30 August 2009
Chapter 1 - Manacor
Sommer 2008
“Diana, hast du auch alles fertig gepackt?” Ein kichern konnte ich mir nicht verkneifen. Meine beste Freundin hörte sich ja schon an wie meine Mutter! Außerdem war ich auf den Satz inzwischen allergisch. “Du hörst dich an wie meine Mutter. Außerdem wär's bisschen spät wenn mir am Flughafen alles einfällt was ich vergessen habe oder?” Sie rollte mit den Augen und kicherte weiter. “Ich hasse es wenn du Recht hast” ”Na das kann ja heiter werden die nächsten 2 Wochen” Meinte ich und verzog mein Gesicht. Sie zwickte mich in die Seite und sah auf unsere Koffer. “Du wirst schon sehen wo das endet. Aber ich freue mich total, das wir zusammen wegfahren und dann gleich Spanien, besser kann's nicht kommen”
30 Minuten später standen wir am Gate und sahen raus auf das Vorfeld zum Flugzeug. Es war alles zum Greifen nahe. In 3 Stunden werden wir in Palma landen, durch das Flugzeug wurde es förmlich greifbar. Gedanklich war ich sowieso schon lange dort. Wenn man's genau nahm, war ich die letzten Wochen dort ab dem Zeitpunkt wo feststand, das wir nach Mallorca fliegen. Irgendwie konnte ich das noch nicht so richtig glauben. Das tue ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen sehe. Sozusagen würde ich meine alte Heimat besuchen. 7 lange Jahre war ich nicht da und jetzt sollte ich in weniger als 3 Stunden plötzlich da sein. War schon ein starkes Stück, das es so lange gedauert hatte. Als ich noch mit meinen Eltern in den Urlaub gefahren bin, haben wir alles mitgenommen was nur zu kriegen war von Spanien. Die Kanarischen Inseln kenne ich alle in und auswendig so oft war ich da. Mich beschlich schon vor Jahren leise der Verdacht das meine Eltern das nächste mal nach Gran Canaria auswandern wenn es bei denen mal wieder soweit ist und sie die Nase voll haben von Deutschland. Selbst vor dem Festland machten meine Eltern keinen Halt, nur um Mallorca machten sie einen Bogen und als sie dann schließlich hingefahren sind, konnte ich nicht mit weil ich eben eine Ausbildung machte. Als ich dann endlich nicht mehr von meinen Eltern abhängig war, bot sich eigentlich die Chance schlechthin da Urlaub zu machen aber Juli zog es in weit entfernte Gefilde auf die andere Seite der Erde. Die sparte wie eine Verrückte das ganze Jahr über und fährt dann 2 Wochen nach Mauritius. Gut, ich will mich nicht aufregen da wäre ich sicher nie hingekommen wenn sie nicht genervt hätte damals. Ihr hatte ich auch Urlaube in Costa Rica und Jamaika zu verdanken. Es war ja auch schön aber Mallorca war so schön nah, da muss man nicht erst 12 Stunden fliegen und kommt nicht halb tot an. Da sie im letzten Jahr keine Lust auf ständiges sparen hatte, setzte sie sich in den Kopf nach Mallorca zu fahren. Besser gesagt nervte sie mich wochenlang damit das sie neugierig ist zu sehen wo ich früher gelebt habe. Das kam mir sehr gelegen da ich auch keine Gelddruckerei im Keller stehen habe. Ich bekam zwar immer Geld von meinen Eltern zum Urlaub dazu aber ich hatte keine Lust tausende von Euro auszugeben für 2 Wochen. Da ich ja mit ihr zusammen in den Urlaub fuhr, hatte sie mich in früheren Jahren auch zum sparen gezwungen. Sie war sonst gar nicht so verschwenderisch veranlagt aber für die zwei Wochen Urlaub im Jahr drehte die jeden Cent dreimal um.
Meine Gefühle waren doch sehr gemischt. Ich freute mich natürlich auf den Urlaub aber ein bisschen Angst vor dem was mich da erwartet hatte ich schon. 2 Wochen Urlaub mit der besten Freundin und ohne Männer, was konnte es besseres geben? Ich hätte ja schon gerne meinem Freund gezeigt wo ich früher gelebt habe aber er muss arbeiten und bekommt keinen Urlaub im Sommer. Konnte man eben nix machen, vielleicht klappt es ja ein anderes mal. Dann muss ich mich eben mit Juli begnügen und zeige ihr erst mal alles. Sie war ja schon richtig gespannt und war mir in den letzten Tagen öfters auf die Nerven gegangen, da sie der Meinung war, das ich ihr unbedingt alles zeigen müsse und sie es kaum erwarten könne. So wie sie redete ging sie wohl davon aus das ich im Paradies gelebt habe oder so was. Ich weiss nicht woran es liegt das die Leute in Deutschland alle leuchtende Augen bekommen bei der Vorstellung und Mallorca zu leben. Die meisten denken sicher es ist da immer so wie im Urlaub. Juli kannte ja Mallorca aber nicht Manacor. Wie alle Touristen hatte sie sich bis jetzt bevorzugt in den Küstenorten aufgehalten. Ich war ja selbst schon richtig gespannt darauf wie sich alles verändert hat dort oder vielleicht auch nicht.
2 Stunden nach dem Start ging es endlich in den Landeanflug und nachdem wir eine große Rechtskurve geflogen waren tauchte die Insel plötzlich unter uns auf. Der Anflug von Norden her hat echt was, da man so einen kompletten Überflug bekommt und so gleich die ganze Insel sehen kann. So sah man auch wie verbrannt und braun es hier war im Sommer. So wirklich einladend sah das nicht aus. Im Gegensatz zu Deutschland kann man da erschrecken wenn man so was nicht kennt.
Das Gefühl das Flugzeug zu verlassen und zum ersten mal seit Jahren wieder mallorquínischen Boden zu betreten war überwältigend. Es war so eine Mischung aus Neugier und Freude aber auch ein bisschen Angst. Der Flughafen kam mir gleich vertraut vor, das war schon mal positiv. Ich wusste ja vorher nicht, welchen Effekt das alles auf mich haben würde wieder hier her zu kommen aber was ich mit Sicherheit wusste war, das ich mich nie wieder von jemandem zwingen lassen würde gegen meinen Willen irgendwohin zu ziehen. Mit 21 war ich zum Glück jetzt in einem Alter wo ich meine eigenen Entscheidungen treffen konnte und mir keiner reinreden kann. Bevor ich noch länger in Erinnerungen schwelgen konnte, mussten wir unsere Koffer abholen und dann zum Bus gehen, der uns zu unserem Hotel bringt. Was mir auch vertraut vorkam waren die Autobahnschilder als wir zum Hotel fuhren. So langsam gewöhnte ich mich daran wieder auf Mallorca zu sein und es war irgendwie als wäre ich nie weg gewesen.
Als wir endlich in unserem Hotel waren, liess ich mich rückwärts aufs Bett fallen und schloss meine Augen. Wir waren eben erst hier angekommen und ich fühlte mich gleich heimisch. Das schöne Wetter und die Hitze brauchte ich richtig. Das war wenigstens ein Sommer hier und nicht so ein wischwasch wie in Deutschland. Ich konnte verstehen, wieso jedes Jahr Millionen Touristen hier her kommen um hier ihren Urlaub zu verbringen. Früher hatte ich das nicht so richtig verstanden aber inzwischen konnte ich es gut nachvollziehen. An das Wetter konnte ich mich ja noch gewöhnen aber was mir am meisten fehlte, war das Meer. Wenn ich alleine sein wollte oder einfach nachdenken musste, war ich früher immer ans Meer gegangen. So was gab es alles nicht mehr in Deutschland, mein Leben hatte sich grundlegend geändert und das nicht nur zum positiven. Trotz allem hatte ich mich inzwischen richtig eingelebt in Deutschland. Ich hatte einen Job, Freunde, wohnte mit meinem Freund zusammen und verstehe mich gut mit meinem Eltern. Eigentlich war's alles perfekt, bis auf ein paar Kleinigkeiten aber das war wohl normal. “Gehen wir gleich zum Strand?” Ich sah zu Juli und stellte fest, das sie ihren Koffer schon ausgepackt hatte während ich über mein Leben sinniert hatte. Ich setzte mich hin und stand dann vom Bett auf. “Können wir machen, ich suche nur meinen Bikini und ein Handtuch”
Wenige Minuten später standen wir am Strand von Porto Cristo. Eigentlich heißt er Cala Manacor oder Platja Porto Cristo. An der gleichen Stelle war ich früher auch immer am Strand gewesen. Das musste ich erstmal alles sacken lassen. Es sah noch genauso aus wie früher, das war ein komisches Gefühl! “Ist alles ok?” Ich kam wieder in die Realität und zog ein Lächeln. “Genau hier bin ich früher immer an den Strand gegangen mit meinen Freunden” Ihr breites Lächeln verschwand dann langsam, wieder. “Du hast das alles richtig vermisst oder?” Ich schluckte kräftig und versuchte nicht zu sentimental zu werden. “Ja, ich meine ich war das einfach gewohnt an den Strand zu gehen” Sie schüttelte langsam mit dem Kopf als könnte sie es nicht glauben. “Ich gebe zu das ich neidisch bin. Die Leute sparen monatelang um mal für 2 Wochen hier her kommen zu können und du konntest jeden Tag an den Strand gehen. Dazu noch die unverschämt langen Sommerferien, zu dumm das wir schon fertig sind mit der Schule. Ich wünschte meine Eltern wären mal hier her ausgewandert” ”Du kannst ja hier her ziehen” ”Ach nein, ich würde ja sehr gerne hier bleiben. Ich hätte glaube ich kein Problem damit mich hier einzuleben aber es ist so kompliziert. Mit meinen Spanischkenntnissen könnte ich ja nicht mal zum Bäcker gehen” Ich musste schon schmunzeln als sie von ihren nicht vorhandenen Spanischkenntnissen sprach. ”Die können sowieso deutsch”
Wir liefen weiter und sagten nichts mehr, bevor die Situation noch außer Kontrolle gerät. Nachdem wir unsere Handtücher ausgebreitet hatten, legten wir uns hin. Besser gesagt ich legte mich hin, Juli wollte sofort ins Meer aber ich würde mich erstmal bisschen hier umsehen. Da saß ich also hier mitten in hunderter sonnenhungriger Touristen die hier Urlaub machten so wie wir auch. Wie ein Tourist fühlte ich mich zwar hier nicht aber wenn man es genau nahm war ich das. Wie so viele andere verbringen wir 2 Wochen hier und fliegen dann wieder nach Hause, zurück in den Alltag. So ein kleines bisschen fühlte ich mich aber hier zu Hause, die 15 Jahre konnte man nicht einfach wegwischen. Es war egal, wie lange ich hier weg war, ein Teil von mir wird immer hier auf der Insel bleiben. Ich bin hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe mich hier zum ersten mal verliebt. Das war schon sehr prägend alles gewesen. Meine Eltern hatten sich so sehr an Spanien angepasst, das es zum Beispiel am 6. Januar Weihnachtsgeschenke gab, wie bei allen anderen Familien auch. Mir war das nichts neues, ich war's so gewohnt und dann gab es in Deutschland plötzlich schon am 24. Dezember Geschenke! Ich kam mir schon ein bisschen verarscht vor in den ersten Jahren. Sehr zur Belustigung von meinem Freund war ich inzwischen wieder zu der spanischen Tradition zurück gekehrt erst am 6. Januar die Geschenke zu verteilen weil ich mich mit dem 24. Dezember absolut nicht anfreunden konnte. Es war mir egal ob die Leute mich für verrückt hielten oder nicht.
Es war alles so unbeschwert bis zu jenem Tag als mir meine Eltern eröffneten, das wir nach Deutschland ziehen weil meinem Vater da ein übermäßig gut bezahlter Job angeboten wurde. Meine Eltern waren vor 22 Jahren nach Mallorca gekommen und ich hätte bis zu jenem Tag nie geglaubt, das sie wirklich nach Deutschland zurückgehen würden. Zwar hatten sie mal darüber geredet aber es wirklich zu machen war noch mal was anderes. Tja, manchmal täuscht man sich eben. Es war allgemein bekannt, das die Löhne in Deutschland höher sind als wie in Spanien aber das meine Eltern das tatsächlich zu einem Umzug bewegte erstaunte mich schon. Es war ja nicht so das es uns hier finanziell schlecht gegangen war daher konnte ich es ja auch nicht nachvollziehen. Ich versuchte sämtliche negativen Gedanken zu verdrängen und ging eine Runde baden ins schöne warme Mittelmeer.
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Hallo Yuliya *winkt* Der Anfang gefällt mir. Wird bestimmt spannend, wenn sich die Jugendlieben wieder treffen. :)
ReplyDeleteHallo mar, du bist ja fix hier auf der Seite. Wie hast du das so schnell gefunden? Über den Kommentar auf der Seite von lovely?
ReplyDeleteYep :D Jetzt muss ich erstmal wieder aufholen, so viel hast du gepostet. Ich hoffe nur, ich komm' nicht durcheinander. XD
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