16 October 2009

Chapter 13

Minuten später stand ich am Fenster und sah raus. Von hier aus konnte man herrlich den Strand beobachten. Wie ich sah, hatte sich Rafa auch mal ins Meer getraut. Ich drehte mich kurz nach hinten um. Alex lag im Bett mit dem Bettlaken halb über sich und schien zu schlafen oder so was ähnliches. Er lag zumindest total friedlich und gab keinen Laut von sich. Da Alex mit einer Hand nach mir zu suchen schien, ging ich wieder zum Bett und legte mich neben ihn. Er schlug seine Augen auf und strahlte mich breit an. “Ich dachte schon du bist vor mir geflüchtet!” ”So schlecht war's nun auch nicht” Im nächsten Moment lachten wir beide laut los.
Er strich mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und umarmte mich wieder. “Das war eine gute Idee hier her zu fahren. Zu Hause wäre ich jetzt total im Stress und würde an irgendeinem Flugzeug rumschrauben” ”Mhh, ich dachte wir haben hier ein bisschen Zeit zum relaxen” ”Brilliante Idee! Ich weiss nicht was ich ohne dich machen würde” ”An einem Flugzeug rumschrauben” Er lachte wieder und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken auf und ab. “Ich meins ernst! Ich bin richtig froh dich zu haben. Du bist manchmal ein bisschen verrückt aber dafür liebe ich dich ja auch” Aww, das klang gut! “Ich dich auch” Ich muss verrückt gewesen sein alleine nur über eine Beziehung mit Rafa nachzudenken.
Alex war viel zu nett zu mir, er trägt mich auf Händen. Trotzdem musste ich mir eingestehen, das das ganze ein leicht bitteren Beigeschmack hatte. Ich wusste genau, das Rafa uns vorhin beobachtet hat und es machte mir höllischen Spaß ihm zu geben was er sehen wollte. Alex kam mir da gerade recht. Obwohl das bedeuten würde das es ihm ja doch nicht egal ist das Alex hier ist. Ich fühlte mich irgendwie anders als sonst. Musste ich mir selbst beweisen das ich Alex liebe indem ich mit ihm schlafe? Das es sich jetzt anders anfühlt als noch vor ein paar Monaten gab mir zu denken. “Gehen wir wieder zum Strand?” Mein Grinsen wurde gleich frech.
“Ach, jetzt wo du hast was du wolltest willst du wieder zum Strand!” ”Du hast doch damit angefangen und so können wir uns das duschen sparen” ”Ok, wie der Herr wünscht” Wir zwängten uns wieder in unsere Badesachen und liefen Hand in Hand zum Strand zurück.

Als wir da ankamen, sah Juli zu Rafa und der zu mir. Beobachten die sich alle gegenseitig? Juli rückte dann allmählich näher zu mir bis sie direkt neben mir sass. “Spaß gehabt?” ”Mhh sehr!” Sagte ich nur breit grinsend. “Hast du mit Rafa geredet?” Mein Lächeln verschwand gleich wieder. “Ich hab's versucht” ”Klingt nicht gut” ”Er blockt ab. Der meinte, er dachte das wir erst Abends fliegen und war deswegen im Hotel. Er ist aber ein schlechter Lügner, wenn ich ihn frage, macht er dicht” Sie schüttelte mit dem Kopf und sah zu Alex, der ein paar Meter von uns entfernt in der Sonne lag und nichts schlimmes ahnte.
“Sein Gesicht war filmreif als du vorhin mit Alex verschwunden bist” ”Wieso?” Fragte ich neugierig. Das interessierte mich schon. Klar wollte ich wissen wie Rafa reagiert. Umso besser, das Juli mir gleich freiwillig alles auf die Nase bindet. ”Der sah aus als wenn er am liebsten dazwischen gegangen wäre” ”Vielleicht hat er ja wieder mal persönliche Probleme” Ja gut ich gebe es zu, die Art von Reaktion gefiel mir! Sie sah um sich und rückte dann noch näher, ich dachte sie beisst gleich in mein Ohr. “Wenn ich nicht wüsste das er eine Freundin hat würde ich sagen der will was von dir. Ich meine, das ist schon zu verdächtig wie er dich ansieht. Das fällt selbst Tomeu schon auf und Männer merken grundsätzlich alles zu letzt”
Jetzt musste ich doch kichern, das war absurd! “Vielleicht hat Tomeu deine Sinne so vernebelt, das du überall Liebesverschwörungen witterst” ”Im ernst jetzt! Glaubst du wirklich das er damals nur bei dir war weil er dachte das du erst Abends fliegst?” ”Natürlich nicht aber er rückt sowieso nicht mit der Wahrheit raus” ”Sage mir wenn ich falsch liege aber kann es sein, das er damals sagen wollte das du ihm doch nicht egal bist und das er gegangen ist weil es zu spät war?” Mir gefiel die Richtung nicht, in die sich das Gespräch entwickelte. “Kann sein aber es ist egal. Es ist zu spät jetzt, ich meine, das würde sowieso nicht klappen. Es ging damals nicht und es wird auch nie gehen. Außerdem bin ich mit Alex zusammen und auch ganz glücklich mit ihm” ”Ich glaube nicht das Rafa dir egal ist, du kriegst dich ja kaum ein wenn er in der Nähe ist”
Wie lange will sie jetzt noch so weitermachten? Es nervte mich so langsam. ”Das ist er auch nicht aber ich will nichts mehr von ihm, das ist vorbei. Außerdem hat er ja Marina” ”Vielleicht solltest du dich dann ein wenig zurückhalten die nächsten Tage. Ich weiss nicht wie lange er sich das ansieht, wenn du jetzt jeden Nachmittag mit Alex verschwindest” ”Das ist doch nicht mein Problem. Wieso machst du dir überhaupt solche Gedanken? Bist du auf der Seite von Rafa oder wie?” ”Nein, ich will nur nicht das es hier eskaliert. Die Stimmung ist schon angespannt genug” ”Er hat doch gesagt ich kann Alex mitbringen. Wenn er nicht damit umgehen kann muss er ja nicht hinsehen”
”Das ist doch der Punkt. Wahrscheinlich gibt er sowieso nie zu das er Interesse an dir hat. Der schluckt lieber alles runter” ”Das ist mir egal, soll er doch zu Marina gehen” ”Die tut mir echt leid. Ich glaube sie will mehr von ihm als er von ihr dabei ist sie echt nett. Die bemüht sich echt aber dein Ex macht keinen begeisterten Eindruck” ”Juli höre auf jetzt damit! Ich will das nicht wissen, es ist mir egal. Vielleicht haben die ja Stress, kann ich doch nichts dafür!” Sie rollte mit den Augen und ging zu ihrem Handtuch zurück.

Das ging mir echt zu weit. Wenn Rafa nicht glücklich ist mit seiner Freundin, ist das doch nicht mein Problem. Er hatte damals die Chance gehabt zu sagen was los ist und er hat sie eben nicht genutzt. Ich würde ihm bestimmt nicht nachlaufen und auch noch anbetteln das er mir die Wahrheit sagt. Ich fürchtete auch das Rafa das lieber in sich reinfrisst als den Mund aufzumachen aber da konnte ich auch nichts machen. Wenn er schlau ist, vergisst er das ganze am besten ganz schnell wieder. Es geht einfach nicht, weil zu viel Chaos entstehen würde dabei. Das war mir alles zu stressig und Alex hätte das auch nicht verdient.

Ein paar Tage später lockte Juli mich in ihr Zimmer und machte dann die Tür nach mir zu. Irgendwie wurde mir komisch zumute. “Setz dich” Ich setzte mich hin und wartete ab. Sie setzte sich neben mich und sah mich an. “Ich habe was dummes gemacht” Ich sah sie aus dem Augenwinkel an und war mir nicht sicher ob ich es überhaupt wissen wollte. Wenn sie so anfing, war immer irgendwas. “Was hast du gemacht?” Fragte ich skeptisch.
“Versprich mir, dass du nicht sauer bist!” ”Kommt drauf an was es ist” Sie holte tief Luft. “Ich habe mir Rafa vorgenommen” ”Was hast du?” Fragte ich überrascht und riss meine Augen auf. “Na dir ist es ja anscheinend egal. Ich kann das echt nicht länger ertragen das du einen auf überglücklich machst und er ein Gesicht zieht als wenn einer gestorben wäre. Du brauchst es auch gar nicht abstreiten, ich weiss das du die Show abziehst um ihm eine reinzudrücken und so primitiv es klingt, das funktioniert” Ich schüttelte mit dem Kopf und wünschte mir das ich nicht hier her gekommen wäre. Jetzt fing sie wieder an!
Vermutlich ist sie so glücklich mit Tomeu, das sie keine Probleme hat und sich jetzt auch noch intensiv um andere Leute kümmern muss. “Na schön, wenn's sein muss, bringen wir es eben hinter uns” Sagte ich genervt und rollte mit den Augen. “Gut also ich hab's erst auf normalem Weg versucht aber der macht sofort dicht” ”Sage ich doch!” ”Ich wollte es nicht aber ich sah mich dazu genötigt ihm direkt an den Kopf zu werfen das er was von dir will und es nur nicht zugeben will” Wollte ich das wirklich wissen? Wenn es stimmt, wollte ich das von ihm selbst hören und nicht von Juli. “Bist du verrückt geworden?”
Fragte ich empört, konnte die Antwort aber kaum erwarten. Ich würde lügen wenn ich behaupte, das es mich nicht interessiert. ”Ja, das ist mir so rausgerutscht weil ich mich aufgeregt habe” ”Und dann?” ”Willst du das wirklich wissen?” Langsam reichte es mir! Erst macht sie einen auf geheimnisvoll und lockt mich hier her und dann tut sie so als hätte ich sie angestiftet. “Jetzt sage schon!” ”Also er hat nicht direkt gesagt das er was von dir will aber zumindest das du ihm nicht egal bist” Kurz ließ ich das sacken. Das reichte mir nicht!
“Und jetzt? Soll ich Alex aus dem Weg gehen die restlichen Tage um die Nerven von Rafa zu schonen?” ”Nein aber höre auf mit dieser peinlichen wir sind total verliebt Nummer. Man kann's auch übertreiben” ”Sagt die richtige!” So richtig verstand ich das alles nicht. Wieso lag denn Juli plötzlich so viel an Rafa? Oder hat sie das von Tomeu weil er es nicht länger mit ansehen kann das Rafa so ein Gesicht zieht?
“Vielleicht will ich das ja alles gar nicht” ”Was?” Fragte sie. “Du hast mich schon verstanden. Vielleicht will ich das ja auch gar nicht. Wieso mischst du dich da überhaupt ungefragt ein?” ”Es tut mir leid, ich wollte das nicht. Ich gebe zu das Tomeu nicht ganz unschuldig daran ist, der kennt Rafa ja wesentlich besser als ich” ”Super echt! Kannst du mir mal sagen was ich machen soll wenn Rafa sich doch noch dazu entschließt mir zu sagen das ich ihm nicht egal bin?” Ich schlug mir die Hände vors Gesicht und dachte angestrengt nach. Das durfte doch wohl alles nicht wahr sein! Nach ein paar Minuten nahm ich die Hände vom Gesicht weg und sah zu Juli. Sie sass da und sah mich an wie ein angeschossenes Reh.
“Es tut mir leid. Nicht das du denkst ich will dich und Alex auseinanderbringen” ”So kommt's mir aber vor. Wenn ich es nicht wüsste würde ich denken du willst mich mit Rafa verkuppeln” Ganz vorsichtig lächelte sie wieder. “Wenn du nicht mit Alex zusammen wärst, würde ich sagen du musst blöd sein Rafa abblitzen zu lassen. Ich weiss doch genau das du am liebsten über ihn herfallen würdest” ”So einfach ist das nicht. Wir spielen hier nicht Bäumchen wechsel dich. Ich habe nicht vor einen anderen Freund zu haben wenn wir nach Hause fliegen außerdem flippt Alex aus” ”Was wäre wenn Alex nicht wäre?” Ich sah von ihr weg und schluckte.
“Das spielt doch keine Rolle” Sagte ich dann nur leise. ”Nein, ich will nur nicht das du irgendwann alles bereust” Das war auch kein Trost. Ich bereute schon genug das ich damals von Mallorca weg musste, schlimmer konnte es nicht mehr werden. “Es ist sowieso egal. Rafa kriegt es ja nichtmal hin zu sagen was er will” ”Ich glaube er traut sich nicht weil es aus seiner Sicht sowieso sinnlos ist. Vielleicht musst du ihm etwas auf die Sprünge helfen. Ich würde an seiner Stelle wohl auch denken das es keinen Zweck hat so wie du hier mit Alex auftrittst” ”Ich liebe Alex” Sie sah mich nur an ohne was zu sagen.
“Bist du dir da wirklich sicher?“ Fragte sie dann aber doch mit einem zweifelnden Blick. Ich weiss was sie denkt, sie glaubt mir nicht. Manchmal zweifelte ich selbst daran und redete mir ein das ich glücklich bin mit Alex. Rafa jeden Tag zu sehen machte es auch nicht gerade einfacher, das verwirrt mich nur zusätzlich. Ich verspürte dringend das Gefühl hier raus zu müssen bevor sie noch weiter nachhakt. Kurzentschlossen stand ich auf und verließ das Zimmer ohne noch was zu sagen.

Auf Strand hatte ich keine Lust also sass ich alleine am Pool und starrte in das glitzernde Wasser. Wie schön das Alex mir nicht ständig auf die Pelle rückte und wir auch mal ein paar Stunden getrennt sein konnten. Juli soll bloß aufhören mit ihren Verschwörungen sonst gerät hier alles noch außer Kontrolle. Inzwischen bereute ich es doch hier her gekommen zu sein. Ich wusste schon warum ich mich erst standhaft geweigert hatte.
Erst dachte ich eine Woche ist ja nicht lang und so viel kann schon nicht passieren aber inzwischen war ich da anderer Meinung. Das positive war das Alex total entspannt war und Juli ihre Finger gar nicht mehr von Tomeu lassen konnte. Ich mischte mich doch da auch nicht ein. Sollte ich vielleicht mal machen damit sie weiss wie blöd sich das anfühlt. Manchmal führte die sich auf als wäre sie meine Mutter.
Die Gedanken um Rafa beschäftigten mich mehr als mir lieb war. Mir war auch nicht entgangen, das sein Lächeln fast total verschwunden war, das sah ihm gar nicht ähnlich. Falls es wirklich an mir liegt, soll er aber was sagen und nicht alle im Dunkeln tappen lassen. Allmählich hatte ich auch keine Lust mehr darauf, alles drehte sich nur um Rafa. Mehrmals dachte ich daran Alex doch zu sagen das Rafa mein Exfreund ist. Begeistert wäre er sicher nicht aber es würde sicher helfen mit ihm darüber zu reden. Andererseits fahren wir ja in drei Tagen wieder nach Hause und bis dahin wird es schon irgendwie gehen.

“Gibt es was spannendes zu sehen im Wasser?” Ich drehte meinen Kopf und sah Rafa hinter meiner Liege stehen. “No” Ich hörte wie ein Stuhl über die Fliessen kratzte und ein paar Augenblicke später sass Rafa neben mir. “Störe ich dich?” Ein kurzes Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. “Ach was, ich versuche nur mein Horoskop im Pool zu finden” Immerhin huschte ein kurzes Lächeln über sein Gesicht. “Schon was gefunden?” ”No” Ich sah wieder in das Wasser und zog ein ernstes Gesicht. Was wenn ich Rafa jetzt direkt darauf anspreche?
Wir waren ja alleine hier. Ein wenig sträubte ich mich aber aus Angst davor was das auslösen konnte, wenn Rafa die Wahrheit sagt. Sein ernster Blick gefiel mir aber auch nicht. “Hast du Stress?” Versuchte ich erstmal neutral zu fragen. Ich konnte ja jederzeit das Gespräch in eine andere Richtung lenken. “No, wie kommst du darauf?” ”Weiss nicht, du machst einen leicht bedrückten Eindruck auf mich” ”Kann sein, ich dachte nur bisschen nach in den letzten Tagen” ”Mhh” Ich sagte nichts mehr und sah gelegentlich aus dem Augenwinkel zu Rafa. Er sah ins Wasser und schien gar nicht zu merken das ich ihn beobachte.
Der nachdenkliche Blick gefiel mir gar nicht. “Rafa” Er drehte seinen Kopf und sah zu mir. “Mh?” ”Jetzt entspanne dich doch mal! Sei froh das du mal frei hast und bisschen relaxen kannst” Er lächelte zwar aber es sah schon gezwungen aus. “Mir ist nicht danach” Kurz wägte ich alle Möglichkeiten ab. Was passiert wenn ich jetzt noch weiter nachbohre? ”Worüber denkst du nach?” Er sah wieder von mir weg ins Wasser. ”Nichts, ist schon gut” Antwortete er leise. Es war so klar, kaum wird's unangenehm, macht er dicht.
Bevor ich dazu kam weiter zu fragen stand er auf und lief ohne ein weiteres Wort ins Haus. Jetzt reicht es mir aber so richtig! Ich habe mir das lange genug mit angesehen. Ohne groß nachzudenken stand ich auf und lief ihm nach, so leicht kommt er mir dieses mal nicht davon!

Als ich ins Haus kam, sah ich Rafa im Flur am Fenster stehen. Ich blieb in etwas Entfernung hinter ihm stehen, er sah mich ja nicht da er mit dem Rücken zu mir stand. Ich schluckte kräftig und holte tief Luft. Mir gefiel die Situation auch nicht aber ich laufe nicht ständig davon. Ich entschied mich dazu es auf die harte Tour zu probieren. “Wie lange willst du noch weglaufen?” “Du hast überhaupt keine Ahnung!” Kam es leicht gereizt. Da hatte er sogar Recht aber an wem lag das denn? An mir sicher nicht.
Davon würde ich mich aber nicht abschrecken lassen. “Wie denn wenn du nicht mit mir redest?” Er drehte sich zu mir um und verschränkte seine Arme vor dem Bauch. Huh, der ernste Blick gefiel mir gar nicht. Würde ich ihn nicht kennen, hätte ich jetzt Angst das er mich gleich erwürgt. “Was willst du eigentlich? Hast du nicht schon genug angerichtet?” So langsam bekam ich auch Wut. Was bildet der sich eigentlich ein? “Ich? Ich habe überhaupt gar nichts gemacht. Du bist doch derjenige der seit Tagen miese Stimmung verbreitet!” ”Na und? Muss ich hier Rechenschaft ablegen oder was? Darf ich keine schlechte Laune haben? Ständig stellen die Leute mir dumme Fragen, das kotzt mich langsam aber so richtig an. Warum fragst du überhaupt was mit mir los ist? Dir ist es doch sowieso egal!” So langsam reichte es mir, Rafa war auf 300 und schnappte eben nach Luft, das es mir Angst wurde. Ich musste mich beruhigen um nicht total auszuflippen.
”Wenn du das so siehst, ist ja alles geklärt. Ich kann nichts dafür das du irgendwelche Anwandlungen hast. Ständig schiebst du die Schuld für deine Probleme auf andere Leute. Das kotzt mich auch an, du bist doch nie an irgendwas schuld, immer sind es die anderen. Kaum kriegst du nicht was du willst drehst du am Rad. Es passt ja auch super das du mir die Schuld zuschiebst das ich gegangen bin damals. Am Ende war ich doch wieder die Dumme, es passt auch alles prima zusammen. Mache nur so weiter wie bis jetzt! Immer gib den anderen die Schuld” Hatte es ihm jetzt die Sprache verschlagen? Er sah mich erschrocken an und schnappte nach Luft.
“Bilde dir nur nichts ein! Es liegt sicher nicht an dir aber danke das du gleich mit gesagt hast was du über mich denkst” Das war's, das muss ich mir nicht bieten lassen, nicht von Rafa. Inzwischen war ich echt wütend und wenn er noch so was sagt, vergesse ich mich mal so richtig. “Weißt du was, du kannst mich mal!” Ich machte auf dem Absatz kehrt und liess ihn stehen.

Total wütend lief ich nach oben in mein Zimmer. Am liebsten würde ich jetzt was kaputt machen, die ganze Wut musste raus! Rafa soll mir bloß gestohlen bleiben sonst kann er was erleben. Ist mir doch egal was der macht. Der braucht gar nicht versuchen mir ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen, dafür könnte ich ihn am liebsten erwürgen. Diese ganze beschissene Idee mit dem Urlaub hier kam doch von ihm! Nicht mein Problem, wenn er jetzt damit nicht umgehen kann. Nach ein paar Minuten ging die Tür vorsichtig auf, ich hatte nicht abgeschlossen.
Ich wollte gar nicht wissen wer es war. Viele Personen konnten es nicht sein, außer Rafa war hier keiner weil alle am Strand waren. Er blieb im Türrahmen stehen und sah zu mir. Ich sass auf dem Bett und starrte geradeaus an die Wand. “Verschwinde” Sagte ich ohne ihn anzusehen und bemühte mich ruhig zu bleiben, ich hatte so eine riesen Wut auf ihn. “Es tut mir leid” Da ich nichts sagte kam er näher und setzte sich mit bisschen Abstand neben mich. “Es ist mir egal” Sagte ich dann leise und holte tief Luft.
“Diana bitte, ich habe das nicht so gemeint” Stur wie ich war würde er mich nicht so einfach rumkriegen. Ich spürte das er näher an mich rückte, sah aber weiterhin gerade aus. “Ich wollte dich nicht dafür verantwortlich machen das ich gefrustet bin. Ich weiss das du nichts dafür kannst” Da er mich so flehend ansah, hatte ich schon Mühe nicht gleich schwach zu werden. ”Das klang vorhin aber noch anders!”
Wenige Sekunden später spürte ich seine Hand an meinem Kinn. Wollte er mich zwingen ihn anzusehen? Ich schlug nach seiner Hand und sprang auf. “Fasse mich nicht an!” Sagte ich vielleicht etwas zu aggressiv und ging von ihm weg.

Rafa blieb auf dem Bett sitzen und sah mich etwas schockiert an. “Ich hätte nicht gedacht das ich das sagen würde aber ich bereue es wirklich dich hier her eingeladen zu haben” Das hatte echt gesessen bei mir! Kurzfristig war ich sprachlos. Ich wusste gar nicht was ich tun oder sagen sollte also lief ich zum Fenster und sah raus auf das Meer. Hauptsache ich muss ihn nicht ansehen. Wenn mir nichts an Rafa liegen würde, wäre ich jetzt wohl schon auf dem Weg zum Flughafen. “Ich habe es vermasselt, no?” Kam ein es paar Minuten später leise und direkt von hinter mir. Ich sah nach unten und nickte leicht mit dem Kopf. “Sí” Sagte ich leise.
“Du hast es vermasselt an dem Tag wo ich vor zwei Monaten nach Deutschland zurückgeflogen bin und du schaffst es echt jetzt wieder alles zu versauen” Indem du nie sagst was du eigentlich willst, dachte ich noch so für mich, sagte es aber nicht. Ich wünschte, es würde jetzt einfach jemand reinkommen und mich aus dieser Situation befreien. Stattdessen spürte ich dann seine Hände auf meinen Schultern. Warum kann er nicht einfach seine Finger von mir lassen? Kurz dachte ich daran zu sagen das er aufhören soll mich anzufassen, liess es aber doch bleiben. Von mir aus kann er auch einfach verschwinden. Ich wäre am liebsten einfach gegangen, ich konnte aber irgendwie nicht. Langsam drehte er mich um, jetzt musste ich ihn ansehen.
So richtig wohl fühlte ich mich nicht. Ich wollte gar nicht wissen was er zu sagen hat. Es war schon gefährlich genug das er so nah vor mir steht. “Ich kann es nicht ertragen dich mit einem Anderen glücklich zu sehen” So viel Ehrlichkeit plötzlich schockierte mich auch irgendwie und sein Blick machte es perfekt. “Was?” Er sah mich an und schluckte nur. “Warum stört es dich so? Vor zwei Monaten war es dir doch auch egal. Was ist mit Marina?” Fragte ich skeptisch.
Als wir uns vor zwei Monaten mehr zufällig geküsst hatten, hatte er sich ja auch plötzlich an sie erinnert. “Ich mag sie wirklich. Ich weiss aber das ich auf Dauer mit ihr nicht glücklich wäre. Wie das lief vor zwei Monaten tut mir leid, ich war nur total überrumpelt von allem und musste erstmal nachdenken” Langsam kam ich ins schwitzen und schluckte erstmal kräftig. Das gefiel mir alles gar nicht, ich wollte es nicht hören weil es mich auf dumme Gedanken bringt. “Es ist zu spät” Sagte ich leise und ging sicherheitshalber einen Schritt von ihm weg da mir die Spannung zwischen uns zu gefährlich wurde.
Er nickte ganz leicht mit dem Kopf und kaute auf seiner Unterlippe. Am liebsten wäre ich gegangen aber irgendwas hielt mich davon ab, ich konnte mich keinen Schritt bewegen. Wenn ich ihn so sehe fühlte ich mich gleich wieder schlecht. Ich fragte mich wie er es schafft, das ich ein schlechtes Gewissen habe wenn ich ihn abweise obwohl er keinerlei Forderungen stellen konnte. Wenn jemand das Recht dazu hätte dann Alex.
“Du kannst ruhig gehen” Ich blieb stehen und schluckte, mir gefiel der Ton in seiner Stimme nicht. “Hast du ja damals auch schon gemacht” Kam es ein paar Sekunden später noch mit einem ausweichendem Blick auf den Boden. Darauf hatte ich jetzt nur gewartet! Ich bekam gleich noch mehr Wut als vorhin. “Du bist echt unfair!” Sagte ich leise und hätte ihm dafür am liebsten eine Ohrfeige verpasst.
So langsam fiel es mir schwer mich noch zu beherrschen. Er hob seinen Kopf und sah mich wieder an. “No, das ist die Wahrheit. Ich spreche nicht von vor sieben Jahren” Nicht? Was will er dann damit sagen? “Sage das du nichts für mich empfindest und wir werden uns nie wieder sehen wenn das hier vorbei ist” Im nächsten Augenblick stand ich sicher mit offenem Mund da.

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