehen aber das waren kleine Pokale und nicht so was wichtiges. Wobei die ganz wichtigen Dinge wie die French Open Pokale und die Wimbledon Auszeichnung auch in Porto Cristo waren.
Hätte mich auch gewundert wenn Rafa die Auszeichnungen seinen Eltern gibt zum Ausstellen. Ich lehnte mich nach hinten und schloss meine Augen.

Epílogo - Rayando por ti

Es war gewissermaßen Schicksal das ich jetzt hier lag. Eigentlich hatte ich Tomeu das alles zu verdanken. Wäre der damals nicht so hartnäckig gewesen, ich wäre nicht zu der Wimbledonfeier gegangen und hätte Rafa höchstwahrscheinlich bis heute nicht gesehen. So oft wie Rafa unterwegs ist wären die Chancen ihn rein zufällig irgendwo zu treffen gleich Null gewesen. Ich musste mich selbst kneifen um die letzten Wochen begreifen zu können. Ich hatte schon vor Jahren die Hoffnung aufgegeben das ich Rafa noch mal sehe und plötzlich bin ich hier in seinem alten Zimmer! Wenn ich so hier liege, kommen mir unweigerlich die Gedanken als ich hier übernachtet habe in den Sinn. War echt eine verrückte und sehr aufregende Zeit.
Wenn man zum ersten mal verliebt ist, ist sowieso alles aufregend und neu. Leider musste ich unweigerlich auch an den Tag denken als ich zum letzten mal hier war. Das Bild von Rafa in Tränen hatte sich in mein Gedächtnis eingebrannt und ich hoffte so was nie wieder zu sehen. Mir wurde schon alleine bei dem Gedanken an den Tag damals mulmig im Bauch.
Obwohl ich mir damals schon geschworen hatte irgendwann wieder hier zu sein dauerte es doch länger als erwartet. Ich wäre natürlich am liebsten sofort wieder hier her gekommen aber ich konnte ja nicht und dann hatte es sich eben verloren im Laufe der Zeit. Ein bisschen Angst vor der Reaktion von Rafa wenn er mich sieht hatte ich ja auch gehabt. Zum Glück ist alles positiv verlaufen. Es war als würde sich hier ein Kreis schließen.

“Schläfst du?” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und schlug meine Augen wieder auf. Rafa stand neben dem Bett und sah zu mir. “No, ich dachte nur nach” Während er sich auf die Bettkante setzte, setzte ich mich auch hin und umarmte ihn von hinten. “Ich war nur eben schockiert über die Auszeichnungen”
Rafa sah nach oben zu dem Schrank wo das ganze Zeug stand. ”Das sind die die ich nirgends unterbringen konnte. Ich habe auch noch welche in Kisten verpackt” ”Ich war ein bisschen überrascht, das sich hier gar nichts getan hat” ”Na ja, ich war ja dann kaum noch hier und als ich ausgezogen bin habe ich sowieso alles neu gekauft also brauchte ich die Möbel nicht. Meine Mutter hängt sowieso an der Einrichtung und wollte alles so belassen wie es war” ”Ich dachte schon es wird eine Art Museum damit die Nachwelt sehen kann wie der großartige Tennisspieler Rafael Nadal mal gelebt hat” ”Mhh, es waren schon mal welche von einer Zeitung hier. Damals habe ich noch hier gewohnt aber heute würde ich niemanden von der Presse in mein Haus lassen. Meine Eltern nutzen das als Zimmer wenn mal Besuch kommt. Hier ist sowieso nichts mehr persönliches von mir abgesehen von den Auszeichnungen”

Ich rückte etwas bis ich neben ihm saß, damit ich sein Gesicht sehen konnte. “Wie lief es denn?” Sein Gesicht war erst ernst aber so langsam konnte er sich ein Lächeln dann nicht länger verkneifen. “Ging schon” Ich rollte mit den Augen und schnappte nach Luft. Ich war total gespannt zu hören was seine Mutter gesagt hat und Rafa sagt ging schon. “Das heißt was?” Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. “Na ja sie war eben erschrocken als sie dich gesehen hat. Ich habe ihr erklärt das wir schon länger Kontakt haben und das keine Kurzschlusshandlung ist” ”Und was hat sie gesagt?” ”Sie hat das Vorgestern nicht so gemeint, sie bereut es inzwischen schon was sie gesagt hat” Langsam wurde mein Lächeln auch breiter.
“Wenigstens etwas!” Rafa lehnte sich nach hinten und zog mich hinterher. “Ich kann mir auch nicht vorstellen, das meine Eltern meinem Glück im Wege stehen. Davon abgesehen hätte ich auch nicht darüber diskutiert. Es ist ja nicht so das ich meine Eltern frage ob sie mit meiner Freundin einverstanden sind. Obwohl es mir lieber ist wenn sich alle verstehen entscheide ich das am Ende alleine” Ich musste gleich wieder schmunzeln, zumindest brauchte ich mir keine Gedanken machen das Rafa nicht zu mir steht.
”Bin ich ja beruhigt!” Sagte ich mit einem breiten Lächeln während ich ihn umarmte. “Ist das schon alles?” Ich küsste ihn verführerisch und löste mich dann sicherheitshalber wieder von ihm. “Ich weiß es zu schätzen das du mich verteidigst” ”Ich verteidige dich nicht, ich liebe dich” ”Ich dich auch” Sein Lächeln ging wieder vom einen Ohr zum anderen, das wollte ich sehen. Ich könnte auf der Stelle schmelzen wenn er mich so anlächelt. Da ich nicht anders konnte, küsste ich ihn wieder. Das ganze geriet nur etwas außer Kontrolle. Mir wurde es doch so langsam wärmer. Ich kam erst wieder zu Besinnung als er meine Hände fest hielt. “Wir ähm, müssen uns leider beherrschen” Ich grinste ihn frech an und küsste ihn kurz am Hals.
“Du willst also nicht wissen was ich jetzt am liebsten mit dir unanständiges anstellen würde?” Fragte ich verführerisch in sein Ohr. “Höre auf!” Kam es nur mit weit aufgerissenen Augen. So einfach ließ ich mich nicht abschrecken und verteilte weiter Küsse auf ihm. Rafa gab dann wohl auf, er ließ meine Hände wieder los und schloss seine Augen. Zu dumm, das wir hier waren! Es fiel mir sehr schwer ihn in Ruhe zu lassen. Da ich nichts mehr machte, schlug er seine Augen wieder auf. Irgendwie war sein Blick aber anders als eben. “Was ist?” Fragte ich dann leicht verunsichert. Sein Lächeln erschien gleich wieder.
“Nada, ich dachte nur eben daran als du damals zum letzten mal hier warst” Ich schob meine Unterlippe vor und sah ihn mit großen Augen an. “Daran dachte ich vorhin auch schon. Ich hätte nicht gedacht das es so lange dauert bis wir uns wieder sehen” Rafa umarmte mich und zog ein ernstes Gesicht. “Ich auch nicht. Ich dachte du machst wenigstens mal Urlaub hier oder so was. Wobei es hätte mich nur noch mehr runtergezogen dich nur für 2 Wochen im Jahr zu sehen” ”Trotzdem hätte ich nie gedacht, das ich überhaupt nicht mehr hier her komme. Ich meine erst leben meine Eltern über 15 Jahre hier und dann kommen sie nie mehr hier her zurück” ”Du bist ja jetzt hier” ”Ja, vielleicht ist es auch was anderes für meine Eltern, die sind ja nicht hier aufgewachsen aber ich kannte ja nichts anderes”
Ich dachte gleich wieder daran, was ich alles verpasst habe in den letzten Jahren. Wer weiß was gewesen wäre wenn ich Rafa eher schon wieder getroffen hätte. Gerade so was wie Wimbledon, da wäre ich schon gerne dabei gewesen. Ich hatte ja die Anfänge seiner Karriere mitbekommen und es dann nur noch im TV verfolgen zu können war schon deprimierend.
Ich litt ja förmlich mit als Rafa im Wimbledon Finale gegen Federer verloren hat und das dann gleich an zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Umso schöner war's sicher dieses Jahr endlich zu gewinnen nachdem es so knapp gewesen war die Jahre zuvor. Wimbledon gab's auch noch nächstes Jahr, vielleicht schaffe ich es ja da hin zu fahren. Die sportlichen Erfolge waren eine Seite, das private eine andere und das konnte ich nicht nachholen.

“Was denkst du?” Rafa strich mit einer Hand durch meine Haare und riss mich so aus meinen Gedanken. “Ich dachte nur daran was in den sieben Jahren alles passiert ist. Ich meine nicht nur deine ganzen Erfolge sondern was so alles noch war” ”Hast du das Gefühl etwas verpasst zu haben?” ”Sí, ich wünschte ich hätte dich eher wieder gesehen. Die Zeit ist ja unweigerlich Vergangenheit” ”Mir wäre es auch lieber gewesen wenn wir uns eher wieder gesehen hätten aber es sollte eben nicht sein. Dafür weiß ich es jetzt umso mehr zu schätzen. Wir haben doch Zeit!” Da hatte er Recht, ich konnte die Vergangenheit nicht haben, wohl aber die Zukunft mit Rafa.
“Mhh” Meinte ich erstmal nur. “Da fällt mir was ein... contigo yo hasta el fin del mundo, contigo yo me perdería, contigo yo quiero todo y nada a medias” Mit dir bis ans Ende der Welt, in dir könnte ich mich verlieren, ich will alles von dir. Ich musste gleich wieder lachen, wie kam er jetzt genau auf das? “Oye mi amor” Sagte ich dann mit einem kichern. Das war ein weiterer Song von Maná und treffender hätte Rafa es nicht ausdrücken können. “Ich wusste das es dir gefallen würde!” ”Sí” ”Ich hätte mir auch selbst was ausgedacht aber so schleimig es klingt, besser könnte ich es auch nicht ausdrücken” “Was für ein Pech auch, dass ich den Song kenne” ”Ach, du meinst, du hättest mir sowieso nicht geglaubt das mir das selbst eingefallen ist?” ”Du warst früher schon schlecht im dichten aber deswegen mag ich dich ja auch so. Nobody is perfect, no?”
Er sah auf seine Uhr und löste sich dann von mir. “Fahren wir zurück nach Porto Cristo? Da haben wir auch unsere Ruhe” Mein Grinsen erschien gleich wieder. Na wenn das keine direkte Einladung war! Ich sprang enthusiastisch auf und zog Rafa vom Bett hoch. “Bueno, lass uns verschwinden!” ”Entspanne dich! Wir haben Zeit no?” ”Stimmt!”



`*~ Fin ~*´

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Das war das letzte Kapitel dieser Story. Ich hoffe ihr habt euch nicht gelangweilt beim lesen. Über hilfreiche Kommentare freue ich mich jeder Zeit.

1 January 2010

Chapter 24

Als ich wieder aufwachte, war etwas an meinem Hals. Da ich aber noch im Halbschlaf war konnte ich es nicht genau zuordnen. Ein paar Sekunden später wurde mir aber klar was es war oder besser gesagt wer. Ich gähnte und schlang meine Arme um seinen Hals. Konnte ich nicht einfach weiter schlafen? Ich habe nichts dagegen wenn er Küsse auf mir verteilt aber ausschlafen wäre eben auch schön gewesen. Da Rafa nicht locker ließ schlug ich meine Augen auf und zog dann ein breites Lächeln. Sein Blick entschädigte mich gleich dafür das er mich geweckt hat. Wenn ich ihn sehe bleibt mir gar nichts anderes übrig als zu lächeln, der Tag fing schon mal gut an.
“Ich dachte schon du wachst nie mehr auf” Kam es dann mit einem frechen Lächeln. Ich zog ihn näher an mich und grinste ihn übertrieben an. “Du lässt ja nicht locker” Er legte seinen Kopf an meine Schulter und umarmte mich soweit das möglich war. Ich ließ meine Augen wieder zufallen und fuhr mit einer Hand durch seine Haare. “Gestern hast du dich ja beschwert weil ich es gewagt habe aufzustehen” Stimmt, das war mir kurz entfallen! “Ich kann sowieso nicht sauer auf dich sein, nicht nach der Nacht” “Mhh, es war fantastisch” “Ich wusste das es dir gefallen würde” Er sagte nichts mehr und blieb an mir liegen. Von mir aus können wir auch den Rest des Tages im Bett bleiben. Ich wollte lieber nicht daran denken das ich heute Abend wieder nach Hause muss. Das schlimme war ja das Rafa jetzt Zeit hatte.
Da er nicht spielen kann bleibt er bis zum Jahresende auf Mallorca. Er fährt zwar kreuz und quer durch Europa verschiedene Auszeichnungen einsammeln aber das waren alles nur kurze Angelegenheiten. Wenn er Turniere spielt liefen die ja immer mindestens eine Woche. Dummerweise konnte ich aber nicht länger frei machen sonst würde ich mich auch für ein paar Wochen nach Mallorca abseilen. Wenn es hilft würde ich auch jedes Wochenende hin und her fliegen, die 2 Stunden Flug waren echt nicht das Thema. Die Idee kam mir jedenfalls so spontan. “Bist du in 2 Wochen am Wochenende hier?” Fragte ich einfach und direkt.
Da ich spürte, das er seinen Kopf anhob, schlug ich meine Augen auf und sah ihn an. “Weiß ich noch nicht genau aber vermutlich schon. Warum?” ”Mhh, ich überlege nur ob ich irgendwann mal wieder für ein paar Tage hier her komme” Sein Lächeln wurde gleich wieder breiter. “Was?” ”Ach nichts, ich habe nur laut nachgedacht” ”Hast du nächstes Wochenende keine Zeit?” Jetzt musste ich aber doch kichern. “Jetzt werde mal nicht gierig! Ich habe extra nicht nächstes Wochenende gesagt damit du nicht denkst das ich dir jetzt jedes Wochenende auf den Geist gehen will” ”Mhh stimmt, jede Woche könnte ich dich nicht ertragen”
Ich zwickte ihn als Antwort in die Seite. “War Spaß! Ich freue mich doch wenn ich dich sehe! Von mir aus kannst du auch bis zum Jahresende hier bleiben” Oh ja, das klang gut! Das wäre direkt was neues, so viel Zeit hatte Rafa in den letzten 15 Jahren nicht mehr gehabt. ”Träume weiter, es klingt gut aber daraus wird leider nichts, ich muss arbeiten” ”Ich kann damit leben dich nur am Wochenende zu sehen, besser als gar nicht. Ich bin auch großzügig und lasse dich hier übernachten” ”Wie nett von dir! Soll ich mich auch noch bedanken dafür?” Sein Grinsen ging vom einen Ohr zum anderen, ich wusste schon was er gleich sagt.
”Ich bin sicher dir wird etwas einfallen. Gestern Abend ist dir ja auch genügend eingefallen um mich zu ärgern” ”Man tut was man kann no?” ”Ich weiß das ich zu nett zu dir bin. Leider kann ich sowieso nicht no sagen und du nutzt das direkt aus” ”Ist doch schön wenn du es einsiehst” Ich sah kurz aus dem Fenster und setzte mich dann hin. “Ich gehe dann mal duschen, du kannst ja noch im Bett bleiben von mir aus” ”Mhh” Ich wickelte das Bettlaken um mich und verschwand in Richtung Bad. Wegen Rafa hätte ich nichts angezogen aber ich wusste ja nicht ob Maríbel nicht auch eben aufsteht.

Als ich fertig war und Rafa sich ins Bad bequemte, hatte ich ein bisschen Zeit mein Zeug alles einzupacken. Zwar flog ich erst heute Abend aber irgendwann musste ich es ja sowieso machen. “Kannst du es gar nicht erwarten wieder hier weg zu kommen?” Ich drehte mich um und sah Rafa in der Tür stehen. “Ja, es ist so langweilig hier” Antwortete ich breit grinsend. Er kam näher und umarmte mich.
“Das kam mir aber gestern Abend anders vor” ”Ich ähm, kann eben gut schauspielern” ”Mache nur so weiter!” Er küsste mich kurz und verschwand dann wieder. Als ich mit allem fertig war lief ich nach unten in die Küche. Rafa saß am Tisch und sah mich mit großen Augen an. Ich setzte mich auch hin und überlegte kurz was das zu bedeuten hatte. “Was?” Fragte ich dann aber da es mir nicht ein fiel. “Ich habe gar keine Lust morgen wieder alleine zu frühstücken” ”Wenn du Glück hast, beehre ich dich nächste Woche wieder mit meiner Anwesenheit” ”Meine Mutter hat übrigens angerufen” ”Und?” Fragte ich weiter.
“Ich weiß nicht was sie wollte, ich habe es nur gesehen in den Anruflisten” ”Vermutlich wird sie mit dir reden wollen” Wie er mit den Augen rollte war so herrlich, das ich gleich kichern musste. “Da wäre ich ja nie drauf gekommen!” Wir ließen das Thema dann erst mal bleiben und frühstückten. Da sie gestern früh schon unangemeldet hier aufgetaucht war, ist ihr inzwischen offenbar selbst klar geworden, das sie überreagiert hat und Rafa zu recht sauer war.
Es würde mich auch wundern, wenn Rafa kein schlechtes Gewissen hätte weil er sie gestern vor verschlossener Tür stehen lassen hat. Ich dachte schon er wartet noch ein paar Tage ab aber zu meiner Überraschung rief er sie dann gleich nach dem Frühstück an um nachzufragen was sie wollte.

Als er wieder auflegte und näher zu mir kam, versuchte ich an seinem Gesicht abzulesen was sie gesagt hatte. “Und?” Fragte ich neugierig. Rafa kam näher und umarmte mich. “Sie hat mich nach Manacor bestellt weil sie nicht am Telefon darüber reden will” Ich fuhr mit meinen Händen seinen Rücken auf und ab und zog ein aufmunterndes Lächeln.
“Klingt doch gut” ”Mhh, ich hoffe wirklich das sie sich beruhigt hat. Wenn nicht, garantiere ich für nichts, ich habe keine Lust Rechenschaft über meine Gefühle abzulegen” ”Hey, das wird schon, sie will dir doch nichts böses” ”Das hoffe ich doch! Dann sollte sie einsehen, dass ich mit dir glücklich bin” ”Das wird schon” ”Willst du mitkommen?” Langsam verschwand mein Lächeln wieder. “Nach Manacor?” ”Sí, ich kann auch heute Nachmittag hinfahren”
Was ich davon halten sollte wusste ich nicht. Vielleicht wär's besser wenn er das erst mal alleine mit seinen Eltern klärt. ”Denkst du das ist eine gute Idee?” ”Warum nicht? Meine Eltern kennen dich doch” Ich rollte mit den Augen und gab es auf. “Bueno, wenn es dich glücklich macht komme ich eben mit” ”Sí also ich meine wenn du absolut nicht willst musst du nicht mitkommen” ”Schon gut, schlimmer kann's ja nicht mehr werden. Hast du in den letzten Jahren schon mal so was gemacht?” ”Was?” ”Sie vor der Tür stehen gelassen” ”Man muss manchmal Prioritäten setzen no? Natürlich mache ich so was sonst nicht. Daher will ich das ja auch schnellstmöglich klären”
Ich löste mich von ihm und sah auf meine Uhr. “Willst du gleich los?” ”Ich dachte heute Nachmittag aber von mir aus können wir auch gleich fahren” ”Ok, ich ziehe mir nur was anderes an. Gib mir 10 Minuten” Ich drehte mich um und verschwand mit einem breiten Lächeln die Treppen nach oben.

Maríbel sah ich direkt auch mal wieder wenn auch nur kurz. Sie kam verschlafen den Gang entlang geschlurft und verschwand ins Bad. Die letzte Nacht war bei ihr wohl etwas länger gewesen. Ich wühlte dann in meinem Koffer und zog ein anderes Oberteil an. So viel hatte ich sowieso nicht mit da ich bekanntlich nur zwei Nächte hier war. Ich warf noch einen kurzen Blick in den Spiegel und ging dann wieder nach unten. Zu meiner Überraschung stand Rafa nicht an der Tür und wartete auf mich. Ich dachte mir nichts weiter und zog mir meine Schuhe an.
Kaum war ich damit fertig, gab sich Señor Nadal auch die Ehre und erschien. “Auch schon da?” Fragte ich breit grinsend. “Ich wusste das du nicht pünktlich bist” Ich zwickte ihn in den Arm und lief immer raus zu seinem Auto. Nach ein paar Sekunden sah ich ihn aus dem Haus kommen. “Höre auf mich immer zu zwicken. Die Leute denken noch was wenn ich überall blaue Flecke habe” ”Sage doch das du es verdient hast” Er schnitt mir eine Grimasse und stieg ein. “Vielleicht hat meine Mutter ja Recht, du übst nur schlechten Einfluss auf mich aus!”
Da er noch lächelte, war mir klar das er das als Scherz sagte. ”Endlich siehst du es ein! Du solltest auf deine Mutter hören! Ich suche mir dann eine andere berühmte Geldquelle” ”Ich kann dich ja weiterempfehlen” Ich war eben dabei meine Hand anzuheben als er nach meinem Handgelenk griff bevor ich etwas tun konnte. “Lasse mich los!” ”Erst wenn du versprichst nicht nach mir zu schlagen!” ”Stell dich nicht so an, so wehrlos bist du nun auch nicht. Du tust ja gerade so als würde ich dich verprügeln!”
Ich hätte jetzt auch sagen können das doch alle anderen Leute nett genug zu ihm sind. Außerdem war doch alles nur Spaß. Ich dachte er fährt mal los aber er sah wieder zu mir. “Ich ähm hoffe das es nicht schief geht” ”Hey, das wird schon” “Ich also na ja ich habe dir damals nicht alles erzählt was meine Eltern betrifft als ich mich von Marina getrennt habe” Kurz dachte ich nach. “Wieso?” Fragte ich vorsichtig, er hatte mir erzählt das seine Eltern nicht ganz so ausgeflippt sind wie er befürchtete. “Meine Mutter ist damals ziemlich ausgeflippt. Ich wollte dich nur nicht beunruhigen. Die konnte das absolut nicht verstehen, sie hat mir vorgeworfen das ich ihre Freundschaft zerstören wällte” ”Mit der Mutter von Marina?” ”Sí, die hatten sich alle unheimlich lieb gegenseitig. Ich hätte nicht gedacht, das meine Mutter so am Rad drehen würde aber es ist mir egal. Ich liebe dich und daran wird sich auch nichts ändern” “Ich liebe dich auch” “Dazu hat mir Maribel noch die Hölle heiß gemacht” Wie gut das er das ansprach!
Ich hatte mich vorhin schon gewundert über ihr Verhalten. Ich dachte sie ist sauer auf mich weil ich die Beziehung von Rafa mit Marina auf dem Gewissen habe. “War sie nicht sauer als du gesagt hast das du dich von ihr trennst?” ”Sauer ist noch untertrieben, die ist regelrecht ausgeflippt” “Kann ich verstehen, ich meine wenn sie mit Marina befreundet ist“ “Das ist mir egal, sie kann befreundet sein mit wem sie will von mir aus. Niemand schreibt mir vor mit wem ich zusammen bin und ich diskutiere da auch nicht. Nachdem sie eine Weile Terror gemacht hat und dich für alles verantwortlich machen wollte habe ich ihr angedroht sie rauszuschmeißen. Das sie meine Schwester ist gibt ihr nicht das Recht sich in meine Angelegenheiten einzumischen”
Mein Gesicht wurde sich immer schockierter. Wieso hatte er nichts gesagt davon? “Was hast du?” Fragte ich überrascht. “Mir blieb keine Wahl. Soweit kam es zum Glück dann nicht und alle haben sich wieder beruhigt. Sie hat inzwischen eingesehen, das es mit Marina sowieso nicht geklappt hätte unabhängig davon ob du aufgetaucht wärst oder nicht” “Warum hast du nichts gesagt davon?” ”Weil ich nicht wollte, das du dir die Schuld gibt's an allem” Ich schüttelte langsam mit dem Kopf und sah auf die Straße.
“Ich wusste ja nicht was das auslöst. Meine Eltern haben jedenfalls nicht so einen Aufstand gemacht als mit Alex Schluss war. Ich meine so eng war die Bindung zwischen unseren Eltern auch nicht. Eine Hochzeit war jedenfalls nicht mal ansatzweise Thema bei uns” ”Na ich wollte das auch nicht, ich habe keine Lust schon mit 22 zu heiraten, dafür ist später noch genug Zeit. Meine Eltern wollten mich in die Richtung drängen weil sie Marina für die perfekte Schwiegertochter hielten” “Dumm gelaufen” ”Kannst du laut sagen” Er sagte nichts mehr und fuhr los.

Na da war ich ja mal gespannt, was das jetzt gleich werden würde mit seiner Mutter. Ich denke nicht das sie sich traut noch mal nachzulegen, Rafa würde dann wohl so richtig ausflippen. Sie hat wahrscheinlich eingesehen, das sie nicht auf Rafa einreden kann in der Beziehung. Schneller als erwartet waren wir in Manacor. Ein bisschen aufgeregt war ich jetzt schon. Als er anhielt sah Rafa zu mir rüber.
“Bist du auch so gespannt?” Ich konnte mir ein kurzes Lächeln nicht verkneifen. “Mhh, ich kann's kaum erwarten” Wir stiegen aus und liefen zum Haus. Während wir liefen nahm Rafa seine Hand in meine. Ich sagte erst mal nichts. Er wollte wohl um jeden Preis klarstellen, das er nicht noch mal wegen mir diskutieren will. Ich blieb wieder hinter ihm stehen als er klingelte und holte tief Luft. Nach ein paar Augenblicken ging die Tür auf und Ana Maria sah uns an.
“Hola, ich dachte ihr kommt erst heute Nachmittag” Wir grüßten zurück und liefen dann ins Haus. Wie sich dann rausstellte, war niemand weiter da. Maríbel war ja noch in Porto Cristo und sein Vater war wohl ausgeflogen. Direkt mit der Tür ins Haus fallen wollte Rafa wohl auch nicht also liefen wir seiner Mutter nach, die zielstrebig in Richtung Küche ging. Ich hielt seine Hand fest das Rafa stehen bleiben musste. Er drehte sich zu mir um und sah mich fragend an. “Kläre das ruhig erst mal alleine mit ihr” Ich hatte von Anfang an geplant mich da auszuklinken. Ich will nicht danebenstehen und zugucken wie Rafa mich gegenüber seiner Mutter verteidigt.
“Was willst du derweil machen?” ”Ich ähm, gehe mal nach oben und sehe mich in deinem alten Zimmer um wenn du nichts dagegen hast” Er rollte zwar mit den Augen aber wenigstens lächelte er dann. ”Wie du meinst. Ich komme dann nach oben” ”Ok” Ich drückte ihm einen Kuss auf die Wange und ließ ihn alleine.

25 December 2009

Chapter 23

Wir redeten dann natürlich nicht weiter über den Vorfall. Die Seite war mir neu an Rafa, normalerweise hing er sehr an seiner Familie daher erstaunte mich sein Verhalten ja auch so. Da wir ja heute Zeit hatten, starteten wir Tomeu und ein paar anderen Leuten einen Besuch ab und verkrümelten uns dann nach Palma. Rafa fiel ja überall auf daher mieden wir große Menschenansammlungen wobei sowieso eben wenig Touristen unterwegs waren.
Die Sommer-Saison war offiziell letzte Woche zu Ende gegangen und die meisten Hotels machen jetzt zu und öffnen erst nächstes Jahr im März wieder. Im Winter gehört die Insel praktisch den Einheimischen obwohl nach wie vor täglich Flüge in alle deutschen Städte angeboten wurden. Ganz ohne Autogramme schreiben und Fotos kam Rafa nicht aus aber es hielt sich in Grenzen. Das war irgendwie komisch das er Autogramme schreiben musste.
Natürlich wusste ich wie bekannt er ist aber früher hat es keinen Menschen gekümmert wenn Rafa irgendwo ist und plötzlich rasten alle aus wenn er irgendwo auftaucht. Es war was anderes zu wissen wie bekannt er ist und das dann auch mit eigenen Augen zu sehen. Wenigstens hatten wir am Hafen unsere Ruhe.
Es war richtig schön, auf der einen Seite konnte man direkt aufs Meer sehen und auf der anderen Seite Palma. Von hier aus ist der beste Platz um die Kathedrale zu fotografieren. Vereinzelt liefen hier auch Touristen umher und machten Bilder aber die beachteten uns nicht weiter.

Ich war schon heilfroh, das heute Abend direkt mal nichts an lag. Vorsichtig wagte ich es daran zu denken, das ich Rafa mal für eine Weile für mich alleine habe. Früher hätten wir jetzt die Chance genutzt und wären irgendwohin gegangen aber wir zogen es vor uns in seinem Haus zu verkriechen. Ich hatte mich schon gefragt wozu Rafa einen Kamin im Haus brauchte.
Zum Heizen sicher nicht denn dafür war ja die Fußbodenheizung da. So kalt war es auch nicht aber das konnte sich echt sehen lassen. Es kam gleich dieser typische Geruch nach verbranntem Holz, ich fühlte mich gleich wie in einer Berghütte in den Alpen. Dabei dachte ich unweigerlich an Alex. Wo ich mit ihm in Österreich im Urlaub war gab's auch einen Kamin daher erinnerte ich mich jetzt daran. Obwohl ich es doch vorziehe mit Rafa vorm Kamin zu sitzen und nicht mit Alex.
“Mir kommt's vor als wäre ich in Österreich” Rafa zog ein Lächeln und sah zu mir. “Wieso?” ”Der Kamin erinnert mich irgendwie an eine einsame Berghütte. Ich war im Februar dieses Jahr Ski fahren in Österreich und da gab's auch einen Kamin” ”Mit Juli?” ”No, mit Alex” Ich sah schon wie sein Lächeln verschwand.
“Oh, ich ähm wollte nicht neugierig sein” Ich wunk ab und trank einen Schluck. “Schon gut” Rafa rückte näher zu mir und umarmte mich. Erst mal blieb ich sitzen und wollte mich überraschen lassen was das wird. “Hast du jemals daran gedacht wieder hier her zu ziehen?”

Ich musste das kurz sacken lassen und drehte dann meinen Kopf zu ihm. “Was?” Fragte ich etwas schockiert und verunsichert was das jetzt werden sollte. “Du musst keine Angst kriegen, ich frage nur so allgemein” ”Also so richtig habe ich da nicht drüber nachgedacht bisher. Ich habe mich ganz gut eingelebt in Deutschland. Ich will nicht sagen das ich es nie machen werde aber ich hatte es nicht vor demnächst wieder hier her zu ziehen”
Rafa lächelte zwar noch aber es sah anders aus als vorher, ein wenig verkrampft irgendwie. Ich wurde das Gefühl nicht los das er sich eine andere Antwort von mir erhofft hatte. Damit es nicht zu Missverständnissen kommt wollte ich gleich Klarheit schaffen. Ich umarmte ihn und konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. “Das sollte nicht heißen das ich nicht ab und zu mal hier her komme um dich zu besuchen” Im nächsten Augenblick wurde sein Lächeln wieder breiter. “Bin ich ja beruhigt” ”Wenn ich schon mit dir zusammen bin, will ich dich auch ab und zu mal sehen” ”Mhh, vielleicht hast du Glück und ich lasse dich ab und zu hier übernachten”
Da er mir zu frech war zwickte ich ihn in die Seite. “Das erwarte ich doch!” ”Stellst du jetzt Forderungen?” ”Ich war schon immer Besitzergreifend” Der Satz passte zu der Umarmung daher musste ich kichern. “Damit kann ich leben” Da er mich so anstrahlte, konnte ich nicht anders und musste ihn einfach küssen. Von mir aus hätten wir damit nicht wieder aufhören müssen aber Rafa löste sich dann wieder von mir und sah mich mit großen Augen an. Ein wenig verwirrt war ich schon, es war als wollte er etwas sagen und weiß nicht wie er anfangen soll. Der Blick hatte echt was, ich könnte mich total vergessen wenn er mich so ansieht. Als er mit seiner Hand ein paar Haarsträhnchen aus meinem Gesicht strich, legte ich meine Hand über seine.
“Willst du etwas sagen?” Fragte ich dann leise aber direkt. Sein Lächeln erschien gleich wieder. “Wie kommst du darauf?” ”Ich kenne dich eben” Sagte ich nur mit einem frechen Lächeln. “Das ist ja auch das schöne, ich kann irgendwie nicht richtig glauben das du hier bist. Ich meine, das ist zu gut um wahr zu sein” Ich sah in seine Augen und schmolz auf der Stelle dahin. “Ich fühle mich als wenn ich wieder 16 wäre” Sagte ich mit einem breiten Lächeln und spürte wieder das Kribbeln im Bauch das ich immer kriege wenn ich Rafa sehe.
“Das geht mir schon länger so. Ich habe schon seit Ibiza die Tage gezählt bis ich dich wieder sehe. Ich hatte schon Entzugserscheinungen von dir” ”Mhh, früher haben wir uns ein bisschen öfters gesehen. Ist blöd das ich immer Urlaub machen muss und nicht mal länger hier bleiben kann” ”Würdest du länger bleiben wenn du Zeit hättest?” ”Wenn du hier bist schon. Ich habe eigentlich keine Lust auf eine Wochenendbeziehung weil ich es hasse wenn ich mich von dir verabschieden muss” Mir fiel erst nach ein paar Minuten auf, das Rafa gar nichts mehr gesagt hatte. Ich löste mich etwas aus seiner sehr bequemen Umarmung und sah in sein Gesicht. Er sah auf das Feuer im Kamin und schien Gedanklich ganz weit weg zu sein.
So Gedankenverloren sieht er irgendwie gut aus und obwohl ich ihn eigentlich nicht stören wollte, küsste ich ihn am Hals. Ich konnte nicht anders, es fiel mir schon schwer nicht gleich über ihn herzufallen, ich bekam nie genug von ihm. “Meine Mutter glaubt das du hier bist weil ich so erfolgreich bin”

In der nächsten Sekunde änderte sich meine Laune ein wenig. Hatte ich das eben richtig verstanden? Das war so heftig, das ich erst mal schlucken musste. Für den Moment war ich einfach sprachlos. Ich muss zugeben, das mich das gewissermaßen wirklich traf. Das sie ausgerechnet mir vorwirft das ich nur auf den Star Rafael Nadal aus wäre konnte ich nicht glauben. Früher kam ich eigentlich gut aus mit ihr, sollte ich mich wirklich so in ihr getäuscht haben? “Diana” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah wieder zu Rafa.
Mir wurde das alles ein bisschen zu viel für den Moment. Ich wollte ein wenig weg rücken aber Rafa ließ mich nicht los, im Gegenteil, je mehr ich versuchte wegzurücken desto mehr umarmte er mich. “Ich weiß, dass es dir nicht darum geht. Ich kann mir echt nicht erklären wie die auf so was dummes kommt, ich kam nicht wirklich dazu genaueres zu erklären. Ich weiß, dass du die allerletzte wärst die auf mein Geld aus ist”
Ich war schon froh das Rafa das nicht auch glaubte aber das konnte ich wohl auch erwarten das er es besser wusste. So richtig freuen konnte ich mich trotzdem nicht. Nach ein paar Minuten hatte ich mich wieder etwas gefangen. Ich schluckte noch mal und sah ihn ernst an. “Hat sie das gestern Abend gesagt?” ”Sí, das war aber nicht der einzige Grund warum ich so sauer auf sie bin” Ich sah ihn nur an und war mir nicht sicher ob ich das hören wollte.
Was konnte da noch kommen um das zu steigern? “Was denn dann?” Fragte ich mit einem dicken Klos im Hals. “Sie fing wieder an mit Marina weil sie wohl nicht wahr haben will, das es vorbei ist mit ihr. Ich habe dann gesagt das ich mit dir zusammen sein will und nicht mit Marina...” Rafa ließ seinen Blick nach unten wandern und sah auf meine Hände. “...sí und dann hat sie gesagt das du ja sowieso nur mal hier her kommst um Urlaub zu machen. Die hat doch allen ernstes gefragt wieso ich mit dir zusammen sein will” Ich ließ das alles sacken und merkte dann das er mich wieder ansah und nach meiner Hand griff.
“Diana, ich liebe dich. Obwohl ich keinen Kontakt hatte zu dir konnte ich dich nicht vergessen. Ich meine, ich habe alle Freundinnen die ich nach dir hatte an dir gemessen aber du bist was Besonderes. Dich gibt es kein zweites mal. Du bist die einzige Frau mit der ich mir vorstellen kann länger zusammen zu sein. Als du im Sommer plötzlich hier warst, wusste ich gar nicht was ich zuerst denken soll. Ich hätte nicht gedacht das ich dich jemals wieder sehe und dann standest du plötzlich vor mir. Mir wurde dann erst später als du wieder weg warst klar, das ich mit dir zusammen sein will daher habe ich auch so genervt das du hier her kommen solltest, ich wollte dich einfach sehen. Es mag sich komisch anhören aber das mit Marina war schon vorbei als ich dich das erste mal wieder gesehen habe. Was auf Ibiza abgelaufen ist tut mir ja auch leid aber ich konnte nicht anders. Wenn du mich hättest abblitzen lassen hätte ich Pech gehabt aber ich hätte es mir nie verziehen wenn ich es nicht versucht hätte”
Ich brauchte ein paar Sekunden um zu realisieren was er eben gesagt hatte. Wie oft hatte ich mir gewünscht das von ihm zu hören! Es klang richtig gut, besser als vor sieben Jahren. Nicht das ich ihm das damals nicht glaubte aber ich wusste, das er es jetzt ernst meint. “Ich liebe dich Rafa” Sagte ich mit einem vorsichtigen Lächeln nach ein paar Sekunden. Kurz huschte ein Lächeln über sein Gesicht aber leider eben nur kurz.
“Ich habe wortwörtlich zu meiner Mutter gesagt das ich mit dir zusammen sein will weil ich dich liebe. Tja und dann hat sie gemeint das du nur auf meinen Erfolg aus bist. Damit war die Diskussion für mich sofort beendet” Ich sah schon an seinem ernsten Gesicht, das ihn das ziemlich beschäftigte. Was ich jetzt sagen soll wusste ich auch nicht so richtig. Vielleicht war das eine Verzweiflungstat von ihr das sie dachte das Rafa es sich noch mal anders überlegt wenn sie nur lange genug auf ihn einredet?
Sie hat sicher nicht damit gerechnet das er so reagiert. Ihr hätte aber doch klar sein müssen das er mich niemals mitgenommen hätte wenn ich ihm nichts bedeuten würde. Rafa hat noch nie jemanden nur aus Spaß seinen Eltern vorgestellt.

Da mir das schweigen zwischen uns zu unangenehm wurde, rückte ich so nah es ging an ihn und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Mir war klar das nicht alle davon begeistert sind das wir zusammen sind aber ausgerechnet seine Mutter... Ich wäre die letzte Person die Rafa etwas Schlechtes will. Mir war's auch egal was er macht, das scheint seine Mutter nur nicht zu kapieren. Ich wäre auch mit ihm zusammen wenn er gar kein Geld hätte.
Ich hob meinen Kopf wieder von seiner Schulter und sah ihn an. “Wissen deine Eltern das ich auch auf Ibiza war?” ”No” ”Vielleicht war sie ja nur erschrocken mich zu sehen. Wenn sie nichts von Ibiza weiß, könnte es wirklich komisch aussehen” ”Bist du auf ihrer Seite?” ”No aber ich kann mir nicht erklären wie die auf so was kommt. Ich habe gar nichts gemacht. Vielleicht dachte sie du überlegst es dir noch mal” ”Ich liebe dich, es gibt nichts zu überlegen. Ich hätte damals als du weg musstest kaum so reagiert wenn mir das nichts bedeutet hätte und das müsste sie eigentlich wissen. Ich meine ich kann meine Gefühle nicht abstellen und das wir uns nicht gesehen haben ändert nichts daran” ”Schon aber das waren sieben Jahre. Ich meine, Menschen verändern sich, sie dachte sicher das wir keinen Kontakt mehr haben”
”Das ist mir klar aber ihre Reaktion ist unverzeihlich. Das fühlte sich an wie eine Ohrfeige” Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ein vorsichtiges Lächeln. “Das war ziemlich daneben das kann ich verstehen aber sie wird sich schon daran gewöhnen” ”Mich wundert deine Reaktion” ”Ich will nur nicht das du dich wegen mir mit deinen Eltern streitest” ”Was soll ich machen? So tun als wäre nichts gewesen?” ”No aber versuche mal dich in deine Mutter reinzuversetzen. Du tauchst aus heiterem Himmel nach sieben Jahren plötzlich mit mir auf. Dachtest du das es niemanden wundert? Ich weiß ja nicht was sie glaubt warum ich hier bin. Du weißt ja wie das ablief damals. Sie hat sicher Angst das so was noch mal passiert”
Je mehr ich sagte, umso zerknirschter wurde sein Gesicht. “Kann schon sein aber muss ich mir dann so was anhören von ihr?” ”Sie wusste sich sicher nicht anders zu helfen und war etwas überrumpelt” ”Ich hoffe das du Recht hast” ”Rede mit ihr und mache ihr klar, dass du es ernst meinst” ”Und wie wenn sie so antwortet?” ”Das meine ich. Erzähle doch mal alles, sage doch das ich auch auf Ibiza war und das ich im Sommer schon mal hier war. Ist doch sowieso egal jetzt wenn alles raus kommt” Sein Augenrollen fasste ich als Kapitulation auf.
“Ok, vielleicht hast du ja Recht” Ich zog gleich ein Lächeln. “Klingt doch schon besser!” ”Ich finde das trotzdem nicht ok was sie gesagt hat, alleine schon die Frage warum ich mit dir zusammen bin war dämlich” ”Das haben Eltern so an sich, die lieben es dumme Fragen zu stellen. Ich habe da auch viel Erfahrung gemacht” Langsam wurde sein Lächeln dann wieder breiter. “Du schaffst es echt jede noch so beschissene Situation so zu drehen das was gutes raus kommt am Ende” ”Das habe ich von dir. Denke an el mago Toni” ”Muchas gracias das du mich daran erinnerst!” Es gab da eine echt niedliche Geschichte vom Zauberer Toni.
Rafa war damals acht Jahre alt und lag bei einem Spiel 0 - 3 zurück. Da er aufgeben wollte hatte Toni behauptet das er zaubern könne und das er es regnen lässt damit Rafa sich ein bisschen erholen konnte. Natürlich glaubte Rafa das sofort und als es tatsächlich regnete sagte er zu Toni das er den Regen stoppen kann weil er jetzt gewinnt. Gewonnen hatte er dann auch tatsächlich und so kam Toni zu seinem Spitznamen hechicero.
Die Geschichte war seither zum running gag im Freundeskreis geworden. “Wie schade das ich dich da noch nicht kannte, das hätte ich zu gern gesehen!” ”Immer lache” Ich konnte leider nicht anders und hielt mir schon den Bauch vor lachen. “Es tut mir leid” Sagte ich halbherzig und lachte weiter. “Sollte es auch!” ”Warum?” Fragte ich unter weiterem kichern. “Wir könnten zum Beispiel getrennt schlafen” Ich nutzte mein ganzes schauspielerisches Talent und zog ein total schockiertes Gesicht. “No! Das geht doch nicht. Was glaubst du warum ich hier bin?” Inzwischen ging sein Grinsen vom einen Ohr zum anderen.
”Ach so ist das!” Sein Gesicht war so herrlich, ich würde am liebsten über ihn herfallen wenn er mich so an sieht. ”Mhh, so ist das. Wegen deiner Knieverletzung bin ich sicher nicht hier, darüber hätten wir auch am Telefon reden können” ”Warum bist du denn dann hier?” Da er mich so gespannt an sah, konnte ich nicht anders und küsste ihn verführerisch. “Lass dich überraschen” Flüsterte ich in sein Ohr während ich meine Hände unter seinem Hemd verschwinden ließ. “Ich liebe Überraschungen von dir” Kurz kam mir in den Sinn was ganz böses zu tun. Ich könnte ihn doch erst heiß machen und dann abblitzen lassen. Das würde nur daran scheitern, das ich mich selbst nicht mehr unter Kontrolle habe. Mir fiel es ja schon schwer die Situation unter Kontrolle zu halten.
Was ich meine ist das Rafa Küsse auf mir verteilt und ich dann alles um mich rum vergesse. Warum musste er auch immer so schöne warme Hände haben? Mir wurde es direkt wärmer, woran das wohl lag? Es ist doch immer das gleiche, Rafa übernimmt liebend gerne die Kontrolle daher war's auch schwierig ihn davon abzuhalten. Er schob mein Oberteil nach oben und verteilte Küsse rund um meinen Bauchnabel.
Das tat richtig gut und ich musste mich schon beherrschen ruhig liegen zu bleiben. Bevor ich dazu kam das total zu genießen hörte er aber auf. Ich kam wieder zur Besinnung und schlug meine Augen auf. “Wo willst du hin?” ”Wir ähm, sollten vielleicht besser nach oben verschwinden bevor Maríbel uns auch noch überrascht und darauf bin ich nicht sehr scharf” ”Ok” Ich stand auf und stolperte engumschlungen mit Rafa nach oben.

“Diana” Ich wurde aus einem leichten Dämmerschlaf gerissen und schlug meine Augen auf. Es war zwar dunkel aber es schien durch die Fenster etwas Licht rein. Rafa lag auf der Seite direkt an mir und sah mich an. Sein Blick verschlug mir kurzfristig die Sprache, so sah er auch aus als er Wimbledon gewonnen hatte. “Mhh?” Fragte ich dann leise. Statt etwas zu antworten küsste er mich sanft. Wenn er damit nicht gleich aufhört, komme ich nur wieder auf dumme Gedanken. Ich war sowieso eben total glücklich, am liebsten würde ich ewig in seinen Armen liegen bleiben. Er fuhr dann mit einer Hand durch meine Haare und sah mich an.
“Ich wünschte wir könnten uns öfters sehen” ”Warum? Bist du sexsüchtig?” Fragte ich trocken zurück. Seinem Lächeln nach zu urteilen verfehlte der Satz seine Wirkung nicht. “No aber mir fehlt das richtig. Ich habe keine Lust wochenlang darauf zu verzichten, das tut zu gut. Das ist das einzige negative an dem ganzen, wenn du hier bist wird mir nur bewusst auf was ich alles verzichte” ”Also doch sexsüchtig” ”Wenn du es so bezeichnen willst. Ich liebe dich und ich liebe es noch viel mehr mit dir zu schlafen. Die Nacht mit dir auf Ibiza, war irgendwie unrealistisch. Ich hätte nie geglaubt das ich die Chance bekomme dir zu zeigen das ich dich liebe”
Mein Gesicht wurde dann wieder Ernst weil das Thema war zu Ernst war um es ins lächerliche zu ziehen. “Wann ist dir denn klar geworden das du mich liebst?” “Mhh, gute Frage! Ich glaube in dem Moment als ich dich gesehen habe in Manacor, daher war ich auch so schockiert darüber dich zu sehen. Ich dachte ich wäre darüber hinweg aber mir wurde ziemlich schnell klar das es nicht so ist” ”Mhh, wenn das so ist, muss ich wohl öfters mal hier her kommen. Ich spiele doch gerne deine Freizeitbeschäftigung”
Sein freches Grinsen erschien gleich wieder. ”Das klingt ja fast so als würdest du das nur tun um mir einen Gefallen zu tun!” Ich musste kichern und küsste ihn kurz. “Wenn du das glaubst, kennst du mich wirklich schlecht” ”Vielleicht sollte ich ja petzen gehen” ”Klar, gehe doch zu deiner Mutter und sage ich würde nur mit dir schlafen um dich bei Laune zu halten. Dann bringt sie mich gleich persönlich um” ”Also das will ich mir besser gar nicht erst vorstellen. Die muss ja nicht alles wissen außerdem liebe ich es wie du mich in den Wahnsinn treibst” ”Mhh, lass sie ruhig in dem Glauben das wir Karten spielen” ”Du meinst so wie vor sieben Jahren oder wie? Ich bezweifle nur das uns die Unschuldsnummer jetzt noch einer abnehmen wird”
Als ich daran dachte wie seine Eltern reagiert hatten als er mehr oder minder um Erlaubnis gefragt hat ob ich bei ihm übernachten darf, musste ich gleich wieder lachen. Erst haben sie sich ja standhaft geweigert mich übernachten zu lassen aber Rafa konnte schon immer gut nerven. Sein Vater meinte es wohl besonders gut und nötigte Rafa zu einem oberpeinlichen Vater-Sohn Aufklärungsgespräch. Wie schade das ich da nicht dabei war, ich konnte mich kaum halten vor lachen als Rafa mir hinterher davon erzählte.
“Denke an deinen Vater!” Sagte ich dann nur mit einem amüsierten kichern. “Erinnere mich nicht daran! Das war ein Desaster! Peinlicher ging es ja wohl nicht mehr. Ich habe heute noch Albträume davon” ”Er hat es doch nur gut gemeint” ”Sicher, du wurdest ja dann auch nicht verhört. Ich kam mir vor wie im falschen Film, hätte nur noch gefehlt das er mit Bienchen und Blumentöpfen anfängt” ”Wenigstens hatten wir dann was zu lachen” ”Obwohl meine Mutter auch nicht schlecht war. Die sah mich an als hätte ich den Weltuntergang verkündet dabei wollte ich nur fragen ob du bei mir übernachten darfst. Hätte ich gewusst das meine Eltern dann gleich am Rad drehen, hätte ich das anders gemacht” ”Die hatten wohl Angst das sie neun Monate später auf eine Miniausgabe von dir aufpassen dürfen” ”Ich hatte nicht vor mit 16 mit der Familienplanung anzufangen”
In der Hinsicht war ich froh das ich keine 16 mehr war. Es hätte ja nur noch gefehlt, das seine Mutter mich dafür verantwortlich macht weil sie glaubt, dass ich Rafa zu irgendwas dränge.

20 December 2009

Chapter 22

Ich sah schon wie er leicht genervt mit den Augen rollte als er mich sah. “Bin fertig” Sagte ich breit grinsend und blieb vor ihm stehen ohne weiter auf sein Augenrollen einzugehen. “Ein Wunder” Kam es dann trocken. Ich sah kurz an ihm nach unten, er hatte auch Jeans an und dazu eine schwarze Jacke. “Ist es dir egal was ich anziehe?” Fragte ich übertrieben. ”Willst du eine ehrliche Antwort auf die Frage? Von mir aus musst du auch gar nichts anziehen” ”Ich denke nicht das deine Eltern davon begeistert wären” In der nächsten Sekunde ging sein Lächeln vom einen Ohr zum anderen. “Ich würde mich umso mehr freuen” ”Sieht dir ähnlich! Aber wir kommen ja auch mal wieder hier her, no?” ”Ich kann's kaum erwarten! Ich verstehe sowieso nicht, was ihr Frauen immer stundenlang im Bad veranstaltet. Du siehst doch auch so umwerfend aus”
Ich rollte mit den Augen und hakte mich bei ihm ein. ”Du verstehst das eben nicht! Lass uns gehen oder wir kommen erst morgen früh in Manacor an” ”Sí wie Madame wünschen” ”Wo ist eigentlich Maríbel? Kommt die nicht mit?” ”No, sie hat was Besseres vor außerdem wäre die drei Stunden lang im Bad, gegen die bist du noch schnell. Ich würde mich ja auch gerne drücken und mit dir hier bleiben aber ich bin ja sonst auch nie da. Meine Eltern haben mich sozusagen gezwungen da aufzutauchen. Nicht das du denkst ich ziehe eine Familienfeier einem gemütlichen Abend mit dir vor”
”Ich fühle mich geehrt” Meinte ich mit einem Augenrollen. Zu wissen das Rafa auch lieber hier bleiben würde nutzt mir leider wenig. Wir liefen also raus zu seinem Auto und stiegen ein.

Je näher wir nach Manacor kamen umso aufgeregter war ich. Wie würde seine Mutter wohl auf mich reagieren? Da ich ihn überredet hatte, hat Rafa wenigstens vorhin angerufen und gesagt das er noch jemanden mitbringt auch wenn er nicht sagte wen. Seine Eltern glauben jetzt sicher das Rafa eine neue Freundin vorstellen will und sind schon ganz gespannt. Er hätte doch wenigstens eine vage Andeutung machen können, ich bin ja gespannt wie sie auf mich reagieren. Mein Hals war schon ganz trocken als wir in Manacor vor dem Haus seiner Eltern ausstiegen. Ich sah am Haus nach oben und schluckte dann erst mal kräftig. Das ich hier noch mal mit Rafa zusammen stehe, hätte ich mir auch nie zu träumen gewagt.
Ein bisschen mulmig war es mir schon im Bauch, ich wollte das eigentlich gar nicht. Jetzt wo wir hier waren, könnte ich mich selbst dafür verfluchen das ich mich von Rafa überreden lassen habe. Freiwillig wäre ich niemals mitgegangen, ich mache das nur weil Rafa unbedingt will das ich mitkomme. “Alles ok?” ”Mhh” Machte ich nur mit einem nervösen Lächeln. Er nahm meine Hand in seine und zog ein breites Lächeln. “Hey, es wird schon schief gehen. Die kennen dich doch außerdem bin ich ja auch noch da” ”Hoffentlich hast du Recht” Ich ließ Rafa den Vortritt und lief ihm nach. Wir hätten auch Hand in Hand da auftauchen können aber wir mussten ja nicht gleich übertreiben. Rafa hatte zwar sicher einen Schlüssel aber er klingelte trotzdem.
Ich holte tief Luft und redete mir ein jetzt ganz ruhig zu bleiben. Nach ein paar Sekunden ging die Tür auf und seine Mutter Ana Maria sah uns an. “Hola Rafael” Sagte sie mit einem Lächeln und sah dann an Rafa vorbei zu mir. In der nächsten Sekunde entgleisten für einen Moment ihre Gesichtszüge aber sie lächelte weiter und versuchte sich nichts weiter anmerken zu lassen. “Diana? Das ist ja eine Überraschung! Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet” Ich sah mich zu einer Reaktion gezwungen. „Hola” Sagte ich erst mal nur und rang mir mühsam ein Lächeln ab. Mir war natürlich nicht danach aber the show must go on! Sie ließ uns rein und sah dann fragend zwischen mir und Rafa hin und her. Rafa zog sich seine Schuhe aus und sah dann zu seiner Mutter. “Kann ich das später erklären?” “Natürlich”
Mit einem Lächeln verschwand sie wieder in Richtung Küche. Ich blieb stehen und sah zu Rafa. Er zuckte nur mit den Schultern und zog sich seine Jacke aus. “Ich würde sagen die Überraschung ist uns gelungen” ”Mhh” Machte ich mit einem angestrengten Lächeln. Da hatte er mehr als Recht. Ich war mir nicht sicher, ob der Gesichtsausdruck als sie mich erkannte positiv oder negativ zu interpretieren war. So wirklich begeistert sah sie ja nicht aus als sie mich erkannte. Vielleicht mache ich mir auch wieder mal viel zu viele Gedanken.

Das Staunen war erst mal groß als auch die letzten verstanden hatten, das ich nicht so eine Art neue Freundin war sondern eine alte Bekannte wenn man das so bezeichnen will. Ich hätte selbst nie für möglich gehalten das ich hier noch mal bin. Früher war ich ja öfters hier aber das war lange her. Der Vater von Rafa Sebastían machte auch ein überraschtes Gesicht aber im positiven Sinne und nicht so verdächtig wie Ana Maria.
Wir setzten uns dann hin und machten gute Mine zum bösen Spiel, ich zumindest, Rafa schien sich gleich heimisch zu fühlen. Die Großeltern von Rafa und Toni mit seiner Familie waren ja auch noch da, ich fürchtete schon das der Abend sich lange hinziehen würde. Das war ja nicht wie in Deutschland das nach dem Essen jeder in seine Wohnung verschwindet. Nach spanischer Tradition konnte sich alleine das Essen über Stunden hinziehen.

Es fragte erst mal niemand wie es jetzt dazu kam das ich plötzlich mit Rafa hier aufgetaucht bin. Toni sah ab und zu interessiert zu mir aber ich ging mal davon aus das Rafa ihn schon vorher aufgeklärt hatte. Die sahen sich schließlich fast jeden Tag. Vielleicht warteten die ja alle auf eine Erklärung von Rafa aber der sah irgendwie nicht aus als wenn er vor hätte alles groß und breit zu verkünden. Im Gegenteil, er verlor kein Wort darüber wie es dazu kam das ich plötzlich hier bin. War schon merkwürdig, erst fleht er mich halb an das ich mitkomme und dann tut er so als wäre nichts gewesen. Vielleicht glaubt er ja, dass er die Zeit mal eben um sieben Jahre zurückdrehen kann und es nicht nötig ist große Erklärungen vor seiner Familie abzugeben.
Im Moment wurde ich nicht schlau aus seinem Verhalten. Ich wollte mich auch nicht zu sehr einmischen und dachte ich überlasse das Rafa, sind ja auch seine Eltern und nicht meine. Es lief eigentlich ganz gut und zum Essen entspannte sich die Stimmung etwas. Ich hoffte nur das nicht noch drei Gänge als Nachspeise kommen. Warum musste das auch ausgerechnet heute sein? Ich war schon nur drei Tage hier, da muss Rafa auch noch hier her fahren und einen auf happy family machen. Ich wusste ja, dass er auch lieber zu Hause in Porto Cristo geblieben wäre aber wie heißt es so schön, Tradition verpflichtet!
Kurz nach dem Essen verschwand Rafa und tauchte nicht mehr auf. Ich dachte er wäre auf Toilette aber dafür war er einen Tick zu lange weg. Irgendwann würde er sich schon mal wieder die Ehre geben hier wieder zu erscheinen also blieb ich sitzen und wartete. Seine Oma nutzte gleich die Gunst der Stunde um mich auszufragen wie es kommt das ich hier bin.

Ungefähr 15 Minuten nachdem er verschwunden war setzte Rafa sich wieder neben mich und sah mit einem todernsten Gesicht geradeaus über den Tisch. Kurz überlegte ich was das jetzt wieder zu bedeuten hatte und sah aus dem Augenwinkel zu ihm rüber. Irgendwas war los, ich konnte es förmlich riechen. Das etwas passiert war würde auch jemand sehen der Rafa nicht kennt. Um nicht so laut fragen zu müssen rückte ich ein wenig näher zu ihm.
“Alles ok mit dir?” Fragte ich leise und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er sah zu mir aber er machte sich nicht mal die Mühe ein Lächeln zu ziehen. “Du hast doch nichts dagegen wenn wir gehen, no?” So wie er das formulierte war das keine Frage sondern eine unmissverständliche Ansage das er sofort gehen wollte. Ich war noch damit beschäftigt zu überlegen woher sein plötzlicher Stimmungswandel kam.
“Jetzt sofort?” Fragte ich etwas verunsichert und sah ihn mit großen Augen an. Statt etwas zu antworten, stand er wortlos auf und lief in den Flur. Noch immer perplex stand ich auch auf und lief ihm nach. Mir kam es so vor als wenn er auf 300 ist, so wütend hatte ich ihn auch nur selten erlebt. Rafa gehört nicht zu der Sorte Menschen die schnell ausrasten aber wenn er es tut, dann so richtig. Ich beschloss vorsichtshalber erst mal nicht weiter zu fragen was los war. Da sein Vater dann in den Flur kam, verabschiedeten wir uns von ihm und gingen dann.

Ich holte tief Luft als wir aus dem Haus kamen und griff nach seiner Hand. “Was war los?” Fragte ich ihn ernst. Da wir jetzt alleine sind, kann ich ja mal direkt nachfragen. Er blieb immerhin stehen und sah mich an. “Können wir später darüber reden? Ich muss mich erst mal abregen” ”Ok” Wortlos liefen wir zu seinem Auto und stiegen ein. Während der Fahrt zurück nach Porto Cristo versuchte ich mir zusammen zu reimen was da eben vorgefallen war. Eine Weile war Rafa ja verschwunden und seine Mutter auch. Außerdem hat er sich nicht von seiner Mutter verabschiedet also glaube ich, dass es etwas mit ihr zu tun hat. Was sie gesagt oder getan hat weiß ich nicht aber Rafa hat es offensichtlich ganz und gar nicht gefallen.
Lag es etwa an mir? Das wäre die einzige Erklärung, die mir auf die schnelle einfiel. Ich wollte aber nicht, dass er sich wegen mir mit seinen Eltern streitet. Bis wir in Porto Cristo waren sagte niemand mehr ein Wort. Ich hielt es für besser ihn erst mal in Ruhe zu lassen. Mir war klar, dass es nur noch schlimmer wird wenn ich ihn jetzt auf biegen und brechen zwingen will zu sagen was los war. Früher oder später würde er es schon sagen. Natürlich störte mich das ganze schon. Ich hatte mir den Abend etwas anders vorgestellt. Das Rafa ein Gesicht zieht als wenn er gleich jemanden umbringen würde wollte ich auch nicht.
Ich dachte wir haben mal unsere Ruhe aber in der Stimmung wie Rafa eben war nutzte mir das auch nichts. Das war ja echt super gelaufen, jetzt zieht er ein Gesicht wie Weltuntergang und ich sitze da und muss noch überlegen was ich sage damit er nicht noch ganz ausflippt. Kurz dachte ich daran ihn abzulenken aber ich weiß nicht was er macht wenn ich jetzt versuche ihn zu küssen. Kann sein das regt ihn noch mehr auf. Andererseits hatte ich ihm doch nichts getan! Ich konnte nicht glauben, dass seine Mutter es schaffte ihn so aus der Bahn zu werfen das er jetzt miese Stimmung verbreitet obwohl er genau weiß, dass wir uns nicht so lange sehen können. Irgendwann hatte ich genug. Ich bin sicher nicht hier um ihn zu beobachten wie er minutenlang auf die selbe Stelle starrt und kein Wort sagt. Da ich aber nicht wusste was ich sagen sollte, stand ich einfach auf und ging nach oben. Das war doch auch ein eindeutiges Zeichen.
Ich ging in das Gästezimmer und setzte mich da auf das Bett. Wenn ich Glück habe erscheint er hier und wenn es dumm läuft, war es das für heute Abend. Das konnte doch echt alles nicht wahr sein, da freue ich mich seit Wochen darauf ihn zu sehen und jetzt das.

Zu meiner Überraschung erschien er tatsächlich zehn Minuten später und blieb mit einem zerknirschten Gesicht in der Tür stehen. Ich musste fast lachen, er sah echt herrlich aus so. “Komme her” Er kam langsam näher und setzte sich neben mich. Sein Blick war echt herzzerreißend. Er sagte nichts aber er ließ seinen Kopf auf meine Schulter fallen. Ich umarmte ihn und fuhr mit einer Hand seinen Rücken auf und ab. “Es tut mir leid” Kam es nach ein paar Sekunden leise. Da ich nicht gleich antwortete hob er seinen Kopf und sah mich wieder an. Immerhin war sein Gesicht nicht mehr so versteinert wie vorhin.
“Ich wollte das nicht. Ich weiß das du nicht lange hier bist und es tut mir leid das ich so eine Stimmung verbreite” Ein kurzes Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. Bei dem Blick konnte ich sowieso nicht sauer auf ihn sein. “Schon gut, ist eben dumm gelaufen” ”Ich ähm wollte dich nicht dazu drängen so überstürzt zu gehen aber ich dachte wenn ich noch lange da bleibe explodiere ich. Du hattest dir den Abend sicher anders vorgestellt, ich mir selbst ja auch” Ich entschied mich dazu vorsichtig nachzuhaken was passiert war. “Hat es mit deiner Mutter zu tun?” Er wich meinem Blick kurz aus und sah mich dann wieder an.
“Mhh, sie hat etwas unverzeihliches gesagt. Ich meine, ich dachte das sie hinter mir steht und wenn es nicht so ist dann erwarte ich zumindest das sie meine Entscheidungen akzeptiert” Ich kaute auf meiner Unterlippe und zählte eins und eins zusammen. Rafa hatte mir doch vorher schon gesagt das er glaubt, dass seine Mutter nicht sehr begeistert über mein Erscheinen sein wird. “Ging es um mich?” Das er von mir weg sah und nichts sagte, deutete ich als ein klares ja. Ob ich es genauer wissen wollte wusste ich nicht.
In den folgenden Minuten entstand eine leicht unangenehme Stille. In meinem Kopf war ständig die Frage was sie genau zu ihm gesagt hatte das er so reagierte. Vielleicht hat sie auch im Affekt etwas gesagt was sie gar nicht so gemeint hat. Bis heute wussten seine Eltern ja nicht, dass ich überhaupt mit Rafa Kontakt habe. Ein bisschen hatte ich es geahnt, deswegen wollte ich erst ja auch nicht mitgehen. Ich hielt es aber für klüger das Rafa jetzt nicht noch unter die Nase zu reiben.

Der Abend war dann natürlich gelaufen. Ich hatte die leise Hoffnung das Rafa sich wieder beruhigt aber dem war nicht so. Wir verschwanden dann ins Bett und das war es dann auch. Ehrlich gesagt hätte mich ein bisschen mehr Nähe zu ihm nicht gestört. Ich war sicher nicht hier um ihn ins Bett zu kriegen aber nein sagen würde ich auch nicht. Wenigstens konnte ich neben ihm schlafen, das war doch auch schon mal was.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte und mich umdrehte, lag ich zu meiner Überraschung alleine im Bett. Ich streckte mich erst mal und hob dann meinen Kopf. Die Tür war offen aber das half mir auch nicht weiter. Zu hören war nichts und zu sehen gab es erst recht nichts. Ich ließ meinen Kopf wieder in die Kissen fallen und schloss meine Augen wieder. Da dann aber doch Geräusche zu hören waren setzte ich mich hin und sah aus dem Fenster, wenigstens war es schönes Wetter. “Bon dia” Ich drehte meinen Kopf und sah Rafa breit lächelnd in der Tür stehen. Noch dazu sah es so aus als wäre er schon im Bad gewesen, er hatte jedenfalls etwas anderes an als letzte Nacht.
“Hey, warum stehst du so früh auf?” ”Früh? Es ist nach um neun” ”Ich hasse so eine Hektik am Morgen” Murmelte ich leise und gähnte erst mal. Er kam näher, setzte sich auf die Bettkante und küsste mich auf die Stirn. “Ich wollte dich nur nicht wecken außerdem weiß ich das du gerne ausschläfst” Ich verzog mein Gesicht und sah ihn mit großen Augen an. “Dabei habe ich mich doch darauf gefreut neben dir aufzuwachen und dann bist du weg!” Sein Lächeln wurde noch breiter. “Es tut mir leid. Ich verspreche, dass ich morgen liegen bleibe bis du wach bist” Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn nach unten bis er halb über mir lag. “Hast du heute Zeit?” ”Sí” ”Du hast den ganzen Tag nichts vor?” Fragte ich skeptisch weiter weil ich es nicht glauben konnte. ”Sí!” ”Lüge mich nicht an! Du hattest früher schon nie Zeit” ”Früher hatte ich auch keine Entzündung im Knie” ”So was dummes aber auch, da du ja jetzt nicht stundenlang Tennis spielen kannst müsste es dir doch langweilig sein oder?” ”No außerdem bist du ja hier, du lenkst mich prima ab” ”Und wenn ich nicht da bin lenke ich dich nicht ab?” ”Doch, irgendwie muss ich ja meinen Onkel quälen. Ich muss nur deinen Name sagen und der kriegt die Krise. Er hat mir übrigens verboten das ich dich zu Turnieren einlade” ”Warum?” ”Weil er glaubt, dass ich mich überhaupt gar nicht mehr konzentrieren kann wenn du da bist” ”Ich mache gar nichts” ”Das reicht schon aus außerdem würde ich sowieso nicht nein sagen wenn du mich irgendwo besuchen wältest. Ich weiß nicht ob der allen ernstes glaubt, das ich mich an seine Ratschläge halte” ”Gut zu wissen, um jetzt aber noch mal kurz darauf zurück zu kommen das du heute Zeit hast. Warum stehst du dann so früh auf?” ”Ich war munter und was sollte ich machen? Dich beim schlafen beobachten? Das bringt mich nur auf dumme Ideen und ich dachte das passt dir auch nicht” ”Tja, wie man es macht, macht man es falsch” ”Sí dafür ist das Frühstück aber schon fertig” ”Ist da was dabei was kalt werden kann?” ”Kann man ja notfalls wieder aufwärmen” ”Bueno dann entspanne dich mal ein bisschen” ”Ich bin es nicht gewohnt gar nichts zu tun” ”Es ist total schön, glaube es mir!” ”Faulheit ist eine der Todsünden” Ich zog ein fieses Lächeln und musste mir ein lautes Lachen verkneifen. Seit wann kümmert ihn so was? “Stimmt! Neid, Gier, Eifersucht und Sex gehören dann aber auch dazu”
Sein Lächeln wurde aber nicht etwa schmäler. “Das liegt an dir, du bringst meine ganzen schlechten Seiten zum Vorschein” Na das war wieder mal typisch für ihn, alle möglichen Leute sind schuld nur er natürlich nie. Er findet für alles einen Dummen. Ich schlug mit dem Kissen nach ihm und hielt ihn fest damit er nicht flüchtet. “Sage noch so was und ich schlafe nie wieder mit dir” ”Klar! Denke dir mal was neues aus. Damit hast du mir schon vor sieben Jahren gedroht nur habe ich es damals auch noch geglaubt” ”Du wirst schon sehen wo das hinführt!” Ich löste mich von ihm und quälte mich aus dem Bett um duschen zu gehen.

Als ich 20 Minuten später mal mit allem im Bad fertig war und eben die Treppen nach unten ging, klingelte es an der Tür. Ich lief weiter in die Küche und setzte mich an den Tisch, Rafa schien mit der Kaffeemaschine zu kämpfen. “Es hat an der Tür geklingelt” Sagte ich obwohl ich mir sicher war das er es auch gehört haben musste. “Weiß ich” Kam es nur ohne das er sich zu mir umdrehte. Blieb nur die Frage wieso er dann seelenruhig hier steht und nicht zur Tür geht. “Willst du nicht nachsehen wer es ist?” ”No” Kam es nur kurz als Antwort. Das kam mir irgendwie komisch vor.
Es klingelte noch mal aber Rafa tat als wenn nichts wäre. Ging es jetzt etwa wieder wie gestern Abend los das ich rätseln kann was in ihm vorgeht? Er setzte sich mit an den Tisch als der Kaffee fertig war und zog dann ein vorsichtiges Lächeln. “Ist was?” ”Du machst mir Angst!” Sagte ich mit einem Lächeln und musste dann kichern. “Wieso?” ”Ist das deine Art Fans los zu werden in dem du einfach alle ignorierst?” Langsam verschwand sein Lächeln dann wieder.
“Das waren keine Fans” Das ließ mir jetzt keine Ruhe mehr. ”Woher weißt du das wenn du nicht nachsiehst?” ”Es war meine Mutter, ich habe ihr Auto gesehen” Das musste ich erst mal ein paar Sekunden sacken lassen. Es war seine Mutter?! Warum er nicht öffnet war mir klar. Ich kannte zwar nach wie vor den genauen Grund nicht aber nachdem er gestern sich so aufgeregt hat über sie wundert mich seine Reaktion jetzt nicht.
Auf der anderen Seite war es seine Mutter und keiner von seinen Freunden mit denen man dann eben mal eine Weile nichts zu tun hat nach so einem Zwischenfall. Das er sie wirklich vor verschlossener Tür stehen lässt gab mir zu denken. Immerhin wusste ich, dass es etwas mit mir zu tun hatte. Das machte mich nur noch neugieriger den genauen Grund zu erfahren. War ja schön zu wissen, das Rafa hinter mir steht und sich wenn's sein muss auch mit seinen Eltern anlegt aber vielleicht übertreibt er ja ein bisschen.
“Aha” Sagte ich dann nur. Gerne hätte ich etwas anderes gesagt aber ich wollte nicht die Stimmung ruinieren in dem ich auf dem Thema rumreite. Ich hatte noch die Hoffnung das Rafa mir freiwillig sagt was vorgefallen war und das ich ihn nicht erst fragen muss.