25 December 2009

Chapter 23

Wir redeten dann natürlich nicht weiter über den Vorfall. Die Seite war mir neu an Rafa, normalerweise hing er sehr an seiner Familie daher erstaunte mich sein Verhalten ja auch so. Da wir ja heute Zeit hatten, starteten wir Tomeu und ein paar anderen Leuten einen Besuch ab und verkrümelten uns dann nach Palma. Rafa fiel ja überall auf daher mieden wir große Menschenansammlungen wobei sowieso eben wenig Touristen unterwegs waren.
Die Sommer-Saison war offiziell letzte Woche zu Ende gegangen und die meisten Hotels machen jetzt zu und öffnen erst nächstes Jahr im März wieder. Im Winter gehört die Insel praktisch den Einheimischen obwohl nach wie vor täglich Flüge in alle deutschen Städte angeboten wurden. Ganz ohne Autogramme schreiben und Fotos kam Rafa nicht aus aber es hielt sich in Grenzen. Das war irgendwie komisch das er Autogramme schreiben musste.
Natürlich wusste ich wie bekannt er ist aber früher hat es keinen Menschen gekümmert wenn Rafa irgendwo ist und plötzlich rasten alle aus wenn er irgendwo auftaucht. Es war was anderes zu wissen wie bekannt er ist und das dann auch mit eigenen Augen zu sehen. Wenigstens hatten wir am Hafen unsere Ruhe.
Es war richtig schön, auf der einen Seite konnte man direkt aufs Meer sehen und auf der anderen Seite Palma. Von hier aus ist der beste Platz um die Kathedrale zu fotografieren. Vereinzelt liefen hier auch Touristen umher und machten Bilder aber die beachteten uns nicht weiter.

Ich war schon heilfroh, das heute Abend direkt mal nichts an lag. Vorsichtig wagte ich es daran zu denken, das ich Rafa mal für eine Weile für mich alleine habe. Früher hätten wir jetzt die Chance genutzt und wären irgendwohin gegangen aber wir zogen es vor uns in seinem Haus zu verkriechen. Ich hatte mich schon gefragt wozu Rafa einen Kamin im Haus brauchte.
Zum Heizen sicher nicht denn dafür war ja die Fußbodenheizung da. So kalt war es auch nicht aber das konnte sich echt sehen lassen. Es kam gleich dieser typische Geruch nach verbranntem Holz, ich fühlte mich gleich wie in einer Berghütte in den Alpen. Dabei dachte ich unweigerlich an Alex. Wo ich mit ihm in Österreich im Urlaub war gab's auch einen Kamin daher erinnerte ich mich jetzt daran. Obwohl ich es doch vorziehe mit Rafa vorm Kamin zu sitzen und nicht mit Alex.
“Mir kommt's vor als wäre ich in Österreich” Rafa zog ein Lächeln und sah zu mir. “Wieso?” ”Der Kamin erinnert mich irgendwie an eine einsame Berghütte. Ich war im Februar dieses Jahr Ski fahren in Österreich und da gab's auch einen Kamin” ”Mit Juli?” ”No, mit Alex” Ich sah schon wie sein Lächeln verschwand.
“Oh, ich ähm wollte nicht neugierig sein” Ich wunk ab und trank einen Schluck. “Schon gut” Rafa rückte näher zu mir und umarmte mich. Erst mal blieb ich sitzen und wollte mich überraschen lassen was das wird. “Hast du jemals daran gedacht wieder hier her zu ziehen?”

Ich musste das kurz sacken lassen und drehte dann meinen Kopf zu ihm. “Was?” Fragte ich etwas schockiert und verunsichert was das jetzt werden sollte. “Du musst keine Angst kriegen, ich frage nur so allgemein” ”Also so richtig habe ich da nicht drüber nachgedacht bisher. Ich habe mich ganz gut eingelebt in Deutschland. Ich will nicht sagen das ich es nie machen werde aber ich hatte es nicht vor demnächst wieder hier her zu ziehen”
Rafa lächelte zwar noch aber es sah anders aus als vorher, ein wenig verkrampft irgendwie. Ich wurde das Gefühl nicht los das er sich eine andere Antwort von mir erhofft hatte. Damit es nicht zu Missverständnissen kommt wollte ich gleich Klarheit schaffen. Ich umarmte ihn und konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. “Das sollte nicht heißen das ich nicht ab und zu mal hier her komme um dich zu besuchen” Im nächsten Augenblick wurde sein Lächeln wieder breiter. “Bin ich ja beruhigt” ”Wenn ich schon mit dir zusammen bin, will ich dich auch ab und zu mal sehen” ”Mhh, vielleicht hast du Glück und ich lasse dich ab und zu hier übernachten”
Da er mir zu frech war zwickte ich ihn in die Seite. “Das erwarte ich doch!” ”Stellst du jetzt Forderungen?” ”Ich war schon immer Besitzergreifend” Der Satz passte zu der Umarmung daher musste ich kichern. “Damit kann ich leben” Da er mich so anstrahlte, konnte ich nicht anders und musste ihn einfach küssen. Von mir aus hätten wir damit nicht wieder aufhören müssen aber Rafa löste sich dann wieder von mir und sah mich mit großen Augen an. Ein wenig verwirrt war ich schon, es war als wollte er etwas sagen und weiß nicht wie er anfangen soll. Der Blick hatte echt was, ich könnte mich total vergessen wenn er mich so ansieht. Als er mit seiner Hand ein paar Haarsträhnchen aus meinem Gesicht strich, legte ich meine Hand über seine.
“Willst du etwas sagen?” Fragte ich dann leise aber direkt. Sein Lächeln erschien gleich wieder. “Wie kommst du darauf?” ”Ich kenne dich eben” Sagte ich nur mit einem frechen Lächeln. “Das ist ja auch das schöne, ich kann irgendwie nicht richtig glauben das du hier bist. Ich meine, das ist zu gut um wahr zu sein” Ich sah in seine Augen und schmolz auf der Stelle dahin. “Ich fühle mich als wenn ich wieder 16 wäre” Sagte ich mit einem breiten Lächeln und spürte wieder das Kribbeln im Bauch das ich immer kriege wenn ich Rafa sehe.
“Das geht mir schon länger so. Ich habe schon seit Ibiza die Tage gezählt bis ich dich wieder sehe. Ich hatte schon Entzugserscheinungen von dir” ”Mhh, früher haben wir uns ein bisschen öfters gesehen. Ist blöd das ich immer Urlaub machen muss und nicht mal länger hier bleiben kann” ”Würdest du länger bleiben wenn du Zeit hättest?” ”Wenn du hier bist schon. Ich habe eigentlich keine Lust auf eine Wochenendbeziehung weil ich es hasse wenn ich mich von dir verabschieden muss” Mir fiel erst nach ein paar Minuten auf, das Rafa gar nichts mehr gesagt hatte. Ich löste mich etwas aus seiner sehr bequemen Umarmung und sah in sein Gesicht. Er sah auf das Feuer im Kamin und schien Gedanklich ganz weit weg zu sein.
So Gedankenverloren sieht er irgendwie gut aus und obwohl ich ihn eigentlich nicht stören wollte, küsste ich ihn am Hals. Ich konnte nicht anders, es fiel mir schon schwer nicht gleich über ihn herzufallen, ich bekam nie genug von ihm. “Meine Mutter glaubt das du hier bist weil ich so erfolgreich bin”

In der nächsten Sekunde änderte sich meine Laune ein wenig. Hatte ich das eben richtig verstanden? Das war so heftig, das ich erst mal schlucken musste. Für den Moment war ich einfach sprachlos. Ich muss zugeben, das mich das gewissermaßen wirklich traf. Das sie ausgerechnet mir vorwirft das ich nur auf den Star Rafael Nadal aus wäre konnte ich nicht glauben. Früher kam ich eigentlich gut aus mit ihr, sollte ich mich wirklich so in ihr getäuscht haben? “Diana” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah wieder zu Rafa.
Mir wurde das alles ein bisschen zu viel für den Moment. Ich wollte ein wenig weg rücken aber Rafa ließ mich nicht los, im Gegenteil, je mehr ich versuchte wegzurücken desto mehr umarmte er mich. “Ich weiß, dass es dir nicht darum geht. Ich kann mir echt nicht erklären wie die auf so was dummes kommt, ich kam nicht wirklich dazu genaueres zu erklären. Ich weiß, dass du die allerletzte wärst die auf mein Geld aus ist”
Ich war schon froh das Rafa das nicht auch glaubte aber das konnte ich wohl auch erwarten das er es besser wusste. So richtig freuen konnte ich mich trotzdem nicht. Nach ein paar Minuten hatte ich mich wieder etwas gefangen. Ich schluckte noch mal und sah ihn ernst an. “Hat sie das gestern Abend gesagt?” ”Sí, das war aber nicht der einzige Grund warum ich so sauer auf sie bin” Ich sah ihn nur an und war mir nicht sicher ob ich das hören wollte.
Was konnte da noch kommen um das zu steigern? “Was denn dann?” Fragte ich mit einem dicken Klos im Hals. “Sie fing wieder an mit Marina weil sie wohl nicht wahr haben will, das es vorbei ist mit ihr. Ich habe dann gesagt das ich mit dir zusammen sein will und nicht mit Marina...” Rafa ließ seinen Blick nach unten wandern und sah auf meine Hände. “...sí und dann hat sie gesagt das du ja sowieso nur mal hier her kommst um Urlaub zu machen. Die hat doch allen ernstes gefragt wieso ich mit dir zusammen sein will” Ich ließ das alles sacken und merkte dann das er mich wieder ansah und nach meiner Hand griff.
“Diana, ich liebe dich. Obwohl ich keinen Kontakt hatte zu dir konnte ich dich nicht vergessen. Ich meine, ich habe alle Freundinnen die ich nach dir hatte an dir gemessen aber du bist was Besonderes. Dich gibt es kein zweites mal. Du bist die einzige Frau mit der ich mir vorstellen kann länger zusammen zu sein. Als du im Sommer plötzlich hier warst, wusste ich gar nicht was ich zuerst denken soll. Ich hätte nicht gedacht das ich dich jemals wieder sehe und dann standest du plötzlich vor mir. Mir wurde dann erst später als du wieder weg warst klar, das ich mit dir zusammen sein will daher habe ich auch so genervt das du hier her kommen solltest, ich wollte dich einfach sehen. Es mag sich komisch anhören aber das mit Marina war schon vorbei als ich dich das erste mal wieder gesehen habe. Was auf Ibiza abgelaufen ist tut mir ja auch leid aber ich konnte nicht anders. Wenn du mich hättest abblitzen lassen hätte ich Pech gehabt aber ich hätte es mir nie verziehen wenn ich es nicht versucht hätte”
Ich brauchte ein paar Sekunden um zu realisieren was er eben gesagt hatte. Wie oft hatte ich mir gewünscht das von ihm zu hören! Es klang richtig gut, besser als vor sieben Jahren. Nicht das ich ihm das damals nicht glaubte aber ich wusste, das er es jetzt ernst meint. “Ich liebe dich Rafa” Sagte ich mit einem vorsichtigen Lächeln nach ein paar Sekunden. Kurz huschte ein Lächeln über sein Gesicht aber leider eben nur kurz.
“Ich habe wortwörtlich zu meiner Mutter gesagt das ich mit dir zusammen sein will weil ich dich liebe. Tja und dann hat sie gemeint das du nur auf meinen Erfolg aus bist. Damit war die Diskussion für mich sofort beendet” Ich sah schon an seinem ernsten Gesicht, das ihn das ziemlich beschäftigte. Was ich jetzt sagen soll wusste ich auch nicht so richtig. Vielleicht war das eine Verzweiflungstat von ihr das sie dachte das Rafa es sich noch mal anders überlegt wenn sie nur lange genug auf ihn einredet?
Sie hat sicher nicht damit gerechnet das er so reagiert. Ihr hätte aber doch klar sein müssen das er mich niemals mitgenommen hätte wenn ich ihm nichts bedeuten würde. Rafa hat noch nie jemanden nur aus Spaß seinen Eltern vorgestellt.

Da mir das schweigen zwischen uns zu unangenehm wurde, rückte ich so nah es ging an ihn und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Mir war klar das nicht alle davon begeistert sind das wir zusammen sind aber ausgerechnet seine Mutter... Ich wäre die letzte Person die Rafa etwas Schlechtes will. Mir war's auch egal was er macht, das scheint seine Mutter nur nicht zu kapieren. Ich wäre auch mit ihm zusammen wenn er gar kein Geld hätte.
Ich hob meinen Kopf wieder von seiner Schulter und sah ihn an. “Wissen deine Eltern das ich auch auf Ibiza war?” ”No” ”Vielleicht war sie ja nur erschrocken mich zu sehen. Wenn sie nichts von Ibiza weiß, könnte es wirklich komisch aussehen” ”Bist du auf ihrer Seite?” ”No aber ich kann mir nicht erklären wie die auf so was kommt. Ich habe gar nichts gemacht. Vielleicht dachte sie du überlegst es dir noch mal” ”Ich liebe dich, es gibt nichts zu überlegen. Ich hätte damals als du weg musstest kaum so reagiert wenn mir das nichts bedeutet hätte und das müsste sie eigentlich wissen. Ich meine ich kann meine Gefühle nicht abstellen und das wir uns nicht gesehen haben ändert nichts daran” ”Schon aber das waren sieben Jahre. Ich meine, Menschen verändern sich, sie dachte sicher das wir keinen Kontakt mehr haben”
”Das ist mir klar aber ihre Reaktion ist unverzeihlich. Das fühlte sich an wie eine Ohrfeige” Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ein vorsichtiges Lächeln. “Das war ziemlich daneben das kann ich verstehen aber sie wird sich schon daran gewöhnen” ”Mich wundert deine Reaktion” ”Ich will nur nicht das du dich wegen mir mit deinen Eltern streitest” ”Was soll ich machen? So tun als wäre nichts gewesen?” ”No aber versuche mal dich in deine Mutter reinzuversetzen. Du tauchst aus heiterem Himmel nach sieben Jahren plötzlich mit mir auf. Dachtest du das es niemanden wundert? Ich weiß ja nicht was sie glaubt warum ich hier bin. Du weißt ja wie das ablief damals. Sie hat sicher Angst das so was noch mal passiert”
Je mehr ich sagte, umso zerknirschter wurde sein Gesicht. “Kann schon sein aber muss ich mir dann so was anhören von ihr?” ”Sie wusste sich sicher nicht anders zu helfen und war etwas überrumpelt” ”Ich hoffe das du Recht hast” ”Rede mit ihr und mache ihr klar, dass du es ernst meinst” ”Und wie wenn sie so antwortet?” ”Das meine ich. Erzähle doch mal alles, sage doch das ich auch auf Ibiza war und das ich im Sommer schon mal hier war. Ist doch sowieso egal jetzt wenn alles raus kommt” Sein Augenrollen fasste ich als Kapitulation auf.
“Ok, vielleicht hast du ja Recht” Ich zog gleich ein Lächeln. “Klingt doch schon besser!” ”Ich finde das trotzdem nicht ok was sie gesagt hat, alleine schon die Frage warum ich mit dir zusammen bin war dämlich” ”Das haben Eltern so an sich, die lieben es dumme Fragen zu stellen. Ich habe da auch viel Erfahrung gemacht” Langsam wurde sein Lächeln dann wieder breiter. “Du schaffst es echt jede noch so beschissene Situation so zu drehen das was gutes raus kommt am Ende” ”Das habe ich von dir. Denke an el mago Toni” ”Muchas gracias das du mich daran erinnerst!” Es gab da eine echt niedliche Geschichte vom Zauberer Toni.
Rafa war damals acht Jahre alt und lag bei einem Spiel 0 - 3 zurück. Da er aufgeben wollte hatte Toni behauptet das er zaubern könne und das er es regnen lässt damit Rafa sich ein bisschen erholen konnte. Natürlich glaubte Rafa das sofort und als es tatsächlich regnete sagte er zu Toni das er den Regen stoppen kann weil er jetzt gewinnt. Gewonnen hatte er dann auch tatsächlich und so kam Toni zu seinem Spitznamen hechicero.
Die Geschichte war seither zum running gag im Freundeskreis geworden. “Wie schade das ich dich da noch nicht kannte, das hätte ich zu gern gesehen!” ”Immer lache” Ich konnte leider nicht anders und hielt mir schon den Bauch vor lachen. “Es tut mir leid” Sagte ich halbherzig und lachte weiter. “Sollte es auch!” ”Warum?” Fragte ich unter weiterem kichern. “Wir könnten zum Beispiel getrennt schlafen” Ich nutzte mein ganzes schauspielerisches Talent und zog ein total schockiertes Gesicht. “No! Das geht doch nicht. Was glaubst du warum ich hier bin?” Inzwischen ging sein Grinsen vom einen Ohr zum anderen.
”Ach so ist das!” Sein Gesicht war so herrlich, ich würde am liebsten über ihn herfallen wenn er mich so an sieht. ”Mhh, so ist das. Wegen deiner Knieverletzung bin ich sicher nicht hier, darüber hätten wir auch am Telefon reden können” ”Warum bist du denn dann hier?” Da er mich so gespannt an sah, konnte ich nicht anders und küsste ihn verführerisch. “Lass dich überraschen” Flüsterte ich in sein Ohr während ich meine Hände unter seinem Hemd verschwinden ließ. “Ich liebe Überraschungen von dir” Kurz kam mir in den Sinn was ganz böses zu tun. Ich könnte ihn doch erst heiß machen und dann abblitzen lassen. Das würde nur daran scheitern, das ich mich selbst nicht mehr unter Kontrolle habe. Mir fiel es ja schon schwer die Situation unter Kontrolle zu halten.
Was ich meine ist das Rafa Küsse auf mir verteilt und ich dann alles um mich rum vergesse. Warum musste er auch immer so schöne warme Hände haben? Mir wurde es direkt wärmer, woran das wohl lag? Es ist doch immer das gleiche, Rafa übernimmt liebend gerne die Kontrolle daher war's auch schwierig ihn davon abzuhalten. Er schob mein Oberteil nach oben und verteilte Küsse rund um meinen Bauchnabel.
Das tat richtig gut und ich musste mich schon beherrschen ruhig liegen zu bleiben. Bevor ich dazu kam das total zu genießen hörte er aber auf. Ich kam wieder zur Besinnung und schlug meine Augen auf. “Wo willst du hin?” ”Wir ähm, sollten vielleicht besser nach oben verschwinden bevor Maríbel uns auch noch überrascht und darauf bin ich nicht sehr scharf” ”Ok” Ich stand auf und stolperte engumschlungen mit Rafa nach oben.

“Diana” Ich wurde aus einem leichten Dämmerschlaf gerissen und schlug meine Augen auf. Es war zwar dunkel aber es schien durch die Fenster etwas Licht rein. Rafa lag auf der Seite direkt an mir und sah mich an. Sein Blick verschlug mir kurzfristig die Sprache, so sah er auch aus als er Wimbledon gewonnen hatte. “Mhh?” Fragte ich dann leise. Statt etwas zu antworten küsste er mich sanft. Wenn er damit nicht gleich aufhört, komme ich nur wieder auf dumme Gedanken. Ich war sowieso eben total glücklich, am liebsten würde ich ewig in seinen Armen liegen bleiben. Er fuhr dann mit einer Hand durch meine Haare und sah mich an.
“Ich wünschte wir könnten uns öfters sehen” ”Warum? Bist du sexsüchtig?” Fragte ich trocken zurück. Seinem Lächeln nach zu urteilen verfehlte der Satz seine Wirkung nicht. “No aber mir fehlt das richtig. Ich habe keine Lust wochenlang darauf zu verzichten, das tut zu gut. Das ist das einzige negative an dem ganzen, wenn du hier bist wird mir nur bewusst auf was ich alles verzichte” ”Also doch sexsüchtig” ”Wenn du es so bezeichnen willst. Ich liebe dich und ich liebe es noch viel mehr mit dir zu schlafen. Die Nacht mit dir auf Ibiza, war irgendwie unrealistisch. Ich hätte nie geglaubt das ich die Chance bekomme dir zu zeigen das ich dich liebe”
Mein Gesicht wurde dann wieder Ernst weil das Thema war zu Ernst war um es ins lächerliche zu ziehen. “Wann ist dir denn klar geworden das du mich liebst?” “Mhh, gute Frage! Ich glaube in dem Moment als ich dich gesehen habe in Manacor, daher war ich auch so schockiert darüber dich zu sehen. Ich dachte ich wäre darüber hinweg aber mir wurde ziemlich schnell klar das es nicht so ist” ”Mhh, wenn das so ist, muss ich wohl öfters mal hier her kommen. Ich spiele doch gerne deine Freizeitbeschäftigung”
Sein freches Grinsen erschien gleich wieder. ”Das klingt ja fast so als würdest du das nur tun um mir einen Gefallen zu tun!” Ich musste kichern und küsste ihn kurz. “Wenn du das glaubst, kennst du mich wirklich schlecht” ”Vielleicht sollte ich ja petzen gehen” ”Klar, gehe doch zu deiner Mutter und sage ich würde nur mit dir schlafen um dich bei Laune zu halten. Dann bringt sie mich gleich persönlich um” ”Also das will ich mir besser gar nicht erst vorstellen. Die muss ja nicht alles wissen außerdem liebe ich es wie du mich in den Wahnsinn treibst” ”Mhh, lass sie ruhig in dem Glauben das wir Karten spielen” ”Du meinst so wie vor sieben Jahren oder wie? Ich bezweifle nur das uns die Unschuldsnummer jetzt noch einer abnehmen wird”
Als ich daran dachte wie seine Eltern reagiert hatten als er mehr oder minder um Erlaubnis gefragt hat ob ich bei ihm übernachten darf, musste ich gleich wieder lachen. Erst haben sie sich ja standhaft geweigert mich übernachten zu lassen aber Rafa konnte schon immer gut nerven. Sein Vater meinte es wohl besonders gut und nötigte Rafa zu einem oberpeinlichen Vater-Sohn Aufklärungsgespräch. Wie schade das ich da nicht dabei war, ich konnte mich kaum halten vor lachen als Rafa mir hinterher davon erzählte.
“Denke an deinen Vater!” Sagte ich dann nur mit einem amüsierten kichern. “Erinnere mich nicht daran! Das war ein Desaster! Peinlicher ging es ja wohl nicht mehr. Ich habe heute noch Albträume davon” ”Er hat es doch nur gut gemeint” ”Sicher, du wurdest ja dann auch nicht verhört. Ich kam mir vor wie im falschen Film, hätte nur noch gefehlt das er mit Bienchen und Blumentöpfen anfängt” ”Wenigstens hatten wir dann was zu lachen” ”Obwohl meine Mutter auch nicht schlecht war. Die sah mich an als hätte ich den Weltuntergang verkündet dabei wollte ich nur fragen ob du bei mir übernachten darfst. Hätte ich gewusst das meine Eltern dann gleich am Rad drehen, hätte ich das anders gemacht” ”Die hatten wohl Angst das sie neun Monate später auf eine Miniausgabe von dir aufpassen dürfen” ”Ich hatte nicht vor mit 16 mit der Familienplanung anzufangen”
In der Hinsicht war ich froh das ich keine 16 mehr war. Es hätte ja nur noch gefehlt, das seine Mutter mich dafür verantwortlich macht weil sie glaubt, dass ich Rafa zu irgendwas dränge.

20 December 2009

Chapter 22

Ich sah schon wie er leicht genervt mit den Augen rollte als er mich sah. “Bin fertig” Sagte ich breit grinsend und blieb vor ihm stehen ohne weiter auf sein Augenrollen einzugehen. “Ein Wunder” Kam es dann trocken. Ich sah kurz an ihm nach unten, er hatte auch Jeans an und dazu eine schwarze Jacke. “Ist es dir egal was ich anziehe?” Fragte ich übertrieben. ”Willst du eine ehrliche Antwort auf die Frage? Von mir aus musst du auch gar nichts anziehen” ”Ich denke nicht das deine Eltern davon begeistert wären” In der nächsten Sekunde ging sein Lächeln vom einen Ohr zum anderen. “Ich würde mich umso mehr freuen” ”Sieht dir ähnlich! Aber wir kommen ja auch mal wieder hier her, no?” ”Ich kann's kaum erwarten! Ich verstehe sowieso nicht, was ihr Frauen immer stundenlang im Bad veranstaltet. Du siehst doch auch so umwerfend aus”
Ich rollte mit den Augen und hakte mich bei ihm ein. ”Du verstehst das eben nicht! Lass uns gehen oder wir kommen erst morgen früh in Manacor an” ”Sí wie Madame wünschen” ”Wo ist eigentlich Maríbel? Kommt die nicht mit?” ”No, sie hat was Besseres vor außerdem wäre die drei Stunden lang im Bad, gegen die bist du noch schnell. Ich würde mich ja auch gerne drücken und mit dir hier bleiben aber ich bin ja sonst auch nie da. Meine Eltern haben mich sozusagen gezwungen da aufzutauchen. Nicht das du denkst ich ziehe eine Familienfeier einem gemütlichen Abend mit dir vor”
”Ich fühle mich geehrt” Meinte ich mit einem Augenrollen. Zu wissen das Rafa auch lieber hier bleiben würde nutzt mir leider wenig. Wir liefen also raus zu seinem Auto und stiegen ein.

Je näher wir nach Manacor kamen umso aufgeregter war ich. Wie würde seine Mutter wohl auf mich reagieren? Da ich ihn überredet hatte, hat Rafa wenigstens vorhin angerufen und gesagt das er noch jemanden mitbringt auch wenn er nicht sagte wen. Seine Eltern glauben jetzt sicher das Rafa eine neue Freundin vorstellen will und sind schon ganz gespannt. Er hätte doch wenigstens eine vage Andeutung machen können, ich bin ja gespannt wie sie auf mich reagieren. Mein Hals war schon ganz trocken als wir in Manacor vor dem Haus seiner Eltern ausstiegen. Ich sah am Haus nach oben und schluckte dann erst mal kräftig. Das ich hier noch mal mit Rafa zusammen stehe, hätte ich mir auch nie zu träumen gewagt.
Ein bisschen mulmig war es mir schon im Bauch, ich wollte das eigentlich gar nicht. Jetzt wo wir hier waren, könnte ich mich selbst dafür verfluchen das ich mich von Rafa überreden lassen habe. Freiwillig wäre ich niemals mitgegangen, ich mache das nur weil Rafa unbedingt will das ich mitkomme. “Alles ok?” ”Mhh” Machte ich nur mit einem nervösen Lächeln. Er nahm meine Hand in seine und zog ein breites Lächeln. “Hey, es wird schon schief gehen. Die kennen dich doch außerdem bin ich ja auch noch da” ”Hoffentlich hast du Recht” Ich ließ Rafa den Vortritt und lief ihm nach. Wir hätten auch Hand in Hand da auftauchen können aber wir mussten ja nicht gleich übertreiben. Rafa hatte zwar sicher einen Schlüssel aber er klingelte trotzdem.
Ich holte tief Luft und redete mir ein jetzt ganz ruhig zu bleiben. Nach ein paar Sekunden ging die Tür auf und seine Mutter Ana Maria sah uns an. “Hola Rafael” Sagte sie mit einem Lächeln und sah dann an Rafa vorbei zu mir. In der nächsten Sekunde entgleisten für einen Moment ihre Gesichtszüge aber sie lächelte weiter und versuchte sich nichts weiter anmerken zu lassen. “Diana? Das ist ja eine Überraschung! Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet” Ich sah mich zu einer Reaktion gezwungen. „Hola” Sagte ich erst mal nur und rang mir mühsam ein Lächeln ab. Mir war natürlich nicht danach aber the show must go on! Sie ließ uns rein und sah dann fragend zwischen mir und Rafa hin und her. Rafa zog sich seine Schuhe aus und sah dann zu seiner Mutter. “Kann ich das später erklären?” “Natürlich”
Mit einem Lächeln verschwand sie wieder in Richtung Küche. Ich blieb stehen und sah zu Rafa. Er zuckte nur mit den Schultern und zog sich seine Jacke aus. “Ich würde sagen die Überraschung ist uns gelungen” ”Mhh” Machte ich mit einem angestrengten Lächeln. Da hatte er mehr als Recht. Ich war mir nicht sicher, ob der Gesichtsausdruck als sie mich erkannte positiv oder negativ zu interpretieren war. So wirklich begeistert sah sie ja nicht aus als sie mich erkannte. Vielleicht mache ich mir auch wieder mal viel zu viele Gedanken.

Das Staunen war erst mal groß als auch die letzten verstanden hatten, das ich nicht so eine Art neue Freundin war sondern eine alte Bekannte wenn man das so bezeichnen will. Ich hätte selbst nie für möglich gehalten das ich hier noch mal bin. Früher war ich ja öfters hier aber das war lange her. Der Vater von Rafa Sebastían machte auch ein überraschtes Gesicht aber im positiven Sinne und nicht so verdächtig wie Ana Maria.
Wir setzten uns dann hin und machten gute Mine zum bösen Spiel, ich zumindest, Rafa schien sich gleich heimisch zu fühlen. Die Großeltern von Rafa und Toni mit seiner Familie waren ja auch noch da, ich fürchtete schon das der Abend sich lange hinziehen würde. Das war ja nicht wie in Deutschland das nach dem Essen jeder in seine Wohnung verschwindet. Nach spanischer Tradition konnte sich alleine das Essen über Stunden hinziehen.

Es fragte erst mal niemand wie es jetzt dazu kam das ich plötzlich mit Rafa hier aufgetaucht bin. Toni sah ab und zu interessiert zu mir aber ich ging mal davon aus das Rafa ihn schon vorher aufgeklärt hatte. Die sahen sich schließlich fast jeden Tag. Vielleicht warteten die ja alle auf eine Erklärung von Rafa aber der sah irgendwie nicht aus als wenn er vor hätte alles groß und breit zu verkünden. Im Gegenteil, er verlor kein Wort darüber wie es dazu kam das ich plötzlich hier bin. War schon merkwürdig, erst fleht er mich halb an das ich mitkomme und dann tut er so als wäre nichts gewesen. Vielleicht glaubt er ja, dass er die Zeit mal eben um sieben Jahre zurückdrehen kann und es nicht nötig ist große Erklärungen vor seiner Familie abzugeben.
Im Moment wurde ich nicht schlau aus seinem Verhalten. Ich wollte mich auch nicht zu sehr einmischen und dachte ich überlasse das Rafa, sind ja auch seine Eltern und nicht meine. Es lief eigentlich ganz gut und zum Essen entspannte sich die Stimmung etwas. Ich hoffte nur das nicht noch drei Gänge als Nachspeise kommen. Warum musste das auch ausgerechnet heute sein? Ich war schon nur drei Tage hier, da muss Rafa auch noch hier her fahren und einen auf happy family machen. Ich wusste ja, dass er auch lieber zu Hause in Porto Cristo geblieben wäre aber wie heißt es so schön, Tradition verpflichtet!
Kurz nach dem Essen verschwand Rafa und tauchte nicht mehr auf. Ich dachte er wäre auf Toilette aber dafür war er einen Tick zu lange weg. Irgendwann würde er sich schon mal wieder die Ehre geben hier wieder zu erscheinen also blieb ich sitzen und wartete. Seine Oma nutzte gleich die Gunst der Stunde um mich auszufragen wie es kommt das ich hier bin.

Ungefähr 15 Minuten nachdem er verschwunden war setzte Rafa sich wieder neben mich und sah mit einem todernsten Gesicht geradeaus über den Tisch. Kurz überlegte ich was das jetzt wieder zu bedeuten hatte und sah aus dem Augenwinkel zu ihm rüber. Irgendwas war los, ich konnte es förmlich riechen. Das etwas passiert war würde auch jemand sehen der Rafa nicht kennt. Um nicht so laut fragen zu müssen rückte ich ein wenig näher zu ihm.
“Alles ok mit dir?” Fragte ich leise und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er sah zu mir aber er machte sich nicht mal die Mühe ein Lächeln zu ziehen. “Du hast doch nichts dagegen wenn wir gehen, no?” So wie er das formulierte war das keine Frage sondern eine unmissverständliche Ansage das er sofort gehen wollte. Ich war noch damit beschäftigt zu überlegen woher sein plötzlicher Stimmungswandel kam.
“Jetzt sofort?” Fragte ich etwas verunsichert und sah ihn mit großen Augen an. Statt etwas zu antworten, stand er wortlos auf und lief in den Flur. Noch immer perplex stand ich auch auf und lief ihm nach. Mir kam es so vor als wenn er auf 300 ist, so wütend hatte ich ihn auch nur selten erlebt. Rafa gehört nicht zu der Sorte Menschen die schnell ausrasten aber wenn er es tut, dann so richtig. Ich beschloss vorsichtshalber erst mal nicht weiter zu fragen was los war. Da sein Vater dann in den Flur kam, verabschiedeten wir uns von ihm und gingen dann.

Ich holte tief Luft als wir aus dem Haus kamen und griff nach seiner Hand. “Was war los?” Fragte ich ihn ernst. Da wir jetzt alleine sind, kann ich ja mal direkt nachfragen. Er blieb immerhin stehen und sah mich an. “Können wir später darüber reden? Ich muss mich erst mal abregen” ”Ok” Wortlos liefen wir zu seinem Auto und stiegen ein. Während der Fahrt zurück nach Porto Cristo versuchte ich mir zusammen zu reimen was da eben vorgefallen war. Eine Weile war Rafa ja verschwunden und seine Mutter auch. Außerdem hat er sich nicht von seiner Mutter verabschiedet also glaube ich, dass es etwas mit ihr zu tun hat. Was sie gesagt oder getan hat weiß ich nicht aber Rafa hat es offensichtlich ganz und gar nicht gefallen.
Lag es etwa an mir? Das wäre die einzige Erklärung, die mir auf die schnelle einfiel. Ich wollte aber nicht, dass er sich wegen mir mit seinen Eltern streitet. Bis wir in Porto Cristo waren sagte niemand mehr ein Wort. Ich hielt es für besser ihn erst mal in Ruhe zu lassen. Mir war klar, dass es nur noch schlimmer wird wenn ich ihn jetzt auf biegen und brechen zwingen will zu sagen was los war. Früher oder später würde er es schon sagen. Natürlich störte mich das ganze schon. Ich hatte mir den Abend etwas anders vorgestellt. Das Rafa ein Gesicht zieht als wenn er gleich jemanden umbringen würde wollte ich auch nicht.
Ich dachte wir haben mal unsere Ruhe aber in der Stimmung wie Rafa eben war nutzte mir das auch nichts. Das war ja echt super gelaufen, jetzt zieht er ein Gesicht wie Weltuntergang und ich sitze da und muss noch überlegen was ich sage damit er nicht noch ganz ausflippt. Kurz dachte ich daran ihn abzulenken aber ich weiß nicht was er macht wenn ich jetzt versuche ihn zu küssen. Kann sein das regt ihn noch mehr auf. Andererseits hatte ich ihm doch nichts getan! Ich konnte nicht glauben, dass seine Mutter es schaffte ihn so aus der Bahn zu werfen das er jetzt miese Stimmung verbreitet obwohl er genau weiß, dass wir uns nicht so lange sehen können. Irgendwann hatte ich genug. Ich bin sicher nicht hier um ihn zu beobachten wie er minutenlang auf die selbe Stelle starrt und kein Wort sagt. Da ich aber nicht wusste was ich sagen sollte, stand ich einfach auf und ging nach oben. Das war doch auch ein eindeutiges Zeichen.
Ich ging in das Gästezimmer und setzte mich da auf das Bett. Wenn ich Glück habe erscheint er hier und wenn es dumm läuft, war es das für heute Abend. Das konnte doch echt alles nicht wahr sein, da freue ich mich seit Wochen darauf ihn zu sehen und jetzt das.

Zu meiner Überraschung erschien er tatsächlich zehn Minuten später und blieb mit einem zerknirschten Gesicht in der Tür stehen. Ich musste fast lachen, er sah echt herrlich aus so. “Komme her” Er kam langsam näher und setzte sich neben mich. Sein Blick war echt herzzerreißend. Er sagte nichts aber er ließ seinen Kopf auf meine Schulter fallen. Ich umarmte ihn und fuhr mit einer Hand seinen Rücken auf und ab. “Es tut mir leid” Kam es nach ein paar Sekunden leise. Da ich nicht gleich antwortete hob er seinen Kopf und sah mich wieder an. Immerhin war sein Gesicht nicht mehr so versteinert wie vorhin.
“Ich wollte das nicht. Ich weiß das du nicht lange hier bist und es tut mir leid das ich so eine Stimmung verbreite” Ein kurzes Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. Bei dem Blick konnte ich sowieso nicht sauer auf ihn sein. “Schon gut, ist eben dumm gelaufen” ”Ich ähm wollte dich nicht dazu drängen so überstürzt zu gehen aber ich dachte wenn ich noch lange da bleibe explodiere ich. Du hattest dir den Abend sicher anders vorgestellt, ich mir selbst ja auch” Ich entschied mich dazu vorsichtig nachzuhaken was passiert war. “Hat es mit deiner Mutter zu tun?” Er wich meinem Blick kurz aus und sah mich dann wieder an.
“Mhh, sie hat etwas unverzeihliches gesagt. Ich meine, ich dachte das sie hinter mir steht und wenn es nicht so ist dann erwarte ich zumindest das sie meine Entscheidungen akzeptiert” Ich kaute auf meiner Unterlippe und zählte eins und eins zusammen. Rafa hatte mir doch vorher schon gesagt das er glaubt, dass seine Mutter nicht sehr begeistert über mein Erscheinen sein wird. “Ging es um mich?” Das er von mir weg sah und nichts sagte, deutete ich als ein klares ja. Ob ich es genauer wissen wollte wusste ich nicht.
In den folgenden Minuten entstand eine leicht unangenehme Stille. In meinem Kopf war ständig die Frage was sie genau zu ihm gesagt hatte das er so reagierte. Vielleicht hat sie auch im Affekt etwas gesagt was sie gar nicht so gemeint hat. Bis heute wussten seine Eltern ja nicht, dass ich überhaupt mit Rafa Kontakt habe. Ein bisschen hatte ich es geahnt, deswegen wollte ich erst ja auch nicht mitgehen. Ich hielt es aber für klüger das Rafa jetzt nicht noch unter die Nase zu reiben.

Der Abend war dann natürlich gelaufen. Ich hatte die leise Hoffnung das Rafa sich wieder beruhigt aber dem war nicht so. Wir verschwanden dann ins Bett und das war es dann auch. Ehrlich gesagt hätte mich ein bisschen mehr Nähe zu ihm nicht gestört. Ich war sicher nicht hier um ihn ins Bett zu kriegen aber nein sagen würde ich auch nicht. Wenigstens konnte ich neben ihm schlafen, das war doch auch schon mal was.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte und mich umdrehte, lag ich zu meiner Überraschung alleine im Bett. Ich streckte mich erst mal und hob dann meinen Kopf. Die Tür war offen aber das half mir auch nicht weiter. Zu hören war nichts und zu sehen gab es erst recht nichts. Ich ließ meinen Kopf wieder in die Kissen fallen und schloss meine Augen wieder. Da dann aber doch Geräusche zu hören waren setzte ich mich hin und sah aus dem Fenster, wenigstens war es schönes Wetter. “Bon dia” Ich drehte meinen Kopf und sah Rafa breit lächelnd in der Tür stehen. Noch dazu sah es so aus als wäre er schon im Bad gewesen, er hatte jedenfalls etwas anderes an als letzte Nacht.
“Hey, warum stehst du so früh auf?” ”Früh? Es ist nach um neun” ”Ich hasse so eine Hektik am Morgen” Murmelte ich leise und gähnte erst mal. Er kam näher, setzte sich auf die Bettkante und küsste mich auf die Stirn. “Ich wollte dich nur nicht wecken außerdem weiß ich das du gerne ausschläfst” Ich verzog mein Gesicht und sah ihn mit großen Augen an. “Dabei habe ich mich doch darauf gefreut neben dir aufzuwachen und dann bist du weg!” Sein Lächeln wurde noch breiter. “Es tut mir leid. Ich verspreche, dass ich morgen liegen bleibe bis du wach bist” Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn nach unten bis er halb über mir lag. “Hast du heute Zeit?” ”Sí” ”Du hast den ganzen Tag nichts vor?” Fragte ich skeptisch weiter weil ich es nicht glauben konnte. ”Sí!” ”Lüge mich nicht an! Du hattest früher schon nie Zeit” ”Früher hatte ich auch keine Entzündung im Knie” ”So was dummes aber auch, da du ja jetzt nicht stundenlang Tennis spielen kannst müsste es dir doch langweilig sein oder?” ”No außerdem bist du ja hier, du lenkst mich prima ab” ”Und wenn ich nicht da bin lenke ich dich nicht ab?” ”Doch, irgendwie muss ich ja meinen Onkel quälen. Ich muss nur deinen Name sagen und der kriegt die Krise. Er hat mir übrigens verboten das ich dich zu Turnieren einlade” ”Warum?” ”Weil er glaubt, dass ich mich überhaupt gar nicht mehr konzentrieren kann wenn du da bist” ”Ich mache gar nichts” ”Das reicht schon aus außerdem würde ich sowieso nicht nein sagen wenn du mich irgendwo besuchen wältest. Ich weiß nicht ob der allen ernstes glaubt, das ich mich an seine Ratschläge halte” ”Gut zu wissen, um jetzt aber noch mal kurz darauf zurück zu kommen das du heute Zeit hast. Warum stehst du dann so früh auf?” ”Ich war munter und was sollte ich machen? Dich beim schlafen beobachten? Das bringt mich nur auf dumme Ideen und ich dachte das passt dir auch nicht” ”Tja, wie man es macht, macht man es falsch” ”Sí dafür ist das Frühstück aber schon fertig” ”Ist da was dabei was kalt werden kann?” ”Kann man ja notfalls wieder aufwärmen” ”Bueno dann entspanne dich mal ein bisschen” ”Ich bin es nicht gewohnt gar nichts zu tun” ”Es ist total schön, glaube es mir!” ”Faulheit ist eine der Todsünden” Ich zog ein fieses Lächeln und musste mir ein lautes Lachen verkneifen. Seit wann kümmert ihn so was? “Stimmt! Neid, Gier, Eifersucht und Sex gehören dann aber auch dazu”
Sein Lächeln wurde aber nicht etwa schmäler. “Das liegt an dir, du bringst meine ganzen schlechten Seiten zum Vorschein” Na das war wieder mal typisch für ihn, alle möglichen Leute sind schuld nur er natürlich nie. Er findet für alles einen Dummen. Ich schlug mit dem Kissen nach ihm und hielt ihn fest damit er nicht flüchtet. “Sage noch so was und ich schlafe nie wieder mit dir” ”Klar! Denke dir mal was neues aus. Damit hast du mir schon vor sieben Jahren gedroht nur habe ich es damals auch noch geglaubt” ”Du wirst schon sehen wo das hinführt!” Ich löste mich von ihm und quälte mich aus dem Bett um duschen zu gehen.

Als ich 20 Minuten später mal mit allem im Bad fertig war und eben die Treppen nach unten ging, klingelte es an der Tür. Ich lief weiter in die Küche und setzte mich an den Tisch, Rafa schien mit der Kaffeemaschine zu kämpfen. “Es hat an der Tür geklingelt” Sagte ich obwohl ich mir sicher war das er es auch gehört haben musste. “Weiß ich” Kam es nur ohne das er sich zu mir umdrehte. Blieb nur die Frage wieso er dann seelenruhig hier steht und nicht zur Tür geht. “Willst du nicht nachsehen wer es ist?” ”No” Kam es nur kurz als Antwort. Das kam mir irgendwie komisch vor.
Es klingelte noch mal aber Rafa tat als wenn nichts wäre. Ging es jetzt etwa wieder wie gestern Abend los das ich rätseln kann was in ihm vorgeht? Er setzte sich mit an den Tisch als der Kaffee fertig war und zog dann ein vorsichtiges Lächeln. “Ist was?” ”Du machst mir Angst!” Sagte ich mit einem Lächeln und musste dann kichern. “Wieso?” ”Ist das deine Art Fans los zu werden in dem du einfach alle ignorierst?” Langsam verschwand sein Lächeln dann wieder.
“Das waren keine Fans” Das ließ mir jetzt keine Ruhe mehr. ”Woher weißt du das wenn du nicht nachsiehst?” ”Es war meine Mutter, ich habe ihr Auto gesehen” Das musste ich erst mal ein paar Sekunden sacken lassen. Es war seine Mutter?! Warum er nicht öffnet war mir klar. Ich kannte zwar nach wie vor den genauen Grund nicht aber nachdem er gestern sich so aufgeregt hat über sie wundert mich seine Reaktion jetzt nicht.
Auf der anderen Seite war es seine Mutter und keiner von seinen Freunden mit denen man dann eben mal eine Weile nichts zu tun hat nach so einem Zwischenfall. Das er sie wirklich vor verschlossener Tür stehen lässt gab mir zu denken. Immerhin wusste ich, dass es etwas mit mir zu tun hatte. Das machte mich nur noch neugieriger den genauen Grund zu erfahren. War ja schön zu wissen, das Rafa hinter mir steht und sich wenn's sein muss auch mit seinen Eltern anlegt aber vielleicht übertreibt er ja ein bisschen.
“Aha” Sagte ich dann nur. Gerne hätte ich etwas anderes gesagt aber ich wollte nicht die Stimmung ruinieren in dem ich auf dem Thema rumreite. Ich hatte noch die Hoffnung das Rafa mir freiwillig sagt was vorgefallen war und das ich ihn nicht erst fragen muss.

13 December 2009

Chapter 21 - Mallorca

Mallorca – Oktober 2008

Meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich des Wiedersehens mit Rafa schienen sich leider zu bewahrheiten. Als ich nachdem wir auf Ibiza waren wieder zurück in Deutschland war, beschränkte sich der Kontakt mit Rafa auf Telefonieren. So hatte ich mir das nicht vorgestellt aber immer noch besser als gar kein Lebenszeichen von ihm zu bekommen. Es half mir auch nicht ihn im TV spielen zu sehen, das macht mir nur wieder bewusst, das er keine Zeit hat.
Die Medien schlagen sich förmlich um ihn, das hatte schon einen leicht bitteren Beigeschmack alles. Ich fragte mich wie lange er das ganze aushält ohne sich dabei zu verändern. Früher oder später wird die ganze mediale Aufmerksamkeit auf ihn Einfluss nehmen ob er will oder nicht. Immerhin hatte er noch einen gewissen Abstand zu allem zu zog es vor sich total aus der Öffentlichkeit zurück zu ziehen wenn er nicht spielt. Das es nervig sein kann, verstehe ich. Rafa gehört nicht zu der Sorte Menschen, die ständig im Mittelpunkt stehen müssen. Leider konnte ich mir davon auch nichts kaufen. Ich hatte meine eigenen Probleme, mein Leben hatte sich gewissermaßen ein wenig verändert in den letzten Wochen.
Offiziell wohnte ich jetzt wieder bei meinen Eltern. Deren Gesicht war echt gut als ich fragte ob ich vorübergehend bei ihnen wohnen kann. Sie kamen aus dem Staunen nicht mehr raus als ich erzählte was passiert war in der einen Woche auf Ibiza. Die Details erzählte ich natürlich nicht aber ich dachte es ist klug wenn ich sage das Rafa mit daran beteiligt war. Es würde sowieso rauskommen irgendwann also konnte ich es auch gleich sagen. Nur so würden sie verstehen das es innerhalb einer Woche zum Bruch mit Alex gekommen war.
Das war wohl der nächste Schock für sie gewesen. Ich sah schon wie bei meiner Mutter die Kinnlade runterklappte als ich den Name Rafa erwähnte. Erst waren sie total perplex und sagten nichts und dann meinte meine Mutter ein paar Tage später, das sie geahnt hat, das ich irgendwann wieder nicht von Rafa loskomme.

Die Tatsache das ich nicht von Rafa loskomme hatte mir auch eine Menge Ärger eingebracht. Alex war zu recht stinksauer auf mich daher traute ich mich nur in Begleitung in mein früheres zu Hause. Ich hatte nicht mehr versucht mit ihm zu reden über die Vorkommnisse, es war sinnlos. Vielleicht muss erst eine gewisse Zeit vergehen bis wir darüber mal reden können. Falls wir da noch Kontakt haben.
Seit ich wieder bei meinen Eltern wohnte, hatten wir uns nicht mehr gesehen. Zwar arbeiteten wir in der gleichen Firma aber an unterschiedlichen Stellen so das wir uns da nicht begegneten. Es war schon deprimierend mit 21 wieder bei den Eltern einzuziehen aber ich hatte keine Lust auf die schnelle irgendwo einzuziehen. Meine Eltern glaubten wohl, dass sich das mit Alex schon wieder einrenken würde aber für mich war die Sache erledigt. Ich hatte ihn fast absichtlich verletzt und darauf war ich auch nicht besonders stolz.
Rafa bringt mich dazu Dinge zu tun die ich eigentlich nicht tun würde. Er hat es so ja auch nicht gewollt aber ich habe keine Kontrolle über mich wenn er in meiner Nähe ist. Leider war er aber nicht in meiner Nähe, so richtig prickelnd war das nicht am Telefon.

Zu meiner großen Überraschung ergab sich dann aber doch kurzfristig die Chance das ich Rafa mal sehen kann. Er spielte ja das Masters Turnier in Paris. Was er mir aber nicht gesagt hatte war das er sich schon seit Wochen mit einer Entzündung im Knie rumärgert. Aus dem Grund spielte er ja auch mit den Tapes an den Knien aber er spielte schon so lange damit, das man dazu neigte nicht mehr darüber nachzudenken warum er das macht. Zum großen Showdown kam es dann eben beim Viertelfinalspiel in Paris.
Rafa spielte nicht nur ungewohnt schlecht sondern schöpfte auch alle medical timeouts reichlich aus. Das war schon verdächtig denn ohne Grund macht er so was nicht. Nach dem er den ersten Satz haushoch verloren hatte verzog er sein Gesicht und gab das Spiel auf. Ich traute meinen eigenen Augen nicht als ich sah was da vor sich ging. Er gibt normalerweise nicht so schnell auf also muss es schon wirklich was gravierendes sein wenn er nicht mehr weiter spielen kann. Und wieder mal war ich in dem Moment nicht in seiner Nähe.
Er zog zwar ein Lächeln aber das überzeugte sicher niemanden. Der Schock saß jedenfalls erst mal tief bei mir. Aufgrund dieses tragischen Zwischenfalls hatte er aber plötzlich Zeit und flog eher nach Mallorca zurück. Machen durfte er ja sowieso nichts um das Knie zu schonen. Das er endlich mal ein paar Tage Zeit hat konnte ich mir nicht entgehen lassen. Nur hatte ich nicht unbegrenzt Urlaub und flog daher nur übers Wochenende nach Mallorca. Freitag Abend hin und Sonntag Nachmittag zurück, besser wie gar nichts. Ich freute mich so richtig Rafa wieder zu sehen und das auch noch schneller als erwartet obwohl es schon ein paar Wochen gewesen waren. Vielleicht haben wir dann mal ein paar ruhige Minuten für uns wo wir klären können wie das zukünftig ablaufen soll alles.
Ich vertrat nach wie vor den Standpunkt das ich keine Lust habe eine Fernbeziehung zu führen. Auf der anderen Seite wollte ich aber mit ihm zusammen sein. Darüber hatten wir aber nicht weiter geredet, ich wollte das auch nicht am Telefon machen. Das war aber nicht mein Hauptanliegen warum ich nach Mallorca wollte, ich freute mich so richtig ihn endlich wieder mal zu sehen. Hoffentlich hat er mal ein paar Minuten Zeit.

Es war richtig schön, als ich in Palma landete. Dieses mal war ich auch alleine, Juli war ja vor einer Woche erst hier gewesen um Tomeu zu besuchen. Das Tomeu praktisch Zeit hatte kam Rafa wohl gelegen da er ihn zum Flughafen geschickt hatte um mich abzuholen. Man wusste ja nie was passiert wenn Rafa persönlich da auftaucht.
Zu sagen das ich aufgeregt war je näher wir nach Porto Cristo kamen war noch untertrieben! Ich konnte es echt nicht glauben als ich vor dem Haus von Rafa stand. War ich wirklich hier? Aww, ich war schon ganz hibbelig! Auf den Moment freute ich mich seit Wochen!

Tomeu gab mir meinen Koffer und verschwand dann wieder. Ich blieb vor dem Tor stehen und drückte kurz auf die Klingel. Mein Lächeln ging sicher vom einen Ohr zum anderen, gleich war es soweit! “Sí?” Kam es nach ein paar Sekunden auf der Sprechanlage. Es klang als wenn es Maríbel wäre. “Hola, hier ist Diana” Es summte am Tor und ich ging rein und lief zum Haus. Maríbel stand mit einem Lächeln in der Tür und erwartete mich wohl schon.
“Hola” Sagte ich als ich bei ihr war. “Hi Diana, endlich bist du hier!” Ich sah sie erst mal nur mit großen Augen an und lief ihr nach ins Haus. Wieso freute die sich so mich zu sehen? “Ähh ja” Sagte ich dann erst mal. “Vielleicht habe ich ja die nächsten 2 Tage mal meine Ruhe. Ich dachte schon Rafa schnappt noch mal über, der kriegt schon fast die Krise weil er dich ewig nicht gesehen hat” Ein breites Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. “Wo ist er überhaupt?” Ich dachte ja das er mich gleich an der Tür überfällt aber es war nichts zu sehen von ihm. “In Manacor weil er da wieder alles mögliche vergessen hat. Ich schätze aber mal das er so schnell es geht wieder hier auftauchen wird” Oh nein, er war tatsächlich nicht hier!
Meine Aufregung legte sich gleich wieder etwas. War vielleicht auch ganz gut das er nicht hier ist, da kann ich erst mal fix mein Zeug auspacken, viel hatte ich sowieso nicht mit.

Nebenbei rief ich auch noch meine Eltern an, melden das ich heil hier angekommen war. Als willkommener Nebeneffekt war hier auch das Wetter viel besser als in Deutschland. Man könnte kurzärmelig gehen, das wäre in Deutschland undenkbar Ende Oktober. Ich fühlte mich gleich wieder heimisch hier aber das war auch nicht schwierig und ging vielen anderen Leuten auch so. “Hola” Ich sah von meinem Koffer hoch und drehte meinen Kopf dann zur Tür.

Ich dachte ich sehe eine Fata Morgana! Rafa stand im Türrahmen und lächelte vom einen Ohr zum anderen. In der nächsten Sekunde sprang ich auf und fiel ihm um den Hals. Es war zu schön, darauf hatte ich mich schon lange gefreut! Ein wenig ließ ich dann wieder locker, damit ich ihn wenigstens ansehen konnte. “Ich dachte schon du lässt dir extra Zeit” Sein Lächeln brachte mich sofort zum schmelzen. Ich spürte schon wie es in meinem Bauch kribbelte. “Ich freue mich richtig dich zu sehen. Natürlich habe ich mir nicht extra lange Zeit gelassen, ich bin ja froh das du hier bist” ”Hast du deine Schwester genervt weil ich hier her komme?” ”Warum?” ”Sie hat so was angedeutet” ”Sie spinnt manchmal ein bisschen”
Ich musste gleich kichern, wer hier spinnt, fragt sich! Wie gut, das ich fertig war mit auspacken denn dazu wäre ich jetzt sowieso nicht mehr gekommen. Ich ließ mich auf dem Bett nieder und Rafa in unmittelbarer Nähe neben mir. Es wunderte mich schon, dass er sich auf eine Umarmung beschränkt hatte als Begrüßung. Als ich auf sein Knie sah, fiel mir die Verletzung wieder ein. “Was macht das Knie?” ”Ich werde es überleben. Es tut auch kaum noch weh jetzt wo du hier bist” ”Ich meine es ernst!” Ein wenig schmäler wurde sein Lächeln schon. “Na schön, wenn du es unbedingt wissen willst... Ich war ja letzte Woche schon beim Arzt deswegen. Bisher ist es nicht offiziell aber es sieht so aus als wäre die Saison gelaufen für mich”
Ein wenig entgleiste mein Gesicht wohl schon, ich hoffte nicht zu sehr! “Echt so schlimm?” Fragte ich schockiert und überrascht zugleich. “Sieht so aus. Aus Spaß habe ich nicht das Spiel abgebrochen” Oh man, wenn er bis Jahresende ausfällt, hat es sich ja so richtig gelohnt. Damit hätte ich nicht gerechnet. “Und was wird mit Shanghai und dem Davis Cup Finale?” ”Ich weiß was noch alles ansteht aber ich kann es nicht erzwingen” ”Shit” Sagte ich leise und sah ihn mit großen Augen an. “Sí, so kann man es auch sehen. Die spanische Presse steinigt mich wenn Spanien das Davis Cup Finale verliert weil ich nicht spielen kann” ”Das kommt davon wenn man sich immer auf einen Spieler verlässt. Es gibt doch noch andere Spieler, die müssen doch auch irgendwas können” ”Ich muss dir wohl nicht erklären das es einen Grund hat das nur einer die Nummer 1 ist” ”Und ich dachte es wäre nichts schlimmes!” ”So schlimm ist es auch nicht, ich werde überleben. Außerdem hätten wir uns sonst jetzt nicht gesehen also hat es sich doch gelohnt”
Mein Lächeln kehrte gleich zurück. “Erzähle das der Presse, dann lynchen die mich auch. Außerdem will ich nicht das du immer eine Verletzung hast damit wir uns mal sehen können” ”No, das geht niemanden etwas an außer uns. Ich habe nicht vor öffentlich Rechenschaft abzulegen mit wem ich zusammen bin und warum. Wie geht es dir denn so? Ich meine bevor wir nur von mir reden” Ich lehnte mich nach hinten bis ich auf dem Rücken lag. “Sí also wo soll ich anfangen? Wie du ja weißt, wohne ich wieder mit meinen Eltern. Das macht richtig Spaß. Die anderen ziehen alle aus zu Hause und ich ziehe wieder ein” Rafa lag in der nächsten Sekunde neben mir und strich mit seiner Hand ein paar Haarsträhnchen aus meinem Gesicht. “Gab's keine freien Wohnungen?” ”Doch aber ich will nichts überstürzen. Irgendwohin musste ich ja nachdem Alex mich vom einen Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt hat” ”Hat er noch was gesagt?” ”No, es herrscht totale Funkstille seit Ibiza. Inzwischen ist es mir auch egal was er macht” ”Das es solche Konsequenzen hat habe ich vorher nicht bedacht. Mir war natürlich klar, dass die Dinge sich verändern aber das ging dann doch etwas schnell alles. Ich wollte dich damit nicht in Bedrängnis bringen”
Tat es ihm etwa auch noch alles leid? Ich rückte näher an ihn und umarmte ihn. “Du musst dich nicht rechtfertigen. Ich gebe dir nicht die Schuld dafür, ich wollte das doch so” Sein Lächeln wurde langsam wieder breiter. “Das kommt davon wenn man sich gehen lässt” ”Sí, ich hätte es ahnen müssen das es so kommt. Mir war ja vorher schon klar, das ich nicht von dir los komme” ”Warum nicht?” ”Wenn ich das wüsste! Wir haben uns damals ja nicht freiwillig getrennt und ich kann meine Gefühle nicht abstellen. Ich weiß das sieben Jahre dazwischen liegen aber ich kann ja nicht ewig vor meinen Gefühlen weglaufen” ”Das klingt fast so als würde dich das stören” ”Quatsch, ich bin froh das wir uns wieder sehen” ”Gibt es ein uns?”
Ich sah in seine Augen und überlegte was ich sage. Natürlich gab es ein uns, ich liebe Rafa und das schon seit längerer Zeit. Ich wollte es nur nicht zugeben aber ich gewöhnte mich langsam an den Gedanke wieder mit ihm zusammen zu sein. Ich dachte nur eben an den Tag als er mich und Juli an den Strand gelockt hatte, da hatte er gesagt das es kein uns mehr gibt.

“Wenn du willst schon” Sagte ich dann mit einem vorsichtigen Lächeln. Seine Reaktion zeigte mir aber das meine Zweifel ob er es sich nicht noch mal anders überlegt unbegründet waren. “Natürlich will ich mit dir zusammen sein!” Da ich seinem Lächeln nicht länger wiederstehen konnte, küsste ich ihn leidenschaftlich. Das führte aber nur dazu das ich mehr wollte von ihm. Ja, ich gebe es zu ich erhoffte mir schon ein bisschen mehr Nähe zu ihm und ich war mir ziemlich sicher, dass er kein Problem damit hat.
Immerhin beherrschte ich mich soweit das ich nicht versuchte ihn auszuziehen. Das war aber schwer wenn er mich so verführerisch küsst und dann noch deutlich macht das ich alles von ihm haben kann. Leider hörte er dann wieder auf mich zu küssen. Ich schlug meine Augen auf und sah in seine. Den Blick wollte ich sehen! Ich war eben total glücklich und Rafa schien es ähnlich zu gehen. Es war mir total egal was um mich rum passiert, ich war viel zu sehr damit beschäftigt das Kribbeln zu genießen. Mein Puls war sicher auf 180, ich fühlte mich als wenn ich wieder 16 wäre. “Ich habe das richtig vermisst”
Meinte er dann mit einem frechen Lächeln. “Ich auch” Antwortete ich und kuschelte mich wieder in seine Arme. Ich könnte ewig mit Rafa hier liegen bleiben, seine Aufmerksamkeit tat richtig gut. Was bedeutete das jetzt eigentlich? War die Tatsache das es ein uns gibt gleichzusetzen damit das wir sozusagen wieder zusammen sind? Meine ganzen Zweifel waren wie weggewischt. Wenn ich Rafa sehe, vergesse ich alle guten Vorsätze. Mir wurde nur eben wieder bewusst, dass ich auf keinen Fall auf ihn verzichten will, egal zu welchem Preis.

“Sind wir da wieder zusammen?” Fragte ich aus allem raus. “Wenn du das willst...” ”No, ich meinte willst du das wirklich?” Hakte ich weiter nach. “Sí, ich will dich nur nicht unter Druck setzen. Du musst keine Angst haben das ich es mir anders überlege, ich sage das nicht aus Spaß” Ich zog ein Lächeln und ließ meine Gedanken schweifen. “Ist irgendwie komisch wieder mit dir zusammen zu sein. Also ich meinte, nach sieben Jahren in denen wir uns nicht gesehen haben” ”Mhh, ich weiß. Ich hätte das auch nicht gedacht.
Ich bin aber echt glücklich darüber das wir uns wieder gesehen haben. Ich war nur erst ein wenig abweisend weil ich nicht wusste was ich machen soll. Es war total Chaos ausgebrochen” Das konnte ich jetzt gut nachvollziehen! “Ging mir auch so” Antwortete ich mit einem breiten Lächeln. “Ich dachte nur so, nein jetzt geht das wieder los” ”War es dir eigentlich anfangs wirklich egal das ich Alex mitbringen wollte nach Ibiza?” ”No aber was sollte ich machen? Ich dachte, wenn ich sage das er nicht mitkommen soll, kommst du vielleicht auch nicht also habe ich gesagt das du ihn mitbringen kannst. Mir war von Anfang an klar das irgendwas passieren würde” ”Mir auch!” ”Ehrlich gesagt dachte ich vorher schon daran mich von Marina zu trennen aber es hat irgendwie nicht gepasst. Ich dachte auch daran einfach alles zu vergessen und so zu lassen wie es war.
Das hätte mich aber auf Dauer auch nicht glücklich gemacht und es wäre auch unfair ihr gegenüber gewesen. Ich kann nicht so tun als wäre ich total glücklich mit ihr obwohl ich eigentlich mit jemand anderem zusammen sein will” ”Was hättest du gemacht wenn ich nicht schwach geworden wäre?” ”Dann hätte ich Pech gehabt, das war Risiko”

Ich hatte wirklich geglaubt, das Rafa nichts mehr vor hat aber das war ein Irrtum. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Ausgerechnet heute stand auch noch eine Familienfeier auf dem Programm. Das schlimmste war das ich auch noch mitkommen sollte dabei wusste ich bis gerade eben nichts davon. Es war ja nicht so das ich nicht mitgehen wollte aber keiner wusste das ich mitkommen würde. Ich kannte ja alle, dass war nicht der Punkt, ich wollte nur nicht das es zu einer peinlichen Situation kommt. Was wenn seine Eltern wirklich nicht so begeistert sind mich zu sehen und ich dann da mit Rafa auftauche?
Ich glaube nicht, dass sie was sagen werden aber wir mussten ja nicht gleich an die große Glocke hängen das wir wieder zusammen sind. Rafa sah das natürlich anders. Er wollte mich keine Sekunde aus den Augen lassen da ich ja nur drei Tage hier bin. Es war schon klar, dass er es sowieso schafft mich zu überreden, das konnte er früher schon richtig gut. Ich gab dann also nach, wir mussten ja nicht bis zum Schluss da bleiben.
Ok, ich würde also mitgehen obwohl mir ein wenig unwohl war bei dem Gedanke. Zum Glück hatte ich noch ein paar Klamotten mitgebracht. Ich zog trotzdem Jeans an, ich wusste ja wie man da normalerweise auftauchen kann. Viel Zeit blieb mir auch nicht da Rafa ständig auf seine Uhr sah und unten an der Tür wartete. Ich schnappte mir noch meine Tasche und lief nach unten.

6 December 2009

Chapter 20

Im Flur blieb ich stehen und dachte noch ein bisschen nach. Morgen sehen wir uns ja nicht mehr und wer weiß wie lange es dauert bis ich wieder mal neben Rafa schlafen kann. Egal wie sehr ich es will, ich könnte niemals gehen und freiwillig in einem anderen Zimmer schlafen. Außerdem wurde es mir ja auch wärmer und so langsam nervte es, das ich immer nur ein bisschen von ihm bekam. Auf die Dauer war das echt frustrierend.
Na schön es bringt ja alles nichts. Obwohl ich ihm den Triumph nicht gönne, drehte ich wieder um und lief zurück in sein Zimmer. Sein fragendes Gesicht machte Worte überflüssig. “Was ist?” Fragte er dann auch gleich. Kurzentschlossen legte ich mich wieder hin und umarmte ihn wieder. “Ich bleibe doch hier” ”Ah ja, jetzt plötzlich doch?” ”Ich würde zu gerne gehen aber ich kann nicht” ”Wieso nicht?” ”Weil es zu verlockend ist neben dir zu schlafen” ”Na wenn das alles ist...” Erst passierte nichts aber es hätte mich gewundert wenn er sich nicht zu einer Aktion hinreißen lässt. Bevor ich zu Ende darüber nachgedacht hatte, drehte er den Spieß um und verteilte Küsse auf mir. Das war noch nicht weiter gefährlich, das wurde es erst als er mir mein Oberteil auszog.
Seinem gierigen Blick nach zu urteilen konnte er es kaum erwarten. „Was soll das werden?“ Fragte ich nur so rein aus Interesse. „Weiß ich auch noch nicht so genau, lasse dich überraschen“ Mir kam es nicht so vor als wenn Rafa nicht wüsste was es werden soll.

Als ich wieder zu mir kam, war ich total glücklich. Endlich kriegte ich mal was ich schon so lange wollte. Es tat verdammt gut, ich war vorerst am Ziel meiner Wünsche. Rafa schafft es mich total glücklich zu machen. Ich hatte schon das ein oder andere mal darüber nachgedacht daher war die Realität umso besser. Mir hatte das richtig gefehlt. Ich war nicht hier um Rafa ins Bett zu kriegen aber ich liebe es mich in seinen Armen total fallen zu lassen. Da ich nicht genug von ihm kriegte, ließ ich eine Hand über seinen Bauch wandern während ich ihn am Hals küsste. Erst kam keine Reaktion aber dann bewegte er sich kurz.
“Mhh” Kam es leise, ich war mir nicht sicher ob er schläft oder nicht. “Schläfst du?” Fragte ich leise um ihn nicht wieder zu wecken falls es der Fall war. “Ich tue nur so” Kam es leise als Antwort. Wieso hat er dann so eine schläfrige Stimme? Ich musste kichern und umarmte ihn ein wenig fester. “Schön das du mich so langweilig findest” Ich wusste ja genau, das er ein paar Minuten Ruhe braucht, war nur gedacht um ihn zu ärgern. “Das war fantastisch, ich versuche nur eben Luft zu holen” ”Ist schon gut, wir können auch morgen weiter reden” ”Mhh” Er drehte sich auf die Seite und legte einen Arm über meinen Bauch. Kurz küsste er mich am Hals bevor er an meinem Ohrläppchen knabberte.
Ich konnte nicht anders und musste kichern während ich mit einer Hand durch seine Haare strich. “Hatte ich schon erwähnt, dass ich deine Hände liebe?” “No” “Dann weißt du es jetzt” “Schlafen wir?” ”Mhh” Wahrscheinlich schlief er 10 Sekunden später auch schon tief und fest. Bei mir ging das nicht so schnell. Ich sah ein paar mal im Dunkeln zur Seite, das war ja echt nicht zu fassen! Vor einer Woche hätte ich das nie für möglich gehalten! Erst das ganze mit Alex und Marina und dann schlafe ich praktisch als Krönung mit Rafa. Es war aber ein sehr beruhigendes Gefühl das er neben mir lag. Davon hatte ich schon länger heimlich geträumt.
Ich dachte nur eben darüber nach woran es lag, dass ich nicht von ihm los komme? Vor Alex hatte ich ja auch andere Freunde aber irgendwas fehlte mir immer. Leider gab es Rafa kein zweites mal. Oder lag es daran das Rafa damals mein erster Freund war? Natürlich war damals alles anders aber so was schweißt doch zusammen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand den ersten Freund vergessen kann.

Als ich am nächsten Morgen meine Augen aufschlug, musste ich sofort lächeln. Wenn ich neben Rafa aufwache, fängt der Tag schon sehr gut an! Nach der letzten Nacht blieb mir auch gar keine andere Wahl als vom einen Ohr zum anderen zu lächeln. Ich hatte es so nicht geplant mit ihm im Bett zu landen aber es hatte sich eben ergeben und ich bereute keine einzige Sekunde davon. Von mir aus können wir das bald wiederholen, das war zu viel des Guten!
Ich war sicher nicht sexsüchtig aber von Rafa kriegte ich nie genug. Es war doch ein sehr schönes Gefühl nicht immer nur daran zu denken sondern es dann auch umzusetzen. Ich wusste genau, das er nichts tun würde was ich nicht will, daher hatte ich auch kein Problem damit mich in seinen Armen total fallen zu lassen. Das war ja vor 7 Jahren auch einer der Gründe warum ich mit ihm zusammen war.
Ohne Vertrauen geht gar nichts und ich hätte sonst auch niemals mit ihm geschlafen. Ich hatte das sicher nicht gemacht um mitreden zu können oder um mir selbst was zu beweisen. Unsere Eltern haben wahrscheinlich sowieso nichts Schlimmes geahnt. Meine Eltern haben gar nichts gesagt und seine haben sich wohl gegenseitig eingeredet, dass wir schon nichts Unanständiges anstellen würden. Das störte uns auch nicht, sollten die alle glauben was sie wollen, am Ende ging es nur Rafa und mich etwas an.
Rafa war schon immer sehr überzeugend mit der Unschuldsnummer, das schaffte er jetzt auch noch. Er weiß genau, dass er nur ein breites Lächeln ziehen muss und das die Leute ihm dann alles mögliche abkaufen.

Ich war so richtig glücklich, ich könnte an die Decke hüpfen und laut schreien. Dabei versuchte ich schon mich zu beherrschen zumindest so lange Rafa noch schläft. Seine Haare waren total zerwühlt, er sah echt gut aus so. Als ich weiter über gestern Abend nachdachte, konnte ich aber nicht länger meine Finger von ihm lassen. Das ist unmöglich wenn er neben mir liegt und selbst wenn er schläft noch so unverschämt gut aussieht. Ich küsste ihn auf die Schulter und wartete. Er schlief seelenruhig weiter als wäre gar nichts gewesen, so hatte ich mir das nicht vorgestellt! Ich gab aber nicht so schnell auf und küsste mich weiter seinen Hals nach oben.
Inzwischen schien er auch aufzuwachen, seine Hand war zumindest an meinem Rücken. Ich hob meinen Kopf etwas und sah in sein Gesicht. Sein Lächeln war richtig schön, so sah er auch aus als er Wimbledon gewonnen hatte! “Bon dia” Sagte ich dann breit grinsend. Er drehte sich auf die Seite und umarmte mich. “Buenas días” Kam es mit einem breiten Lächeln. Wir blieben ein paar Minuten liegen und sahen uns gegenseitig an, ich könnte ihn stundenlang ansehen. Das Lächeln stand ihm richtig gut, von dieser depressiven Laune die er vor ein paar Tagen hatte war nichts mehr zu spüren. Da ich nicht anders konnte, strich ihn ihm ein paar Haarsträhnchen aus dem Gesicht und rückte so nah es ging an ihn.
Meinetwegen bleiben wir den ganzen Tag im Bett und machen gar nichts. “Ich könnte mich daran gewöhnen neben dir aufzuwachen” Mein Lächeln wurde sicher noch breiter falls das möglich war. “Das dachte ich auch eben!” ”Es ist total unfair alles! Kaum sehen wir uns ein paar Tage, müssen wir wieder nach Hause” Ja, daran dachte ich auch schon aber ich war ja nicht aus der Welt. “Es hat sich alles gegen uns verschworen” Meinte ich mit einem kichern, ich war zu glücklich um schlechte Laune zu haben. “Ich will nicht auf dich verzichten” Passend dazu sah er mich mit großen Augen und vorgeschobener Unterlippe an. Ich würde gleich noch anfangen mit heulen wenn er nicht aufhört mich so anzusehen.
“Dir wird keine Wahl bleiben aber wir werden uns schon wieder mal sehen” ”Versprochen?” Fragte er gleich. ”So schnell wirst du mich nicht los” Das Lächeln erschien gleich wieder bei ihm. “Ich dachte du wolltest erst mal nachdenken?” ”Du hast dir ja gestern Abend alle Mühe gegeben mich von dir zu überzeugen” ”Es hat dir also gefallen?” Ich rollte erst mal mit den Augen und sah ihn dann streng an. “Wenn du noch so eine Frage stellst, schlage ich dich!” ”Ich werde ja wohl noch fragen dürfen!” ”No, darfst du nicht. Erstens war die Frage dumm und zweitens brauchst du gar nicht so zu tun als wenn du nicht sowieso wüsstest das es mir gefallen hat. Die Unschuldsnummer brauchst du gar nicht erst versuchen bei mir” Sein Lächeln ging vom einen Ohr zum anderen. “Wäre ja auch blöd wenn ich es nicht merken würde no?” ”Du lachst aber so was soll es geben” ”Dann würde ich mir aber schon ein paar Gedanken machen” Ich sah auf die Uhr und dachte an Juli und Tomeu. Es war schon nach 10, die sind sicher längst aufgestanden.
“Stehen wir auf?” ”Da muss ich dich ja los lassen” ”Musst du nicht, Tomeu und Juli wird es nicht stören wenn du mich nicht los lässt. Die glauben wahrscheinlich sowieso, das ich es vorziehe bei dir zu übernachten” ”Wie kommen die nur auf so was...?” Ich musste gleich wieder lachen. “Aber echt! Eine blühende Fantasie haben die Leute. Die würden sowieso nicht glauben das wir in getrennten Zimmern schlafen, selbst wenn es stimmen würde nicht” ”Tomeu denkt doch sowieso das ich nur hier bin um dich zu sehen und ich hasse es wenn er recht hat” ”Tja, da wirst du dir wohl noch was anhören können” ”Oh ja, der wird ewig damit nerven das er es immer gewusst hat und so weiter” ”Bist du jetzt wenigstens glücklich?”
Sein Lächeln verschwand gleich wieder. ”Du nicht?” Fragte er zurück. “Doch, ich meinte, du müsstest doch am Ziel deiner Wünsche sein oder?” Ich hatte das nicht so gemeint um ihm was unterstellen zu wollen daher wollte ich es entschärfen aber sein ernster Blick blieb. Ich dachte er sagt was aber er setzte sich hin und drehte mir seinen Rücken zu. Kurz überlegte ich was das jetzt zu bedeuten hat. So richtig verstand ich die Art von Reaktion jetzt nicht. “Rafa?” Da er nichts sagte und mich auch nicht ansah, rückte ich näher zu ihm und umarmte ihn von hinten. “Ich bin nicht hier weil ich dich unbedingt ins Bett kriegen wollte” Sagte er dann leise in einer ernsten Tonlage. Inzwischen wurde bei mir so einiges klar. “So habe ich das nicht gemeint, ich weiß, dass du mich nicht als Trophäe betrachtest. Das sollte kein Vorwurf sein” Er legte seine Hände über meine und drehte seinen Kopf nach hinten zu mir.
“Das war so nicht geplant. Ich meine, mir ist völlig klar wie das aussieht, wenn ich meine Freundin abserviere und zwei Tage später mit dir im Bett lande” Ich rollte erst mal kurz mit den Augen. “Das muss ja keiner wissen außerdem war das ja jetzt nicht unsere erste Nacht zusammen. Es ist ja nicht so das wir uns nicht kennen” ”Trotzdem!” Er sah mich ja noch immer so zweifelnd an! ”Ich mache dir doch keinen Vorwurf, wir sitzen quasi im selben Boot. Ich wäre die letzte, die sich aufregen könnte. Bereust du es jetzt doch?” Ich hoffte nicht, da s er meine letzte Frage ernst genommen hat. Wenigstens erschien sein Lächeln wieder. “No, das ist ja das schlimme! Ich bereue keine Sekunde die ich mit dir zusammen bin” Das klang gut, das klang wirklich sehr gut!
Wenn ich Rafa so höre, kriege ich fast ein bisschen Angst vor dem was er noch alles sagt. Ich weiß, dass er nicht mit sentimentalen Floskeln um sich wirft um jemanden zu beeindrucken, wenn er so was sagt dann meint er es auch so. Ich zweifelte ja erst wie er sich das vorstellt aber wenn ich das richtig deute, will er mit mir zusammen sein egal zu welchem Preis. Wollte er mir nicht Zeit lassen? Indem er solche Dinge sagt, zwingt er mich unbewusst zu einer Reaktion.

Wir bequemten uns dann doch aus dem Bett und gingen erst mal frühstücken. Zu unserer Überraschung waren wir alleine. Da aber schon eingedeckt war, mussten Juli und Tomeu schon munter sein. Die waren aber nirgends zu sehen. Es war uns aber ein bisschen zu riskant da an der Zimmertür zu klopfen. Wer weiß was die da drinnen machen, ich wollte es eigentlich gar nicht genauer wissen. Gedanklich saß ich schon im Flieger nach Hause. Ein bisschen mulmig war mir schon. Wie würden meine Eltern wohl reagieren?
Und was würde Alex machen wenn er auf mich trifft? Ich wollte das eigentlich alles gar nicht aber da musste ich durch. Noch dazu hat Rafa keine Zeit in den nächsten Wochen. Wenn nichts dazwischen kommt, ist er bis Ende November unterwegs zu verschiedenen Turnieren also kann ich ihn frühestens Anfang Dezember wieder sehen. Das war echt lange und brachte mich wieder ins Grübeln. Ich will mit Sicherheit keinen Freund, den ich nur aller zwei Monate mal für vier Tage sehen kann. Ich glaube auch nicht das Rafa das Beziehung nennt.
Mir war natürlich klar, wie oft er weg ist, so richtig konnte ich mir das alles aber nicht vorstellen. Früher war das was anderes. Da hatte er zwar auch kaum Zeit aber er war zumindest auf Mallorca. Jetzt fliegt er um die ganze Welt, da kann ich nicht mal eben am Wochenende auf Besuch kommen. Es war auch nicht meine Absicht emotionalen Druck auf ihn aus zu üben. Mir ist durchaus bewusst, dass zur Zeit Tennis bei ihm an erster Stelle steht.
Ob er will oder nicht, er muss alles andere gewissermaßen unterordnen. Nur so hat er es auch bis an die Spitze geschafft, ein paar Opfer gehören eben dazu und eines davon war die knappe Freizeit. Es ging aber irgendwie auch, ich hatte mich irgendwann damit arrangiert gewissermaßen nur die zweite Geige zu spielen. Er hat das so zwar nie gesagt aber es war eine Tatsache und das gleiche trifft jetzt auch zu. In ganz dunklen Momenten wenn wir Stress hatten, habe ich ihn dafür verflucht das er Tennis spielt.
Er spielt ja nicht nur, er ist besessen davon, sein komplettes Leben wird von Trainingseinheiten, Turnieren und Flugplänen bestimmt. Zwischendurch ist dann noch das ganze andere Zeug was er nebenher auch alles noch macht. Umso mehr wunderte es mich, wie er so entspannt war und sich kaum was anmerken ließ von dem ganzen Stress.

Ich kam gedanklich wieder in die Realität und sah von meiner Tasse zu Rafa. “Sehen wir uns dieses Jahr noch mal?” Fragte ich erst mal ganz neutral. Wie von mir erwartet zog er ein breites Lächeln. “Das hoffe ich doch!” Ich hielt mich aber erst mal zurück mit der Begeisterung. “Und wann?” Hakte ich weiter nach. Inzwischen verflüchtigte sich sein Lächeln auch wieder. “Na ja, ich weiß noch nicht so genau” Kam es vorsichtig mit einem ausweichenden Blick. Ich trank einen Schluck und sah ihn todernst an.
“Du kannst es ruhig sagen. Ich weiß das du keine Zeit hast” ”Ich kann es nicht ändern. Ich meine, ich habe mir dieses Leben vor Jahren so ausgesucht. Ich kann jetzt nicht sagen das ich mehr Zeit für mich brauche” Das wollte ich hören! Wäre auch zu schön gewesen wenn er was anderes gesagt hätte aber damit hatte ich auch nicht gerechnet. Rafa steckt viel zu weit in dem ganzen drinnen, der könnte niemals kürzer treten, nicht in den nächsten Jahren. Ich gönne ihm ja auch den ganzen Erfolg nur zahlt er einen ziemlich hohen Preis dafür wenn er das selbst sicher auch anders sehen wird. “Ich ähm, weiß das du schwer beschäftigt bist” Sagte ich dann um die Lage etwas zu entschärfen. Rafa rückte um den Tisch bis er direkt neben mir saß. “Diana, mir ist klar, dass es nicht einfach ist. Ich will das nur vorher klarstellen damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Ich will mit dir zusammen sein aber ich kann mich nicht teilen. Es ist auch nicht meine Absicht dich zu irgendwas zu überreden, überlege dir das in Ruhe. Wenn du das alles nicht willst, könnte ich es auch verstehen. Dann sollten wir das aber gleich lassen bevor alles kaputt geht, denn dazu liegt mir zu viel an dir. Ich will nicht das du mir vorwirfst das ich zu wenig Zeit habe, privaten Stress kann ich nicht auch noch gebrauchen”
Ich sah kurz von ihm weg und holte tief Luft. “Ich will dir gar nicht vorwerfen das du zu wenig Zeit hast. Ich weiß, das du seit Jahren alles mögliche dafür tust um da zu sein wo du jetzt bist. Ich wollte nur allgemein mal fragen wie du dir das so vorstellst. Mir ist klar, das du nur bedingt Zeit hast. Ich verlange auch gar nicht von dir das du plötzlich Zeit hast. Mir ist klar, das du nicht tun und lassen kannst was du willst weil ständig irgendwelche Termine anstehen” Ich schnappte nach Luft und überlegte ob ich wirklich sage was ich denke aber vielleicht war jetzt der richtige Zeitpunkt bevor es zu spät ist. “Ich will nur nicht, das immer Wochen vergehen bis ich dich mal sehen kann” Sagte ich dann noch vorsichtig und senkte dann meinen Blick.
“Deswegen sollst du ja auch vorher überlegen ob du das wirklich willst. Ich weiß, was ich damit von dir verlange und ich will das eigentlich nicht aber mir bleibt keine Wahl” Ich sah ihn wieder an und sein Blick brachte mich gleich wieder zum schmelzen. Spontan schlang ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn an mich. Etwas ließ ich dann wieder locker damit ich ihn ansehen konnte. “Ich lasse dich einfach nicht mehr los” Mit einem breiten Lächeln umarmte er mich erst und ließ dann seinen Kopf auf meine Schulter fallen. “Von mir aus” Hach, ich könnte Rafa stundenlang umarmen, es war zu schön. Von einem Räuspern wurden wir aber dann gestört. Ich schlug meine Augen wieder auf und sah zur Seite.
Juli stand im Türrahmen, neben ihr Tomeu und die grinsten beide um die Wette. Rafa hob dann auch seinen Kopf und sah zur Tür. “Wir ähhm, waren nur die Koffer immer einpacken” ”Klar” Sagte ich nur und konnte mir ein kichern nicht verkneifen. Wieso wurde Juli dann so merkwürdig rot im Gesicht wenn die nur Koffer eingepackt haben? Kurz sah ich zu Rafa, er hatte auch Mühe ein ernstes Gesicht zu machen. “Seit ihr dann fertig mit einpacken?” Fragte ich mit einem amüsierten Grinsen. “Ja” Kam es kurzangebunden von Tomeu. “Tja, ich muss auch noch einpacken” Meinte ich dann und stand auf. Das passte Rafa zwar nicht wie ich an seinem Gesicht sah aber ich musste wirklich noch einpacken.

Leider war die noch verbleibende Zeit viel zu schnell vorbei. Ich hasse es mich von Rafa verabschieden zu müssen aber ich werde ihn schon mal wieder sehen von daher ging es schon. Wenn wir jetzt großes Drama veranstalten wird es nur noch schlimmer, damit ist keinem geholfen. Ich wäre auch lieber hier geblieben aber es ging nun mal nicht und Rafa hat sowieso bald keine Zeit mehr. Meine gute Laune verschwand aber immer mehr je näher wir Deutschland kamen. Meine Mutter wollte mich am Flughafen abholen und ich hatte keine Ahnung wie ich ihr das mit Alex erklären soll. Von Alex hatte ich kein Lebenszeichen mehr gehört seit Rafa ihn rausgeschmissen hatte. Erst dachte ich Rafa hat überreagiert aber im Nachhinein war ich froh, dass er ihn rausgeschmissen hat. Das musste ich mir echt nicht bieten lassen.
Das Alex zuschlägt, hätte ich ihm nie zugetraut aber so konnte man sich täuschen. So richtig ernsthaft hatten wir uns auch noch nie vorher gestritten. Tja, das war es dann wohl. Von einer Hand auf meinem Arm wurde ich aus den Gedanken gerissen und sah zu Juli. “Alles ok?” Fragte sie besorgt. “Ja ja, ich dachte nur nach” Sagte ich und sah an ihr vorbei aus dem Fenster. ”Alex oder Rafa?” ”Meine Mutter” Antwortete ich und musste lachen. “Knapp daneben” Meinte sie nur mit einem Lächeln. “Ich bin ja nur gespannt wie meine Eltern reagieren” ”Machen können die ja nichts dagegen” ”Das nicht. Es wird sie vielleicht nicht so schockieren. Die Frage ist was sie sagen wenn ich sage das Rafa nicht ganz unschuldig daran ist” ”Haben sie was gegen ihn?” ”Nein aber sie haben keine Ahnung, das ich Kontakt habe zu ihm, die glauben noch das der Kontakt abgerissen ist” ”Dann ist die Überraschung doch umso schöner!” ”Mhh” ”Fliegst du da bald wieder nach Mallorca?” Spätestens jetzt verschwand mein Lächeln.
“Ich weiß nicht” Sagte ich ausweichend. Wie ich sah war die Verwirrung jetzt perfekt. “Wie? Ich dachte ihr könnt nicht die Finger voneinander lassen?” Ich rollte bei der Bezeichnung nur mit den Augen. “Ja aber er hat nie Zeit. Du kannst nach Mallorca fliegen wenn du Tomeu sehen willst, Rafa ist aber von 12 Monaten 10 unterwegs” Sicher zog ich ein etwas deprimiertes Gesicht aber das war ich auch. “Stimmt” Kam es dann nur leise. Immerhin schien sie jetzt zu verstehen warum ich an dem ganzen zweifle. “Ich habe keine Lust ihn nur einmal im Monat zu sehen” ”Hatte er früher mehr Zeit?” ”Nein, Rafa hatte noch nie Zeit. Da war er aber wenigstens am Wochenende in Manacor. Ich will nicht um die halbe Welt fliegen um ihn zu sehen und dann hat er vielleicht noch nicht mal Zeit. Manchmal verfluche ich Tennis echt, alles dreht sich nur darum” ”Ich glaube Rafa gibt's nur zusammen mit Tennis” Ich sah sie an und musste dann leicht lächeln.
“Leider. Vielleicht sollte ich ihn ja mal zu einer Entscheidung zwingen. Das kann ich mir aber auch sparen da ich schon weiß was er sagt” ”Du würdest nicht wirklich verlangen das er sich zwischen dir und Tennis entscheidet oder?” ”Nein, wenn ich das mache schießt er mich bis zum Rand des Universums. Ich weiß ja was ihm daran liegt, der ist todunglücklich wenn er eine Weile nicht spielen kann. Außerdem ziehe ich dabei sowieso den kürzeren weil bei ihm sowieso Tennis an erster Stelle steht” ”Bist du neidisch?” Ich schlug nach ihr und verzog absichtlich mein Gesicht.
“Ach was, ich bin es quasi gewohnt. Das ist schon so seit ich ihn kenne” ”Besser als in Konkurrenz mit einer anderen Frau zu sein” ”Daran brauchst du bei Rafa nicht denken. Ich würde mich auch kaum auf ihn einlassen wenn ich mir nicht sicher wäre das ich die einzige bin” ”Das wird schon werden irgendwie” Ja, ihren Optimismus konnte ich nicht so ganz teilen. Sie flog ja auch in 4 Wochen nach Mallorca.
Das war immerhin etwas, ich wusste ja gar keinen Zeitpunkt. Zuerst mussten wir aber wieder nach Deutschland. Es war verrückt, wir sitzen im Flugzeug auf dem Weg zurück und schmieden schon Pläne über die nächsten Besuche in Spanien. Hoffentlich hatte Juli Recht und es wurde wirklich irgendwie.