27 October 2009

Chapter 14

Ohne etwas zu sagen drehte ich mich im nächsten Moment um und ging. Mit seiner letzten Äußerung hat er den Bogen entgültig überspannt. Ich lief nebenan ins Bad und schloss mich ein. Das war nur zu meiner eigenen Sicherheit, ich kann für nichts garantieren wenn Rafa es jetzt wagt mir unter die Augen zu treten.
Ganz toll, jetzt probiert er es mit emotionaler Erpressung! Er weiss genau, das ich das nie zu ihm sagen könnte, selbst wenn ich wälte nicht. Das er so was wirklich sagt, hätte ich nicht von ihm gedacht. Ich hasse es wenn er um jeden Preis seinen Kopf durchsetzen will, das hat mich früher schon an ihm gestört. So einfach würde ich es ihm aber nicht machen.
Ich schulde ihm gar nichts. Wie blöd ist er eigentlich das er glaubt das er mich damit kriegen kann? Ich war so wütend wie schon lange nicht mehr. Nervös lief ich Runden und versuchte dabei zu einem klaren Gedanken zu kommen. Das durfte doch wohl alles nicht wahr sein!

Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, lief ich zur Tür und schloss auf. Ich fürchtete schon, dass Rafa direkt davor steht aber als ich die Tür einen Spalt öffnete und in den Flur spähte, sah ich ihn nirgends. Es herrschte eine gespenstige Stille im Haus. Als ich den Flur entlang lief, sah ich Rafa dann aber auf der Treppe sitzen. Er sah die Treppen nach unten und sass mit dem Rücken zu mir. Da er nicht reagierte, hatte er mich wohl nicht bemerkt. Ich blieb ein paar Sekunden stehen und beobachtete ihn, er sass einfach nur da und machte gar nichts.
Als ich direkt hinter ihm stand und mich an die Wand lehnte, drehte er seinen Kopf und sah zu mir hoch. Erst sagte er nichts aber sein Blick machte Worte überflüssig. “Es tut mir leid” Kam es dann leise mit einem unsicheren Blick. Ja, das es ihm leid tat hatte ich schon öfters gehört, fällt ihm nichts weiter ein dazu? “Ist das alles was dir dazu einfällt?” Ich konnte das nicht so auf mir sitzen lassen und musste daher nachhaken. Ich wollte ihn auch nicht so einfach davonkommen lassen, er sollte ruhig merken das er zu weit gegangen ist.
“Ich weiß das ich das hätte nicht sagen sollen. Ich weiß auch nicht was mit mir los war, ich will dich nicht unter Druck setzen also ich meine, das war total dämlich von mir so was zu sagen” Ich überlegte kurz und schluckte dann, besser wir klären das ein für alle mal als immer wieder damit anzufangen. “Was willst du von mir hören? Das mir die Küsse egal waren? Das es mir egal ist was du machst? Selbst wenn es nicht so wäre, würde das was ändern? Es geht nicht. Es ging damals nicht und es geht auch jetzt nicht”
Im nächsten Augenblick stand er auf und drehte sich um, so das er jetzt direkt vor mir stand. Da er eine Stufe weiter unten als ich stand, war ich direkt mal ein paar Zentimeter größer als er. ”Es ist so einfach davonzulaufen, no?” Es gefiel mir nicht das er so nah vor mir stand und auch nicht was er sagt. Ich hielt seinem Blick stand und schluckte kräftig. ”Das hat gar nichts damit zu tun. Du bist der allerletzte der in der Position ist Ratschläge zu verteilen” “Es tut mir leid wie der Abend damals gelaufen ist aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen” ”Sí und genau das ist der Punkt. Du tauchst hier auf und fängst plötzlich an Forderungen zu stellen. Ich weiß nicht was du von mir willst aber du hast kein Recht hier so eine Nummer abzuziehen. Was wenn du es dir in ein paar Wochen wieder anders überlegst? So läuft das nicht, das ist kein Spiel! Außerdem höre ich immer nur das es dir leid tut, ist das alles was du zu sagen hast?” Langsam gingen mir die Argumente aus und Rafa dreht sich irgendwie im Kreis, der sagt immer das gleiche! Was er sagen wollte wusste ich längst aber ich muss ja nicht darauf eingehen.
”Du glaubst ich weiss nicht was ich will aber das stimmt nicht! Was sollte ich denn machen? Du warst ja nicht da. Und dann tauchst du hier mit diesem Typen auf” ”Du hast doch gesagt ich kann ihn mitbringen” ”Sí, weil ich damals dachte das es mir nichts ausmachen würde” Ich wusste wirklich nicht was ich tun soll. Wenn Rafa mich so ansieht, würde ich ihn am liebsten umarmen.
Das er plötzlich doch mit seinen Gefühlen rausrückt zeigt ja nur das er es ernst meint. Es ging aber nicht, was sollte ich denn tun? Zu Rafa gehen und so tun als wäre Alex gar nicht da? Ich kann mit Rafa nicht zusammen sein, selbst wenn ich wälte nicht.

Langsam kam er näher und blieb direkt vor mir stehen. Seinen Blick konnte ich nur schwer ertragen, ich war total durcheinander. Da ich nichts machte, legte er seine Hände an meine Hüften und zog mich näher an sich. Ich konnte einfach nicht länger nein sagen also schlang ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn an mich so nah es ging. Das tat richtig gut, zu gut! Sein Geruch kam mir gleich vertraut vor, von mir aus kann er mich stundenlang umarmen.
Ich weiß nicht wie lange wir so standen, das musste ich erstmal genießen. In meinem Kopf war totales Chaos. Mein Bauch sagte mir das ich Rafa gar nicht mehr los lassen soll aber mein Kopf sagte das ich verrückt bin. Ich habe einen Freund aber ich kann machen was ich will, von Rafa komme ich nicht los, egal was ich tue. Das erschreckende war das ich keine Sekunde bereute. Im Gegenteil, ich könnte mich sofort an ihn gewöhnen.
Etwas löste ich mich von ihm, zumindest soweit das ich ihn ansehen kann. “Rafa, es geht nicht” Er zog ein verzweifeltes Lächeln. ”Ich weiß” Im nächsten Moment liess er seinen Kopf auf meine Schulter fallen. Ich fuhr mit einer Hand durch seine Haare und mit der anderen über seinen Rücken. So gut das alles tat, es ist zu kompliziert. Es half auch nicht gerade das er so an mir hing, sein Atem an meinem Hals bringt mich nur auf dumme Gedanken.
Ein wenig nervös machte mich das schon. Nachdem Rafa mehr oder weniger deutlich gesagt hat was er denkt, lag es jetzt alleine an mir. Ich wäre am Ziel meiner Wünsche wenn ich nicht so ein schlechtes Gewissen wegen Alex hätte. Wenn wir aber noch lange so weitermachen, vergesse ich alles um mich rum. “Du riechst unheimlich gut” Ich musste kichern und löste mich etwas von ihm.
“Höre auf damit!” ”Ich sage nur die Wahrheit, du willst lieber nicht wissen was ich am liebsten mir dir anstellen würde” Statt aufzuhören fing er an Küsse auf meinem Hals zu verteilen. Das reichte schon aus, das ich weiche Knie bekam und alles um mich rum vergaß. “Höre auf!” ”Wirklich?” Fragte er zwischen den Küssen. Nein, schrie es laut in mir. Er kann von mir aus tun was er will so lange er nicht aufhört! Es tat so gut alles, er könnte mit mir machen was er will, meine Sinne waren schon total benebelt. Ich überlegte schon was ich mit Rafa am liebsten anstellen würde.
Leider hörte er tatsächlich auf! Ich knurrte und schlug meine Augen wieder auf. “Was ist?” Fragte ich. “Du hast gesagt ich soll aufhören” ”Du musst nicht alles tun was ich dir sage” Er küsste sich meinen Hals langsam nach oben, mein Kinn entlang bis zu meinem Mund. Spätestens ab dem Moment dachte ich an nichts mehr. Ich könnte mich total vergessen wenn er mich so leidenschaftlich küsst. Von mir aus können wir das den Rest des Tages tun, ich könnte Rafa auffressen!
Seine Hände verschwanden dann unter meinem Top und wanderten meinen Rücken langsam nach oben. Wenn er nicht gleich damit aufhört mich so verführerisch zu küssen, reiße ich ihm seine Klamotten runter und vernasche ihn anschließend. Mir kam gleich der Abend vor zwei Monaten in den Sinn... und die Erinnerung von vor sieben Jahren. Ich hätte durchaus kein Problem damit wenn es nicht bei den Küssen bleibt.

Ein paar Sekunden später kam ich schlagartig zur Besinnung und drückte Rafa von mir weg. “Wir sollten das nicht tun!” Sagte ich in einer sachlichen Tonlage als wäre nichts weiter und zerrte meine Klamotten wieder gerade. Rafa sah mich nur mit großen Augen an. “Warum nicht?” Das meinte er jetzt nicht ernst oder etwa doch? So richtig überraschte mich jetzt nichts mehr.
“Warum? Darf ich dich daran erinnern das du eine Freundin hast und ich auch nicht single bin? Es ist einfach zu kompliziert alles. Außerdem geht das nicht, ich fahre in drei Tagen zurück nach Deutschland und du nach Mallorca oder was weiß ich wohin” ”Madrid” Kam es mit einem vorsichtigen Lächeln. Oh nein, nicht schon wieder das Lächeln! Ich würde mich am liebsten gleich wieder auf ihn stürzen wenn er mich so ansieht. “Was?” Fragte ich verwirrt. “Ich fliege nach Madrid, das Davis Cup Halbfinale ist da nächstes Wochenende” ”Egal, was auch immer” Er verschränkte wieder seine Arme vor dem Bauch und rollte dann auch gleich mit den Augen. “Ich bin nicht verrückt falls du das von mir denkst. Mir ist doch selbst klar, das es nicht geht” ”Aber?” Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen.
“Ich habe keine Lust immer nur das zu tun was andere von mir erwarten. Es ist alles schon ewig im voraus geplant, das geht mir echt auf die Nerven. Mir bleibt gar kein Freiraum für spontane Entscheidungen weil mir alle Entscheidungen durch andere Leute abgenommen werden” ”Denkst du mir geht es anders? Ich habe auch keine Lust früh aufzustehen und auf Arbeit zu gehen aber mir bleibt keine Wahl” ”Hast du nicht auch manchmal Lust was verrücktes zu machen was keiner nachvollziehen kann?” Jetzt wurde es aber echt! Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte und schüttelte fassungslos mit dem Kopf. Rafa ist verrückt! Ja, das ist die einzige Erklärung die Sinn machte. Vielleicht ist er ja mit 22 schon in einer Lebenskrise oder so was.
“Was schwebt dir denn so vor an spontanen Entscheidungen?” Fragte ich rein interessehalber. ”Du regst dich nur auf wenn ich es sage” Oh, wenn er sich da schon vorher sicher ist wollte ich es gar nicht erst wissen. “Bueno, dann behalte es für dich” ”Ich würde am liebsten mit dir von hier verschwinden” Ja, das sah ihm ähnlich. Realitätsferner ging es nicht mehr, fehlt nur das er was von einem roten Sonnenuntergang im Meer faselt.
“Ich glaube du begreifst nicht, dass das kein Spiel ist. Ich kann nicht von heute auf morgen sagen das ich keine Lust mehr habe oder so was. Ich wohne mit Alex zusammen, so einfach ist das nicht” ”Ich weiß das es kompliziert ist. Denkst du ich kann Marina so einfach los werden? Sie wohnt zwar nicht bei mir aber ich kenne sie schon ewig. Meine Eltern betrachten sie als Familienmitglied und mit Maríbel ist sie auch gut befreundet, sie hängt in meiner kompletten Familie drinnen. Das ganze hat so eine Eigendynamik entwickelt das überhaupt niemand mehr die Frage stellt was ich wirklich will. Die nehmen das alle als Tatsache hin, also nicht das du denkst ich will nicht das sie sich mit meinen Eltern versteht aber wie soll ich sagen, das wird mir alles ein bisschen zu heiss. Meine Mutter glaubt wahrscheinlich das ich sie mal heirate. Je länger ich mit ihr zusammen bin umso mehr wird mir klar das ich nicht auf Dauer mit ihr zusammen sein will und kann” “Liebst du sie?” Fragte ich spontan. Er hielt meinem Blick stand und holte kurz Luft.
“No” Ein paar Sekunden sagte niemand was. Es war als würde das no noch ein paar mal nachhallen. So knallhart wie er das sagte, hatte ich das nicht erwartet daher schluckte ich erstmal. “Hättest du mich das vor drei Jahren gefragt hätte ich sofort sí gesagt aber inzwischen wird mir langsam klar das es nicht mehr so ist und das schlimme ist, dass es mir nichts aus macht. Ich bin nur aus Gewohnheit mit ihr zusammen. Ich gebe offen zu das es verdammt bequem ist so. Wenn ich länger weg bin und dann wieder nach Hause komme weiß ich ziemlich genau was mich erwartet. Sie ist einfach für mich da und ich bin auf Tour lange genug alleine” Kam es direkt. Ich schluckte gleich nochmal. Das Gesicht seiner Eltern wenn er plötzlich mit mir auftaucht konnte ich mir schon gut vorstellen. Die würden wohl glauben Rafa macht einen verspäteten Aprilscherz.
Irgendwie musste ich lachen, es war auch echt zum lachen aber mehr aus Verzweiflung. Es war so verfahren alles, wenigstens sieht er ein das es nicht geht. Langsam glaube ich ihm wirklich das er nur aus Bequemlichkeit mit ihr zusammen ist. Jetzt würde ich nur zu gerne wissen was passiert wenn ich mich darauf einlassen würde. Wie weit würde Rafa gehen? Die Antwort darauf wollte ich gar nicht wissen.
“Vergiss es einfach, ich meine das ist das Beste für alle” Sagte ich dann und atmete tief durch. “Du glaubst ich meine es nicht ernst, no?” ”Doch aber es bringt nichts darüber weiter zu diskutieren. Wir sehen uns sowieso in drei Tagen nicht mehr und dann, ach ich weiss auch nicht. Denke einfach nicht mehr darüber nach” Rafa blieb stehen und nickte nur leicht mit dem Kopf ohne etwas zu sagen. Ich blieb noch ein paar Sekunden stehen und lief dann die Treppen nach unten.

Schnellen Schrittes lief ich zum Strand zu den anderen. Aber nur als Schutzmaßnahme damit Rafa nicht noch weiter nervt. Der hat doch echt geglaubt das er sagt das ich hier bleiben soll und ich dann sofort alles hinschmeiße. Es war mir viel zu stressig alles, ich könnte Rafa sowieso nie sehen weil er ständig um die Welt jettet. Wie gut, das keiner was ahnte. Es wunderten sich zwar alle über die Launen von Rafa aber es kannte ja keiner den Grund.
Ich dachte echt das Rafa sich meinen Ratschlag zu Herzen nimmt und einfach aufhört damit aber da sollte ich falsch liegen. Hätte ich ja auch ahnen können, Rafa war schon immer stur, wenn der sich erstmal was in den Kopf gesetzt hat ist es sinnlos ihn umstimmen zu wollen. Es ist ihm dabei auch total egal ob er in sein Unglück läuft. Wenn er etwas tut, dann zu 100%. Diese Marina tat mir echt leid. Erst war ich neidisch auf sie aber das war mal, sie ahnt wahrscheinlich nichts böses oder weiss auch nicht was genau mit Rafa los ist.
Irgendwas musste sie aber ja haben sonst wäre er doch nicht mit ihr zusammen. Vielleicht war's wirklich so das es so schön bequem war alles, ich kannte das ja auch und wenn man bedenkt wie wenig Freizeit Rafa hat, kann ich nachvollziehen das er den Weg des geringsten Widerstandes geht und keine Lust auf Stress hat.
Wenn ich mir aber so überlege wie Rafa das ganze sieht, frage ich mich wirklich warum er keinen Schlussstrich zieht. Vielleicht machen ja seine Eltern Druck und wollen ihn mit ihr zusammen sehen. Ich kannte das ja, wenn der Druck von außen groß genug ist, neigt man schnell dazu einfach nachzugeben um seine Ruhe zu haben. Seine Eltern können zumindest extrem nerven wenn die sich erstmal was in den Kopf gesetzt haben.

Ruhe war ein gutes Stichwort! Deswegen waren wir ja alle hier. Also eigentlich. So lange Rafa nicht in der Nähe ist, ist es auch kein Problem zu entspannen. Daher war ich auch froh, das er nicht mehr am Strand aufgetaucht war. Ich versuchte das von vorhin alles zu verdrängen. Wenn ich ernsthaft darüber nachdenke, bringt mich das nur auf dumme Ideen.
Rafa hat mir ja praktisch eine Steilvorlage geliefert das ich mit ihm durchbrennen könnte. Das war ein irrer Gedanke! Schon schlimm genug, dass er daran überhaupt denkt aber es dann auch noch direkt zu mir zu sagen war auch ein starkes Stück

Um vier gingen wir dann aber auch alle wieder hoch. Ich musste ja noch Haare waschen bevor wir irgendwann noch was essen. Wie gut, das Juli und Marina auch ab und zu kochten, wenn wir das Rafa überlassen, gibt es die ganze Woche lang Pasta in allen Variationen. Nichts schlimmes ahnend trödelte ich mit Alex wieder hoch zum Haus.
Wir waren sowieso die letzten, Juli war schon vor einiger Zeit mit Tomeu verschwunden. Kaum das wir einen Fuss auf die Terrasse gesetzt hatten, sah ich Juli in der Küche Gemüse schnipseln. Wie gut, das ich davon verschont wurde. “Diana” Sollte ich jetzt so tun als hätte ich nichts gehört? “Ich bin nicht da!” Rief ich laut in Richtung Küche. Im nächsten Moment kam Juli mit einem Messer in der Hand aus der Küche in den Flur.
Eben wollte ich nach oben flüchten aber zu spät! Ich drehte mich auf der Treppe um und sah zu Juli. “Was?” Fragte ich breit grinsend. “Hast du Marina gesehen? Sie hat vorhin gesagt, dass sie mir helfen will aber sie ist weg” ”Wie, sie ist weg?” Fragte ich leicht verwirrt. ”Na weg, nicht da” ”Ich habe sie nicht gesehen. Keine Ahnung wo die sein könnte, frage doch Rafa” ”Würde ich ja wenn er irgendwo wäre” ”Ach der ist auch verschwunden?” Jetzt konnte ich nicht anders als zu lachen. “Ich finde es nicht komisch!” Sagte sie dann nur Ernst. ”Ja sorry, ich weiss nicht wo die sind, vielleicht wollen die ihre Ruhe” ”Mhh ok” Ich drehte mich um und lief die Treppe weiter nach oben um duschen zu gehen.

16 October 2009

Chapter 13

Minuten später stand ich am Fenster und sah raus. Von hier aus konnte man herrlich den Strand beobachten. Wie ich sah, hatte sich Rafa auch mal ins Meer getraut. Ich drehte mich kurz nach hinten um. Alex lag im Bett mit dem Bettlaken halb über sich und schien zu schlafen oder so was ähnliches. Er lag zumindest total friedlich und gab keinen Laut von sich. Da Alex mit einer Hand nach mir zu suchen schien, ging ich wieder zum Bett und legte mich neben ihn. Er schlug seine Augen auf und strahlte mich breit an. “Ich dachte schon du bist vor mir geflüchtet!” ”So schlecht war's nun auch nicht” Im nächsten Moment lachten wir beide laut los.
Er strich mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und umarmte mich wieder. “Das war eine gute Idee hier her zu fahren. Zu Hause wäre ich jetzt total im Stress und würde an irgendeinem Flugzeug rumschrauben” ”Mhh, ich dachte wir haben hier ein bisschen Zeit zum relaxen” ”Brilliante Idee! Ich weiss nicht was ich ohne dich machen würde” ”An einem Flugzeug rumschrauben” Er lachte wieder und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken auf und ab. “Ich meins ernst! Ich bin richtig froh dich zu haben. Du bist manchmal ein bisschen verrückt aber dafür liebe ich dich ja auch” Aww, das klang gut! “Ich dich auch” Ich muss verrückt gewesen sein alleine nur über eine Beziehung mit Rafa nachzudenken.
Alex war viel zu nett zu mir, er trägt mich auf Händen. Trotzdem musste ich mir eingestehen, das das ganze ein leicht bitteren Beigeschmack hatte. Ich wusste genau, das Rafa uns vorhin beobachtet hat und es machte mir höllischen Spaß ihm zu geben was er sehen wollte. Alex kam mir da gerade recht. Obwohl das bedeuten würde das es ihm ja doch nicht egal ist das Alex hier ist. Ich fühlte mich irgendwie anders als sonst. Musste ich mir selbst beweisen das ich Alex liebe indem ich mit ihm schlafe? Das es sich jetzt anders anfühlt als noch vor ein paar Monaten gab mir zu denken. “Gehen wir wieder zum Strand?” Mein Grinsen wurde gleich frech.
“Ach, jetzt wo du hast was du wolltest willst du wieder zum Strand!” ”Du hast doch damit angefangen und so können wir uns das duschen sparen” ”Ok, wie der Herr wünscht” Wir zwängten uns wieder in unsere Badesachen und liefen Hand in Hand zum Strand zurück.

Als wir da ankamen, sah Juli zu Rafa und der zu mir. Beobachten die sich alle gegenseitig? Juli rückte dann allmählich näher zu mir bis sie direkt neben mir sass. “Spaß gehabt?” ”Mhh sehr!” Sagte ich nur breit grinsend. “Hast du mit Rafa geredet?” Mein Lächeln verschwand gleich wieder. “Ich hab's versucht” ”Klingt nicht gut” ”Er blockt ab. Der meinte, er dachte das wir erst Abends fliegen und war deswegen im Hotel. Er ist aber ein schlechter Lügner, wenn ich ihn frage, macht er dicht” Sie schüttelte mit dem Kopf und sah zu Alex, der ein paar Meter von uns entfernt in der Sonne lag und nichts schlimmes ahnte.
“Sein Gesicht war filmreif als du vorhin mit Alex verschwunden bist” ”Wieso?” Fragte ich neugierig. Das interessierte mich schon. Klar wollte ich wissen wie Rafa reagiert. Umso besser, das Juli mir gleich freiwillig alles auf die Nase bindet. ”Der sah aus als wenn er am liebsten dazwischen gegangen wäre” ”Vielleicht hat er ja wieder mal persönliche Probleme” Ja gut ich gebe es zu, die Art von Reaktion gefiel mir! Sie sah um sich und rückte dann noch näher, ich dachte sie beisst gleich in mein Ohr. “Wenn ich nicht wüsste das er eine Freundin hat würde ich sagen der will was von dir. Ich meine, das ist schon zu verdächtig wie er dich ansieht. Das fällt selbst Tomeu schon auf und Männer merken grundsätzlich alles zu letzt”
Jetzt musste ich doch kichern, das war absurd! “Vielleicht hat Tomeu deine Sinne so vernebelt, das du überall Liebesverschwörungen witterst” ”Im ernst jetzt! Glaubst du wirklich das er damals nur bei dir war weil er dachte das du erst Abends fliegst?” ”Natürlich nicht aber er rückt sowieso nicht mit der Wahrheit raus” ”Sage mir wenn ich falsch liege aber kann es sein, das er damals sagen wollte das du ihm doch nicht egal bist und das er gegangen ist weil es zu spät war?” Mir gefiel die Richtung nicht, in die sich das Gespräch entwickelte. “Kann sein aber es ist egal. Es ist zu spät jetzt, ich meine, das würde sowieso nicht klappen. Es ging damals nicht und es wird auch nie gehen. Außerdem bin ich mit Alex zusammen und auch ganz glücklich mit ihm” ”Ich glaube nicht das Rafa dir egal ist, du kriegst dich ja kaum ein wenn er in der Nähe ist”
Wie lange will sie jetzt noch so weitermachten? Es nervte mich so langsam. ”Das ist er auch nicht aber ich will nichts mehr von ihm, das ist vorbei. Außerdem hat er ja Marina” ”Vielleicht solltest du dich dann ein wenig zurückhalten die nächsten Tage. Ich weiss nicht wie lange er sich das ansieht, wenn du jetzt jeden Nachmittag mit Alex verschwindest” ”Das ist doch nicht mein Problem. Wieso machst du dir überhaupt solche Gedanken? Bist du auf der Seite von Rafa oder wie?” ”Nein, ich will nur nicht das es hier eskaliert. Die Stimmung ist schon angespannt genug” ”Er hat doch gesagt ich kann Alex mitbringen. Wenn er nicht damit umgehen kann muss er ja nicht hinsehen”
”Das ist doch der Punkt. Wahrscheinlich gibt er sowieso nie zu das er Interesse an dir hat. Der schluckt lieber alles runter” ”Das ist mir egal, soll er doch zu Marina gehen” ”Die tut mir echt leid. Ich glaube sie will mehr von ihm als er von ihr dabei ist sie echt nett. Die bemüht sich echt aber dein Ex macht keinen begeisterten Eindruck” ”Juli höre auf jetzt damit! Ich will das nicht wissen, es ist mir egal. Vielleicht haben die ja Stress, kann ich doch nichts dafür!” Sie rollte mit den Augen und ging zu ihrem Handtuch zurück.

Das ging mir echt zu weit. Wenn Rafa nicht glücklich ist mit seiner Freundin, ist das doch nicht mein Problem. Er hatte damals die Chance gehabt zu sagen was los ist und er hat sie eben nicht genutzt. Ich würde ihm bestimmt nicht nachlaufen und auch noch anbetteln das er mir die Wahrheit sagt. Ich fürchtete auch das Rafa das lieber in sich reinfrisst als den Mund aufzumachen aber da konnte ich auch nichts machen. Wenn er schlau ist, vergisst er das ganze am besten ganz schnell wieder. Es geht einfach nicht, weil zu viel Chaos entstehen würde dabei. Das war mir alles zu stressig und Alex hätte das auch nicht verdient.

Ein paar Tage später lockte Juli mich in ihr Zimmer und machte dann die Tür nach mir zu. Irgendwie wurde mir komisch zumute. “Setz dich” Ich setzte mich hin und wartete ab. Sie setzte sich neben mich und sah mich an. “Ich habe was dummes gemacht” Ich sah sie aus dem Augenwinkel an und war mir nicht sicher ob ich es überhaupt wissen wollte. Wenn sie so anfing, war immer irgendwas. “Was hast du gemacht?” Fragte ich skeptisch.
“Versprich mir, dass du nicht sauer bist!” ”Kommt drauf an was es ist” Sie holte tief Luft. “Ich habe mir Rafa vorgenommen” ”Was hast du?” Fragte ich überrascht und riss meine Augen auf. “Na dir ist es ja anscheinend egal. Ich kann das echt nicht länger ertragen das du einen auf überglücklich machst und er ein Gesicht zieht als wenn einer gestorben wäre. Du brauchst es auch gar nicht abstreiten, ich weiss das du die Show abziehst um ihm eine reinzudrücken und so primitiv es klingt, das funktioniert” Ich schüttelte mit dem Kopf und wünschte mir das ich nicht hier her gekommen wäre. Jetzt fing sie wieder an!
Vermutlich ist sie so glücklich mit Tomeu, das sie keine Probleme hat und sich jetzt auch noch intensiv um andere Leute kümmern muss. “Na schön, wenn's sein muss, bringen wir es eben hinter uns” Sagte ich genervt und rollte mit den Augen. “Gut also ich hab's erst auf normalem Weg versucht aber der macht sofort dicht” ”Sage ich doch!” ”Ich wollte es nicht aber ich sah mich dazu genötigt ihm direkt an den Kopf zu werfen das er was von dir will und es nur nicht zugeben will” Wollte ich das wirklich wissen? Wenn es stimmt, wollte ich das von ihm selbst hören und nicht von Juli. “Bist du verrückt geworden?”
Fragte ich empört, konnte die Antwort aber kaum erwarten. Ich würde lügen wenn ich behaupte, das es mich nicht interessiert. ”Ja, das ist mir so rausgerutscht weil ich mich aufgeregt habe” ”Und dann?” ”Willst du das wirklich wissen?” Langsam reichte es mir! Erst macht sie einen auf geheimnisvoll und lockt mich hier her und dann tut sie so als hätte ich sie angestiftet. “Jetzt sage schon!” ”Also er hat nicht direkt gesagt das er was von dir will aber zumindest das du ihm nicht egal bist” Kurz ließ ich das sacken. Das reichte mir nicht!
“Und jetzt? Soll ich Alex aus dem Weg gehen die restlichen Tage um die Nerven von Rafa zu schonen?” ”Nein aber höre auf mit dieser peinlichen wir sind total verliebt Nummer. Man kann's auch übertreiben” ”Sagt die richtige!” So richtig verstand ich das alles nicht. Wieso lag denn Juli plötzlich so viel an Rafa? Oder hat sie das von Tomeu weil er es nicht länger mit ansehen kann das Rafa so ein Gesicht zieht?
“Vielleicht will ich das ja alles gar nicht” ”Was?” Fragte sie. “Du hast mich schon verstanden. Vielleicht will ich das ja auch gar nicht. Wieso mischst du dich da überhaupt ungefragt ein?” ”Es tut mir leid, ich wollte das nicht. Ich gebe zu das Tomeu nicht ganz unschuldig daran ist, der kennt Rafa ja wesentlich besser als ich” ”Super echt! Kannst du mir mal sagen was ich machen soll wenn Rafa sich doch noch dazu entschließt mir zu sagen das ich ihm nicht egal bin?” Ich schlug mir die Hände vors Gesicht und dachte angestrengt nach. Das durfte doch wohl alles nicht wahr sein! Nach ein paar Minuten nahm ich die Hände vom Gesicht weg und sah zu Juli. Sie sass da und sah mich an wie ein angeschossenes Reh.
“Es tut mir leid. Nicht das du denkst ich will dich und Alex auseinanderbringen” ”So kommt's mir aber vor. Wenn ich es nicht wüsste würde ich denken du willst mich mit Rafa verkuppeln” Ganz vorsichtig lächelte sie wieder. “Wenn du nicht mit Alex zusammen wärst, würde ich sagen du musst blöd sein Rafa abblitzen zu lassen. Ich weiss doch genau das du am liebsten über ihn herfallen würdest” ”So einfach ist das nicht. Wir spielen hier nicht Bäumchen wechsel dich. Ich habe nicht vor einen anderen Freund zu haben wenn wir nach Hause fliegen außerdem flippt Alex aus” ”Was wäre wenn Alex nicht wäre?” Ich sah von ihr weg und schluckte.
“Das spielt doch keine Rolle” Sagte ich dann nur leise. ”Nein, ich will nur nicht das du irgendwann alles bereust” Das war auch kein Trost. Ich bereute schon genug das ich damals von Mallorca weg musste, schlimmer konnte es nicht mehr werden. “Es ist sowieso egal. Rafa kriegt es ja nichtmal hin zu sagen was er will” ”Ich glaube er traut sich nicht weil es aus seiner Sicht sowieso sinnlos ist. Vielleicht musst du ihm etwas auf die Sprünge helfen. Ich würde an seiner Stelle wohl auch denken das es keinen Zweck hat so wie du hier mit Alex auftrittst” ”Ich liebe Alex” Sie sah mich nur an ohne was zu sagen.
“Bist du dir da wirklich sicher?“ Fragte sie dann aber doch mit einem zweifelnden Blick. Ich weiss was sie denkt, sie glaubt mir nicht. Manchmal zweifelte ich selbst daran und redete mir ein das ich glücklich bin mit Alex. Rafa jeden Tag zu sehen machte es auch nicht gerade einfacher, das verwirrt mich nur zusätzlich. Ich verspürte dringend das Gefühl hier raus zu müssen bevor sie noch weiter nachhakt. Kurzentschlossen stand ich auf und verließ das Zimmer ohne noch was zu sagen.

Auf Strand hatte ich keine Lust also sass ich alleine am Pool und starrte in das glitzernde Wasser. Wie schön das Alex mir nicht ständig auf die Pelle rückte und wir auch mal ein paar Stunden getrennt sein konnten. Juli soll bloß aufhören mit ihren Verschwörungen sonst gerät hier alles noch außer Kontrolle. Inzwischen bereute ich es doch hier her gekommen zu sein. Ich wusste schon warum ich mich erst standhaft geweigert hatte.
Erst dachte ich eine Woche ist ja nicht lang und so viel kann schon nicht passieren aber inzwischen war ich da anderer Meinung. Das positive war das Alex total entspannt war und Juli ihre Finger gar nicht mehr von Tomeu lassen konnte. Ich mischte mich doch da auch nicht ein. Sollte ich vielleicht mal machen damit sie weiss wie blöd sich das anfühlt. Manchmal führte die sich auf als wäre sie meine Mutter.
Die Gedanken um Rafa beschäftigten mich mehr als mir lieb war. Mir war auch nicht entgangen, das sein Lächeln fast total verschwunden war, das sah ihm gar nicht ähnlich. Falls es wirklich an mir liegt, soll er aber was sagen und nicht alle im Dunkeln tappen lassen. Allmählich hatte ich auch keine Lust mehr darauf, alles drehte sich nur um Rafa. Mehrmals dachte ich daran Alex doch zu sagen das Rafa mein Exfreund ist. Begeistert wäre er sicher nicht aber es würde sicher helfen mit ihm darüber zu reden. Andererseits fahren wir ja in drei Tagen wieder nach Hause und bis dahin wird es schon irgendwie gehen.

“Gibt es was spannendes zu sehen im Wasser?” Ich drehte meinen Kopf und sah Rafa hinter meiner Liege stehen. “No” Ich hörte wie ein Stuhl über die Fliessen kratzte und ein paar Augenblicke später sass Rafa neben mir. “Störe ich dich?” Ein kurzes Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. “Ach was, ich versuche nur mein Horoskop im Pool zu finden” Immerhin huschte ein kurzes Lächeln über sein Gesicht. “Schon was gefunden?” ”No” Ich sah wieder in das Wasser und zog ein ernstes Gesicht. Was wenn ich Rafa jetzt direkt darauf anspreche?
Wir waren ja alleine hier. Ein wenig sträubte ich mich aber aus Angst davor was das auslösen konnte, wenn Rafa die Wahrheit sagt. Sein ernster Blick gefiel mir aber auch nicht. “Hast du Stress?” Versuchte ich erstmal neutral zu fragen. Ich konnte ja jederzeit das Gespräch in eine andere Richtung lenken. “No, wie kommst du darauf?” ”Weiss nicht, du machst einen leicht bedrückten Eindruck auf mich” ”Kann sein, ich dachte nur bisschen nach in den letzten Tagen” ”Mhh” Ich sagte nichts mehr und sah gelegentlich aus dem Augenwinkel zu Rafa. Er sah ins Wasser und schien gar nicht zu merken das ich ihn beobachte.
Der nachdenkliche Blick gefiel mir gar nicht. “Rafa” Er drehte seinen Kopf und sah zu mir. “Mh?” ”Jetzt entspanne dich doch mal! Sei froh das du mal frei hast und bisschen relaxen kannst” Er lächelte zwar aber es sah schon gezwungen aus. “Mir ist nicht danach” Kurz wägte ich alle Möglichkeiten ab. Was passiert wenn ich jetzt noch weiter nachbohre? ”Worüber denkst du nach?” Er sah wieder von mir weg ins Wasser. ”Nichts, ist schon gut” Antwortete er leise. Es war so klar, kaum wird's unangenehm, macht er dicht.
Bevor ich dazu kam weiter zu fragen stand er auf und lief ohne ein weiteres Wort ins Haus. Jetzt reicht es mir aber so richtig! Ich habe mir das lange genug mit angesehen. Ohne groß nachzudenken stand ich auf und lief ihm nach, so leicht kommt er mir dieses mal nicht davon!

Als ich ins Haus kam, sah ich Rafa im Flur am Fenster stehen. Ich blieb in etwas Entfernung hinter ihm stehen, er sah mich ja nicht da er mit dem Rücken zu mir stand. Ich schluckte kräftig und holte tief Luft. Mir gefiel die Situation auch nicht aber ich laufe nicht ständig davon. Ich entschied mich dazu es auf die harte Tour zu probieren. “Wie lange willst du noch weglaufen?” “Du hast überhaupt keine Ahnung!” Kam es leicht gereizt. Da hatte er sogar Recht aber an wem lag das denn? An mir sicher nicht.
Davon würde ich mich aber nicht abschrecken lassen. “Wie denn wenn du nicht mit mir redest?” Er drehte sich zu mir um und verschränkte seine Arme vor dem Bauch. Huh, der ernste Blick gefiel mir gar nicht. Würde ich ihn nicht kennen, hätte ich jetzt Angst das er mich gleich erwürgt. “Was willst du eigentlich? Hast du nicht schon genug angerichtet?” So langsam bekam ich auch Wut. Was bildet der sich eigentlich ein? “Ich? Ich habe überhaupt gar nichts gemacht. Du bist doch derjenige der seit Tagen miese Stimmung verbreitet!” ”Na und? Muss ich hier Rechenschaft ablegen oder was? Darf ich keine schlechte Laune haben? Ständig stellen die Leute mir dumme Fragen, das kotzt mich langsam aber so richtig an. Warum fragst du überhaupt was mit mir los ist? Dir ist es doch sowieso egal!” So langsam reichte es mir, Rafa war auf 300 und schnappte eben nach Luft, das es mir Angst wurde. Ich musste mich beruhigen um nicht total auszuflippen.
”Wenn du das so siehst, ist ja alles geklärt. Ich kann nichts dafür das du irgendwelche Anwandlungen hast. Ständig schiebst du die Schuld für deine Probleme auf andere Leute. Das kotzt mich auch an, du bist doch nie an irgendwas schuld, immer sind es die anderen. Kaum kriegst du nicht was du willst drehst du am Rad. Es passt ja auch super das du mir die Schuld zuschiebst das ich gegangen bin damals. Am Ende war ich doch wieder die Dumme, es passt auch alles prima zusammen. Mache nur so weiter wie bis jetzt! Immer gib den anderen die Schuld” Hatte es ihm jetzt die Sprache verschlagen? Er sah mich erschrocken an und schnappte nach Luft.
“Bilde dir nur nichts ein! Es liegt sicher nicht an dir aber danke das du gleich mit gesagt hast was du über mich denkst” Das war's, das muss ich mir nicht bieten lassen, nicht von Rafa. Inzwischen war ich echt wütend und wenn er noch so was sagt, vergesse ich mich mal so richtig. “Weißt du was, du kannst mich mal!” Ich machte auf dem Absatz kehrt und liess ihn stehen.

Total wütend lief ich nach oben in mein Zimmer. Am liebsten würde ich jetzt was kaputt machen, die ganze Wut musste raus! Rafa soll mir bloß gestohlen bleiben sonst kann er was erleben. Ist mir doch egal was der macht. Der braucht gar nicht versuchen mir ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen, dafür könnte ich ihn am liebsten erwürgen. Diese ganze beschissene Idee mit dem Urlaub hier kam doch von ihm! Nicht mein Problem, wenn er jetzt damit nicht umgehen kann. Nach ein paar Minuten ging die Tür vorsichtig auf, ich hatte nicht abgeschlossen.
Ich wollte gar nicht wissen wer es war. Viele Personen konnten es nicht sein, außer Rafa war hier keiner weil alle am Strand waren. Er blieb im Türrahmen stehen und sah zu mir. Ich sass auf dem Bett und starrte geradeaus an die Wand. “Verschwinde” Sagte ich ohne ihn anzusehen und bemühte mich ruhig zu bleiben, ich hatte so eine riesen Wut auf ihn. “Es tut mir leid” Da ich nichts sagte kam er näher und setzte sich mit bisschen Abstand neben mich. “Es ist mir egal” Sagte ich dann leise und holte tief Luft.
“Diana bitte, ich habe das nicht so gemeint” Stur wie ich war würde er mich nicht so einfach rumkriegen. Ich spürte das er näher an mich rückte, sah aber weiterhin gerade aus. “Ich wollte dich nicht dafür verantwortlich machen das ich gefrustet bin. Ich weiss das du nichts dafür kannst” Da er mich so flehend ansah, hatte ich schon Mühe nicht gleich schwach zu werden. ”Das klang vorhin aber noch anders!”
Wenige Sekunden später spürte ich seine Hand an meinem Kinn. Wollte er mich zwingen ihn anzusehen? Ich schlug nach seiner Hand und sprang auf. “Fasse mich nicht an!” Sagte ich vielleicht etwas zu aggressiv und ging von ihm weg.

Rafa blieb auf dem Bett sitzen und sah mich etwas schockiert an. “Ich hätte nicht gedacht das ich das sagen würde aber ich bereue es wirklich dich hier her eingeladen zu haben” Das hatte echt gesessen bei mir! Kurzfristig war ich sprachlos. Ich wusste gar nicht was ich tun oder sagen sollte also lief ich zum Fenster und sah raus auf das Meer. Hauptsache ich muss ihn nicht ansehen. Wenn mir nichts an Rafa liegen würde, wäre ich jetzt wohl schon auf dem Weg zum Flughafen. “Ich habe es vermasselt, no?” Kam ein es paar Minuten später leise und direkt von hinter mir. Ich sah nach unten und nickte leicht mit dem Kopf. “Sí” Sagte ich leise.
“Du hast es vermasselt an dem Tag wo ich vor zwei Monaten nach Deutschland zurückgeflogen bin und du schaffst es echt jetzt wieder alles zu versauen” Indem du nie sagst was du eigentlich willst, dachte ich noch so für mich, sagte es aber nicht. Ich wünschte, es würde jetzt einfach jemand reinkommen und mich aus dieser Situation befreien. Stattdessen spürte ich dann seine Hände auf meinen Schultern. Warum kann er nicht einfach seine Finger von mir lassen? Kurz dachte ich daran zu sagen das er aufhören soll mich anzufassen, liess es aber doch bleiben. Von mir aus kann er auch einfach verschwinden. Ich wäre am liebsten einfach gegangen, ich konnte aber irgendwie nicht. Langsam drehte er mich um, jetzt musste ich ihn ansehen.
So richtig wohl fühlte ich mich nicht. Ich wollte gar nicht wissen was er zu sagen hat. Es war schon gefährlich genug das er so nah vor mir steht. “Ich kann es nicht ertragen dich mit einem Anderen glücklich zu sehen” So viel Ehrlichkeit plötzlich schockierte mich auch irgendwie und sein Blick machte es perfekt. “Was?” Er sah mich an und schluckte nur. “Warum stört es dich so? Vor zwei Monaten war es dir doch auch egal. Was ist mit Marina?” Fragte ich skeptisch.
Als wir uns vor zwei Monaten mehr zufällig geküsst hatten, hatte er sich ja auch plötzlich an sie erinnert. “Ich mag sie wirklich. Ich weiss aber das ich auf Dauer mit ihr nicht glücklich wäre. Wie das lief vor zwei Monaten tut mir leid, ich war nur total überrumpelt von allem und musste erstmal nachdenken” Langsam kam ich ins schwitzen und schluckte erstmal kräftig. Das gefiel mir alles gar nicht, ich wollte es nicht hören weil es mich auf dumme Gedanken bringt. “Es ist zu spät” Sagte ich leise und ging sicherheitshalber einen Schritt von ihm weg da mir die Spannung zwischen uns zu gefährlich wurde.
Er nickte ganz leicht mit dem Kopf und kaute auf seiner Unterlippe. Am liebsten wäre ich gegangen aber irgendwas hielt mich davon ab, ich konnte mich keinen Schritt bewegen. Wenn ich ihn so sehe fühlte ich mich gleich wieder schlecht. Ich fragte mich wie er es schafft, das ich ein schlechtes Gewissen habe wenn ich ihn abweise obwohl er keinerlei Forderungen stellen konnte. Wenn jemand das Recht dazu hätte dann Alex.
“Du kannst ruhig gehen” Ich blieb stehen und schluckte, mir gefiel der Ton in seiner Stimme nicht. “Hast du ja damals auch schon gemacht” Kam es ein paar Sekunden später noch mit einem ausweichendem Blick auf den Boden. Darauf hatte ich jetzt nur gewartet! Ich bekam gleich noch mehr Wut als vorhin. “Du bist echt unfair!” Sagte ich leise und hätte ihm dafür am liebsten eine Ohrfeige verpasst.
So langsam fiel es mir schwer mich noch zu beherrschen. Er hob seinen Kopf und sah mich wieder an. “No, das ist die Wahrheit. Ich spreche nicht von vor sieben Jahren” Nicht? Was will er dann damit sagen? “Sage das du nichts für mich empfindest und wir werden uns nie wieder sehen wenn das hier vorbei ist” Im nächsten Augenblick stand ich sicher mit offenem Mund da.

12 October 2009

Chapter 12

Tja, Alex sass ja im gleichen Boot. Was das schlimmste überhaupt war, der tat als wenn nichts wäre! An dem Name Rafael Nadal störte er sich nicht im geringsten. Ich war schon verzweifelt am überlegen ob er entweder absolut keine Ahnung hat, einen auf ganz cool macht oder gerade eben zu verpeilt war um zu realisieren wer da vor ihm stand. Damit er nicht noch peinlich fragt, verzog ich mich mit Alex nach oben in unser Zimmer. Er lief wieder zum Fenster und sah nachdenklich raus. Ich konnte ihm förmlich ansehen, das er grübelte.
“Kennst du diesen Rafael schon lange?” Ich wusste es! Hatte mir gleich gedacht das er darüber nachgrübelt. ”Mhh, lass mich kurz nachdenken... seit 12 Jahren um genau zu sein” ”Bilde ich es mir nur ein oder habe ich den schon mal irgendwie gesehen? Der kommt mir irgendwie bekannt vor vom Aussehen her” Ich hatte Mühe ein ernstes Gesicht zu machen. Mit Vergnügen hätte ich ihm jetzt alles ausgeredet und dann nur darauf gewartet bis alles auffliegt aber ich wollte ihn nicht ins Messer laufen lassen auch wenn ich gerne sehen würde wie er reagiert wenn alles rauskommt.
“Na ja, kann sein das du ihn mal in der Zeitung oder im Fernsehen gesehen hast” Ich sah schon wie sein Gesicht neugierig wurde. ”Was macht der denn?” ”Nichts aufregendes, nur Tennis spielen” Seine Augen wurden größer und er hielt sich eine Hand vor den Mund während sich sein Gesicht verfärbte. Besser gesagt jegliche Farbe wich aus seinem Gesicht. “Oh Gott!” Stammelte er dann leise und sah mich mit weit aufgerissenen Augen an. “Hey, entspanne dich, der tut keinem was. Rafa ist gewissermaßen handzahm auch wenn das niemand glaubt der ihn spielen sieht” Er schnappte nach Luft und schüttelte mit dem Kopf.
“Warum sagst du mir das nicht?” ”Was?” ”Das sich unter deinen Freunden auch Wimbledonsieger befinden. Zu dumm das ich kein Tennis gucke aber vielleicht ist es besser. Wer weiss, wie ich dann erst reagiert hätte” ”Ja, ich wollte es dir ja sagen aber ich dachte du bist dann nur unnötig beunruhigt. Außerdem ist es Rafa sowieso lieber wenn ihn alle normal behandeln. Du musst ihn jetzt nicht mit ihre Majestät ansprechen oder so. Tue einfach als wäre nichts” ”Das sagst du so einfach! Ich möchte dich mal erleben in der Situation! Mein Gott war ich erschrocken! Ich dachte wir sagen uns alles!” Oh man, wieso macht er jetzt so ein riesen Drama daraus?
Mein Lächeln verschwand und wich einem ernsten Gesicht. Alex hatte sich wohl inzwischen wieder gefangen, langsam zog er ein vorsichtiges Lächeln und sah mich von unten an. “Es tut mir leid, ich bin nur etwas gestresst und überrascht” Ich blieb mit verschränkten Armen vor ihm stehen, so richtig sauer konnte ich ja nicht auf ihn sein. “Das gibt sich schon noch, entspanne dich einfach” ”Ja, deswegen bin ich ja auch hier. Gehört ihm das Haus hier?” ”Nein, das ist gemietet. Er hat auf Mallorca ein Haus” ”Und warum macht er dann hier Urlaub wenn er da ein Haus hat? Ich meine, so großartig anders sieht es hier auch nicht aus”
Da hatte er recht und so hatte ich mir die Frage auch noch nicht gestellt. “Gute Frage, frage ihn doch, ich weiss es auch nicht. Vielleicht hat er ja Angst, das ihn seine Eltern kontrollieren” ”Ach die wohnen auch da mit?” ”Nein, die wohnen in Manacor, das ist ungefähr 15 Kilometer entfernt von da wo er wohnt. Wahrscheinlich hat er keine Lust weiter weg zu fahren weil er nur eine Woche Zeit hat und Langstreckenflüge kombiniert mit jet lag sind da schlecht” ”Mhh, stimmt! Bleibt er die ganze Woche hier?” ”Ja, auch wenn du es nicht glaubst, er hat tatsächlich mal Zeit. Jetzt ist ein bisschen Luft bevor die Saison weiter geht. Saisonende ist erst im November in Schanghai” ”Du scheinst dich ja auszukennen!” ”Ja” “Na da bin ich ja gespannt was er so erzählt!”

Am Abend übertrieben wir es etwas mit der Harmonie. Alex hatte sich zum Glück wieder beruhigt und bekam nicht immer Herzrasen wenn er Rafa sieht. Es half schon enorm, das Rafa sich normal benahm und verhielt. Er versuchte sich sogar als Koch, das würde niemand glauben! Wir machen hier Urlaub und Rafa kocht. Hatte ich doch gewusst, das es kein Problem war Rafa ein bisschen einzuwickeln und ihn zum kochen zu überreden. Zum Essen setzten wir uns auf die Terrasse, da war Abends Schatten und man konnte es da gut aushalten.
Ein wenig unwohl fühlte ich mich doch. Alex sass links neben mir und rechts Tomeu. Ja und Rafa sass mit Marina und Juli auf der anderen Seite. Ich konnte Rafa den ganzen Abend lang ansehen ohne das jemand was dabei findet, das war echt herrlich. Wenn wir uns nicht vorhin zufällig so hingesetzt hätten würde ich denken Rafa hat das eingefädelt. War möglicherweise mehr Wunschdenken als Realität. Wahrscheinlich war's an der Zeit, das ich einsehe das Rafa keinerlei Absichten mir gegenüber hat. Aber wie hieß es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt. War schon verrückt, das ich darüber nachdenke obwohl Alex direkt neben mir sass. Eine Weile beobachtete ich Marina aber das wurde auch langweilig, die schien exakt so zu sein wie die Presse sie beschrieben hatte. Es hätte mich auch gewundert, wenn Rafa hier mit einem Barbie-Verschnitt aufgetaucht wäre.
Mit leicht abwesendem Blick sah ich auf mein Weinglas. Das war der selbe Wein, den Rafa mir damals angeboten hatte als ich bei ihm war nachdem Juli mit Tomeu verschwunden war. Da dachte ich doch gleich wieder an den Kuss. Wenn ich Rafa jetzt so sehe, würde ich ihn am liebsten anspringen. Er hatte ein ganz normales weißes Hemd an, oben die ersten zwei Knöpfe offen und dazu dunkle Jeans. Ob er es so beabsichtigte wusste ich nicht aber er sah wortwörtlich umwerfend aus. Es war verrückt, immer wenn ich ihn eine Weile nicht sehe, kann ich mich kaum noch beherrschen wenn ich ihn dann sehe. Ich kam leicht ins Schwitzen und das lag nicht an der Temperatur. Gedanklich zog ich ihm das Hemd eben aus, bei der Gelegenheit könnte ich gleich noch ein paar Küsse auf ihm verteilen. Ich würde zu gerne seine Reaktion darauf sehen.
Bevor ich mich total vergesse in meinen Wunschträumen fiel mir ein, das mein Freund ja neben mir sitzt und nichts schlimmes ahnt. Zumindest wird er nicht ahnen, das ich gedanklich Rafa ausziehe und es mir schon bei der reinen Vorstellung wärmer wird. Rafa machte noch nichtmal irgendwas, er sah ab und zu zu mir aber das ging ja nicht anders wenn er mir direkt gegenüber sitzt. Es war auch so eine entspannte Stimmung, als würden wir uns alle ewig kennen und könnten uns nichts besseres vorstellen als heute und hier zusammen zu sitzen und Rotwein zu schlürfen während die Sonne im Meer versinkt. Das war eine Farce! Ich fühlte mich wie in so einem billigen Liebesfilm, fehlte ja nur noch das happy end!

Ich entschuldigte mich und verschwand auf Toilette. Das war echt too much für meinen Geschmack. Vor allem konnte ich Alex nichts sagen, der versteht ja gar nichts. Im Gegenteil, das er sich mit Rafa versteht, machte alles noch viel schlimmer. Ich hatte es gewusst, es war ein Fehler hier her zu kommen. Am liebsten würde ich sofort wieder nach Hause fahren. Konnte ich aber nicht, da musste ich jetzt durch. Es würde zu viele verdächtige Fragen aufwerfen wenn ich jetzt darauf bestehe sofort wieder abzureisen. Das könnte ich nicht überzeugend erklären ohne dabei mit der Wahrheit rauszurücken. “Diana?” Hörte ich dann eine weibliche Stimme fragen. ”Ja?” Rief ich laut.
“Bist du in die Toilette reingefallen?” Ich sah kurz in den Spiegel und holte noch mal tief Luft bevor ich die Badtür öffnete. Juli stand direkt davor und sah mich besorgt an. “Ich lebe noch” Sagte ich mit einem breiten Lächeln. “Gut, habe mir nur Sorgen gemacht” ”Wenigstens Eine” Eigentlich hatte ich das als Scherz gemeint aber wieso sieht sie mich plötzlich so ernst an? “Sage nicht es fängt wieder an!” ”Was?” Fragte ich und tat als wüsste ich nicht was sie meint obwohl ich so eine Ahnung hatte auf was sie anspielt. “Rafa” Sagte sie nur und rollte mit den Augen.
“Was?” Fragte ich weiter und versuche die Ahnungslose zu spielen. “Jetzt tue nicht so! Ich kenne dich doch, dein Gesicht vorhin war eindeutig!” Ich setzte mich hin und verschränkte meine Arme vor meinem Bauch. “Ich weiss nicht was du denkst aber das ist nicht so. Mir war es nur ein bisschen zu warm und ich musste etwas frische Luft schnappen gehen” ”Was soll ich denn denken? Ich meine, du hättest ja nicht herkommen müssen” Ja, es passte verdammt gut zusammen alles. Ich weiss ja das sie mir einreden will, dass ich nur wegen Rafa hier bin und Alex eben nur so als Anhängsel dabei ist. “Dann hätte ich Alex wohl kaum mit hier her genommen” Sagte ich ohne nähere Erklärungen. ”Könnte auch praktisch sein. Machst du einen auf superhappy um deinen Ex zu ärgern?” ”Ich glaube du spinnst total! So was habe ich gar nicht nötig, Rafa ist mir total egal” ”Sicher! Und wieso hast du dann diesen verklärten Blick wenn er in der Nähe ist?” Mein Lächeln wurde wieder breiter ich konnte nicht anders! “Weil er zu heiss aussieht. Ich weiss nicht ob ich es ertragen kann ihn eine Woche lang zu sehen. Das ist wie Weihnachten wenn man die Geschenke nicht auspacken darf. Ich meine, wenn Alex nicht wäre... ach, vergiss es gleich wieder” Im nächsten Moment wurde mir klar was ich eben gesagt hatte aber jetzt war es zu spät.
Sie setzte sich auf den Wannenrand und schüttelte leicht verzweifelt mit dem Kopf. “Oh Gott, ich hab's gewusst!” ”Was?” Fragte ich unsicher. “Das du wieder anfängst mit sabbern wenn du ihn siehst. Es ist nur offensichtlich noch viel schlimmer als ich angenommen hatte. Langsam hast du mich davon überzeugt, dass du das nicht unter Kontrolle hast” ”Kannst du das nicht verstehen?” Sie hob ihren Kopf wieder und lächelte breit. “Um mich geht es gar nicht. Ich hoffe, du kannst dich wenigstens soweit beherrschen das du ihn in Ruhe lässt” ”Das kann ich nicht versprechen” ”Denke an Alex!” Mein Lächeln verschwand gleich wieder. Genau das wollte ich jetzt hören! Jetzt macht sie einen auf moralischen.
“Ich weiss das Alex hier ist aber ich habe das nicht unter Kontrolle. Warum weiss ich nicht aber ich könnte mich total vergessen wenn ich Rafa sehe” “Warum denn? Er macht doch gar nichts” ”Ich weiss nicht warum, es ist eben so. Es reicht aus das er gar nichts macht” “Jetzt sage nur nur das er der Traum deiner schlaflosen Nächte ist!” Ich rollte mit den Augen und schüttelte dann mit dem Kopf. “Sehr lustig!” Sie stand wieder auf und sah kurz in den Spiegel. ”Lass uns gehen, das führt zu nichts” Ich stand auch auf und lief ihr nach wieder raus auf die Terrasse.

Was Juli gesagt hatte, beschäftigte mich Stunden später auch noch. Ich lag im Bett und konnte nicht schlafen. Alex schien das Problem nicht zu haben, der schlief tief und fest wie es mir schien. Vorsichtig hob ich meinen Kopf aber ich hörte schon an seinem Atmen das er schläft, na wenigstens einer. Vielleicht lag es ja auch am Rotwein obwohl ich nicht soviel getrunken habe. Warum war ich eigentlich hier? Zwar wollte ich Rafa schon sehen aber es war nicht so das ich wegen ihm überall hinfliegen würde.
Es war ja eine gute Chance kostengünstig Urlaub zu machen. Ich wäre ja dumm gewesen wenn ich das Angebot abgelehnt hätte. Damit das Juli glaubt das ich Rafa unbedingt sehen wollte muss ich eben jetzt leben. Es war mir auch egal, sie wusste doch sowieso das ich leuchtende Augen kriege wenn Rafa auftaucht. Ich wollte wirklich nichts von Rafa, der hat ja sowieso nie Zeit. Wenn er Zeit hätte, wäre das was ganz anderes... Das ist sowieso alles viel zu kompliziert, das würde niemals funktionieren mit uns. Selbst wenn ich Interesse an Rafa hätte, würde ich das niemals freiwillig zugeben. Wer weiss was Rafa jetzt macht.
Eigentlich wollte ich das gar nicht so genau wissen. So schwach war meine Fantasie nun auch nicht ausgeprägt. Mir wird gleich schlecht wenn ich daran denke was Rafa mit dieser Marina ein paar Zimmer entfernt anstellt. Ich würde Rafa mit Sicherheit nicht schlafen lassen. Mal wieder begann ich etwas zu bereuen wovon ich vorher dachte das es gut wird. Meine Fantasien zogen immer weitere Kreise, so kann ich ja nie schlafen! Als ich dann auch noch an den Kuss vor ein paar Wochen dachte, war es aus. Ich stand vorsichtig wieder auf um Alex nicht zu wecken und schlich aus dem Zimmer. Gleich im dunkeln ging ich nach unten und lief raus auf die Terrasse. Diese totale Ruhe tat richtig gut, nur das Meeresrauschen war zu hören.
Ich drehte mich kurz um, es war überall dunkel. Na schön, war ich also die einzige, die zu mitternächlicher Stunde noch umhergeistert. Es war eine wolkenlose Nacht und die Sterne funkelten um die Wette. Da hier keine Großstadt in der Nähe war, sah man hier mehr Sterne als normalerweise. Es war direkt fast ein bisschen kitschig anzusehen.

Wie lange ich da stand weiss ich auch nicht, es war auch egal. Meine Gedanken drehten sich sowieso im Kreis, ich kam zu keinem Ergebnis. Juli war mir auch eindeutig zu forsch. Die mischte sich ungefragt ein, das kann ja noch heiter werden. Dabei wusste sie gar nichts von dem Kuss mit Rafa! Ich wusste schon wieso ich ihr nichts davon erzählt hatte, dann gibt die ja nie mehr Ruhe. Bestimmt verbringt sie jetzt die Woche damit mich zu beobachten um mir dann wieder haarsträubende Dinge unterstellen zu können.
Das war der einzige Nachteil an dem ganzen hier. Eine Woche lang Alex, Rafa und Juli, das wird echt schwer auszuhalten sein. Ich hätte ja bis vor kurzem nie damit gerechnet das Alex überhaupt mal Rafa begegnet aber so schnell kann's gehen. Ich wollte mir auch nicht vorstellen was passiert wenn doch irgendwie rauskommen sollte das ich mal mit Rafa zusammen war.
Alex kriegt einen hysterischen Anfall und glaubt dann auch das ich nur hier bin weil ich Rafa sehen will. Das gäbe durchaus ein schönes Drama! Bisschen schmunzeln musste ich schon bei der Vorstellung wie alles außer Kontrolle gerät.

Am nächsten Tag bot sich mir gleich die Chance Rafa mal ein bisschen auszuquetschen. Wir waren alle am Strand und es waren alle im Meer, von mir und Rafa abgesehen. Da ich ja was fragen wollte hatte ich auch einen Grund näher zu ihm zu rücken ohne das es verdächtig wird. Zu gerne würde ich ihn auch gleich noch umarmen. Er sollte mehr anziehen, das würde mir auch helfen in Ruhe nachdenken zu können und ich müsste mir nicht immer ein superbreites Grinsen verkneifen wenn ich ihn sehe.
Rafa sass auf seinem Handtuch und sah ab und zu aus dem Augenwinkel zu mir rüber, der Blick war gleich wieder zu viel für mich. Ich rückte etwas näher bis ich neben ihm sass und sagte erstmal nichts. “Was?” Fragte er gleich ohne mich anzusehen. Offenbar fand er es spannender seine Freundin mit Alex beim baden zu beobachten. “Was hast du Marina über mich erzählt?” Im nächsten Augenblick sah er mich so an, das ich plötzlich ins Schwanken kam ob es richtig war nach ihr zu fragen. “Das ich dich von früher kenne und das du dann nach Deutschland gezogen bist” War es klug wenn ich jetzt noch weiter nachhake? “Weiter nichts?” Fragte ich neugierig, das wollte ich jetzt wirklich wissen. “Sie würde sich nur unnötig aufregen. Ich will hier ein bisschen relaxen und habe keine Lust auf Endlosdiskussionen und rumgezicke”
Merkwürdige Einstellung aber es ist doch klar, dass sie das komisch finden würde wenn sie es wüsste. Ist doch klar, dass sie dann fragt was ich hier mache.
Vielleicht war's besser ich komme zu einem anderen Thema, welches auch nicht einfacher war.
“Was sollte der filmreife Auftritt in meinem Hotelzimmer und der Anruf als ich schon am Flughafen war?” Ich fiel gleich direkt mit der Tür ins Haus. Er zuckte leicht mit den Schultern. “Weiss auch nicht genau, ich dachte nur du fliegst erst Abends” Ich glaubte ihm kein Wort, Rafa war schon immer ein grottenschlechter Lügner. Dem kann man förmlich an der Nasenspitze ansehen wenn er lügt. “Du lügst” Sagte ich leise und sah in den Sand vor meinen Füssen. “Als ich gesehen habe das du schon deine Koffer gepackt hast war mir schon klar, dass es zu spät ist. Ist das der Grund warum du hier bist?” ”Was?” Fragte ich da ich ihm nicht ganz folgen konnte. “Weil du mich fragen wolltest was das sollte?” ”No, ich meine, wär's dir lieber gewesen ich hätte dich am Telefon gefragt?” ”Müssen wir überhaupt noch darüber reden? Ist eben dumm gelaufen” Ich hob meinen Kopf wieder und sah ihn direkt an. “Wie du meinst”
Wir blieben sitzen und schwiegen uns an. War ja klar das er abblockt und nicht darüber reden will. Hat er Angst zuzugeben das er mich doch sehen wollte? Das war der einzige Grund der Sinn machte. Ich weiss aber schon was er sagt wenn ich ihm das unterstelle. Dann kommt wieder die ich habe eine Freundin und bin total glücklich Nummer. Total glücklich sah anders aus, die Bezeichnung passte auf Tomeu und Juli. Ich glaube, die nahmen gar nichts mehr wahr um sich rum. Ich könnte direkt neidisch werden wenn ich die zusammen sehe.
“Bist du glücklich?” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah zur Seite. Wie kam er auf so eine Frage? Eigentlich war es eine ganz einfache Frage. “Sí” Sagte ich ohne nachzudenken. Rafa wäre der letzte mit dem ich über meine Beziehung reden würde, es ging ihn gar nichts an. “Interessiert dich das wirklich?” Fragte ich in der nächsten Sekunde noch. Als ich dann aber sah wie sich sein Gesicht verfinsterte, bereute ich es sofort. “Sonst würde ich nicht fragen” Kam es kurzangebunden zurück. “Es tut mir leid” ”Mir auch” Langsam sah ich an Rafa nach unten, ich könnte sofort auf dumme Gedanken kommen wenn ich ihn so sehe. Das ich ihn eine Woche lang sehe und dann noch so tun muss als wäre nichts gewesen würde nicht ganz so einfach werden. Dafür verfluche ich ihn ja auch, ich sollte ihm dankbar sein, das er sich zurückhält sonst wäre das Chaos schon längst perfekt. Ich wusste, das ich mich sowieso nicht von ihm fernhalten kann.

Leider kam mir Alex dann in die Quere. Er bequemte sich aus dem Wasser und liess sich neben mir auf dem Handtuch fallen. Dumm nur das er überall nass war. Ich wollte von ihm wegrücken aber er umarmte mich noch. Ich drehte mich auf den Bauch und musste lachen. “Es gibt kein Entkommen!” ”Scheint so, hättest du dich nicht abtrocknen können?” ”Dann hätte es doch keinen Spaß gemacht” Er blieb neben mir liegen und verteilte Küsse auf meinem Rücken. “Vielleicht solltest du ja auch mal ins Wasser gehen” ”Mhh, später vielleicht” Ich sah kurz zu Rafa, der im selben Moment zu mir sah. So richtig begeistert sah sein Gesicht nicht aus, beobachtet der uns etwa?
Auch gut! Ich drehte Rafa meinen Rücken zu und beschäftigte mich lieber mit Alex. Es war nicht so geplant von mir, das wir umschlungen am Strand liegen und uns gegenseitig auffressen aber es hatte sich so ergeben. Rafa hatte ich direkt schon wieder vergessen. Etwas löste Alex sich dann von mir. “Was ist denn los mit dir?” ”Mich überkam es einfach” Antwortete ich breit grinsend. “Also das stört mich jetzt nicht. Vielleicht sollten wir ja nach oben gehen wenn du dich nicht beherrschen kannst” Seinem Gesicht nach zu urteilen dachte er das gleiche wie ich. Unter lautem Gekicher verschwanden wir engumschlungen vom Strand.

5 October 2009

Chapter 11 - Eivissa

Eivissa - September 2008

Fast zwei Monate nach dem Mallorca Urlaub sass ich wieder im Flugzeug, nur dieses mal auf dem Weg nach Ibiza. Unverhofft war ich zu einem weiteren Urlaub in diesem Jahr gekommen. Das beste war ja, Alex kommt mit. Juli natürlich auch aber sie war alleine. Nein, wir wollten nicht als Dreiergespann Urlaub machen, da wäre sowieso immer einer überflüssig. Eigentlich war es gar nicht geplant zwei Monate nachdem ich mit Juli auf Mallorca war schon wieder Urlaub zu machen aber Rafa hat das mehr oder minder geschickt eingefädelt. Der liess nicht mehr locker. Ich hatte ein paar mal mit ihm telefoniert in den letzten Monaten aber den Vorfall am Abflugtag hatten wir mit keinem Wort mehr erwähnt. Auch nicht die Küsse oder die Aktion vom Strand. Ja und Rafa dachte wohl das ich doch früher oder später schwach werde wenn er mir nur lange genug anbietet das ich nach Mallorca kommen kann. So oft war er ja auch nicht zu Hause, das war gewissermaßen ein Vorteil, sonst nervt er noch mehr. Offenbar hat er kein Problem damit das ich einen Freund habe auch wenn ich mich frage warum er mich so nervt wenn es ihn nicht stört. Nachdem Rafa wieder geschätzte zehn Jahre weg war von zu Hause macht er jetzt so was wie Urlaub für eine Woche auf Ibiza. Da er nur eine Woche hat, reicht die Zeit nicht aus um auf die andere Seite der Erde zu fliegen daher Ibiza.

Verdient hatte er sich ein bisschen Urlaub durchaus. Roland Garros, Wimbledon und Olympia alles im selben Jahr, das war echt bemerkenswert. Zwischendurch hat er noch in Toronto das Turnier gewonnen aber das ging eher unter in Anbetracht der großen Erfolge. Die Krönung war quasi die Nummer 1 der Weltrangliste. Nach Jahren als Nummer 2 hat er es endlich geschafft und wie es aussieht, kann ihm zumindest für den Rest dieses Jahres auch keiner mehr die Nummer 1 wegnehmen. Rafa ist vermutlich überglücklich, ich weiss das es früher eine Art Lebenstraum für ihn war irgendwann die Nummer 1 zu werden. Wenn er weiterhin so spielt wie jetzt, glaube ich er kann es sich richtig gemütlich machen auf der Nummer 1. Ja und jetzt lehnt er sich eine Woche zurück bevor das Saisonfinale ansteht.

Bei dem Turnier in Montreal und bei den US Open war seine Freundin Marina auch mit aufgetaucht. Ich hatte mich bisschen im Internet umgesehen und war da mehr zufällig über die Bilder gestolpert. Erst kam mir das komisch vor weil sie nie dabei war bei den Turnieren aber irgendwo hatte ich aufgeschnappt das sie arbeiten musste und daher wohl meistens keine Zeit hatte, das erschien mir dann auch logisch. Es war mir nur zu blöd Rafa direkt zu fragen also machte ich mich im Internet schlau. Ich wollte ja nur verhindern, dass Rafa auf dumme Gedanken kommt. Er machte einen total glücklichen Eindruck auf den Bildern. Ein kleines bisschen störte mich das schon Rafa mit dieser Marina total happy zu sehen, warum wusste ich nicht aber sie störte mich eben. Die Neugierde siegte schließlich und ich wollte ja nur wissen wer das ist, ich schnüffle normalerweise nicht im Internet nach irgendwelchen Leuten. In dem Punkt unterscheide ich mich sicher nicht von seinen Fans. Nach verschiedenen Berichten war Rafa seit zwei oder auch drei Jahren mit ihr zusammen. So genau wusste das keiner und Rafa sprach ja nicht öffentlich über sein Privatleben. Er war nicht der Einzige, es war so fast gar nichts über sie bekannt außer ihrem Vorname, dass sie in Palma arbeitet und wohnt und 19 Jahre alt ist. Da war ich gleich viel schlauer! Sie ist wie so ein Geist, der ab und zu mal auftauchte bei einem oder zwei Turnieren im Jahr. Ich musste ehrlich darüber staunen, dass es Rafa irgendwie schaffte sie völlig aus dem Rampenlicht rauszuhalten. Auf die Weise würde auch niemand merken wenn er nicht mehr mit ihr zusammen wäre, das war wirklich ein cleverer Schachzug. Obwohl mir klar war, dass Rafa das nicht machte um sich aus der Affäre ziehen zu können wie er eben lustig ist. Dazu passten dann die Aussagen von tío Toni nicht, der in den höchsten Tönen von ihr schwärmte und keine Chance ausließ zu erwähnen wie bodenständig sie doch ist und das sie Rafa schon seit Kindertagen kennt. Oder mit anderen Worten, wenn Toni sich kaum noch einkriegt mit Komplimenten, kennt die restliche Familie von Rafa sie hundertprozentig auch. Hatte ich was verpasst? Wieso kenne ich sie dann nicht wenn Rafa sie angeblich schon ewig kennt? Gut, kann sein ich erinnere mich nicht gleich aber ich kannte keine Marina, da war ich mir fast sicher. Je mehr ich las umso mysteriöser wurde das ganze, ein Märchen war nichts gegen die Geschichten die da durch die Presse geisterten. Das machte mich nur noch neugieriger sie kennen zu lernen aber die Ehre wird mir im Gegensatz zu vielen anderen Leuten auch bald zu Teil.

Rafa meinte eines schönen Tages als wir wieder mal telefonierten, dass ich doch auch nach Ibiza kommen könnte wenn ich Lust hätte. Er hat es als Vorschlag formuliert und nicht wie sonst direkte Angebote gemacht. Ich dachte so direkt dumm war das gar nicht, bezahlen müsste ich nur den Flug weil er ein Haus gemietet hat und Urlaub kann doch nie schaden! Damit ich nichts denke, bemerkte er auch gleich das Tomeu und Marina auch mitkommen. Erst fragte ich mich schon was ich da soll wenn seine Freundin da ist. Will er so viele Leute wie möglich um sich haben? So richtig konnte ich mir keinen Reim auf das Ganze machen. Oder will er demonstrieren wie gut wir uns alle gegenseitig verstehen? Das wäre ja grotesk! Mehr als Verteidigung fragte ich dann ob ich außer Juli noch jemanden mitbringen kann. Als er fragte wer sagte ich spontan Alex nur um seine Reaktion zu testen. Ich dachte, er kommt ins schwanken und erfindet eine Ausrede das ich doch nicht kommen soll aber leider passierte genau das Gegenteil, Rafa meinte ich soll ihn ruhig mitbringen. Hätte ja nur noch gefehlt das er gesagt hätte das er es kaum erwarten kann Alex kennen zu lernen! Das regte mich noch mehr auf! Der ist so dreist, dass er kein Problem damit hat das ich meinen Freund mitbringe! Ich bereute das gleich nachdem ich es gesagt hatte aber ich kam aus der Nummer nicht mehr raus. Mir war klar, dass Rafa das als moralischen Sieg auffasst wenn ich alleine da auftauche also hatte ich allen Ernstes Alex gefragt und oh Wunder, er wollte tatsächlich mitkommen! Er wusste ja auch noch nicht wem er bald begegnen würde. Ich hatte beschlossen nichts zu sagen, sonst macht er sich nur unnötig Gedanken. Er wusste nur das es um frühere Freunde von mir ging, die auf Ibiza Urlaub machten. Stimmte doch auch obwohl ich mit Rafa ein bisschen enger befreundet war aber das musste er ja erstmal nicht wissen. Wahrscheinlich war Alex schon gespannt darauf meine früheren Freunde zu sehen, ich war auch gespannt und zwar darauf wie er reagiert wenn er Rafa sieht. Ich war mir nicht sicher ob er ihn erkennt, er guckte ja kein Tennis und so übertrieben bekannt ist Rafa nicht in Deutschland. Ich hatte erst Zweifel aber ich gewöhnte mich schnell an den Gedanke Alex mitzunehmen. Das war die Chance schlechthin Rafa direkt unter die Nase zu reiben das ich auch ohne ihn glücklich war! Der würde sich noch wundern! Ich würde jedenfalls einen auf Harmonie machen und so tun als wäre ich total vernarrt in Alex. Ich war ja auch in ihn verliebt aber wir kannten uns ja schon eine Weile und der erste Rausch war verflogen. Trotzdem war ich gerne mit ihm zusammen weil er mich akzeptiert wie ich bin, darüber war ich total froh. Es war schön zu wissen das er mich anbetet, Rafa sollte das ruhig auch sehen.

Als wir landeten auf Ibiza war mir doch etwas mulmig im Bauch. Ein kleines bisschen freute ich mich ja doch Rafa heute wieder zu sehen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde das es mir egal ist Rafa zu sehen. Ich zog erstmal ein Lächeln um peinlichen Fragen zu entgehen. Alex strahlte schon vom einen Ohr zum anderen und Juli war auch schon ganz aufgekratzt. Die verschwindet sicher mit Tomeu in einem Zimmer und taucht erst eine Woche später wieder auf. Sie redete jedenfalls schon länger davon das sie es kaum erwarten kann ihn wieder zu sehen. Na ja, da freuten sich doch wenigstens alle. Jetzt mussten wir nur noch auf unser Gepäck warten und dann konnte der Urlaub beginnen!

Als Alex kurz auf Toilette verschwand, rückte Juli näher zu mir und grinste schon so dämlich. “Freust du dich schon auf Rafa?” ”Klar, ich habe noch eine Rechnung offen mit ihm” ”Beherrsche dich, nicht das er uns rauswirft weil du es übertreibst” ”Ja, ich versuche es schonend aber kann sein, der kapiert mal wieder nur Bahnhof” ”Dann warte bis zum Rückflug mit deiner Abrechnung” ”Ich habe ja auch nicht vor ihm den Kopf abzureißen” ”Wäre auch schade drum” Mit einem genervten Blick rollte ich mit den Augen. “Willst du was von ihm? Wenn ich dich so höre könnte ich glauben das du wegen Rafa und nicht wegen Tomeu hier bist” ”Du kannst Rafa geschenkt haben, ich will nichts von ihm” ”Oh vielen Dank, ich bin schon bedient” ”So ein Mist. Na ja, es wird sich schon jemand finden der ihn geschenkt haben will” Vermutlich könnten wir Rafa innerhalb von Minuten loswerden, es gibt sicher auch hier genug Fans von ihm.

Wir wurden abgeholt und dann quer über die Insel gefahren. Ich war hier auch noch nie zuvor gewesen und hatte keine Ahnung wo es jetzt hingeht. Es war aber egal wo das Haus war, Hauptsache wir haben Urlaub! Sonne und Strand mitten im September, hach wie herrlich das doch war! Vom Flughafen ging es erst in die Hauptstadt Eivissa und dann anscheinend quer über die Insel. Sehr zu meiner Belustigung tauchten Schilder auf mit der Bezeichnung Sant Rafael de Sa Creu. Mir war nicht bekannt, das man schon Orte nach Rafa benannte aber andererseits war Rafael in Spanien ein ziemlich häufig verwendeter Name. Es ging noch nach Sant Antonie de Portmany und kurz darauf waren wir auch schon da. Gespannt stiegen wir alle aus dem Auto und sahen uns um. Ja doch, das Haus war groß genug für alle, 6 Personen passen da locker rein. Das Meer war auch zu sehen, wahrscheinlich ist der Strand direkt vor dem Haus. Auf Rafa schien man sich in solchen Dingen verlassen zu können. Das er ein Haus im Hinterland mietet, hatte ich auch nicht erwartet aber das hier war dann doch noch besser als ich mir vorgestellt hatte. Was er dafür bezahlt für die eine Woche, wollte ich eigentlich gar nicht wissen. Juli hatte auch schon leuchtende Augen, die rennt bestimmt gleich ins Meer. Wir schleppten unsere Koffer zur Eingangstür als plötzlich wie von Geisterhand die Tür auf ging und Tomeu uns breit angrinste. “Hola” Wir standen alle da und guckten nur. Juli fing sich als erste wieder und fiel ihm um den Hals. Alex kam näher zu mir. “Ist das dieser Tomeu?” Fragte er leise. ”Ja” Sagte ich nur breit grinsend. Alex wusste ja von Tomeu und auch das Juli schon fast ausflippte weil sie sich freute ihn zu sehen. Bisschen peinlich war es schon da zuzusehen wie die sich umschlingen und offenbar ganz vergessen haben das wir auch noch da sind. Ich räusperte mich dann laut und endlich lösten die sich mal voneinander. Nachdem ich Alex Tomeu vorgestellt hatte gingen wir alle ins Haus und suchten unsere zugeteilten Zimmer.

Alex lief direkt zum Fenster und blieb dann stehen. “Kann sich echt sehen lassen! Das ist ja besser als ein Hotel” Ich lief zu ihm und umarmte ihn von hinten. Mhh, er hatte Recht, es gab einen fantastischen Meerblick. Die Aussicht war unbezahlbar. “Mhh stimmt, ist echt schön hier” “Der Unterschied ist nur das wir selbst kochen müssen” “Müssen wir nicht” Antwortete ich sofort. Er drehte seinen Kopf nach hinten zu mir. “Nicht?” ”Überlasse mir das, wir spannen Rafa dafür ein” “Ist vielleicht auch besser wenn wir es nicht machen, das wird zu peinlich. Wir würden uns bis auf die Knochen blamieren mit unseren nicht vorhandenen Kochkünsten” Ich musste gleich an seine Eltern denken. Bei denen hatten wir mal versucht zu kochen und danach sah es aus in der Küche als wäre der dritte Weltkrieg ausgebrochen dabei war es keine Absicht. Ich hab's doch nur gut gemeint und wollte Tomatensuppe selbst machen. Woher soll ich denn auch wissen, dass es spritzt? Zu dumm, das ich zu nah an der Wand gestanden habe... Selbstverständlich ließen seine Eltern mich danach nicht mehr in die Küche wenn ich auf Besuch war aber ich nahm es mit Humor. “Was wohl auch der Grund sein wird wieso deine Eltern sich immer wundern das wir es schaffen alleine zu überleben und nicht verhungern” ”Mhh” Er drehte sich ganz um und umarmte mich. “Ich freue mich schon das wir eine Woche lang total faul sein können” ”Leider sind wir nicht alleine” ”Mhh, es kommt doch keiner weiter oder?” ”Nur noch Rafa mit seiner Freundin aber ich denke nicht das uns jemand stören wird wenn wir unsere Ruhe wollen” Sein Lächeln wurde immer breiter. “Klingt doch schon besser!” Was er dachte, konnte ich schon sehen, er war auch einfach zu durchschauen in der Hinsicht. Bevor wir uns durch die Betten wälzen können, mussten wir erstmal was auspacken. Alex machte sich gleich daran seinen Koffer auszupacken, ich ging derweil mal nach unten nachsehen wo Juli war. Die wird ja nicht schon mit Tomeu verschwunden sein oder doch? Zu sehen war zumindest niemand hier. Kurz sah ich unten in alle Räume aber von Juli keine Spur zu sehen. Ich lief raus auf die Terrasse und liess die grandiose Aussicht auf mich wirken.

Das war echt unglaublich, hier war es nicht nur richtig warm sondern es schien mir auch viele heller zu sein als in Deutschland. Die Sonne schien hier anders, mir fehlten direkt die Worte. Irgendwann würde ich wieder mal ans Meer ziehen oder zumindest in die Nähe, mir fehlte das einfach in Deutschland. Ich könnte stundenlang am Wasser sitzen ohne mich dabei zu langweilen. “Hola Diana” Aww, die Stimme kannte ich! Ich drehte mich sofort um und zog ein Lächeln. Rafa! Er hatte kurze Hosen in weiss an und oben ein rotes Shirt, das beste war aber sein Lächeln. Ich würde ihm am liebsten in die Wangen kneifen aber das findet er vielleicht nicht so toll wie ich daher lasse ich es bleiben. Er schaffte es echt in normalen Klamotten noch umwerfend auszusehen. “Hi Rafa, ich dachte du bist noch nicht da” ”Doch, bin schon seit gestern da, ich war nur eben was einkaufen” ”Mhh” Er kam näher und blieb vor mir stehen. “Und was sagst du?” Da er auf das Meer zeigte war mir schon klar was er meinte. Da er so fragte, kam mir spontan ein Song in den Kopf. “Rayando el sol” Meinte ich mit einem verlegenen Lächeln. Früher war rayando el sol von Maná mein Lieblingssong und die erste Zeile passte auf seine Frage. “Rayando por ti, esta pena me duele, me quema sin tu amor. No me has llamado, estoy desperado, son muchas lunas las que te he llorado.” (Ich sehne mich nach dir, dieser Schmerz, ich verbrenne ohne deine Liebe. Du hast mich nicht angerufen, ich bin verzweifelt und es vergingen viele Monde an denen ich wegen dir geweint habe.) Wie Rafa das so sagte, es klang richtig gut auch wenn es kitschiger nicht mehr ging. Wäre noch schöner wenn er es von selbst sagen würde und nicht weil er den Songtext zitiert aber das wäre undenkbar. “Du erinnerst dich daran?” Fragte ich amüsiert. “Natürlich! Bei dem Song muss ich immer an dich denken” “Ist echt perfekt, die Aussicht ist grandios” Sagte ich dann um nicht zu sentimental zu werden und wieder auf seine Frage zurück zu kommen. ”Finde ich auch, es gibt kaum noch Häuser die so einen Rundumblick haben weil alles verbaut ist” ”Du solltest das kaufen” ”Dachte ich auch schon aber es ist bisschen groß für zwei oder drei Personen” Da er eben davon sprach, fiel mir ein, das er doch Marina mitbringen wollte. “Wo ist denn deine Freundin?” ”Die packt eben was aus” ”Aha” ”Ich hätte nicht gedacht, das ich dich dieses Jahr noch mal sehe” Spielte er jetzt auf den Vorfall am Flughafen an? Darüber wollte ich jetzt nicht mit ihm reden. “Tja, so schnell kann es gehen. Sehr großzügig von dir, das wir hier wohnen können die eine Woche” ”Die Freude ist ganz auf meiner Seite. Hier ist ja sowieso genug Platz” Ich zog ein Lächeln um die Situation zu überspielen. Wenn Rafa so breit lächelt, komme ich nur auf dumme Gedanken. Nach wie vor war ich am Zweifeln was das hier wird. Wir werden uns doch nicht gegenseitig unter die Nase reiben wie happy wir doch alle sind oder doch? Ich hatte eigentlich keine Lust eine ganze Woche lang so eine alberne Show abzuziehen nur um Rafa zu beeindrucken. Wie ich den kenne, würde der so was auch durchziehen um mich zu ärgern. Auge um Auge, Zahn um Zahn!

Die erste spannende Situation war dann auch gleich ein paar Minuten später als ich auf Marina traf und Rafa auf Alex. Ich kannte sie ja schon von den Bildern aber ich wusste natürlich nichts über ihren Charakter. Ich war auch wirklich gespannt sie zu sozusagen live zu erleben nachdem ich sie nur aus der Presse kannte. Nur war die eine Spur zu nett zu mir. Ich würde sofort darauf tippen, dass sie absolut keine Ahnung hat, dass ich Rafa ein bisschen näher kenne. Kein Wunder, Rafa stellte mich ihr als Bekannte vor. Das entsprach ja auch der Wahrheit, er hat nur ein paar Details verschwiegen. Ich würde jedenfalls nicht so reagieren wenn ich auf die Ex von meinem Freund treffen würde. Hätte Rafa nicht vorher mal erwähnen können wie er sich das vorstellt? Es hätte ja sein können ich hätte ihn auflaufen lassen und hätte gleich gesagt, dass die Bezeichnung Bekannte nicht ganz der Wahrheit entspricht. Aber er hat Glück, dass ich nicht daran interessiert bin das alles rauskommt also würde ich eben mit einem Lächeln alles überspielen und so tun als wäre nichts. Was wäre denn gewesen wenn ich Rafa als meinen Exfreund vorgestellt hätte? Dann wäre alles sofort aufgeflogen aber Rafa hat wohl darauf spekuliert, dass Alex sicher nicht mitgekommen wäre wenn er die ganze Story wüsste. Bei nächstmöglicher Gelegenheit würde ich Rafa dann schon mal fragen wie er sich das alles vorstellt in den nächsten Tagen.