“Hola Rafa” Sagte ich gleich da ich ja wusste das er es ist. ”Hi Diana” ”Was verschafft mir die Ehre?” Fragte ich gleich direkt damit er nicht lange um den heißen Brei redet da ich keine Zeit hatte. “Bist du noch hier?” Kam es vorsichtig. ”Äh ja aber gleich nicht mehr, wir stehen eben am check in Schalter und warten bis wir dran sind” ”Musst du unbedingt zurück fliegen?” Rafa war ja wieder mal lustig heute! Was für eine Frage...
”Sí, mein Urlaub ist zu Ende” ”Kannst du nicht noch zwei Tage länger bleiben?” Meine ausgelassene Stimmung war gleich verschwunden. Was sollte das denn jetzt? Ich dachte ich spinne! Ich hielt die Hand über das Handy und sagte Juli das ich mal eben ein bisschen weg gehe zum telefonieren, hier standen so viele Leute und es mussten ja nicht gleich alle alles mithören. Nachdem ich ein bisschen Ruhe hatte ging ich wieder ran. “Wenn du Witze machst, finde ich das gar nicht komisch!” Zischte ich ins Handy und versuchte ganz ruhig zu bleiben. Das war wirklich nichtmal ansatzweise komisch. ”Diana, ich mache keine Witze!” Kam es gleich zurück.
”Wie du machst keine Witze? Wie stellst du dir das vor? Ich kann nicht einfach hier bleiben, außerdem wüsste ich nicht wieso ich hier bleiben sollte” ”Ich dachte wir sehen uns noch mal” ”Wir haben uns doch heute früh gesehen!” ”Du verstehst echt gar nichts” Ja, da hatte er Recht! Ich verstand wirklich eben gar nichts. Kurz sah ich zu Juli, wir sind bald dran! “Du Rafa, ich muss Schluss machen wir sind gleich dran. Wir können ja noch mal reden wenn ich wieder in Deutschland bin” ”Mhh” Kam es leise. “Bis später” ”Hasta luego” Ich legte auf und steckte mein Handy wieder ein. Sicherheitshalber setzte ich mich erstmal hin. Es war noch bisschen Zeit bis wir an der Reihe sind, ich hatte das eben nur zu Rafa gesagt damit er aufhört mit fragen. Der bringt mich nur auf dumme Gedanken.
Ich wollte nicht von ihm hören das ich wegen ihm hier bleiben soll oder so was. Er wollte er sicher etwas in der Richtung sagen, nur hat er sich wohl nicht getraut. Irgendwie rückte er ja nicht richtig raus damit. Vielleicht hatte er auch Angst vor meiner Reaktion. Der muss doch spinnen mich anzurufen und zu fragen ob ich hier bleiben soll! Zwei Wochen lang hätte er Zeit gehabt dazu und jetzt wo wir zurückfliegen kommt er mit der Nummer an. Vor zwei Tagen sagte er ich soll ihn in Ruhe lassen und jetzt fragt ausgerechnet er ob ich nicht noch bleiben kann! Das war ja schon ein bisschen unverschämt. Kurz wägte ich alle Möglichkeiten ab. Klar könnte ich noch zwei Tage bleiben aber es ist Hochsaison und ich kriege sicher keinen anderen Flug zurück. Davon abgesehen bin ich ja nicht verrückt und bleibe nur weil Rafa mal eben in so einer Laune ist.
Falls er glaubt das ich springe wenn er mit dem kleinen Finger wackelt, hat er sich getäuscht! Erklären könnte ich das auch nicht. Wie sieht das aus wenn Alex am Flughafen steht und mich abholen will und dann kommt raus das ich hier geblieben bin? Irgendwie war es aber auch sehr verlockend. Das war das einzige wofür ich Rafa hasse, er bringt mich in eine unmögliche Situation. Ich war doch schon froh, dass ich nach Hause komme damit das Chaos aufhört und jetzt das!
Noch immer total verblüfft stand ich auf und lief zu Juli zurück. Sie sah kurz auf ihr Flugticket und dann fragend zu mir. “Was wollte er denn jetzt schon wieder von dir? Ich meine das ist echt irre, erst ruft Alex andauernd an und jetzt fängt Rafa auch noch an damit, muss an dir liegen” ”Nichts weiter wollte er, ich soll nur noch zwei Tage hier bleiben” Ich hatte das so gesagt als wenn nichts weiter wäre. Ihr Gesicht war echt filmreif! Eine Mischung aus Schock und Bewunderung gemischt mit Fassungslosigkeit. “Was?” Fragte sie nur mit aufgerissenen Augen.
“Ja, der muss total verrückt sein” ”Aber hallo, das ist schon echt ein starkes Stück! Weiss der auch irgendwann mal was er will?” Ich zuckte nur mit den Schultern und lächelte hilflos. “Ich weiss nicht was in dem vorgeht” ”Tsss, vielleicht kommt das von dem vielen Tennis spielen?” Sie schüttelte mit dem Kopf und sah wieder auf ihr Ticket. Ein Lachen konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. “Wundern würde mich das nicht” ”Was hast du gesagt?” ”Das ich jetzt nicht länger reden kann weil wir gleich dran sind” ”Und wie hat er reagiert?” ”Eigentlich gar nicht, ich habe ihn abblitzen lassen und gesagt ich melde mich wenn ich wieder in Deutschland bin” ”Mhh, komisch Sache! Und ich fürchtete schon das du echt hier bleibst” ”Ich bin ja nicht verrückt. Nur weil er es sich jetzt doch überlegt hat heißt das noch lange nicht das ich alles tue was er will” ”Sehr beruhigend zu hören!” Ja, genau damit beruhigte ich mich selbst auch. So was unvernünftiges würde ich nie tun. Das würde mit Sicherheit noch mal ein Nachspiel haben. Rafa scheint merkwürdige Stimmungsschwankungen zu haben!
Wir checkten ein und liefen dann schon immer zum Gate. Als wir nach fast einer Stunde endlich da ankamen, konnten wir auch schon einsteigen. Wir wären schneller gewesen hätten wir nicht noch jeden duty free Laden mitnehmen müssen aber Juli musste unbedingt noch ihr letztes Geld auf den Kopf hauen. Warum sparen wenn man es auch mit vollen Händen ausgeben kann? Als ich im Flugzeug sass und aus dem Fenster sah, wurde mir schon ein bisschen wehmütig zumute. Sollten wir wirklich schon wieder nach Hause?
Mir war es als wären wir erst gestern gekommen, ich wollte gar nicht wieder weg. Am liebsten wäre ich gleich hier geblieben und das nicht um den Urlaub zu verlängern. Tja, alles Schöne hat mal ein Ende aber ich konnte ja wieder mal hier her kommen. Kann sein Juli hat jetzt Blut geleckt und will wieder hier her bei der nächsten Gelegenheit. Sicher würde das auch zu einem großen Teil von Tomeu abhängen. Ich sah zur Seite zu ihr und grinste dann wieder breit. “Was?” Fragte sie auch gleich. “Ich dachte nur eben daran doch hier zu bleiben” ”Das war mir schon klar!” ”Nein, so meine ich das nicht. Ich meine allgemein und nicht nur wegen Rafa” ”Du lügst!” ”Ehrlich! Der kann sowieso noch was erleben, so einfach kommt der mir nicht davon” ”Ach, du willst ihn also doch sehen?” ”Ja aber nur damit ich ihm sagen kann wie daneben die Nummer mit dem Anruf war” ”Soll ich mitkommen? Mir würde da auch viel einfallen. Das war ja schon extrem dreist” ”Mhh und der dachte wohl echt das ich mir das noch mal überlege” ”Vielleicht denkt er ja das er sich alles erlauben kann nur weil er so eine Art Star ist?”
Ich nickte mit dem Kopf und sah kurz aus dem Fenster, wir rollten eben auf dem taxiway zur Startbahn. “Ich weiss auch nicht was den geritten hat. Ich kann mir nicht vorstellen, das er sich was darauf einbildet bekannt zu sein. Eigentlich hat er lieber seine Ruhe, so was passt nicht zu ihm” ”Na irgendwas wird er sich doch gedacht haben dabei. Wobei man jetzt von einem Mann nicht unbedingt erwarten kann das er logisch denkt” Ich rollte mit den Augen und musste mir ein kichern verkneifen. “Er ist nicht ganz so blöd wie er tut”
Ein paar Minuten später hoben wir auch schon ab. Jetzt war es offiziell, wir hatten Mallorca verlassen. Aww, es tat richtig weh zu sehen wie die Insel immer kleiner wird und dann verschwindet im Meer. Ich schluckte und versuchte nicht an den letzten Abflug von hier vor sieben Jahren zu denken. War aber auch gut wieder nach Hause zu kommen, da würde alles wieder seinen Gang gehen und ich muss mich nicht über ungebetene Besucher wundern. Ich hatte beschlossen Alex nichts zu erzählen von Rafa. Jedenfalls würde ich das nicht freiwillig tun, er versteht es ja doch nicht und wird nur misstrauisch. Mit Rafa konnte ich ja noch mal telefonieren und klären was er heute früh in unserem Hotelzimmer wollte. War schon ein merkwürdiger Auftritt gewesen von ihm.
Fast auf die Minute genau zwei Stunden nach dem Start in Palma landeten wir in Deutschland. Es war irgendwie deprimierend die Umgebung hier zu sehen. Das Wetter war auch nicht mehr so schön, es waren Wolken aber wenigstens war es mit 22 Grad für deutsche Verhältnisse schön warm. Ich stellte mich mit Juli an das Kofferband und wartete. Da es noch dauerte, kramte ich mein Handy aus der Tasche und schaltete es wieder an. Ich war schon dabei es wieder einzustecken als es drei entgangene Anrufe anzeigte. Ich sah kurz in die Anruferliste, Rafa!
Der Uhrzeit nach zu urteilen hat er direkt nachdem ich aufgelegt hatte angerufen aber ich hatte das Handy ja ausgeschaltet. “Jetzt sage nicht der ruft schon wieder an!” Ich sah zu Juli und musste kichern. “Nein aber er hat direkt nachdem ich aufgelegt hatte noch dreimal angerufen” ”Wahrscheinlich wollte er dich zum bleiben überreden weil er dich schon nach zwei Stunden vermisst hat” ”Ja und wenn er sich richtig angestrengt hätte, hätte vielleicht auch geklappt” ”Du meinst er hätte nur sagen müssen das er keine Sekunde länger ohne dich leben kann und das er dir alle Wünsche von den Augen abliest?” Ich rollte passend dazu mit den Augen und schüttelte mit dem Kopf. “Ja und dann noch das er alles tut was ich von ihm verlange” “Klingt gut, du solltest verlangen das er aufhört Tennis zu spielen” ”Warum?” “Na es soll schon richtig weh tun” Ich kuffte sie in die Seite und schüttelte mit dem Kopf. “Das ist nicht komisch!” ”Du hättest ja auch sagen können das er hier her kommen soll wenn er was von dir will” ”Bist du verrückt! Das macht der echt noch, so was kann ich doch nicht sagen!” ”Mhh, stimmt auch wieder”
Als unsere Koffer endlich mal da waren liefen wir zum Ausgang und waren gespannt was uns erwartet. Alex müsste ja irgendwo sein und auf uns warten. “Freust du dich schon Alex zu sehen?” ”Klar freue ich mich!” Blöde Frage, natürlich freute ich mich darauf ihn wieder zu sehen! Ich war schon aufgeregt und mein Puls wurde langsam schneller. Mit einem breiten Lächeln gingen wir durch den Ausgang, zurück in den Alltag.
Deutschland - August 2008
“Hallo Diana, du bist ja überpünktlich!” Ich lief mit einem breiten Lächeln an Juli vorbei in ihre Wohnung. “Tja, sieht wohl so aus” Sie machte die Tür nach mir zu und drehte sich dann zu mir um. “Ich fasse es ja nicht das du zu mir kommst um hier fernsehen zu gucken!” Ja, es war so. Rafa spielte ja heute bei den olympischen Spielen in Peking im Finale um die Goldmedallie und das konnte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! Leider wird das Spiel aber auf keinem deutschen Sender übertragen weil die das wohl nicht für wichtig ansehen und da ich keine Satellitenschüssel habe, kann ich keine ausländischen Sender empfangen und würde im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre gucken. Internet gab's zwar auch aber da war das Bild immer so klein und ich will es wenn schon dann auch richtig genießen können.
Juli hat es da schon besser, die hat tausende Sender, wahrscheinlich weiss sie selbst nicht genau was sie so alles empfangen kann. Ich lief gleich von selbst ins Wohnzimmer und setzte mich vor den TV um nach einem passenden Sender zu suchen. Die spanischen Sender machen immer ein riesen tam tam um Rafa also übertragen die garantiert auch das Spiel. Ich hatte kaum den TV eingeschaltet als Juli breit grinsend ins Zimmer kam. “Ich sehe, du machst es dir gemütlich. Wie wär's mit einem Kaffee oder Tee? Oder soll ich zur Feier des Tages Sekt holen?” Ich rollte nur mit den Augen. “Nein danke” Sie holte doch etwas zu trinken und setzte sich dann neben mich auf die Couch. “Du bist nie pünktlich außer es hat mit Rafa zu tun, dann erscheinst du sogar vor der Zeit, langsam mache ich mir Sorgen um dich” “Ich will nur nichts verpassen” ”Schlimm genug das du extra eher aufstehst um ihn zu sehen” Jetzt übertrieb sie aber!
Es war jetzt um 11, so früh nun auch wieder nicht. Zum antworten kam ich nicht mehr denn es fing endlich an! Awww, ich war schon richtig gespannt ob er Gold gewinnt, das wäre die Krönung nachdem schon fest steht, das er kurz nach Olympia Federer auf der Nummer 1 ablöst. Unter lautem Jubel und Applaus er Zuschauer erschien Rafa auf dem Center Court. Huh, heute ganz in weiss! Er wunk kurz den Zuschauern zu und stellte dann seine Taschen ab. Als nächstes entledigte er sich noch seiner Jacke und lief dann an die Grundlinie um sich aufzuwärmen. Von den weißen Hosen abgesehen hatte er ein rotes Oberteil ohne Ärmeln an und orange Schweißbänder an den Handgelenken und auch ein dazu passendes Bandana in orange. Wenn ich mir das so ansehe, könnte ich gleich auf dumme Gedanken kommen. Ich weiss nicht woran es lag aber fiel auf gegenüber den anderen Spielern. Das lag zum Großteil auch daran das er nicht Klamotten an hat, in die er sich dreimal reinwickeln kann weil die so weit sind.
Ich musste gleich wieder an den Tag denken als wir am Strand waren. Erst fand ich es ein bisschen komisch aber das hatte sich gelohnt, den Anblick von Rafa nur in Badeshorts werde ich so schnell nicht wieder vergessen. Zu schade das Juli davon kein Foto gemacht hatte wo sie doch sonst auch alles und jeden fotografiert. Sie hat sich wohl nicht getraut da sie dachte das Rafa vielleicht was sagt. So lange die Bilder dann nicht in der Presse oder im Internet auftauchen kann man Rafa fotografieren so oft man will. Aber gut, man konnte nicht alles haben als muss ich mich mit seinen Spielen begnügen.
“Gegen wen spielt er überhaupt?” Ich kam wieder in die Realität und sah zur Seite. “Fernando Gonzalez, das ist so einer, von denen man sonst nie viel hört weil die auf ein bestimmtes Ereignis hin trainieren und das ist für ihn Olympia” ”Der will also Gold um jeden Preis?” ”Sí, dummerweise will Rafa das aber auch” ”Und was denkst du wie es ausgeht?” Meinte sie die Frage etwa Ernst? Natürlich muss ich da nicht lange überlegen um zu einer Antwort zu gelangen. “Rafa wird es schon richten. Wird nicht einfach aber sollte machbar sein für ihn” Sie sah wieder auf den Bildschirm und schüttelte dann langsam mit dem Kopf. “Ich fasse es nicht, das wir ihn vor ein paar Wochen gesehen haben. Es ist irgendwie komisch ihn im TV spielen zu sehen. Also ich meine, die meisten kennen ihn ja nur vom TV oder aus der Zeitung” ”Mhh, ich weiss das es schwer fällt zu glauben das es die gleiche Person ist. Er sieht manchmal richtig aggressiv aus beim spielen, das glatte Gegenteil zu dem was er privat ist” Wir sagten erstmal eine Weile lang nichts und versuchten uns auf das Spiel zu konzentrieren. Wie erwartet gewann Rafa den ersten Satz mit 6:3, fing doch gut an!
“Wo ist Alex eigentlich jetzt?” Fragte sie plötzlich. “Bei seinen Eltern, die haben irgendwie Besuch und er musste sich dort sehen lassen” “Oh, da hast du ja gleich die perfekte Ablenkung gefunden” Kurz sah ich rüber zu ihr. “Was soll das heißen?” ”Na ja wenn Alex keine Zeit hat gibt's ja noch Rafa” Wenn sie es so sah, ich würde mich sehr gerne von Rafa ablenken lassen. “Willst du mir was unterstellen?” ”Nein, ich stelle nur die Tatsachen fest. Willst du Alex wirklich nicht einweihen?” ”Warum? Was glaubst du macht er wenn ich ihm sage, das Rafael Nadal mein Exfreund ist? Das hört sich doch an als hätte ich Drogen genommen” ”Und wenn es so raus kommt?” “Wie soll das denn raus kommen? Rafa wird kaum zur Presse rennen und da die Namen seiner Verflossenen sagen. Außerdem geht Alex das doch nichts an. Ich frage ihn doch auch nicht nach seiner Exfreundin” “Der feine Unterschied wird aber sein das er keinen Kontakt zu seiner Ex hat oder?” ”Was macht das aus? Ich telefoniere ab und zu mit Rafa, es ist ja nicht so das ich ihn jeden Tag sehe. Außerdem reden wir nun wirklich nicht über so brisante Dinge und wenn ich ihr frage gegen wen er spielt ist das nicht schlimm oder?”
In der nächsten Sekunde erschien ihr breites Grinsen wieder. “Aber du hättest nichts dagegen ihn öfters zu sehen oder wie?” Oh man, wieso lässt die nicht mehr locker? “Nicht nur das” Antwortete ich mit einem breiten Grinsen um das zu sagen was sie hören wollte. Sie fing dann auch gleich an mit kichern. “Ich wusste es!” ”Ist das so offensichtlich?” ”Für mich schon, du kriegst dich ja kaum ein wenn er zu sehen ist” Ich sah wieder auf den TV, Rafa war inzwischen schon ziemlich durchgeschwitzt. Wenn das Oberteil so schön an ihm klebt und er sich bei jeder Gelegenheit mit dem Handtuch über seine Arme und sein Gesicht wischt, hilft mir das nicht gerade.
Das allerschlimmste war ja das die Kameras überall waren und das Rafa von allen Seiten eine extrem gute Figur machte. “Mhh, du willst aber besser nicht wissen was ich am liebsten mit ihm anstellen würde” “Du meinst nicht Alex, richtig?” ”Mhh, richtig” “Würde ich dich nicht kennen, würde ich jetzt denken, das du was von Rafa willst” ”Oh, da bin ich sicher nicht die Einzige. Es ist aber egal, ich kriege ihn sowieso nicht, genau wie alle anderen” “Du telefonierst immerhin mit ihm, das können sicher nicht so viele von sich behaupten” ”Ja, ich fühle mich auch unheimlich geehrt” Das war leider die Realität. Ich sehe Rafa nicht außer wenn er spielt und es zufällig übertragen wird. Wie eben das Spiel von heute.
Nach dem ersten Satz wurde es kurz spannend weil es einen Tiebreak gab aber den holte sich Rafa mit 7:2 und der dritte Satz endete genau wie der erste mit 6:3 für Rafa und somit war er jetzt auch noch Olympiasieger. Na das ging ja fix, ich hatte mich doch schon auf fünf Sätze eingerichtet und jetzt war es schon zu Ende! Es war unglaublich was Rafa zur Zeit alles abräumt, an ihm führt zur Zeit kein Weg vorbei. Damit hatten wir gleich einen Anlass ein bisschen zu feiern auch wenn wir nur zu zweit waren.
Ein bisschen komisch war es schon auf den Olympiasieg von Rafa anzustoßen. Obwohl das die ganz verrückten Rafa-Fans vielleicht auch tun und es war ja nicht so das wir Rafa nicht kennen. Ich hätte ja auch gerne mal persönlich mit ihm geredet aber er hatte mir schon beim letzten Telefonat gesagt das er wahrscheinlich keine Zeit mehr haben wird nach dem Spiel. Gut, ich kann ihm auch in zwei Tagen noch gratulieren. Die Presse wird ihn jetzt wieder mit sinnlosen Fragen nerven. “Was ist das eigentlich für ein Ring?”
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah zu Juli, die eben sehr interessiert auf meinen linken Mittelfinger sah. Im nächsten Moment fiel mir ein was sie meinte. Vorhin als ich noch in meiner Wohnung war und an das Spiel dachte, hatte ich einen ganz schwachen Moment und habe den Ring von Rafa hervorgekramt, warum wusste ich auch nicht genau. War so eine spontane Laune. Nach näherer Betrachtung hatte ich ihn an den linken Mittelfinger gesteckt und da war er jetzt auch noch. Erst war ich erstaunt, dass der noch an meinen Finger passte und dann rief zufällig meine Mutter an und ich hatte den Ring total vergessen.
Es war ja nicht so das ich keine anderen Ringe hatte, von Alex hatte ich ja noch einen und von meinen Eltern hatte ich auch noch einen am rechten Ringfinger. Leider gehörte Juli zu den Leuten die immer sofort alles neue bemerken. Ich sah dann wieder in das fragende Gesicht von Juli und spürte wie mein Hals trocken wurde. “Das ähm, ist nichts besonderes” Antwortete ich während ich leicht ins schwitzen kam. Sie sah weiter mit einem fixierten Blick auf den Ring und zog dann ein breites Lächeln. Um genauer zu sein wurde sie von Sekunde zu Sekunde aufgeregter, ich will gar nicht wissen was sie glaubt was der Ring bedeutet.
“Aww lass mich raten, Alex reicht es noch nicht das du einen Ring von ihm trägst!” Was sie dachte ahnte ich schon aber leider war sie eben total auf dem Holzweg. “Der ist nicht von Alex” Sagte ich mit einem nervösen Lächeln um gleich mal Klarheit zu schaffen. Ihr Gesicht brachte dann auch gleich ihre Verwirrung zum Ausdruck. “Nicht? Von wem dann, von deinen Eltern?”
Ich rutschte ein bisschen nervös im Sitz umher und schwankte ob ich die Wahrheit sage oder nicht. Das schien ihr nicht zu entgehen. “Warum bist du so nervös? Hey, ich bin's, deine beste Freundin außerdem musst du es nicht sagen wenn du nicht willst. Ich will dich nicht in Verlegenheit bringen” ”Der ist von Rafa” Sagte ich spontan und war auf ihre Reaktion gespannt. Wie ich sah hatte sie damit jetzt nicht gerechnet, was auch nachvollziehbar war.
“Was?” Ich konnte ihr schon ansehen das sie verzweifelt überlegte was das jetzt zu bedeuten hatte. “Ja und bevor du anfängst zu fragen sage ich dir gleich das er mir den mal vor Jahren geschenkt hat zu Weihnachten, 2000 um genau zu sein. Du musst also nicht auf dumme Ideen kommen” ”Aha und wie kommst du jetzt dazu? Ich meine, den trägst du doch sonst auch nicht” “Ich hatte einen schwachen Moment heute früh und habe den rausgekramt und dann habe ich ihn vergessen weil ich abgelenkt war” Bevor sie noch weiter fragte machte ich den Ring ab und drehte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger um ihn genauer zu betrachten.
Sie wusste ja noch nicht, dass da innen eine Gravur ist 17 diciembre 2000 ~ te amo. Sie war aber nicht die Einzige, niemand außer mir und Rafa wusste von der Gravur innen und von außen war der Ring ganz schlicht in Silber und ohne Muster. Genauer gesagt wusste gar niemand das der Ring von Rafa ist, meine Eltern glauben bis heute das ich mir den mal selbst gekauft habe. Ich ließ sie damals in dem Glauben weil ich nicht wollte, dass sie mir wieder Vorträge halten wegen Rafa weil sie meinten das ich die Dinge mit ihm langsam angehen sollte. Juli merkte inzwischen wohl auch, das da innen was stand und nahm mir den Ring aus der Hand um ihn näher zu betrachten.
Nachdem sie die Gravur gelesen hatte wurde ihr Lächeln wieder breiter, zu breit für meinen Geschmack! “Ich kann kein spanisch aber das verstehe ich sogar! Was war denn an diesem Datum?” ”Seit dem Tag waren wir zusammen, das war ein Sonntag um genau zu sein” Sie gab mir den Ring wieder und lächelte immer noch so gerührt. “Ist ja süß, hat er auch so was?” ”Nein, wäre zu auffällig gewesen“ “Ich wünschte, meinem damaligen Freund wäre so was eingefallen. Glaubst du er ist alleine auf die Idee dazu gekommen?” ”Das habe ich mich auch schon immer gefragt, ich kann mir aber nicht vorstellen das er ganz alleine darauf kam” “Wenn er damals schon auf solche Ideen gekommen ist, frage ich mich was er heute verschenkt. Ich meine, von sich selbst abgesehen” Ich rollte mit den Augen und zwickte sie in die Seite. Das die aber auch immer einen blöden Spruch sagen musste. Die Vorstellung von Rafa spärlich bekleidet, auf einem Fell vor dem Kamin, mit einer roten Schleife um den Hals war ja gut aber sie passte nicht an die Stelle jetzt.
“Sich selbst zu verschenken ist auch wahnsinnig einfallsreich” ”Stimmt auch wieder. Hat er dir noch mehr solcher Geschenke gemacht?” Ich wurde bei der Frage gleich wieder sentimental. ”Dazu kam es nicht mehr da ich das Jahr darauf an Weihnachten schon hier war” Um nichts falsches zu sagen, sagte sie gar nichts mehr und sah mich nur vorsichtig an. So schlimm war's aber auch nicht, ich würde schon nicht gleich in Tränen ausbrechen. Ganz so ein seelisches Wrack war ich nun auch nicht das mich das in tiefe Depressionen stürzen würde, es waren eben schöne Erinnerungen.
29 September 2009
20 September 2009
Chapter 9
Ganz langsam kam ich aus meiner Traumwelt wieder in die Realität zurück. Rafa setzte sich hin und zog sich sein Shirt wieder nach unten. Da sein Lächeln verschwunden war, ging ich mal davon aus das es das jetzt gewesen ist mit der ausgelassenen Stimmung. Zu schade, ich hätte zu gerne gesehen wie weit er gegangen wäre. Ich ahnte was er jetzt sagt und wollte es eigentlich gar nicht hören. “Es tut mir leid, ich weiss nicht wie es dazu kommen konnte” War es das? Es musste ihm nicht leid tun das er sich offenbar nicht unter Kontrolle hat. “So schlimm war's nun auch nicht” Meinte ich erstmal nur. “No im Ernst, ich wollte das nicht” ”So kam es mir nicht vor aber ist schon ok, du musst dich nicht rechtfertigen”
In der nächsten Sekunde verschwand sein Lächeln wieder blitzartig und wich einem todernsten Gesicht. “No es ist nicht ok!” ”Warum?” Fragte ich jetzt doch etwas verunsichert über seinen plötzlichen Stimmungswandel. “Weil du meine Exfreundin bist und weil du mich total durcheinander bringst. Ich habe eine Freundin und ich gedenke es dabei zu belassen. Das mit dir ist vorbei, ok? Ich wäre dir dankbar wenn du so was in Zukunft unterlassen würdest” Autsch, das fühlte sich an wie eine Ohrfeige. Moralisch gesehen war es das auch. So langsam verschwand meine gute Stimmung auch. Erst macht er mit und dann schiebt er mir die Schuld zu und sagt ich soll ihn in Ruhe lassen. Ich rückte von ihm weg und verschränkte meine Arme vor meinem Bauch. “Denkst du ich mache das absichtlich weil ich dich dann hängen lassen will?” ”Manchmal kommt mir das so vor sí!” Das war ja wohl die Spitze! Vielleicht sollte er auch einfach mal der Wahrheit ins Auge sehen. Er kann sich nicht von mir fern halten und wenn ich es drauf an lege kriege ich ihn auch.
Die Küsse von ihm sagten etwas anderes als das was er mir gerade einreden wollte. Mir war ja klar, dass es nicht so einfach gehen konnte. Oder um es auf den Punkt zu bringen, wir hatten sowieso keine Chance zusammen. Die hatten wir vor sieben Jahren nicht und die haben wir jetzt auch nicht. Manchmal glaubte ich das es einfach nicht sein sollte. Vielleicht riskierten wir auch zu wenig. Wie weit würde ich gehen um mit Rafa zusammen sein zu können? Vor Jahren hätte ich gesagt bis ans Ende der Welt. Das sah ich jetzt etwas anders, da müsste schon auch von ihm was kommen und das war leider nicht der Fall. Im Gegenteil, er hat ja eben klar gemacht wie er die Sache sieht.
Je länger ich da sass und darüber nachdachte umso verrückter erschien mir das hier alles. Dachte ich wirklich daran mit Rafa zusammen zu sein? Das war absurd! Dafür kannte ich ihn leider zu gut, der würde niemals einfach alles hinschmeißen und mit jemandem anderes durchbrennen. Er lebt hier falls er mal da ist mit seiner Freundin die ihn wohl aller ein paar Monate mal sieht und ist offenbar ganz glücklich damit. Vielleicht war ich neidisch aber was hatte ich auch erwartet? Das er keine Freundin hat und wartet bis ich mich mal bei ihm melde irgendwann? So ein Mist, es war immer so schrecklich kompliziert alles!
Am besten ich fliege nach Hause und denke einfach nicht mehr darüber nach. Die Gedanken der letzten Tage waren alle überflüssig gewesen. Fast hatte ich damit gerechnet das er mich abblitzen lässt und ein bisschen konnte ich ihn auch verstehen. Warum sagt er nur nicht gleich klipp und klar das er nichts von mir will? Es wäre doch nicht nötig gewesen damit zu warten bis ich ihn küsse. Es ging nur nicht in meinen Dickschädel rein das er mich abweist. Ich könnte mich jetzt auch rächen aber das bringt mir gar nichts, es macht nur alles noch schlimmer. Wieso musste ich ihn auch küssen? Ich hatte geahnt, das es nur alles noch komplizierter macht. Aber wenigstens lagen die Karten jetzt auf dem Tisch, war vielleicht auch ganz gut so.
Ich räusperte mich dann laut und stand auf ohne ihn anzusehen, es bestand kein Grund für mich noch länger hier zu bleiben. “Ich ähm, gehe dann mal” Ich schnappte mir meine Tasche und blieb erstmal stehen. Rafa blieb sitzen und sah mich an als hätte ich eben den Weltuntergang verkündet. Nach ein paar Sekunden sprang er auch auf und lief mir nach zur Tür. An der Tür blieb ich stehen und drehte mich zu ihm um. “Ich wünsche dir was. Ich meine, ich fliege ja bald zurück und ich glaube nicht, dass wir uns noch mal sehen bis dahin” Gerne hätte ich ihm jetzt auch mal so richtig meine Meinung gesagt aber es war sowieso egal also kann ich auch einen auf überhöflich machen. Rafa blieb stehen mit den Händen in den Hosentaschen.
“Mhh, dir auch” ”Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann mal wieder” ”Glaubst du das wirklich?” Wollte er eine ehrliche Antwort? Nein ich glaubte das natürlich nicht aber was sollte ich sagen? Ich wollte nur das Gespräch am laufen halten ohne dabei zu persönlich zu werden. Ich wollte nicht so ein Drama machen wie vor sieben Jahren obwohl das nicht mehr steigerungsfähig war. Ich zuckte dann etwas hilflos mit den Schultern und lächelte kurz. “Wer weiss” Sagte ich dann leise. Rafa sah mich mit einem nachdenklichen Blick an, er machte sich nichtmal die Mühe ein Lächeln zu ziehen. Eigentlich wollte ich auch gar nicht wissen was in ihm vorgeht.
Er hat mir ja eben unmissverständlich erklärt, dass mich das nichts mehr an geht. ”Ok, dann bis irgendwann” Sagte er zögerlich. ”Adíos” Antwortete ich nur und dachte kurz daran ihn zu umarmen, sicherheitshalber ließ ich das dann aber doch bleiben und ging einfach. Als ich am Tor war, drehte ich mich noch mal kurz um, Rafa stand noch in der Tür und sah mir nach. Bevor ich auf den Gedanke kam doch wieder umzukehren, lief ich weiter auf die Strasse.
Als ich am nächsten Morgen im Hotelzimmer aufwachte und mich umdrehte, war niemand zu sehen. Ich sah auf die Uhr, es war schon nach zehn und von Juli noch immer keine Spur. So fing also mein letzter Tag hier an. Morgen fliegen wir ja am frühen Nachmittag zurück. Ich ging erstmal ins Bad und dann alleine nach unten zum Frühstück. Da ich nicht wusste wann sie hier auftauchte, legte ich eine Zettel aufs Bett das ich am Strand bin und ging dann zum Strand.
Wahrscheinlich findet sie mich nichtmal wenn sie auch zum Strand kommt. Oder bleibt sie gleich bei Tomeu und ich sehe sie erst morgen wenn sie ihre Sachen einpackt? Es war zugegebenermaßen etwas langweilig alleine den ganzen Tag. Da hatte ich aber Zeit mal eine paar Karten zu schreiben auch wenn wir sicher eher wieder zu Hause sind als die Karten. Alex meldete sich auch mal wieder, er würde zum Flughafen kommen und uns abholen. Es war eigentlich geplant das meine Mutter uns abholt aber Alex hat wohl Entzugserscheinungen von mir und kann es nicht abwarten mich zu sehen. Das war echt der Horror!
Ich wusste gar nicht wie ich ihm gegenüber treten soll. So chaotisch wie meine Gefühle waren, wäre es mir am liebsten ich hätte mal meine Ruhe um in aller Ruhe nachdenken zu können. Er wird es aber nicht verstehen ohne den Grund zu kennen. Wenn ich ihm aber von Rafa erzähle, flippt er aus. Klar wäre er nicht begeistert wenn ich ihm sage, dass ich mir inzwischen nicht mehr so sicher bin was ich eigentlich will. Es war ja nicht so das es zwischen uns kriselte und mir Rafa gerade recht kam. Genau deswegen würde ihn so was umso mehr treffen und das wollte ich nicht.
Ich wollte nicht ihm auch noch das Herz brechen. Wenn er auch noch anfängt mir Vorwürfe zu machen, halte ich das nicht aus. Irgendwie musste ich aber mit ihm reden. Es stand schon fest, das ich nicht so tun kann als wenn nichts gewesen wäre. So gut konnte ich nicht schauspielern und er würde es sowieso merken das ich mich anders verhalte.
Zu meiner Überraschung war Juli im Zimmer als ich um vier den Strand verließ und ins Hotel zurück ging. “Hi, lange nicht gesehen” ”Ja, jetzt bin ich ja da” Gut, so wie sie lächelte war's wohl doch ganz gut gelaufen. Ich stellte meine Tasche ab und lief auf den Balkon die Handtücher aufhängen. “Und wie war's?” Fragte ich dann doch aus reiner Neugierde obwohl ich keine Details wissen wollte. “Sieht man das nicht?” ”Doch, ich frage nur so” Meinte ich breit grinsend. “Hast du was dagegen wenn er mitkommt nach Deutschland?”
Ich drehte meinen Kopf nach hinten damit ich sie sehen konnte. ”Was?” Fragte ich dann nur etwas überrascht. Hatte ich das eben richtig gehört? Tomeu will mit nach Deutschland kommen? Also das glaube ich erst wenn ich es sehe! “Mensch war Spaß, ich weiss das wir Morgen zurück fliegen. Ist richtig doof, das wir uns nicht schon vor zwei Wochen getroffen haben. Also ich meine, dass so lange Funkstille war” ”Ja und hättest du mich nicht genötigt damals bei Rafa aufzutauchen hätte er meine Nummer nicht und es wäre nie dazu gekommen” ”Da wir eben dabei sind. Wie war's denn bei dir?” ”Ach, nix besonderes. Bin dann kurz nach 12 zum Hotel zurück” ”Mit Rafa?” Die schien nicht aufzugeben! ”Alleine” Ich würde ihr natürlich nicht erzählen das ich noch bei ihm war und erst recht nichts von dem Kuss. Die erklärt mich glatt für verrückt. So glücklich war ich nicht darüber wie der Abend verlaufen ist das ich ihr gleich davon erzählen müsste.
Meine Freude sie zu sehen war aber nur von kurzer Dauer. Gleich nach dem Abendessen schwirrte sie wieder ab. Also sehe ich sie doch erst morgen am Flughafen wieder. Sie sah mich schon mit so einem flehenden Blick an aber ich sagte ihr das sie schon verschwinden soll. Es war unser letzter Abend hier und den hatte ich mir auch anders vorgestellt aber es war eben so. Ich kann verstehen, das sie die verbleibende Zeit lieber mit Tomeu verbringt auch wenn ich mich frage was passiert wenn sie ihn nicht mehr sehen kann.
Vielleicht kauft sie sich ja ein Dauerticket und fliegt jedes Wochenende hier her. Rein technisch wäre das ja gar kein Problem, zwei Stunden Flug und schon ist man hier. Ich setzte mich alleine an die Bar und schlürfte einen Cocktail bevor ich wieder nach oben ging. Einpacken muss ich ja sowieso also konnte ich es auch jetzt tun. War schon verrückt, da war ich nun auf Mallorca und verbrachte den letzten Abend damit meinen Koffer einzupacken. Das würde mir wohl niemand glauben. Meine Eltern denken sicher das wir es am letzten Abend noch mal ordentlich krachen lassen aber dem war nicht so. Einerseits freute ich mich ja auf zu Hause aber auf der anderen Seite könnte ich es hier schon noch eine Weile aushalten.
Das schöne Wetter und die Hitze den ganzen Sommer über, wie mir das fehlte in Deutschland. Am allerschlimmsten war es aber im Winter. Es ist nicht nur dunkel sondern monatelang kalt. Es kann auch auf Mallorca kalt werden es schneit da ja auch aber nur ganz selten und wenn dann ist es nur für ein paar Tage kalt. Diese Kälte Wochenlang zu ertragen war hart aber man gewöhnt sich an vieles mit der Zeit.
Mit etwas gedrückter Laune stand ich am nächsten Tag wieder alleine auf. Heute war es also soweit. Der Tag vor dem sich jeder Tourist fürchtet! Heute Abend sind wir bereits wieder in Deutschland, zurück im Alltag. Spätestens nach zwei Wochen wird es mir vorkommen als wenn ich nie im Urlaub gewesen wäre. Ich hatte zwar noch vier Tage Urlaub, da ich meine Sachen alle waschen wollte aber die werden auch schnell vorbei sein und was bleibt dann noch? Die Erinnerungen und Bilder an den Urlaub hier. Wenigstens hatte wir auch noch ein paar Ausflüge gemacht.
Ich hatte nicht nur meine Sachen gepackt sondern auch die von Juli, sie hatte ja besseres zu tun und mir war es langweilig. Es war alles schön feinsäuberlich verpackt, wir mussten nur noch zum Flughafen fahren und losfliegen. Ich sah auf meine Uhr und hoffte, das sie auch pünktlich hier erscheint. Der Flug ging 14:30 Uhr aber wir werden um 11 mit dem Bus hier am Hotel abgeholt. Als es an der Tür klopfte dachte ich so, na endlich! Wird ja auch mal Zeit das sie hier auftaucht. Ich öffnete die Tür in dem Glauben es ist Juli und starrte dann mit offenem Mund erschrocken geradeaus. “Hola, was machst du denn hier?” Konnte ich nach ein paar Sekunden überrascht fragen.
Das war nicht die Person die ich erwartet hatte. “Hola, darf ich rein kommen?” Rafa lief an mir vorbei ins Zimmer ohne meine Antwort abzuwarten. “Äh ja” Sagte ich dann perplex und drehte mich um die Tür nach ihm zuzumachen. Was macht der denn hier? Jetzt verstand ich gar nichts mehr. “Ich dachte nur es wäre Juli” Stammelte ich immer noch überrascht. Er sah auf die Koffer und dann zu mir. “Wann fliegt ihr denn?” ”In knapp vier Stunden. Ich warte eigentlich nur auf Juli das wir zum Flughafen können” Wortlos ließ Rafa sich auf dem Bett nieder.
Ich fragte mich noch immer, was sein Auftritt zu bedeuten hatte, ich konnte mir wirklich keinen Reim darauf machen. Nachdem wie das gestern Abend lief hätte ich nicht gedacht, dass ich ihn so schnell wieder sehe. Was ich jetzt tun sollte wusste ich auch nicht. Rafa machte einen leicht abwesenden Eindruck auf mich, irgendwas war los, ich sah es ihm förmlich an. “Darf ich fragen was du hier machst?” Fragte ich ihn dann vorsichtig. Er sah zu mir hoch und zog ein Lächeln aber es sah doch ziemlich nach Show aus, dafür kannte ich ihn leider zu gut. “Ich weiss auch nicht, hat sich schon erledigt” Kurz überlegte ich ob ich jetzt nachhake warum er wirklich hier ist aber ich entschied mich dagegen. Es wäre das Beste für alle Beteiligten wenn wir alles belassen wie es ist. Ich wollte nicht wirklich, dass er einfach so geht aber es war sowieso egal.
Wenn ich jetzt versuche ihn aufzuhalten interpretiert er das möglicherweise noch falsch. ”Wie du meinst” Sagte ich schließlich. Er stand auf und lief wieder zur Tür. “Ich gehe dann mal wieder. Guten Flug, bis irgendwann” ”Ähh ja ciao” ”Adíos” Ehe ich es mir versah war er wieder verschwunden. Ich blieb im Zimmer stehen und wunderte mich nur noch. Was war das denn? Allmählich glaube ich er dreht durch. Erst taucht er hier ohne vorher was zu sagen auf und dann ist gar nichts? Er kann mir nicht erzählen, dass er ohne Grund hier war.
Jetzt war es aber zu spät wo er weg war. Inzwischen bereute ich doch ihn nicht direkt gefragt zu haben. Ich wusste genau das er irgendwas vor gehabt hat sich dann aber wohl spontan umentschieden hatte. Vermutlich ging es um gestern Abend nur wieso sagt er dann plötzlich nichts?
Im nächsten Moment klopfte es wieder. Hat er es sich doch anders überlegt? Ich lief wieder zur Tür und öffnete. “Hola, da bin ich wieder” Juli strahlte mich breit grinsend an und kam ins Zimmer. “Hi, dann können wir los. Ist alles fertig gepackt” Sie lief zu ihrem Koffer und packte noch was ein. “War Rafa eben hier?” ”Äh ja, der hat echt einen schrägen Auftritt hingelegt” ”Wieso? Ich habe ihn übrigens eben getroffen unten im Hotel. Die Angestellten flippten total aus als die gesehen haben wer es ist. Ich hatte schon Angst das mich jemand verfolgt und fragt woher ich ihn kenne. Ich meine, ich habe mich ein wenig daran gewöhnt ihn zu sehen. Mir wird nur klar um wen es geht wenn ich die überzogenen Reaktionen der anderen sehe” “Du hörst dich auch schon an wie Rafa. Ihm wär's sicher am liebsten wenn alle so reagieren würden wie du, nach dem Motto, mir doch egal wer das ist. Ich weiss jedenfalls nicht wieso der hier war. Er ist vor zehn Minuten hier aufgetaucht und kaum das er hier war meinte er es hätte sich erledigt und ist wieder verschwunden” ”Du willst mir also erklären das er nur so hier war für zehn Minuten?”
“Äh ja” Im Moment konnte ich ihr nicht so ganz folgen. “Lass es mich anders sagen. Ich will dir nichts unterstellen aber es kann wohl nicht sein das er länger hier war?” Im nächsten Augenblick fiel bei mir auch der Groschen. “Du glaubst doch wohl nicht wirklich das er hier übernachtet hat!” Sagte ich vielleicht etwas zu empört. “Ist ja schon gut, war nur eine Frage. So abwegig ist das nun auch nicht. Ich meine, dein Blick Vorgestern war eindeutig” Ich verschränkte meine Arme vor dem Bauch und rollte mit den Augen. “Geht das schon wieder los? Außerdem wären wir dann ja nicht so blöd und wären hier her gegangen wenn er ein eigenes Haus hat oder? Ich meine, müsste ja nicht gleich die ganze Insel wissen” ”Bin ja schon ruhig! Und er hat nichts weiter gesagt?” ”Nein, ich habe echt keine Ahnung was der wollte oder wieso er hier war” ”Komische Sache!” ”Kannste laut sagen! Was machst du denn jetzt? Nächste Woche wieder herfliegen?”
Ihr breites Lächeln erschien gleich wieder. “Wäre zu schön um wahr zu sein. Nein ich weiss es noch nicht. Du kannst dir vielleicht vorstellen, das ich keine Lust habe nach Hause zu fliegen” ”Das kann ich mir in der Tat vorstellen, ja” Sie setzte sich in einen Sessel und liess ihr Gesicht hängen. “Ich weiss auch nicht, es ist so kompliziert alles. Wir können uns gar nicht mehr sehen und ich will ihn nicht aller paar Wochen mal sehen” Ein wenig wunderte mich das schon. Tomeu liess sich normalerweise nicht einfach festnageln. “Seit ihr schon bei der Frage wie ihr euch sehen könnt? Ich meine sieht Tomeu das auch so?” Etwas hilflos wirkte sie schon. “Ich weiss nicht genau, ich glaube schon” Na, das klang mir aber ziemlich verunsichert. Hoffentlich verrennt die sich da nicht in etwas. Ich beschloss aber da nicht weiter nachzuhaken ich wollte sie nicht noch mehr verunsichern und wenn sie jetzt Frust schiebt, habe ich auch nichts davon.
Zeit zum Grübeln blieb uns auch nicht, wir mussten los. Schnell noch auschecken aus dem Hotel und dann kam auch schon der Bus. Natürlich klapperte der erst noch andere Hotels ab bis es endlich mal auf die Autobahn ging. Noch knapp zwei einhalb Stunden bis zum Abflug. Am Flughafen war schon mächtig Betrieb als wir ankamen. Kein Wunder, es war Hochsaison und wahrscheinlich waren jetzt die Spitzenzeiten. 200.000 Passagiere pro Tag musste man erstmal abfertigen. Am check in Schalter hatten sich schon lange Schlangen gebildet.
Das ist der Nachteil wenn die Schalter nach Airlines und nicht nach Zielorten vergeben werden. Alle Abflüge stand auf einem Monitor an der Decke na super! Wir stellten uns brav hinten an und warteten bis wir mal an der Reihe sind. Mein Handy meldete sich auch mal wieder, das war sicher meine Mutter die fragen will wann wir genau da sind oder vielleicht auch Alex wegen dem Abholen. Ich kramte mein Handy aus der Tasche und sah auf das Display.
‘Rafa’ Zeigte es nur an. Oh nein! Nicht der schon wieder! Wenn der jetzt anruft und dann wieder nichts ist, kann er sein blaues Wunder erleben. Mir wurde das echt zu blöd langsam. Juli sah mich interessiert an aber ich rollte nur genervt mit den Augen. “Alex hat wohl mal wieder Entzugserscheinungen?” Fragte sie breit grinsend. “Schlimmer! Rafa” Sie fing gleich wieder an blöd zu grinsen. “Der scheint sich ja plötzlich sehr für dich zu interessieren” ”Der wird sich gleich wünschen das er nicht angerufen hätte. Wenn er jetzt wieder sagt, dass nichts ist, flippe ich aus” Ich drückte annehmen und ging ran.
In der nächsten Sekunde verschwand sein Lächeln wieder blitzartig und wich einem todernsten Gesicht. “No es ist nicht ok!” ”Warum?” Fragte ich jetzt doch etwas verunsichert über seinen plötzlichen Stimmungswandel. “Weil du meine Exfreundin bist und weil du mich total durcheinander bringst. Ich habe eine Freundin und ich gedenke es dabei zu belassen. Das mit dir ist vorbei, ok? Ich wäre dir dankbar wenn du so was in Zukunft unterlassen würdest” Autsch, das fühlte sich an wie eine Ohrfeige. Moralisch gesehen war es das auch. So langsam verschwand meine gute Stimmung auch. Erst macht er mit und dann schiebt er mir die Schuld zu und sagt ich soll ihn in Ruhe lassen. Ich rückte von ihm weg und verschränkte meine Arme vor meinem Bauch. “Denkst du ich mache das absichtlich weil ich dich dann hängen lassen will?” ”Manchmal kommt mir das so vor sí!” Das war ja wohl die Spitze! Vielleicht sollte er auch einfach mal der Wahrheit ins Auge sehen. Er kann sich nicht von mir fern halten und wenn ich es drauf an lege kriege ich ihn auch.
Die Küsse von ihm sagten etwas anderes als das was er mir gerade einreden wollte. Mir war ja klar, dass es nicht so einfach gehen konnte. Oder um es auf den Punkt zu bringen, wir hatten sowieso keine Chance zusammen. Die hatten wir vor sieben Jahren nicht und die haben wir jetzt auch nicht. Manchmal glaubte ich das es einfach nicht sein sollte. Vielleicht riskierten wir auch zu wenig. Wie weit würde ich gehen um mit Rafa zusammen sein zu können? Vor Jahren hätte ich gesagt bis ans Ende der Welt. Das sah ich jetzt etwas anders, da müsste schon auch von ihm was kommen und das war leider nicht der Fall. Im Gegenteil, er hat ja eben klar gemacht wie er die Sache sieht.
Je länger ich da sass und darüber nachdachte umso verrückter erschien mir das hier alles. Dachte ich wirklich daran mit Rafa zusammen zu sein? Das war absurd! Dafür kannte ich ihn leider zu gut, der würde niemals einfach alles hinschmeißen und mit jemandem anderes durchbrennen. Er lebt hier falls er mal da ist mit seiner Freundin die ihn wohl aller ein paar Monate mal sieht und ist offenbar ganz glücklich damit. Vielleicht war ich neidisch aber was hatte ich auch erwartet? Das er keine Freundin hat und wartet bis ich mich mal bei ihm melde irgendwann? So ein Mist, es war immer so schrecklich kompliziert alles!
Am besten ich fliege nach Hause und denke einfach nicht mehr darüber nach. Die Gedanken der letzten Tage waren alle überflüssig gewesen. Fast hatte ich damit gerechnet das er mich abblitzen lässt und ein bisschen konnte ich ihn auch verstehen. Warum sagt er nur nicht gleich klipp und klar das er nichts von mir will? Es wäre doch nicht nötig gewesen damit zu warten bis ich ihn küsse. Es ging nur nicht in meinen Dickschädel rein das er mich abweist. Ich könnte mich jetzt auch rächen aber das bringt mir gar nichts, es macht nur alles noch schlimmer. Wieso musste ich ihn auch küssen? Ich hatte geahnt, das es nur alles noch komplizierter macht. Aber wenigstens lagen die Karten jetzt auf dem Tisch, war vielleicht auch ganz gut so.
Ich räusperte mich dann laut und stand auf ohne ihn anzusehen, es bestand kein Grund für mich noch länger hier zu bleiben. “Ich ähm, gehe dann mal” Ich schnappte mir meine Tasche und blieb erstmal stehen. Rafa blieb sitzen und sah mich an als hätte ich eben den Weltuntergang verkündet. Nach ein paar Sekunden sprang er auch auf und lief mir nach zur Tür. An der Tür blieb ich stehen und drehte mich zu ihm um. “Ich wünsche dir was. Ich meine, ich fliege ja bald zurück und ich glaube nicht, dass wir uns noch mal sehen bis dahin” Gerne hätte ich ihm jetzt auch mal so richtig meine Meinung gesagt aber es war sowieso egal also kann ich auch einen auf überhöflich machen. Rafa blieb stehen mit den Händen in den Hosentaschen.
“Mhh, dir auch” ”Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann mal wieder” ”Glaubst du das wirklich?” Wollte er eine ehrliche Antwort? Nein ich glaubte das natürlich nicht aber was sollte ich sagen? Ich wollte nur das Gespräch am laufen halten ohne dabei zu persönlich zu werden. Ich wollte nicht so ein Drama machen wie vor sieben Jahren obwohl das nicht mehr steigerungsfähig war. Ich zuckte dann etwas hilflos mit den Schultern und lächelte kurz. “Wer weiss” Sagte ich dann leise. Rafa sah mich mit einem nachdenklichen Blick an, er machte sich nichtmal die Mühe ein Lächeln zu ziehen. Eigentlich wollte ich auch gar nicht wissen was in ihm vorgeht.
Er hat mir ja eben unmissverständlich erklärt, dass mich das nichts mehr an geht. ”Ok, dann bis irgendwann” Sagte er zögerlich. ”Adíos” Antwortete ich nur und dachte kurz daran ihn zu umarmen, sicherheitshalber ließ ich das dann aber doch bleiben und ging einfach. Als ich am Tor war, drehte ich mich noch mal kurz um, Rafa stand noch in der Tür und sah mir nach. Bevor ich auf den Gedanke kam doch wieder umzukehren, lief ich weiter auf die Strasse.
Als ich am nächsten Morgen im Hotelzimmer aufwachte und mich umdrehte, war niemand zu sehen. Ich sah auf die Uhr, es war schon nach zehn und von Juli noch immer keine Spur. So fing also mein letzter Tag hier an. Morgen fliegen wir ja am frühen Nachmittag zurück. Ich ging erstmal ins Bad und dann alleine nach unten zum Frühstück. Da ich nicht wusste wann sie hier auftauchte, legte ich eine Zettel aufs Bett das ich am Strand bin und ging dann zum Strand.
Wahrscheinlich findet sie mich nichtmal wenn sie auch zum Strand kommt. Oder bleibt sie gleich bei Tomeu und ich sehe sie erst morgen wenn sie ihre Sachen einpackt? Es war zugegebenermaßen etwas langweilig alleine den ganzen Tag. Da hatte ich aber Zeit mal eine paar Karten zu schreiben auch wenn wir sicher eher wieder zu Hause sind als die Karten. Alex meldete sich auch mal wieder, er würde zum Flughafen kommen und uns abholen. Es war eigentlich geplant das meine Mutter uns abholt aber Alex hat wohl Entzugserscheinungen von mir und kann es nicht abwarten mich zu sehen. Das war echt der Horror!
Ich wusste gar nicht wie ich ihm gegenüber treten soll. So chaotisch wie meine Gefühle waren, wäre es mir am liebsten ich hätte mal meine Ruhe um in aller Ruhe nachdenken zu können. Er wird es aber nicht verstehen ohne den Grund zu kennen. Wenn ich ihm aber von Rafa erzähle, flippt er aus. Klar wäre er nicht begeistert wenn ich ihm sage, dass ich mir inzwischen nicht mehr so sicher bin was ich eigentlich will. Es war ja nicht so das es zwischen uns kriselte und mir Rafa gerade recht kam. Genau deswegen würde ihn so was umso mehr treffen und das wollte ich nicht.
Ich wollte nicht ihm auch noch das Herz brechen. Wenn er auch noch anfängt mir Vorwürfe zu machen, halte ich das nicht aus. Irgendwie musste ich aber mit ihm reden. Es stand schon fest, das ich nicht so tun kann als wenn nichts gewesen wäre. So gut konnte ich nicht schauspielern und er würde es sowieso merken das ich mich anders verhalte.
Zu meiner Überraschung war Juli im Zimmer als ich um vier den Strand verließ und ins Hotel zurück ging. “Hi, lange nicht gesehen” ”Ja, jetzt bin ich ja da” Gut, so wie sie lächelte war's wohl doch ganz gut gelaufen. Ich stellte meine Tasche ab und lief auf den Balkon die Handtücher aufhängen. “Und wie war's?” Fragte ich dann doch aus reiner Neugierde obwohl ich keine Details wissen wollte. “Sieht man das nicht?” ”Doch, ich frage nur so” Meinte ich breit grinsend. “Hast du was dagegen wenn er mitkommt nach Deutschland?”
Ich drehte meinen Kopf nach hinten damit ich sie sehen konnte. ”Was?” Fragte ich dann nur etwas überrascht. Hatte ich das eben richtig gehört? Tomeu will mit nach Deutschland kommen? Also das glaube ich erst wenn ich es sehe! “Mensch war Spaß, ich weiss das wir Morgen zurück fliegen. Ist richtig doof, das wir uns nicht schon vor zwei Wochen getroffen haben. Also ich meine, dass so lange Funkstille war” ”Ja und hättest du mich nicht genötigt damals bei Rafa aufzutauchen hätte er meine Nummer nicht und es wäre nie dazu gekommen” ”Da wir eben dabei sind. Wie war's denn bei dir?” ”Ach, nix besonderes. Bin dann kurz nach 12 zum Hotel zurück” ”Mit Rafa?” Die schien nicht aufzugeben! ”Alleine” Ich würde ihr natürlich nicht erzählen das ich noch bei ihm war und erst recht nichts von dem Kuss. Die erklärt mich glatt für verrückt. So glücklich war ich nicht darüber wie der Abend verlaufen ist das ich ihr gleich davon erzählen müsste.
Meine Freude sie zu sehen war aber nur von kurzer Dauer. Gleich nach dem Abendessen schwirrte sie wieder ab. Also sehe ich sie doch erst morgen am Flughafen wieder. Sie sah mich schon mit so einem flehenden Blick an aber ich sagte ihr das sie schon verschwinden soll. Es war unser letzter Abend hier und den hatte ich mir auch anders vorgestellt aber es war eben so. Ich kann verstehen, das sie die verbleibende Zeit lieber mit Tomeu verbringt auch wenn ich mich frage was passiert wenn sie ihn nicht mehr sehen kann.
Vielleicht kauft sie sich ja ein Dauerticket und fliegt jedes Wochenende hier her. Rein technisch wäre das ja gar kein Problem, zwei Stunden Flug und schon ist man hier. Ich setzte mich alleine an die Bar und schlürfte einen Cocktail bevor ich wieder nach oben ging. Einpacken muss ich ja sowieso also konnte ich es auch jetzt tun. War schon verrückt, da war ich nun auf Mallorca und verbrachte den letzten Abend damit meinen Koffer einzupacken. Das würde mir wohl niemand glauben. Meine Eltern denken sicher das wir es am letzten Abend noch mal ordentlich krachen lassen aber dem war nicht so. Einerseits freute ich mich ja auf zu Hause aber auf der anderen Seite könnte ich es hier schon noch eine Weile aushalten.
Das schöne Wetter und die Hitze den ganzen Sommer über, wie mir das fehlte in Deutschland. Am allerschlimmsten war es aber im Winter. Es ist nicht nur dunkel sondern monatelang kalt. Es kann auch auf Mallorca kalt werden es schneit da ja auch aber nur ganz selten und wenn dann ist es nur für ein paar Tage kalt. Diese Kälte Wochenlang zu ertragen war hart aber man gewöhnt sich an vieles mit der Zeit.
Mit etwas gedrückter Laune stand ich am nächsten Tag wieder alleine auf. Heute war es also soweit. Der Tag vor dem sich jeder Tourist fürchtet! Heute Abend sind wir bereits wieder in Deutschland, zurück im Alltag. Spätestens nach zwei Wochen wird es mir vorkommen als wenn ich nie im Urlaub gewesen wäre. Ich hatte zwar noch vier Tage Urlaub, da ich meine Sachen alle waschen wollte aber die werden auch schnell vorbei sein und was bleibt dann noch? Die Erinnerungen und Bilder an den Urlaub hier. Wenigstens hatte wir auch noch ein paar Ausflüge gemacht.
Ich hatte nicht nur meine Sachen gepackt sondern auch die von Juli, sie hatte ja besseres zu tun und mir war es langweilig. Es war alles schön feinsäuberlich verpackt, wir mussten nur noch zum Flughafen fahren und losfliegen. Ich sah auf meine Uhr und hoffte, das sie auch pünktlich hier erscheint. Der Flug ging 14:30 Uhr aber wir werden um 11 mit dem Bus hier am Hotel abgeholt. Als es an der Tür klopfte dachte ich so, na endlich! Wird ja auch mal Zeit das sie hier auftaucht. Ich öffnete die Tür in dem Glauben es ist Juli und starrte dann mit offenem Mund erschrocken geradeaus. “Hola, was machst du denn hier?” Konnte ich nach ein paar Sekunden überrascht fragen.
Das war nicht die Person die ich erwartet hatte. “Hola, darf ich rein kommen?” Rafa lief an mir vorbei ins Zimmer ohne meine Antwort abzuwarten. “Äh ja” Sagte ich dann perplex und drehte mich um die Tür nach ihm zuzumachen. Was macht der denn hier? Jetzt verstand ich gar nichts mehr. “Ich dachte nur es wäre Juli” Stammelte ich immer noch überrascht. Er sah auf die Koffer und dann zu mir. “Wann fliegt ihr denn?” ”In knapp vier Stunden. Ich warte eigentlich nur auf Juli das wir zum Flughafen können” Wortlos ließ Rafa sich auf dem Bett nieder.
Ich fragte mich noch immer, was sein Auftritt zu bedeuten hatte, ich konnte mir wirklich keinen Reim darauf machen. Nachdem wie das gestern Abend lief hätte ich nicht gedacht, dass ich ihn so schnell wieder sehe. Was ich jetzt tun sollte wusste ich auch nicht. Rafa machte einen leicht abwesenden Eindruck auf mich, irgendwas war los, ich sah es ihm förmlich an. “Darf ich fragen was du hier machst?” Fragte ich ihn dann vorsichtig. Er sah zu mir hoch und zog ein Lächeln aber es sah doch ziemlich nach Show aus, dafür kannte ich ihn leider zu gut. “Ich weiss auch nicht, hat sich schon erledigt” Kurz überlegte ich ob ich jetzt nachhake warum er wirklich hier ist aber ich entschied mich dagegen. Es wäre das Beste für alle Beteiligten wenn wir alles belassen wie es ist. Ich wollte nicht wirklich, dass er einfach so geht aber es war sowieso egal.
Wenn ich jetzt versuche ihn aufzuhalten interpretiert er das möglicherweise noch falsch. ”Wie du meinst” Sagte ich schließlich. Er stand auf und lief wieder zur Tür. “Ich gehe dann mal wieder. Guten Flug, bis irgendwann” ”Ähh ja ciao” ”Adíos” Ehe ich es mir versah war er wieder verschwunden. Ich blieb im Zimmer stehen und wunderte mich nur noch. Was war das denn? Allmählich glaube ich er dreht durch. Erst taucht er hier ohne vorher was zu sagen auf und dann ist gar nichts? Er kann mir nicht erzählen, dass er ohne Grund hier war.
Jetzt war es aber zu spät wo er weg war. Inzwischen bereute ich doch ihn nicht direkt gefragt zu haben. Ich wusste genau das er irgendwas vor gehabt hat sich dann aber wohl spontan umentschieden hatte. Vermutlich ging es um gestern Abend nur wieso sagt er dann plötzlich nichts?
Im nächsten Moment klopfte es wieder. Hat er es sich doch anders überlegt? Ich lief wieder zur Tür und öffnete. “Hola, da bin ich wieder” Juli strahlte mich breit grinsend an und kam ins Zimmer. “Hi, dann können wir los. Ist alles fertig gepackt” Sie lief zu ihrem Koffer und packte noch was ein. “War Rafa eben hier?” ”Äh ja, der hat echt einen schrägen Auftritt hingelegt” ”Wieso? Ich habe ihn übrigens eben getroffen unten im Hotel. Die Angestellten flippten total aus als die gesehen haben wer es ist. Ich hatte schon Angst das mich jemand verfolgt und fragt woher ich ihn kenne. Ich meine, ich habe mich ein wenig daran gewöhnt ihn zu sehen. Mir wird nur klar um wen es geht wenn ich die überzogenen Reaktionen der anderen sehe” “Du hörst dich auch schon an wie Rafa. Ihm wär's sicher am liebsten wenn alle so reagieren würden wie du, nach dem Motto, mir doch egal wer das ist. Ich weiss jedenfalls nicht wieso der hier war. Er ist vor zehn Minuten hier aufgetaucht und kaum das er hier war meinte er es hätte sich erledigt und ist wieder verschwunden” ”Du willst mir also erklären das er nur so hier war für zehn Minuten?”
“Äh ja” Im Moment konnte ich ihr nicht so ganz folgen. “Lass es mich anders sagen. Ich will dir nichts unterstellen aber es kann wohl nicht sein das er länger hier war?” Im nächsten Augenblick fiel bei mir auch der Groschen. “Du glaubst doch wohl nicht wirklich das er hier übernachtet hat!” Sagte ich vielleicht etwas zu empört. “Ist ja schon gut, war nur eine Frage. So abwegig ist das nun auch nicht. Ich meine, dein Blick Vorgestern war eindeutig” Ich verschränkte meine Arme vor dem Bauch und rollte mit den Augen. “Geht das schon wieder los? Außerdem wären wir dann ja nicht so blöd und wären hier her gegangen wenn er ein eigenes Haus hat oder? Ich meine, müsste ja nicht gleich die ganze Insel wissen” ”Bin ja schon ruhig! Und er hat nichts weiter gesagt?” ”Nein, ich habe echt keine Ahnung was der wollte oder wieso er hier war” ”Komische Sache!” ”Kannste laut sagen! Was machst du denn jetzt? Nächste Woche wieder herfliegen?”
Ihr breites Lächeln erschien gleich wieder. “Wäre zu schön um wahr zu sein. Nein ich weiss es noch nicht. Du kannst dir vielleicht vorstellen, das ich keine Lust habe nach Hause zu fliegen” ”Das kann ich mir in der Tat vorstellen, ja” Sie setzte sich in einen Sessel und liess ihr Gesicht hängen. “Ich weiss auch nicht, es ist so kompliziert alles. Wir können uns gar nicht mehr sehen und ich will ihn nicht aller paar Wochen mal sehen” Ein wenig wunderte mich das schon. Tomeu liess sich normalerweise nicht einfach festnageln. “Seit ihr schon bei der Frage wie ihr euch sehen könnt? Ich meine sieht Tomeu das auch so?” Etwas hilflos wirkte sie schon. “Ich weiss nicht genau, ich glaube schon” Na, das klang mir aber ziemlich verunsichert. Hoffentlich verrennt die sich da nicht in etwas. Ich beschloss aber da nicht weiter nachzuhaken ich wollte sie nicht noch mehr verunsichern und wenn sie jetzt Frust schiebt, habe ich auch nichts davon.
Zeit zum Grübeln blieb uns auch nicht, wir mussten los. Schnell noch auschecken aus dem Hotel und dann kam auch schon der Bus. Natürlich klapperte der erst noch andere Hotels ab bis es endlich mal auf die Autobahn ging. Noch knapp zwei einhalb Stunden bis zum Abflug. Am Flughafen war schon mächtig Betrieb als wir ankamen. Kein Wunder, es war Hochsaison und wahrscheinlich waren jetzt die Spitzenzeiten. 200.000 Passagiere pro Tag musste man erstmal abfertigen. Am check in Schalter hatten sich schon lange Schlangen gebildet.
Das ist der Nachteil wenn die Schalter nach Airlines und nicht nach Zielorten vergeben werden. Alle Abflüge stand auf einem Monitor an der Decke na super! Wir stellten uns brav hinten an und warteten bis wir mal an der Reihe sind. Mein Handy meldete sich auch mal wieder, das war sicher meine Mutter die fragen will wann wir genau da sind oder vielleicht auch Alex wegen dem Abholen. Ich kramte mein Handy aus der Tasche und sah auf das Display.
‘Rafa’ Zeigte es nur an. Oh nein! Nicht der schon wieder! Wenn der jetzt anruft und dann wieder nichts ist, kann er sein blaues Wunder erleben. Mir wurde das echt zu blöd langsam. Juli sah mich interessiert an aber ich rollte nur genervt mit den Augen. “Alex hat wohl mal wieder Entzugserscheinungen?” Fragte sie breit grinsend. “Schlimmer! Rafa” Sie fing gleich wieder an blöd zu grinsen. “Der scheint sich ja plötzlich sehr für dich zu interessieren” ”Der wird sich gleich wünschen das er nicht angerufen hätte. Wenn er jetzt wieder sagt, dass nichts ist, flippe ich aus” Ich drückte annehmen und ging ran.
15 September 2009
Chapter 8
Mir tippte dann etliche Minuten später jemand auf die Schulter. Ich drehte meinen Kopf und sah in das lächelnde Gesicht von Rafa. Gott sei dank! Der war meine Rettung! Alleine würde ich mich tödlich langweilen. Ich zog ein Lächeln und drehte mich zu ihm um. “Hola, ich dachte schon du hast dich ausgeklinkt” “Hast du mich schon vermisst?” War ja niedlich wie er das so hoffnungsvoll fragte, ich sagen aber sich nicht was er hören will. “Träume weiter!” ”Maríbel ging mir auf die Nerven” ”Mhh” Ich sah langsam an Rafa nach unten. Er hatte dunkle Jeans an und oben ein Poloshirt... in pink! Eigentlich sind mir Männer die pink tragen suspekt aber Rafa stand es wirklich. Er war immer so schön braun, das passte super. Sein Lächeln macht es noch perfekt. “Wie ich sehe ist Tomeu schon beschäftigt” Ich sah kurz neben mich, er stand schon verdächtig nahe an Juli. Immerhin standen sie noch nicht engumschlungen. “Sieht wohl so aus, ich bin gespannt wie lange die noch hier sind” Rafa setzte sich neben mich und grinste schon wieder so breit. “Ich würde sagen höchstens eine Stunde” ”Denkst du? Ich glaube ein bisschen länger dauert es schon. Vielleicht sollten wir ja wetten” ”Um was?” ”50 Cent” Meinte ich kichernd, die Idee war verrückt! “Ok, deal. Wenn es länger dauert wie eine Stunde hast du gewonnen” Na das klang doch super! ”Deal” Die 50 Cent waren mir sicher! Nicht zu fassen das ich mit Rafa darum wette, wie lange Juli noch hier ist. Eigentlich sagte ich das mit der Wette auch nur aus Spaß, kann ja keiner ahnen das Rafa da auch noch mitmacht!
Etwa 30 Minuten später nötige Juli mich dazu ihr auf Toilette zu folgen. Wie sich dann rausstellte, musste sie aber gar nicht wirklich auf Toilette. ”Hast du was dagegen wenn ich verschwinde?” Ich hatte meine Hände an den Hüften und sah sie streng an. “Ich muss mir keine Gedanken um dich machen oder?” Fragte ich erstmal nur. ”Nein, ich bin doch schon groß und auch ganz brav” Antwortete sie kichernd. “Ist klar, sage nur ihr wollt Karten spielen” ”Nein aber er hat eine ganz tolle Briefmarkensammlung” ”Na dann wünsche ich dir viel Spaß beim ansehen” ”Mhh, werden wir haben” Ihr Grinsen machte weiteres Nachfragen überflüssig. Kurz sah ich auf meine Uhr, wenn sie jetzt geht, sind die 50 Cent futsch. “Könnt ihr vielleicht noch 20 Minuten warten bis ihr geht?” ”Wieso?” ”Ach, nichts weiter, ich habe nur mit Rafa gewettet wie lange es dauert bis ihr verschwindet” Das Grinsen fiel ihr förmlich aus dem Gesicht. ”Was hast du?” Fragte sie schockiert. ”Ja jetzt sieh mich nicht so an, wir mussten uns ja die Zeit irgendwie vertreiben” ”Vielleicht solltet ihr lieber was anderes treiben” Mehr als ein müdes Augenrollen fiel mir nicht ein dazu. Den Schock hatte sie offensichtlich schnell überwunden. “Ist klar, hier sind so viele Leute, ich stehe nicht so auf Zuschauer“ Sagte ich dann doch noch. “Rein optisch passt ihr super zusammen. Pink, lila, blau und weiss ergibt die ultimative Kombination. Ihr solltet Twister spielen! Das gibt den farblichen Super-GAU” ”Ja, sehr witzig!” ”Der traut sich echt was hier in pink aufzutauchen” ”Das dachte ich vorhin auch!” ”Na wie auch immer, du weißt also das ich eventuell nicht ins Hotel komme heute Nacht” Wieso fragt sie dann noch? Ich bin ja nicht schwer von Begriff. ”Ich hab's kapiert. Er hat so viele Briefmarken das es höchstwahrscheinlich die ganze Nacht dauert die alle anzusehen habe ich Recht?” ”Du hast es erfasst”
Wir liefen wieder zurück und setzten uns an die Bar. Ich glaubte es nicht aber die blieben tatsächlich noch hier! Rafa würde sich noch wundern. Ich konnte nicht anders als mich zu freuen das er die Wette verliert auch wenn es um nichts wichtiges ging. Juli verhielt sich ganz normal als wüsste sie von nichts. Kaum das Juli mit Tomeu verschwunden war, sah ich demonstrativ auf meine Uhr und trank dann einen Schluck. “Tja, ich würde sagen du hast die Wette verloren” Rafa sah kurz auf seine Uhr und dann wieder zu mir. ”Sí, wegen zehn Minuten” Hach, ich freute mich richtig! Ein bisschen Schadenfreude war doch immer schön. “Immer freue dich!” Mein Grinsen ging sicher vom einen Ohr zum anderen. ”Ich war schon immer durch einfache Dinge zu begeistern” Meinte ich frech grinsend um dem noch eins draufzusetzen. “Du hast es ihr gesagt” Kam es dann nur. Kurz verschwand mein grinsen. “Was? Quatsch! Das würde ich nicht tun! Denkst du ich lüge dich an oder was?“ Er sagte nichts aber keine Antwort ist auch eine Antwort. Als nächstes schob mir demonstrativ ein 50 Cent Stück den Tresen rüber bis zu meinem Glas. “Gràcies” Meinte ich kurz und steckte das Geldstück in meine Hosentasche. Was mich irritierte war das Rafa immer noch vom einen Ohr zum anderen lächelte. “Was?” Fragte ich dann nach. “Ach nada” ”Das pink steht dir übrigens ausgezeichnet” Sagte ich spontan. Im nächsten Moment verfärbte sich sein Gesicht zur selben Farbe wie sein Shirt. Es war nicht meine Absicht ihn ins schwitzen zu bringen, das sollte nur ein Kompliment sein. Ich meinte das wirklich Ernst und nicht um mich bei ihm einzuschleimen. “Gràcies, du siehst auch toll aus” ”Danke” Ein bisschen kichern musste ich schon, Rafa machte einen leicht hilflosen Eindruck. Ist er es nicht gewohnt mit solchen Komplimenten umzugehen oder war es weil es von mir kam? Ich bin ja sicher nicht die Einzige die ihm sagt das er zum anbeißen aussieht. Um das zu überspielen fragte ich lieber nach Wimbledon. Da hatten wir direkt mal eine Menge zu reden. Ich hatte zwar mitbekommen was er so gemacht hatte in den letzten Jahren aber es war doch was anderes es von Rafa selbst zu hören als es zu lesen oder im TV zu sehen. Als ich meine Gedanken schweifen liess fiel mir dann Juli wieder ein. Nein, ich wollte gar nicht wissen was die jetzt eben macht. Ich dachte nur darüber nach wie schnell sie mit Tomeu verschwunden ist. Nachdem von heute Nachmittag konnte mal wohl kaum davon sprechen das sie ihn kennt. Ich würde jedenfalls nicht so schnell mit jemandem verschwinden den ich praktisch nicht kenne. Man könnte auch an einen Massenmörder auf Freigang geraten auch wenn man das bei Tomeu ausschließen konnte. Ich schätze mal Rafa ist ähnlicher Ansicht aber ich weiss nicht wie er es findet wenn ich danach frage. “Wie findest du das denn das die so schnell verschwunden sind?” Fragte ich dann doch aus reiner Neugierde und beobachtete Rafa aus dem Augenwinkel. Er sah zu mir und schien mit den Gedanken woanders zu sein. “Wer?” ”Tomeu und Juli” “Die sind alt genug, no?” “Würdest du jemand mit zu dir nach Hause nehmen den du seit 12 Stunden kennst?” ”Bin ich verrückt? Ich würde es grundsätzlich nicht machen. Rein theoretisch muss ich auch noch davon ausgehen, dass es am nächsten Tag in der Presse landet und ich habe keine Lust zu sehen wie die Klatschpresse mein Privatleben auseinander nimmt” Kurz kam mir in den Sinn, dass ihm so was wahrscheinlich gar nicht so schlecht täte. Er hat so ein lupenreines Image, dass man schon Angst kriegen kann das Rafa privat total langweilig ist. Manche bauen sich auch so ein Image auf für die Öffentlichkeit aber bei Rafa war es so wie er behauptet. Wer Glamour und Skandale sucht ist bei ihm definitiv an der falschen Adresse. “Es passt eigentlich gar nicht zu ihr” Meinte ich dann gedankenverloren. “Du meinst also es liegt an Tomeu?” “Sí, der hat doch noch nie etwas anbrennen lassen” Ich dachte eben an früher, als er es auf mich abgesehen hatte. Dumm nur das ich damals mit Rafa zusammen war. Tomeu hat jedenfalls öfters erwähnt, das er gerne die Position von Rafa einnehmen würde und der war gar nicht begeistert davon. Es ging soweit, das die Freundschaft von Rafa und Tomeu auf der Kippe stand wegen mir. Geehrt fühlte ich mich aber nicht etwa, es war total nervig. Das Getue konnte keiner ertragen, ich dachte schon die schlagen sich noch die Köpfe ein wegen mir. Das Rafa es nicht lustig findet wenn jemand versucht ihm die Freundin auszuspannen kann ich verstehen aber nicht warum Tomeu nicht locker gelassen hat. Na ja, das hatte sich ja dann erledigt als ich weg war. Wie die Zeit verging merkte ich gar nicht mehr, ich bekam nur einen kleinen Schreck als ich auf meine Uhr sah und es schon nach 12 war. Ich wollte dann schon gerne ins Hotel zurück. Nur hatte ich bisschen was getrunken und wollte nicht fahren aber Rafa war ja noch da. Der hielt sich sowieso zurück mit Alkohol wenn er Training hat am nächsten Tag also kam mir das gleich gelegen. Soweit so gut. Es war wie knapp vor zwei Wochen, da hatte Rafa mich ja auch schon mitgenommen nach Porto Cristo.
Nur war es jetzt in so fern anders, dass ich mich traute ihn anzusehen während er fuhr. Obwohl es doch immer noch ein bisschen komisch war mit ihm alleine in seinem Auto zu sitzen, war ein bisschen gefährlich. Ich hätte vor zwei Wochen als wir hier her geflogen sind nicht gedacht, das ich mal mit Rafa nachts quer über die Insel fahre. Ein gewisses Knistern hing ständig in der Luft, kann auch sein das ich mir das einbilde und das nur von mir aus geht, liegt vielleicht am Alkohol. Rafa hatte ja mal erwähnt das er eine Freundin hat auch wenn er über sie bis jetzt kein weiteres Wort verloren hatte. Wo war die denn? Rafa hatte ich in den letzten Tagen immer alleine gesehen und keiner hatte ein Wort über sie verloren. “Willst du gleich zum Hotel?” Ich sah rüber zu ihm und zog meine Augenbrauen fragend hoch. “Äh ja, wo soll ich sonst hinwollen um diese Uhrzeit?” ”Kannst auch mit zu mir kommen wenn du willst. Also nicht das du mich falsch verstehst. Ich habe noch eine Menge von dem Rotwein” Ein breites Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. “Warum kaufst du so viel Rotwein wenn du ihn nicht trinkst?” ”War eine Kapitalanlage” ”Die ich versaufen soll oder wie?” ”Ich will dich nicht abfüllen falls du mir das gerade unterstellen willst. Sage einfach no wenn du nicht willst” ”Sí ok, dann fahre eben zu dir. Juli wird ja sowieso erst morgen wieder da auftauchen” “Das glaube ich auch” War jetzt auch egal, ich hatte sowieso jetzt nichts mehr vor und im Hotel war ja auch nichts mehr los um diese Zeit. Der all inklusive Service ging nur bis 24 Uhr und danach kehrte auch ziemlich schnell Ruhe ein im Hotel. Die Sorge nichts zu trinken zu bekommen hatte ich aber gerade nicht.
Es war mal wieder alles dunkel als wir bei seinem Haus ankamen. War hier nie jemand zu Hause? Rafa war ja sowieso viel unterwegs und Maríbel schien auch nicht oft da zu sein zumindest nicht Abends. Statt wie beim letzten mal auf die Terrasse raus zu gehen blieben wir aber gleich im Haus. Rafa war verschwunden, also sah ich mich unauffällig ein bisschen um. Ein paar Auszeichnungen standen lose verteilt durchs ganze Zimmer, man konnte wohl so was wie Wohnzimmer dazu sagen. Gut, alle Auszeichnungen auf einen Haufen hätten sicher eine irritierende und einschüchternde Wirkung auf eventuelle Besucher. Ich hätte Rafa auch nicht so eingeschätzt das er sich eine Art Schrein baut und dann jeden Tag davor in die Knie geht. Bleibt nur die Frage wo er den Pokal von Wimbledon versteckt, der ist doch sicher der bedeutendste. War schon so erschreckend genug was er alles erreicht hat mit 22. Ich wünschte ich könnte mir von meinem Gehalt auch Häuser und Autos kaufen aber davon war ich Lichtjahre entfernt. Ich war schon froh, das zwei Wochen Urlaub rausgesprungen war. Vielleicht sollte ich ja mal Lotto spielen. Als Rafa mit einer Flasche Wein wieder auftauchte, ließen wir uns auf der Couch nieder. Zu meinem Erschrecken trank er auch Wein. Rafa und Rotwein, das war was neues! “Hast du kein Training morgen?” “Doch wieso?” Ich zeigte auf sein Glas. “Ich dachte du trinkst nichts wenn du Training hast am nächsten Tag” ”Ach so, das wird mich schon nicht gleich umhauen” Die Hoffnung hatte ich auf mich bezogen auch! Ich wollte nicht das ich unter Alkoholeinfluss etwas tue was ich dann vielleicht bereue daher würde ich mich zurückhalten mit trinken.
Ich muss aber zugeben, das der Wein die Stimmung auflockerte. Wenn ich mich nicht beherrsche, verfalle ich wieder in Rafa-Fantasien. Immerhin war ich hier mit ihm alleine und es sah nicht so aus als wenn noch jemand käme da Rafa so nebenbei erwähnte, das Maríbel bei ihrem Freund ist. Ich würde ihn zu gerne umarmen und auch noch ganz andere Dinge mit ihm tun. Vielleicht sollte ich es ja einfach riskieren, mehr als schief gehen kann es doch nicht. So weit auseinander wie am Anfang saßen wir ja sowieso nicht mehr. Es war nicht unbedingt förderlich für meine Beherrschung zu wissen das uns hier keiner stört. Wenn Alex nicht wäre und Rafa keine Freundin hätte, ich hätte mich schon längst auf Rafa gestürzt. Ich rückte etwas näher an ihn und trank einen Schluck Wein. “Wann fliegst du eigentlich nach Kanada?” ”In vier Tagen. Es ist noch bisschen Zeit aber ich trainiere lieber noch ein bisschen vor Ort” ”Und danach?” ”Erst nach Cincinnati, dann nach Peking wegen Olympia und dann zurück nach New York zu den US Open. Sí und dann ist noch Davis Cup bevor die Herbstsaison im Oktober anfängt. Mir wird jetzt schon schlecht wenn ich an die ganze Zeitverschiebung denke” ”Hört sich nach einem vollen Programm an” ”Das ist es auch. Hätte ich nicht das Turnier in Stuttgart abgesagt, hätte ich jetzt nur eine Woche frei gehabt nach Wimbledon” ”Ich hab's früher schon gesagt, du spielst zu viel Tennis!” Sein Lächeln sah so herrlich aus. ”Ich weiss aber ich kann es nicht lassen” Aww, ich könnte schmelzen wenn er mich so ansieht. “Du bist verrückt!” Sagte ich dann nur und das war mein voller Ernst. ”Das muss man auch um das auszuhalten” ”Meine Rede! Denkst du irgendwann auch mal nicht an Tennis?” ”Ab und zu” So wie er grinste wollte ich das jetzt nicht genauer erläutert haben. “Ich ähm verzichte auf nähere Details” Meinte ich nur mit einem räuspern. Sein Grinsen wurde dann auch immer unverschämter. ”Was denkst du denn?” Warum hakt er jetzt noch so scheinheilig nach? Er soll mal nicht so tun, der weiss doch genau was ich denke! ”Das willst du lieber nicht wissen” ”Vielleicht ja doch!” So langsam fühlte ich mich unwohl. Das wurde mir zu gefährlich alles. Etwas kam ich ins schwitzen, es war zugegeben leicht aufregend alles. Sich auf einen Flirt mit Rafa einzulassen war schon immer eine gefährliche Sache. Der Wein und dann noch Rafa mit dem Lächeln, das war eine tödliche Mischung. Es kribbelte gleich wieder bei mir. Rückte ich näher an Rafa oder er näher zu mir?
So genau konnte ich das nicht mehr feststellen. Hält sein Blick was er verspricht? Ich könnte mich total verlieren in seinen Augen. Da ich mich nicht länger beherrschen konnte, legte ich eine Hand an seine Wange und strich ihm dann ein paar Haarsträhnchen hinter die Ohren. Aww ich könnte ihn stundenlang ansehen. Oder auch nicht weil ich früher oder später die Beherrschung über mich verlieren würde. Langsam kam er näher und umarmte mich dann. Da sein Gesicht an meinem Hals war, konnte ich ihn nicht mehr ansehen. Mir lief es eiskalt den Rücken runter als ich seinen Atem an meinem Hals spürte. Lange halte ich das nicht mehr aus, mein Puls war schon auf 300 und warm wurde es mir auch. Nach ein paar Sekunden hob er seinen Kopf von meiner Schulter und sah in meine Augen. Sein Blick machte Worte überflüssig, ich könnte auf der Stelle schmelzen. Das war schon eine Einladung ihn zu küssen. Ich zog ihn wieder näher und küsste ihn vorsichtig. Spätestens da dachte ich an gar nichts mehr. Es war vertraut und neu zugleich. Die Küsse hatten mir richtig gefehlt. Ich könnte stundenlang mit Rafa knutschen, das war früher schon so und ich würde ihn jetzt am liebsten auch auffressen, das tat richtig gut alles. Das war echt zu viel des Guten und so zurückhaltend waren die Küsse auch nicht mehr lange. Irgendwie hatte ich schon vergessen das Rafa mein Ex war und auch das ich einen Freund hatte der nichts schlimmes ahnt. Die Versuchung war zu groß und ich konnte einfach nicht anders. Rafa lehnte sich dann zur Seite bis er auf dem Rücken lag und ich über ihm. Während ich ihn leidenschaftlich küsste zog ich an seinem Shirt und liess meine Hände dann darunter verschwinden. Schon von dem Moment als ich ihn am Strand gesehen hatte wollte ich mal meine Hände über seinen durchtrainierten Bauch wandern lassen und es fühlte sich verdammt gut an. Die Aufmerksamkeit von Rafa fühlte sich noch viel besser an. Ich würde ihn zu gerne ausziehen um den Anblick genießen zu können. Leider hielt er dann meine Hände fest. Ich löste mich etwas von ihm und sah ihn an. Der Anblick hatte auch was! Rafa lag auf der Couch mit zerwühlten Haaren und sein Shirt hing ziemlich weit oben. Bei dem Anblick lief mir echt das Wasser im Mund zusammen. “Höre auf!” Kam es plötzlich ernst.
Etwa 30 Minuten später nötige Juli mich dazu ihr auf Toilette zu folgen. Wie sich dann rausstellte, musste sie aber gar nicht wirklich auf Toilette. ”Hast du was dagegen wenn ich verschwinde?” Ich hatte meine Hände an den Hüften und sah sie streng an. “Ich muss mir keine Gedanken um dich machen oder?” Fragte ich erstmal nur. ”Nein, ich bin doch schon groß und auch ganz brav” Antwortete sie kichernd. “Ist klar, sage nur ihr wollt Karten spielen” ”Nein aber er hat eine ganz tolle Briefmarkensammlung” ”Na dann wünsche ich dir viel Spaß beim ansehen” ”Mhh, werden wir haben” Ihr Grinsen machte weiteres Nachfragen überflüssig. Kurz sah ich auf meine Uhr, wenn sie jetzt geht, sind die 50 Cent futsch. “Könnt ihr vielleicht noch 20 Minuten warten bis ihr geht?” ”Wieso?” ”Ach, nichts weiter, ich habe nur mit Rafa gewettet wie lange es dauert bis ihr verschwindet” Das Grinsen fiel ihr förmlich aus dem Gesicht. ”Was hast du?” Fragte sie schockiert. ”Ja jetzt sieh mich nicht so an, wir mussten uns ja die Zeit irgendwie vertreiben” ”Vielleicht solltet ihr lieber was anderes treiben” Mehr als ein müdes Augenrollen fiel mir nicht ein dazu. Den Schock hatte sie offensichtlich schnell überwunden. “Ist klar, hier sind so viele Leute, ich stehe nicht so auf Zuschauer“ Sagte ich dann doch noch. “Rein optisch passt ihr super zusammen. Pink, lila, blau und weiss ergibt die ultimative Kombination. Ihr solltet Twister spielen! Das gibt den farblichen Super-GAU” ”Ja, sehr witzig!” ”Der traut sich echt was hier in pink aufzutauchen” ”Das dachte ich vorhin auch!” ”Na wie auch immer, du weißt also das ich eventuell nicht ins Hotel komme heute Nacht” Wieso fragt sie dann noch? Ich bin ja nicht schwer von Begriff. ”Ich hab's kapiert. Er hat so viele Briefmarken das es höchstwahrscheinlich die ganze Nacht dauert die alle anzusehen habe ich Recht?” ”Du hast es erfasst”
Wir liefen wieder zurück und setzten uns an die Bar. Ich glaubte es nicht aber die blieben tatsächlich noch hier! Rafa würde sich noch wundern. Ich konnte nicht anders als mich zu freuen das er die Wette verliert auch wenn es um nichts wichtiges ging. Juli verhielt sich ganz normal als wüsste sie von nichts. Kaum das Juli mit Tomeu verschwunden war, sah ich demonstrativ auf meine Uhr und trank dann einen Schluck. “Tja, ich würde sagen du hast die Wette verloren” Rafa sah kurz auf seine Uhr und dann wieder zu mir. ”Sí, wegen zehn Minuten” Hach, ich freute mich richtig! Ein bisschen Schadenfreude war doch immer schön. “Immer freue dich!” Mein Grinsen ging sicher vom einen Ohr zum anderen. ”Ich war schon immer durch einfache Dinge zu begeistern” Meinte ich frech grinsend um dem noch eins draufzusetzen. “Du hast es ihr gesagt” Kam es dann nur. Kurz verschwand mein grinsen. “Was? Quatsch! Das würde ich nicht tun! Denkst du ich lüge dich an oder was?“ Er sagte nichts aber keine Antwort ist auch eine Antwort. Als nächstes schob mir demonstrativ ein 50 Cent Stück den Tresen rüber bis zu meinem Glas. “Gràcies” Meinte ich kurz und steckte das Geldstück in meine Hosentasche. Was mich irritierte war das Rafa immer noch vom einen Ohr zum anderen lächelte. “Was?” Fragte ich dann nach. “Ach nada” ”Das pink steht dir übrigens ausgezeichnet” Sagte ich spontan. Im nächsten Moment verfärbte sich sein Gesicht zur selben Farbe wie sein Shirt. Es war nicht meine Absicht ihn ins schwitzen zu bringen, das sollte nur ein Kompliment sein. Ich meinte das wirklich Ernst und nicht um mich bei ihm einzuschleimen. “Gràcies, du siehst auch toll aus” ”Danke” Ein bisschen kichern musste ich schon, Rafa machte einen leicht hilflosen Eindruck. Ist er es nicht gewohnt mit solchen Komplimenten umzugehen oder war es weil es von mir kam? Ich bin ja sicher nicht die Einzige die ihm sagt das er zum anbeißen aussieht. Um das zu überspielen fragte ich lieber nach Wimbledon. Da hatten wir direkt mal eine Menge zu reden. Ich hatte zwar mitbekommen was er so gemacht hatte in den letzten Jahren aber es war doch was anderes es von Rafa selbst zu hören als es zu lesen oder im TV zu sehen. Als ich meine Gedanken schweifen liess fiel mir dann Juli wieder ein. Nein, ich wollte gar nicht wissen was die jetzt eben macht. Ich dachte nur darüber nach wie schnell sie mit Tomeu verschwunden ist. Nachdem von heute Nachmittag konnte mal wohl kaum davon sprechen das sie ihn kennt. Ich würde jedenfalls nicht so schnell mit jemandem verschwinden den ich praktisch nicht kenne. Man könnte auch an einen Massenmörder auf Freigang geraten auch wenn man das bei Tomeu ausschließen konnte. Ich schätze mal Rafa ist ähnlicher Ansicht aber ich weiss nicht wie er es findet wenn ich danach frage. “Wie findest du das denn das die so schnell verschwunden sind?” Fragte ich dann doch aus reiner Neugierde und beobachtete Rafa aus dem Augenwinkel. Er sah zu mir und schien mit den Gedanken woanders zu sein. “Wer?” ”Tomeu und Juli” “Die sind alt genug, no?” “Würdest du jemand mit zu dir nach Hause nehmen den du seit 12 Stunden kennst?” ”Bin ich verrückt? Ich würde es grundsätzlich nicht machen. Rein theoretisch muss ich auch noch davon ausgehen, dass es am nächsten Tag in der Presse landet und ich habe keine Lust zu sehen wie die Klatschpresse mein Privatleben auseinander nimmt” Kurz kam mir in den Sinn, dass ihm so was wahrscheinlich gar nicht so schlecht täte. Er hat so ein lupenreines Image, dass man schon Angst kriegen kann das Rafa privat total langweilig ist. Manche bauen sich auch so ein Image auf für die Öffentlichkeit aber bei Rafa war es so wie er behauptet. Wer Glamour und Skandale sucht ist bei ihm definitiv an der falschen Adresse. “Es passt eigentlich gar nicht zu ihr” Meinte ich dann gedankenverloren. “Du meinst also es liegt an Tomeu?” “Sí, der hat doch noch nie etwas anbrennen lassen” Ich dachte eben an früher, als er es auf mich abgesehen hatte. Dumm nur das ich damals mit Rafa zusammen war. Tomeu hat jedenfalls öfters erwähnt, das er gerne die Position von Rafa einnehmen würde und der war gar nicht begeistert davon. Es ging soweit, das die Freundschaft von Rafa und Tomeu auf der Kippe stand wegen mir. Geehrt fühlte ich mich aber nicht etwa, es war total nervig. Das Getue konnte keiner ertragen, ich dachte schon die schlagen sich noch die Köpfe ein wegen mir. Das Rafa es nicht lustig findet wenn jemand versucht ihm die Freundin auszuspannen kann ich verstehen aber nicht warum Tomeu nicht locker gelassen hat. Na ja, das hatte sich ja dann erledigt als ich weg war. Wie die Zeit verging merkte ich gar nicht mehr, ich bekam nur einen kleinen Schreck als ich auf meine Uhr sah und es schon nach 12 war. Ich wollte dann schon gerne ins Hotel zurück. Nur hatte ich bisschen was getrunken und wollte nicht fahren aber Rafa war ja noch da. Der hielt sich sowieso zurück mit Alkohol wenn er Training hat am nächsten Tag also kam mir das gleich gelegen. Soweit so gut. Es war wie knapp vor zwei Wochen, da hatte Rafa mich ja auch schon mitgenommen nach Porto Cristo.
Nur war es jetzt in so fern anders, dass ich mich traute ihn anzusehen während er fuhr. Obwohl es doch immer noch ein bisschen komisch war mit ihm alleine in seinem Auto zu sitzen, war ein bisschen gefährlich. Ich hätte vor zwei Wochen als wir hier her geflogen sind nicht gedacht, das ich mal mit Rafa nachts quer über die Insel fahre. Ein gewisses Knistern hing ständig in der Luft, kann auch sein das ich mir das einbilde und das nur von mir aus geht, liegt vielleicht am Alkohol. Rafa hatte ja mal erwähnt das er eine Freundin hat auch wenn er über sie bis jetzt kein weiteres Wort verloren hatte. Wo war die denn? Rafa hatte ich in den letzten Tagen immer alleine gesehen und keiner hatte ein Wort über sie verloren. “Willst du gleich zum Hotel?” Ich sah rüber zu ihm und zog meine Augenbrauen fragend hoch. “Äh ja, wo soll ich sonst hinwollen um diese Uhrzeit?” ”Kannst auch mit zu mir kommen wenn du willst. Also nicht das du mich falsch verstehst. Ich habe noch eine Menge von dem Rotwein” Ein breites Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. “Warum kaufst du so viel Rotwein wenn du ihn nicht trinkst?” ”War eine Kapitalanlage” ”Die ich versaufen soll oder wie?” ”Ich will dich nicht abfüllen falls du mir das gerade unterstellen willst. Sage einfach no wenn du nicht willst” ”Sí ok, dann fahre eben zu dir. Juli wird ja sowieso erst morgen wieder da auftauchen” “Das glaube ich auch” War jetzt auch egal, ich hatte sowieso jetzt nichts mehr vor und im Hotel war ja auch nichts mehr los um diese Zeit. Der all inklusive Service ging nur bis 24 Uhr und danach kehrte auch ziemlich schnell Ruhe ein im Hotel. Die Sorge nichts zu trinken zu bekommen hatte ich aber gerade nicht.
Es war mal wieder alles dunkel als wir bei seinem Haus ankamen. War hier nie jemand zu Hause? Rafa war ja sowieso viel unterwegs und Maríbel schien auch nicht oft da zu sein zumindest nicht Abends. Statt wie beim letzten mal auf die Terrasse raus zu gehen blieben wir aber gleich im Haus. Rafa war verschwunden, also sah ich mich unauffällig ein bisschen um. Ein paar Auszeichnungen standen lose verteilt durchs ganze Zimmer, man konnte wohl so was wie Wohnzimmer dazu sagen. Gut, alle Auszeichnungen auf einen Haufen hätten sicher eine irritierende und einschüchternde Wirkung auf eventuelle Besucher. Ich hätte Rafa auch nicht so eingeschätzt das er sich eine Art Schrein baut und dann jeden Tag davor in die Knie geht. Bleibt nur die Frage wo er den Pokal von Wimbledon versteckt, der ist doch sicher der bedeutendste. War schon so erschreckend genug was er alles erreicht hat mit 22. Ich wünschte ich könnte mir von meinem Gehalt auch Häuser und Autos kaufen aber davon war ich Lichtjahre entfernt. Ich war schon froh, das zwei Wochen Urlaub rausgesprungen war. Vielleicht sollte ich ja mal Lotto spielen. Als Rafa mit einer Flasche Wein wieder auftauchte, ließen wir uns auf der Couch nieder. Zu meinem Erschrecken trank er auch Wein. Rafa und Rotwein, das war was neues! “Hast du kein Training morgen?” “Doch wieso?” Ich zeigte auf sein Glas. “Ich dachte du trinkst nichts wenn du Training hast am nächsten Tag” ”Ach so, das wird mich schon nicht gleich umhauen” Die Hoffnung hatte ich auf mich bezogen auch! Ich wollte nicht das ich unter Alkoholeinfluss etwas tue was ich dann vielleicht bereue daher würde ich mich zurückhalten mit trinken.
Ich muss aber zugeben, das der Wein die Stimmung auflockerte. Wenn ich mich nicht beherrsche, verfalle ich wieder in Rafa-Fantasien. Immerhin war ich hier mit ihm alleine und es sah nicht so aus als wenn noch jemand käme da Rafa so nebenbei erwähnte, das Maríbel bei ihrem Freund ist. Ich würde ihn zu gerne umarmen und auch noch ganz andere Dinge mit ihm tun. Vielleicht sollte ich es ja einfach riskieren, mehr als schief gehen kann es doch nicht. So weit auseinander wie am Anfang saßen wir ja sowieso nicht mehr. Es war nicht unbedingt förderlich für meine Beherrschung zu wissen das uns hier keiner stört. Wenn Alex nicht wäre und Rafa keine Freundin hätte, ich hätte mich schon längst auf Rafa gestürzt. Ich rückte etwas näher an ihn und trank einen Schluck Wein. “Wann fliegst du eigentlich nach Kanada?” ”In vier Tagen. Es ist noch bisschen Zeit aber ich trainiere lieber noch ein bisschen vor Ort” ”Und danach?” ”Erst nach Cincinnati, dann nach Peking wegen Olympia und dann zurück nach New York zu den US Open. Sí und dann ist noch Davis Cup bevor die Herbstsaison im Oktober anfängt. Mir wird jetzt schon schlecht wenn ich an die ganze Zeitverschiebung denke” ”Hört sich nach einem vollen Programm an” ”Das ist es auch. Hätte ich nicht das Turnier in Stuttgart abgesagt, hätte ich jetzt nur eine Woche frei gehabt nach Wimbledon” ”Ich hab's früher schon gesagt, du spielst zu viel Tennis!” Sein Lächeln sah so herrlich aus. ”Ich weiss aber ich kann es nicht lassen” Aww, ich könnte schmelzen wenn er mich so ansieht. “Du bist verrückt!” Sagte ich dann nur und das war mein voller Ernst. ”Das muss man auch um das auszuhalten” ”Meine Rede! Denkst du irgendwann auch mal nicht an Tennis?” ”Ab und zu” So wie er grinste wollte ich das jetzt nicht genauer erläutert haben. “Ich ähm verzichte auf nähere Details” Meinte ich nur mit einem räuspern. Sein Grinsen wurde dann auch immer unverschämter. ”Was denkst du denn?” Warum hakt er jetzt noch so scheinheilig nach? Er soll mal nicht so tun, der weiss doch genau was ich denke! ”Das willst du lieber nicht wissen” ”Vielleicht ja doch!” So langsam fühlte ich mich unwohl. Das wurde mir zu gefährlich alles. Etwas kam ich ins schwitzen, es war zugegeben leicht aufregend alles. Sich auf einen Flirt mit Rafa einzulassen war schon immer eine gefährliche Sache. Der Wein und dann noch Rafa mit dem Lächeln, das war eine tödliche Mischung. Es kribbelte gleich wieder bei mir. Rückte ich näher an Rafa oder er näher zu mir?
So genau konnte ich das nicht mehr feststellen. Hält sein Blick was er verspricht? Ich könnte mich total verlieren in seinen Augen. Da ich mich nicht länger beherrschen konnte, legte ich eine Hand an seine Wange und strich ihm dann ein paar Haarsträhnchen hinter die Ohren. Aww ich könnte ihn stundenlang ansehen. Oder auch nicht weil ich früher oder später die Beherrschung über mich verlieren würde. Langsam kam er näher und umarmte mich dann. Da sein Gesicht an meinem Hals war, konnte ich ihn nicht mehr ansehen. Mir lief es eiskalt den Rücken runter als ich seinen Atem an meinem Hals spürte. Lange halte ich das nicht mehr aus, mein Puls war schon auf 300 und warm wurde es mir auch. Nach ein paar Sekunden hob er seinen Kopf von meiner Schulter und sah in meine Augen. Sein Blick machte Worte überflüssig, ich könnte auf der Stelle schmelzen. Das war schon eine Einladung ihn zu küssen. Ich zog ihn wieder näher und küsste ihn vorsichtig. Spätestens da dachte ich an gar nichts mehr. Es war vertraut und neu zugleich. Die Küsse hatten mir richtig gefehlt. Ich könnte stundenlang mit Rafa knutschen, das war früher schon so und ich würde ihn jetzt am liebsten auch auffressen, das tat richtig gut alles. Das war echt zu viel des Guten und so zurückhaltend waren die Küsse auch nicht mehr lange. Irgendwie hatte ich schon vergessen das Rafa mein Ex war und auch das ich einen Freund hatte der nichts schlimmes ahnt. Die Versuchung war zu groß und ich konnte einfach nicht anders. Rafa lehnte sich dann zur Seite bis er auf dem Rücken lag und ich über ihm. Während ich ihn leidenschaftlich küsste zog ich an seinem Shirt und liess meine Hände dann darunter verschwinden. Schon von dem Moment als ich ihn am Strand gesehen hatte wollte ich mal meine Hände über seinen durchtrainierten Bauch wandern lassen und es fühlte sich verdammt gut an. Die Aufmerksamkeit von Rafa fühlte sich noch viel besser an. Ich würde ihn zu gerne ausziehen um den Anblick genießen zu können. Leider hielt er dann meine Hände fest. Ich löste mich etwas von ihm und sah ihn an. Der Anblick hatte auch was! Rafa lag auf der Couch mit zerwühlten Haaren und sein Shirt hing ziemlich weit oben. Bei dem Anblick lief mir echt das Wasser im Mund zusammen. “Höre auf!” Kam es plötzlich ernst.
11 September 2009
Chapter 7
Statt zu gehen blieb ich aber stehen. Ich wusste genau, dass es das war wenn ich jetzt gehe. Ja, ich war zickig und Rafa hatte wahrscheinlich keinen blassen Schimmer warum. Ich sah nach unten und liess meine Arme hängen. Es war gar nicht meine Absicht das ich mich jetzt mit ihm streite. “Es tut mir leid, ich kann damit nicht umgehen” Sagte ich dann kleinlaut ohne ihn anzusehen. “Womit?” Kam es dann zurück und ich fürchtete schon, das er jetzt nicht mehr mit mir redet! Ich sah zu ihm hoch und schluckte. “Mit der Situation. Damit das wir uns nach sieben Jahren wieder sehen und offensichtlich nichts zu sagen haben. Das regt mich echt auf”
Etwas entspannte sich sein Gesicht aber leider nur etwas, ich hatte mir da mehr erhofft. Jetzt war es Rafa der verlegen nach unten sah. “Ich ähm... will nicht darüber reden. Ich meine, was hast du erwartet? Soll ich so tun als wäre nichts gewesen?” Das musste ich erst sacken lassen. Er will nicht darüber reden! Toll! Ganz toll! Welche Möglichkeit blieb mir denn noch nach der klaren Ansage von ihm? Ich konnte ihn ja schlecht zwingen. Es war auch so einfach wegzulaufen, das hatte ich auch lange getan. Es nutzte aber nichts, egal wie sehr man etwas verdrängt oder runterschluckt umso stärker holt es einen irgendwann wieder ein. “Warum nicht?” Fragte ich dann. Wenn er sich schon weigert mit mir darüber zu reden wie wir vor sieben Jahren auseinander gegangen sind dann soll er mir einen guten Grund sagen! Wortlos setzte Rafa sich auf einen großen Stein und sah nach unten. Etwas verunsichert blieb ich vor ihm stehen.
Kommt jetzt noch was oder macht er total dicht und redet gar nicht mehr mit mir? “Rafa?” Immerhin hob er seinen Kopf und sah mich wieder an auch wenn mir der Blick gar nicht gefiel. “Ich weiss ja nicht wie du das siehst aber ich bin nicht besonders wild darauf das alles noch mal durchzukauen. Ich meine, jahrelang höre ich absolut gar nichts von dir und dann tauchst du hier plötzlich auf ohne vorher was zu sagen” Da es eine längere Unterhaltung werden konnte, kramte ich mein Handtuch aus meiner Badetasche und benutzte es als Unterlage bevor ich mich neben ihn setzte.
“Denkst du das mir das alles nichts ausgemacht hat? Das ist auch nicht spurlos an mir vorüber gegangen” Rafa starrte geradeaus und kaute nervös auf seiner Unterlippe. Ok, was könnte ich jetzt noch sagen? “Ich weiss, dass es schwer ist darüber zu reden. Ich wollte nicht das das so endet mit uns” Er schnappte nach Luft und sagte noch immer nichts. Was sollte ich noch sagen um ihn zum reden zu bringen? “Es gibt kein uns mehr” Kam es dann nur leise. Immerhin sah er mich dann wieder an, das war doch schon mal etwas.
Den vorwurfsvollen Blick konnte ich aber nur schwer ertragen. Ich weiss was er denkt, er macht mich dafür verantwortlich das ich gegangen bin obwohl ich keine Wahl hatte. Es war doch nicht meine Absicht gewesen ihm das Herz zu brechen, das war es doch was er mir vorwirft auch wenn er es nicht sagte. Ich musste erstmal schlucken, ich hatte gehofft das wir die Unterhaltung nicht führen müssen aber offenbar gab es keinen anderen Weg.
Meine Stimmung war inzwischen am Tiefpunkt angekommen. “Höre auf mir die Schuld zuzuschieben. Du weißt genau das ich keine Wahl hatte” Es fiel mir schon schwer überhaupt etwas zu sagen, mein Hals schnürte sich immer weiter zu. Ich wollte nicht, das er alles auf mich schiebt und somit mein schlechtes Gewissen noch größer wird. Mir war schon klar, dass ich ihn nicht verantwortlich machen konnte aber er macht es sich verdammt einfach so. ”Ich habe damals wirklich gedacht, dass du noch mal hier her kommst. Ich wollte es nicht wahr haben, dass du nie mehr zurückkommst. Leider ist aber genau das passiert. Meine Eltern haben gleich gesagt ich soll dich vergessen, alle haben das gesagt. Anfangs hatten wir ja noch Kontakt aber ich wollte nicht nur über Briefe mit dir Kontakt haben, das bringt mir gar nichts. Tja und dann habe ich meine erste ATP Tour gespielt und war so im Stress das mir kaum noch Zeit blieb um nachzudenken, dafür war's umso schlimmer wenn ich Zeit hatte”
Ich sass da wie erstarrt und hatte Mühe meine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Das es ihm damals nicht besonders gut ging wusste ich aber wenn er direkt vor mir sitzt und das sagt ist es etwas anderes, ich wollte das alles doch gar nicht hören. Ich sah schon wie Rafa schluckte, kann sein wenn wir noch weiter darüber reden fließen Tränen. Es tat verdammt weh das alles zu hören. Dabei hatte ich gedacht, dass genügend Zeit vergangen ist seit dem. Jetzt fühlte ich mich aber wie um sieben Jahre zurückversetzt in der Zeit. Wenn wir so reden, kommt es mir vor als wenn wir uns gestern erst getrennt hätten. Was sollte ich jetzt sagen? “Rafa, es tut mir leid, ich...” Weiter kam ich nicht, da ich mich einfach nicht länger beherrschen konnte.
Ich drehte mich mit dem Rücken zu ihm und schlug mir die Hände vors Gesicht um mir die Tränen wegzuwischen. Warum wusste ich nicht aber ich schämte mich ein bisschen für die Tränen. Nach ein paar Sekunden spürte ich, wie Rafa mich von hinten umarmte und dann seinen Kopf auf meine Schulter fallen liess. Es tat irgendwie richtig gut, die Nähe zu ihm war direkt mal was vertrautes. Ich war schon froh, das er nicht einfach gegangen war. Meine Gefühle gerieten total außer Kontrolle, es war das reinste Chaos. Ich war eigentlich total glücklich mit meinem Freund aber wieso tut es dann so gut wenn Rafa mich umarmt? Ich wünschte, er würde mich nie mehr loslassen.
Als ich mich wieder etwas im Griff hatte sah ich nach unten, Rafa hatte seine Hände auf meinem Bauch liegen. Einerseits sagte ich mir das ich das hier alles nicht tun sollte aber andererseits passte es einfach. Ich löste mich aus seiner Umarmung und drehte mich dann um das ich ihn sehen konnte. Er sah mich immer noch so vorwurfsvoll an. Das war ein Blick, den ich schon früher nicht ertragen konnte und er wusste das.
Am liebsten würde ich ihn umarmen. Ohne groß nachzudenken tat ich das dann auch indem ich meine Arme um seinen Hals schlang und ihn an mich zog. Ich schloss meine Augen und genoss das einfach total. Rafa roch noch genauso lecker wie früher, wie ich den Geruch von ihm vermisst hatte! Je länger wir da saßen, umso verrückter erschien mir das. Immerhin hatte ich mich wieder im Griff. Ich liess meine Hände auf seinen Schultern liegen und sah ihn mit einem wässrigen Lächeln an. “Es tut mir leid, wie das gelaufen ist. Ich wollte dir nicht weh tun” Ganz vorsichtig zog er ein Lächeln. “Ich weiss, es war trotzdem schwer”
Wenn er mich so ansieht, wie jetzt gerade, könnte ich auf der Stelle schmelzen. ”Nicht nur für dich. Ich halte das meinen Eltern heute noch vor, immerhin haben sie eingesehen das es falsch war über meinen Kopf hinweg zu entscheiden. Es war nur leider zu spät aber mich hat früher nie einer gefragt was ich eigentlich will. Meine Eltern haben wohl geglaubt das ich es nicht ernst meine mit dir” ”Ist wohl dumm gelaufen” Ich liess meinen Kopf hängen und nickte. “Sí” ”Wann fliegst du eigentlich wieder nach Deutschland?” ”In zwei Tagen” Er nickte und machte ein gefasstes Gesicht. “Kommst du wieder mal her?” ”Mal sehen, weiß ich noch nicht. Geplant ist nichts in naher Zukunft” ”Mhh”
Ich ging dann doch wieder mit zum Strand zurück. Juli und Tomeu guckten schon eigenartig als sie uns sahen aber sie fragten nicht nach. Wer weiss was die dachten. Obwohl unsere Gesichter alles andere als überglücklich aussahen aber vermutlich glauben sie das ist unsere Tarnung. Sah schon komisch aus wenn ich mit Rafa für eine Weile vom Strand verschwinde und dann wieder auftauche als wäre nichts gewesen.
Zumindest war die Spannung weg und ich konnte normal mit Rafa reden ohne eine Anfeindung von ihm fürchten zu müssen. Dem fragenden Blick von Juli folgten dann auch noch Taten. Soll heißen das sie mich nötigte mit ihr alleine ins Wasser zu gehen. Ich blieb erst nur mit den Füssen im Wasser stehen weil's mir zu kalt war aber Juli war schon längst abgetaucht. Die war so was wie eine Wasserratte und gar nichts mehr aus dem Meer rauszukriegen. Kaum hatte ich mich bis zu ihr vorgewagt kam sie auch schon näher.
“Darf ich jetzt ganz unverfänglich fragen was das eben sollte?” ”Was?” Fragte ich nur und ruderte mit den Armen im Wasser um nicht unter zu gehen. “Wieso seit ihr verschwunden und taucht dann wieder auf?” Inzwischen konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. “Was denkst du denn?” ”Was würdest du denken an meiner Stelle? Du verschwindest mit deinem Ex, von dem du anscheinend nicht loskommst, für eine Weile im Gebüsch und wunderst dich dann wenn ich sonst was denke?” Oh man, ich hatte es gewusst! Die dachte doch nicht wirklich, das ich mich mit Rafa einlassen würde oder doch?
”Ich konnte ihn schlecht am Strand flach legen” Meinte ich trocken mit einem Augenrollen, das wollte sie doch sowieso hören. Sie kicherte aber nur sehr kurz. “Ich würde jetzt sagen toller Scherz aber da bin ich mir nicht mehr so sicher” ”Was?” Fragte ich etwas schockiert. Die glaubte das wirklich?! “Das war Spaß! Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich so was machen würde!” Jetzt war ich schon etwas empört. “Ich weiss nicht” ”Es war nichts weiter, ehrlich. Ganz so verzweifelt bin ich noch nicht. Vielleicht sollte ich dich aber auch mal fragen was das hier wird” ”Was meinst du?” Ja, jetzt spielt sie wieder mal das Unschuldslamm. “Na mit Tomeu” Half ich ihr auf die Sprünge.
“Ach, der ist nur nett” ”Nett? Der baggert seit er hier aufgetaucht ist an dir rum” ”Und?” ”Nix, ich meine ja nur. Wundert es dich nicht das keiner weiter kommt?” ”Na doch aber ist doch egal jetzt” ”Ja, ich kann dir auch sagen warum, das war alles eingefädelt. Rafa war der Lockvogel um uns hier her zu locken” Ich sah schon wie ihr Gesicht ernst wurde. “Du spinnst!” ”No, er hat es freiwillig zugegeben. Frage doch Tomeu oder Rafa wenn du mir nicht glaubst” ”Du meinst es war nie geplant das hier noch jemand kommt?” ”Exakt, Tomeu ist scharf auf dich, deswegen sind wir hier. Er dachte wohl das er ganz raffiniert ist und hat Rafa für seine Zwecke mit eingespannt. Oder besser gesagt wusste er, dass du nicht alleine hier her finden würdest und um sicher zu gehen sollte ich mitkommen und damit ich das auch tue dachte er wohl das er Rafa auf mich ansetzen kann, hat leider auch noch funktioniert” Erst sah sie mich ernst an aber das Lächeln erschien dann langsam wieder und wurde zu einem breiten Grinsen.
”Ich fühle mich geehrt” Kam es dann nur. Etwas wunderte mich ihre Reaktion schon aber vielleicht würde ich mich an ihrer Stelle auch geehrt fühlen. ”Wenigstens eine” ”Versprich mir jetzt nicht wieder Frust zu schieben. Lasse es nicht an mir aus wenn du gefrustet bist weil dein Ex nichts von dir will” ”Vielleicht will ich ja auch gar nicht das er etwas von mir will” ”Du lügst mich an!” ”Kann sein, ich bin nur ein bisschen gefrustet wegen dem Theater das die hier veranstalten, manchmal glaube ich das Rafa alles tut was ihm jemand sagt” Ich wollte es mir selbst nicht eingestehen aber sie hatte Recht. Es würde mich natürlich nicht stören wenn Rafa ein bisschen Interesse an mir zeigt.
Wahrscheinlich würde ich nicht lange nein sagen. Schon erschreckend, dass ich überhaupt darüber nachdachte. Ich bekam schon ein schlechtes Gewissen wenn ich nur daran denke aber Rafa war zu verlockend. Ob ich einen Freund habe oder nicht ist egal, wenn Rafa vor mir steht und mich mit dem gewissen Blick ansieht, brennen bei mir sämtliche Sicherungen durch.
Als wir wieder zu unseren Handtüchern zurück kehrten war ich vor peinlichen Fragen sicher, da meine Freundin sich lieber mit Tomeu beschäftigte als mit mir. Rafa war ja auch noch da, ich weiss nicht was der davon hält was Tomeu hier abzieht. Nur konnte ich ihn jetzt nicht danach fragen. Ich fragte mich schon ob die Aktion mit dem Strand das einzige war was Tomeu zu bieten hatte aber da lag ich natürlich falsch.
Wenn er eine Frau beeindrucken wollte, waren dessen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es war aber eher harmlos, er hatte sie nur für heute Abend eingeladen ins Bauxa zu kommen. Mich natürlich auch aber nur weil er wusste, das Juli alleine da nicht hingehen würde. Wenn er mich schon zwingt, dann soll Rafa auch was davon haben.
Ich würde mich ja langweilen und nur stören also würde Rafa da wohl auch erscheinen müssen, sonst bin ich ja im Weg und Rafa war's ja schon gewohnt den Lockvogel zu spielen. Mir blieb ja keine Wahl, ich konnte nicht nein sagen. Juli würde mich als Spielverderberin stempeln also sagte ich zähneknirschend zu und tat so als würde ich mich freuen. Da waren dann ja wenigstens alle glücklich.
“Gràcies das du mich zwingst mitzukommen” Ich sah kurz zu Rafa und dann wieder zu Juli, die mal wieder oder immer noch, je nach dem wie man es sah, im Meer war. “De nada, mir wär's doch langweilig alleine” Antwortete ich kurz. Sein breites Lächeln war richtig schön. “Und wenn ich heute Abend schon was anderes vor habe?” Mein Lächeln wurde auch immer breiter. “Das ist mir total egal. Wenn du nicht kommst, komme ich auch nicht und Tomeu kann Juli vergessen und sich für heute Abend ein anderes Opfer suchen. Vielleicht nervt er dich ja dann die nächsten Wochen weiter, weil er sie unbedingt sehen will” Ich wusste genau das Rafa keine Wahl hatte aber das war mir eben total egal.
Es machte mir zugegeben höllisch Spaß Rafa zu ärgern und er wusste genau das ich am längeren Hebel sitze. Die hatten den Mist ja auch zusammen eingerührt, jetzt sollen sie es auch zusammen ausbaden. Langsam wurde sein Gesicht dann aber wieder Ernst. Rafa war sowieso nicht sauer, das wusste ich ja schon. “Ich wusste gleich, dass die Idee mit dem hier her gehen total blöd war” ”Scheint dich aber nicht davon abgehalten zu haben es zu tun” ”Sí, Tomeu hat mich echt genervt. Ich kann nachvollziehen wenn du jetzt sauer bist” “Vielleicht solltest du ja das nächste mal auch bei deinem ersten Gefühl bleiben?!” “Es tut mir ja auch leid, ich wollte nicht das es so läuft” ”Was?” ”Na das der hier rumbaggert als ginge die Welt morgen unter. Es würde gar nicht auffallen wenn wir einfach gehen würden weil die sowieso nichts merken”
”Tja, das hast du dir selbst eingerührt” ”Scheint so” ”Und als Krönung kommt ihr auch noch 45 Minuten zu spät!” ”Wir sind hier nicht in Deutschland, niemand ist hier pünktlich außerdem hast du doch Zeit, no?” ”Die kann ich aber auch nützlicher verbringen als auf euch zu warten. Das ich Urlaub habe heißt nicht das mir langweilig ist” “Waren doch nur 30 Minuten” ”45 Minuten, eigentlich 46 um exakt zu sein” Verbesserte ich ihn gleich mal. “Mir fallen spontan eine Menge Leute ein die gerne mit mir an den Strand gehen würden” Das machte er jetzt nicht wirklich oder? Versucht er jetzt die weisst-du-nicht-wer-ich-bin Nummer? “Du hättest sagen sollen das viele Leute jemanden umbringen würden wenn sie dich im Gegenzug sehen könnten” Seinem Augenrollen nach zu urteilen gab er es auf. ”Fängt es schon wieder an?” ”Ist ja schon gut”
Ich könnte mich echt darüber aufregen. Da nützte es auch nichts das Rafa vom einen Ohr zum anderen lächelt, damit kriegt er mich nicht. Ich will mich ja gar nicht beschweren, es gab schlimmere als Rafa aber das er immer zu spät kommt nervte mich echt. Ein Wunder das er es pünktlich zu seinen Spielen schaffte aber da standen sicher auch andere Leute dahinter die Rafa ständig antreiben. Von selbst wäre der nirgends pünktlich.
Ich konnte da ja auch noch nicht ahnen wie der restliche Tag verlaufen würde. Pünktlich zum Abendessen waren wir zurück im Hotel. Danach verschwand Juli im Bad und wahrscheinlich muss ich mir ein anderes suchen weil sie sich darin verschanzt. Die tickte total aus und verbringt sicher Stunden mit dem Styling. Dabei war das keine große Sache, der Club war jetzt nicht so das man das super hip angezogen erscheinen muss. Da gab's nichtmal Türsteher also kann jeder Dumme da reingehen. Wahrscheinlich hat Tomeu schon ihre Sinne vernebelt. Kein Wunder, so wie der Süßholz geraspelt hat den ganzen Nachmittag.
Hoffentlich würde das nicht noch ein ganz böses Ende nehmen. “Diana” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und lief vom Balkon wieder ins Zimmer. “Sí?” Sie kam aus dem Bad und sah mich panisch an. “Ich weiss nicht welchen Lidschatten ich nehmen soll” “Ach so und ich dachte schon es wäre was dramatisches passiert! Was ziehst du denn an?” Fragte ich erstmal. ”Den weißen Rock und das dunkelblaue Top” ”Dann nimm blau” ”Ok” Sie verschwand wieder ins Bad ohne noch was zu sagen. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und überlegte derweil was ich anziehe. Wenn ich jetzt auch meinen weißen Rock anziehe, können wir als Duo gehen. Das wär's doch! Nein, ich würde dann eben meine weißen Jeans anziehen.
Es war zwar Hochsommer aber ich liebte die Jeans auch wenn die warm waren. Passend dazu hatte ich ein lila Oberteil, das war echt eine Farbenfreudige Kombination. Da es aber gegensätzliche Farben sind, kann man da gar nichts falsch machen und zu weiss passt alles. Mein Styling war nicht so dramatisch, ich legte eher dezentes make up auf und ein bisschen Mascara. Gut, Lidschatten durfte auch nicht fehlen und Lipgloss aber das war's dann wirklich. Mit den Haaren hatte ich nicht so viel angestellt, ich liess die einfach hängen und ging kurz mit dem Glätteisen durch. Fertig war ich dann mal aber da war ich die Einzige. Ich sah zum x ten mal auf meine Uhr.
Das wir pünktlich sind erwartet sowieso keiner aber langsam könnten wir mal los. “Können wir dann?” Fragte ich mal wieder und wartete an der Tür. “Jaaa” Endlich kam sie mal aus dem Bad! “Und?” Sie drehte sich vor mir und sah mich erwartungsfroh an. “Du siehst umwerfend aus” Das war eine Tatsache und ich sagte das nicht weil sie meine Freundin war aber es hatte auch extrem lange gedauert. Ihr breites Lächeln erschien gleich. “Danke, du auch obwohl ich mich frage wie du es schaffst in so kurzer Zeit so gut auszusehen” ”Tja, Betriebsgeheimnis” Meinte ich kichernd und zog sie aus dem Zimmer auf den Gang. “Komische Sache... dein Ex wird sich freuen” Ich warf ihr einen strengen Blick zu um deutlich zu machen, dass ich jetzt nicht Art von Unterhaltung führen wollte.
Natürlich kamen wir viel zu spät an dem Club an aber das geschah Tomeu nur recht, der hatte uns ja heute Nachmittag auch 45 Minuten schmoren lassen. Wir drehten eine Runde durch den Club und suchten Tomeu oder Rafa. Es waren mal wieder ziemlich viele Menschen hier daher sah man nicht gleich wer alles hier war. Tomeu war aber nicht zu übersehen, er fuchtelte gleich aufgedreht mit den Händen als er uns sah. Wir schlängelten uns durch die Menge und blieben an der Bar stehen. Tomeu sah an uns nach unten und grinste dann vom einen Ohr zum anderen.
“Ihr seht umwerfend aus” Ja und so wie der guckte, meinte der das auch noch ernst! Ich sah schon wie bei Juli wieder das Dauergrinsen erschien. Die brauchte mich wohl jetzt nicht mehr. Wir setzten uns alle an die Bar und bestellten Getränke. “Wo ist denn Rafa?” Fragte ich gleich, bevor ich nicht mehr dazu kam. “Der kommt noch, hoffe ich zumindest” Wie sollte ich das denn verstehen? Hatte der sich etwa kurzfristig ausgeklinkt?
Das fehlt noch das er jetzt nicht hier auftaucht, wenn er sich das traut, kann er morgen was erleben, das würde das Fass zum überlaufen bringen! Na ja, ich würde erstmal noch eine Weile abwarten. Ab und zu sah ich neben mich, es war wohl nur eine Zeitfrage bevor Juli mit Tomeu verschwindet. Na wenn sie meinte, von mir aus soll sie mit ihm machen was sie will. Vermutlich zog sie eben nicht in Betracht das wir in zwei Tagen zurück fliegen und sie ihn dann nicht mehr sieht.
Etwas entspannte sich sein Gesicht aber leider nur etwas, ich hatte mir da mehr erhofft. Jetzt war es Rafa der verlegen nach unten sah. “Ich ähm... will nicht darüber reden. Ich meine, was hast du erwartet? Soll ich so tun als wäre nichts gewesen?” Das musste ich erst sacken lassen. Er will nicht darüber reden! Toll! Ganz toll! Welche Möglichkeit blieb mir denn noch nach der klaren Ansage von ihm? Ich konnte ihn ja schlecht zwingen. Es war auch so einfach wegzulaufen, das hatte ich auch lange getan. Es nutzte aber nichts, egal wie sehr man etwas verdrängt oder runterschluckt umso stärker holt es einen irgendwann wieder ein. “Warum nicht?” Fragte ich dann. Wenn er sich schon weigert mit mir darüber zu reden wie wir vor sieben Jahren auseinander gegangen sind dann soll er mir einen guten Grund sagen! Wortlos setzte Rafa sich auf einen großen Stein und sah nach unten. Etwas verunsichert blieb ich vor ihm stehen.
Kommt jetzt noch was oder macht er total dicht und redet gar nicht mehr mit mir? “Rafa?” Immerhin hob er seinen Kopf und sah mich wieder an auch wenn mir der Blick gar nicht gefiel. “Ich weiss ja nicht wie du das siehst aber ich bin nicht besonders wild darauf das alles noch mal durchzukauen. Ich meine, jahrelang höre ich absolut gar nichts von dir und dann tauchst du hier plötzlich auf ohne vorher was zu sagen” Da es eine längere Unterhaltung werden konnte, kramte ich mein Handtuch aus meiner Badetasche und benutzte es als Unterlage bevor ich mich neben ihn setzte.
“Denkst du das mir das alles nichts ausgemacht hat? Das ist auch nicht spurlos an mir vorüber gegangen” Rafa starrte geradeaus und kaute nervös auf seiner Unterlippe. Ok, was könnte ich jetzt noch sagen? “Ich weiss, dass es schwer ist darüber zu reden. Ich wollte nicht das das so endet mit uns” Er schnappte nach Luft und sagte noch immer nichts. Was sollte ich noch sagen um ihn zum reden zu bringen? “Es gibt kein uns mehr” Kam es dann nur leise. Immerhin sah er mich dann wieder an, das war doch schon mal etwas.
Den vorwurfsvollen Blick konnte ich aber nur schwer ertragen. Ich weiss was er denkt, er macht mich dafür verantwortlich das ich gegangen bin obwohl ich keine Wahl hatte. Es war doch nicht meine Absicht gewesen ihm das Herz zu brechen, das war es doch was er mir vorwirft auch wenn er es nicht sagte. Ich musste erstmal schlucken, ich hatte gehofft das wir die Unterhaltung nicht führen müssen aber offenbar gab es keinen anderen Weg.
Meine Stimmung war inzwischen am Tiefpunkt angekommen. “Höre auf mir die Schuld zuzuschieben. Du weißt genau das ich keine Wahl hatte” Es fiel mir schon schwer überhaupt etwas zu sagen, mein Hals schnürte sich immer weiter zu. Ich wollte nicht, das er alles auf mich schiebt und somit mein schlechtes Gewissen noch größer wird. Mir war schon klar, dass ich ihn nicht verantwortlich machen konnte aber er macht es sich verdammt einfach so. ”Ich habe damals wirklich gedacht, dass du noch mal hier her kommst. Ich wollte es nicht wahr haben, dass du nie mehr zurückkommst. Leider ist aber genau das passiert. Meine Eltern haben gleich gesagt ich soll dich vergessen, alle haben das gesagt. Anfangs hatten wir ja noch Kontakt aber ich wollte nicht nur über Briefe mit dir Kontakt haben, das bringt mir gar nichts. Tja und dann habe ich meine erste ATP Tour gespielt und war so im Stress das mir kaum noch Zeit blieb um nachzudenken, dafür war's umso schlimmer wenn ich Zeit hatte”
Ich sass da wie erstarrt und hatte Mühe meine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Das es ihm damals nicht besonders gut ging wusste ich aber wenn er direkt vor mir sitzt und das sagt ist es etwas anderes, ich wollte das alles doch gar nicht hören. Ich sah schon wie Rafa schluckte, kann sein wenn wir noch weiter darüber reden fließen Tränen. Es tat verdammt weh das alles zu hören. Dabei hatte ich gedacht, dass genügend Zeit vergangen ist seit dem. Jetzt fühlte ich mich aber wie um sieben Jahre zurückversetzt in der Zeit. Wenn wir so reden, kommt es mir vor als wenn wir uns gestern erst getrennt hätten. Was sollte ich jetzt sagen? “Rafa, es tut mir leid, ich...” Weiter kam ich nicht, da ich mich einfach nicht länger beherrschen konnte.
Ich drehte mich mit dem Rücken zu ihm und schlug mir die Hände vors Gesicht um mir die Tränen wegzuwischen. Warum wusste ich nicht aber ich schämte mich ein bisschen für die Tränen. Nach ein paar Sekunden spürte ich, wie Rafa mich von hinten umarmte und dann seinen Kopf auf meine Schulter fallen liess. Es tat irgendwie richtig gut, die Nähe zu ihm war direkt mal was vertrautes. Ich war schon froh, das er nicht einfach gegangen war. Meine Gefühle gerieten total außer Kontrolle, es war das reinste Chaos. Ich war eigentlich total glücklich mit meinem Freund aber wieso tut es dann so gut wenn Rafa mich umarmt? Ich wünschte, er würde mich nie mehr loslassen.
Als ich mich wieder etwas im Griff hatte sah ich nach unten, Rafa hatte seine Hände auf meinem Bauch liegen. Einerseits sagte ich mir das ich das hier alles nicht tun sollte aber andererseits passte es einfach. Ich löste mich aus seiner Umarmung und drehte mich dann um das ich ihn sehen konnte. Er sah mich immer noch so vorwurfsvoll an. Das war ein Blick, den ich schon früher nicht ertragen konnte und er wusste das.
Am liebsten würde ich ihn umarmen. Ohne groß nachzudenken tat ich das dann auch indem ich meine Arme um seinen Hals schlang und ihn an mich zog. Ich schloss meine Augen und genoss das einfach total. Rafa roch noch genauso lecker wie früher, wie ich den Geruch von ihm vermisst hatte! Je länger wir da saßen, umso verrückter erschien mir das. Immerhin hatte ich mich wieder im Griff. Ich liess meine Hände auf seinen Schultern liegen und sah ihn mit einem wässrigen Lächeln an. “Es tut mir leid, wie das gelaufen ist. Ich wollte dir nicht weh tun” Ganz vorsichtig zog er ein Lächeln. “Ich weiss, es war trotzdem schwer”
Wenn er mich so ansieht, wie jetzt gerade, könnte ich auf der Stelle schmelzen. ”Nicht nur für dich. Ich halte das meinen Eltern heute noch vor, immerhin haben sie eingesehen das es falsch war über meinen Kopf hinweg zu entscheiden. Es war nur leider zu spät aber mich hat früher nie einer gefragt was ich eigentlich will. Meine Eltern haben wohl geglaubt das ich es nicht ernst meine mit dir” ”Ist wohl dumm gelaufen” Ich liess meinen Kopf hängen und nickte. “Sí” ”Wann fliegst du eigentlich wieder nach Deutschland?” ”In zwei Tagen” Er nickte und machte ein gefasstes Gesicht. “Kommst du wieder mal her?” ”Mal sehen, weiß ich noch nicht. Geplant ist nichts in naher Zukunft” ”Mhh”
Ich ging dann doch wieder mit zum Strand zurück. Juli und Tomeu guckten schon eigenartig als sie uns sahen aber sie fragten nicht nach. Wer weiss was die dachten. Obwohl unsere Gesichter alles andere als überglücklich aussahen aber vermutlich glauben sie das ist unsere Tarnung. Sah schon komisch aus wenn ich mit Rafa für eine Weile vom Strand verschwinde und dann wieder auftauche als wäre nichts gewesen.
Zumindest war die Spannung weg und ich konnte normal mit Rafa reden ohne eine Anfeindung von ihm fürchten zu müssen. Dem fragenden Blick von Juli folgten dann auch noch Taten. Soll heißen das sie mich nötigte mit ihr alleine ins Wasser zu gehen. Ich blieb erst nur mit den Füssen im Wasser stehen weil's mir zu kalt war aber Juli war schon längst abgetaucht. Die war so was wie eine Wasserratte und gar nichts mehr aus dem Meer rauszukriegen. Kaum hatte ich mich bis zu ihr vorgewagt kam sie auch schon näher.
“Darf ich jetzt ganz unverfänglich fragen was das eben sollte?” ”Was?” Fragte ich nur und ruderte mit den Armen im Wasser um nicht unter zu gehen. “Wieso seit ihr verschwunden und taucht dann wieder auf?” Inzwischen konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. “Was denkst du denn?” ”Was würdest du denken an meiner Stelle? Du verschwindest mit deinem Ex, von dem du anscheinend nicht loskommst, für eine Weile im Gebüsch und wunderst dich dann wenn ich sonst was denke?” Oh man, ich hatte es gewusst! Die dachte doch nicht wirklich, das ich mich mit Rafa einlassen würde oder doch?
”Ich konnte ihn schlecht am Strand flach legen” Meinte ich trocken mit einem Augenrollen, das wollte sie doch sowieso hören. Sie kicherte aber nur sehr kurz. “Ich würde jetzt sagen toller Scherz aber da bin ich mir nicht mehr so sicher” ”Was?” Fragte ich etwas schockiert. Die glaubte das wirklich?! “Das war Spaß! Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich so was machen würde!” Jetzt war ich schon etwas empört. “Ich weiss nicht” ”Es war nichts weiter, ehrlich. Ganz so verzweifelt bin ich noch nicht. Vielleicht sollte ich dich aber auch mal fragen was das hier wird” ”Was meinst du?” Ja, jetzt spielt sie wieder mal das Unschuldslamm. “Na mit Tomeu” Half ich ihr auf die Sprünge.
“Ach, der ist nur nett” ”Nett? Der baggert seit er hier aufgetaucht ist an dir rum” ”Und?” ”Nix, ich meine ja nur. Wundert es dich nicht das keiner weiter kommt?” ”Na doch aber ist doch egal jetzt” ”Ja, ich kann dir auch sagen warum, das war alles eingefädelt. Rafa war der Lockvogel um uns hier her zu locken” Ich sah schon wie ihr Gesicht ernst wurde. “Du spinnst!” ”No, er hat es freiwillig zugegeben. Frage doch Tomeu oder Rafa wenn du mir nicht glaubst” ”Du meinst es war nie geplant das hier noch jemand kommt?” ”Exakt, Tomeu ist scharf auf dich, deswegen sind wir hier. Er dachte wohl das er ganz raffiniert ist und hat Rafa für seine Zwecke mit eingespannt. Oder besser gesagt wusste er, dass du nicht alleine hier her finden würdest und um sicher zu gehen sollte ich mitkommen und damit ich das auch tue dachte er wohl das er Rafa auf mich ansetzen kann, hat leider auch noch funktioniert” Erst sah sie mich ernst an aber das Lächeln erschien dann langsam wieder und wurde zu einem breiten Grinsen.
”Ich fühle mich geehrt” Kam es dann nur. Etwas wunderte mich ihre Reaktion schon aber vielleicht würde ich mich an ihrer Stelle auch geehrt fühlen. ”Wenigstens eine” ”Versprich mir jetzt nicht wieder Frust zu schieben. Lasse es nicht an mir aus wenn du gefrustet bist weil dein Ex nichts von dir will” ”Vielleicht will ich ja auch gar nicht das er etwas von mir will” ”Du lügst mich an!” ”Kann sein, ich bin nur ein bisschen gefrustet wegen dem Theater das die hier veranstalten, manchmal glaube ich das Rafa alles tut was ihm jemand sagt” Ich wollte es mir selbst nicht eingestehen aber sie hatte Recht. Es würde mich natürlich nicht stören wenn Rafa ein bisschen Interesse an mir zeigt.
Wahrscheinlich würde ich nicht lange nein sagen. Schon erschreckend, dass ich überhaupt darüber nachdachte. Ich bekam schon ein schlechtes Gewissen wenn ich nur daran denke aber Rafa war zu verlockend. Ob ich einen Freund habe oder nicht ist egal, wenn Rafa vor mir steht und mich mit dem gewissen Blick ansieht, brennen bei mir sämtliche Sicherungen durch.
Als wir wieder zu unseren Handtüchern zurück kehrten war ich vor peinlichen Fragen sicher, da meine Freundin sich lieber mit Tomeu beschäftigte als mit mir. Rafa war ja auch noch da, ich weiss nicht was der davon hält was Tomeu hier abzieht. Nur konnte ich ihn jetzt nicht danach fragen. Ich fragte mich schon ob die Aktion mit dem Strand das einzige war was Tomeu zu bieten hatte aber da lag ich natürlich falsch.
Wenn er eine Frau beeindrucken wollte, waren dessen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es war aber eher harmlos, er hatte sie nur für heute Abend eingeladen ins Bauxa zu kommen. Mich natürlich auch aber nur weil er wusste, das Juli alleine da nicht hingehen würde. Wenn er mich schon zwingt, dann soll Rafa auch was davon haben.
Ich würde mich ja langweilen und nur stören also würde Rafa da wohl auch erscheinen müssen, sonst bin ich ja im Weg und Rafa war's ja schon gewohnt den Lockvogel zu spielen. Mir blieb ja keine Wahl, ich konnte nicht nein sagen. Juli würde mich als Spielverderberin stempeln also sagte ich zähneknirschend zu und tat so als würde ich mich freuen. Da waren dann ja wenigstens alle glücklich.
“Gràcies das du mich zwingst mitzukommen” Ich sah kurz zu Rafa und dann wieder zu Juli, die mal wieder oder immer noch, je nach dem wie man es sah, im Meer war. “De nada, mir wär's doch langweilig alleine” Antwortete ich kurz. Sein breites Lächeln war richtig schön. “Und wenn ich heute Abend schon was anderes vor habe?” Mein Lächeln wurde auch immer breiter. “Das ist mir total egal. Wenn du nicht kommst, komme ich auch nicht und Tomeu kann Juli vergessen und sich für heute Abend ein anderes Opfer suchen. Vielleicht nervt er dich ja dann die nächsten Wochen weiter, weil er sie unbedingt sehen will” Ich wusste genau das Rafa keine Wahl hatte aber das war mir eben total egal.
Es machte mir zugegeben höllisch Spaß Rafa zu ärgern und er wusste genau das ich am längeren Hebel sitze. Die hatten den Mist ja auch zusammen eingerührt, jetzt sollen sie es auch zusammen ausbaden. Langsam wurde sein Gesicht dann aber wieder Ernst. Rafa war sowieso nicht sauer, das wusste ich ja schon. “Ich wusste gleich, dass die Idee mit dem hier her gehen total blöd war” ”Scheint dich aber nicht davon abgehalten zu haben es zu tun” ”Sí, Tomeu hat mich echt genervt. Ich kann nachvollziehen wenn du jetzt sauer bist” “Vielleicht solltest du ja das nächste mal auch bei deinem ersten Gefühl bleiben?!” “Es tut mir ja auch leid, ich wollte nicht das es so läuft” ”Was?” ”Na das der hier rumbaggert als ginge die Welt morgen unter. Es würde gar nicht auffallen wenn wir einfach gehen würden weil die sowieso nichts merken”
”Tja, das hast du dir selbst eingerührt” ”Scheint so” ”Und als Krönung kommt ihr auch noch 45 Minuten zu spät!” ”Wir sind hier nicht in Deutschland, niemand ist hier pünktlich außerdem hast du doch Zeit, no?” ”Die kann ich aber auch nützlicher verbringen als auf euch zu warten. Das ich Urlaub habe heißt nicht das mir langweilig ist” “Waren doch nur 30 Minuten” ”45 Minuten, eigentlich 46 um exakt zu sein” Verbesserte ich ihn gleich mal. “Mir fallen spontan eine Menge Leute ein die gerne mit mir an den Strand gehen würden” Das machte er jetzt nicht wirklich oder? Versucht er jetzt die weisst-du-nicht-wer-ich-bin Nummer? “Du hättest sagen sollen das viele Leute jemanden umbringen würden wenn sie dich im Gegenzug sehen könnten” Seinem Augenrollen nach zu urteilen gab er es auf. ”Fängt es schon wieder an?” ”Ist ja schon gut”
Ich könnte mich echt darüber aufregen. Da nützte es auch nichts das Rafa vom einen Ohr zum anderen lächelt, damit kriegt er mich nicht. Ich will mich ja gar nicht beschweren, es gab schlimmere als Rafa aber das er immer zu spät kommt nervte mich echt. Ein Wunder das er es pünktlich zu seinen Spielen schaffte aber da standen sicher auch andere Leute dahinter die Rafa ständig antreiben. Von selbst wäre der nirgends pünktlich.
Ich konnte da ja auch noch nicht ahnen wie der restliche Tag verlaufen würde. Pünktlich zum Abendessen waren wir zurück im Hotel. Danach verschwand Juli im Bad und wahrscheinlich muss ich mir ein anderes suchen weil sie sich darin verschanzt. Die tickte total aus und verbringt sicher Stunden mit dem Styling. Dabei war das keine große Sache, der Club war jetzt nicht so das man das super hip angezogen erscheinen muss. Da gab's nichtmal Türsteher also kann jeder Dumme da reingehen. Wahrscheinlich hat Tomeu schon ihre Sinne vernebelt. Kein Wunder, so wie der Süßholz geraspelt hat den ganzen Nachmittag.
Hoffentlich würde das nicht noch ein ganz böses Ende nehmen. “Diana” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und lief vom Balkon wieder ins Zimmer. “Sí?” Sie kam aus dem Bad und sah mich panisch an. “Ich weiss nicht welchen Lidschatten ich nehmen soll” “Ach so und ich dachte schon es wäre was dramatisches passiert! Was ziehst du denn an?” Fragte ich erstmal. ”Den weißen Rock und das dunkelblaue Top” ”Dann nimm blau” ”Ok” Sie verschwand wieder ins Bad ohne noch was zu sagen. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und überlegte derweil was ich anziehe. Wenn ich jetzt auch meinen weißen Rock anziehe, können wir als Duo gehen. Das wär's doch! Nein, ich würde dann eben meine weißen Jeans anziehen.
Es war zwar Hochsommer aber ich liebte die Jeans auch wenn die warm waren. Passend dazu hatte ich ein lila Oberteil, das war echt eine Farbenfreudige Kombination. Da es aber gegensätzliche Farben sind, kann man da gar nichts falsch machen und zu weiss passt alles. Mein Styling war nicht so dramatisch, ich legte eher dezentes make up auf und ein bisschen Mascara. Gut, Lidschatten durfte auch nicht fehlen und Lipgloss aber das war's dann wirklich. Mit den Haaren hatte ich nicht so viel angestellt, ich liess die einfach hängen und ging kurz mit dem Glätteisen durch. Fertig war ich dann mal aber da war ich die Einzige. Ich sah zum x ten mal auf meine Uhr.
Das wir pünktlich sind erwartet sowieso keiner aber langsam könnten wir mal los. “Können wir dann?” Fragte ich mal wieder und wartete an der Tür. “Jaaa” Endlich kam sie mal aus dem Bad! “Und?” Sie drehte sich vor mir und sah mich erwartungsfroh an. “Du siehst umwerfend aus” Das war eine Tatsache und ich sagte das nicht weil sie meine Freundin war aber es hatte auch extrem lange gedauert. Ihr breites Lächeln erschien gleich. “Danke, du auch obwohl ich mich frage wie du es schaffst in so kurzer Zeit so gut auszusehen” ”Tja, Betriebsgeheimnis” Meinte ich kichernd und zog sie aus dem Zimmer auf den Gang. “Komische Sache... dein Ex wird sich freuen” Ich warf ihr einen strengen Blick zu um deutlich zu machen, dass ich jetzt nicht Art von Unterhaltung führen wollte.
Natürlich kamen wir viel zu spät an dem Club an aber das geschah Tomeu nur recht, der hatte uns ja heute Nachmittag auch 45 Minuten schmoren lassen. Wir drehten eine Runde durch den Club und suchten Tomeu oder Rafa. Es waren mal wieder ziemlich viele Menschen hier daher sah man nicht gleich wer alles hier war. Tomeu war aber nicht zu übersehen, er fuchtelte gleich aufgedreht mit den Händen als er uns sah. Wir schlängelten uns durch die Menge und blieben an der Bar stehen. Tomeu sah an uns nach unten und grinste dann vom einen Ohr zum anderen.
“Ihr seht umwerfend aus” Ja und so wie der guckte, meinte der das auch noch ernst! Ich sah schon wie bei Juli wieder das Dauergrinsen erschien. Die brauchte mich wohl jetzt nicht mehr. Wir setzten uns alle an die Bar und bestellten Getränke. “Wo ist denn Rafa?” Fragte ich gleich, bevor ich nicht mehr dazu kam. “Der kommt noch, hoffe ich zumindest” Wie sollte ich das denn verstehen? Hatte der sich etwa kurzfristig ausgeklinkt?
Das fehlt noch das er jetzt nicht hier auftaucht, wenn er sich das traut, kann er morgen was erleben, das würde das Fass zum überlaufen bringen! Na ja, ich würde erstmal noch eine Weile abwarten. Ab und zu sah ich neben mich, es war wohl nur eine Zeitfrage bevor Juli mit Tomeu verschwindet. Na wenn sie meinte, von mir aus soll sie mit ihm machen was sie will. Vermutlich zog sie eben nicht in Betracht das wir in zwei Tagen zurück fliegen und sie ihn dann nicht mehr sieht.
8 September 2009
Chapter 6
Pünktlich zur vereinbarten Zeit stand ich dann auch mit Juli an der abgemachten Stelle und sah mich um. Wir sollten zu einer kleinen Bucht kommen weil Rafa sich nicht zwischen den ganzen Touristen an den Strand wagen wollte aus Angst dann die ganze Zeit Autogramme geben zu müssen. Gut, das leuchtete mir ein, würde ich sicher genauso machen. Komisch war nur das keiner hier war. Es standen schon keine Autos am Straßenrand. Einen kleinen Weg durch die Felsen musste man noch gehen um zu der Bucht zu gelangen, war mehr was für die Einheimischen da man nur mit dem Auto hier her kam. Wahrscheinlich kamen die anderen wieder viel zu spät also liefen wir immer zum Strand. Hatte ja auch was so einen Strand für sich alleine zu haben. Die Bucht war von beiden Seiten von Felsen eingerahmt und daher schön abgelegen.
Im nu hatten wir unseren Sonnenschirm aufgebaut und unsere Handtücher ausgebreitet. Ich lag auf dem Bauch und liess mir die Sonne auf den Rücken scheinen. Hier könnte ich es auch eine Weile aushalten. “Ist echt schön hier” Kam es dann von der Seite. “Mhh, so schön ruhig und einsam” ”Ja, vielleicht sind wir ja alleine hier und das war alles ein Witz oder so” Ja ja, ich hatte da auch so ein komisches Gefühl im Magen das hier was faul war. Beruhigend zu wissen, das es Juli auch so ging. ”Mhh, komisch ist es schon das keiner kommt. Na ja, notfalls sind wir eben alleine hier. Ich meine, du bist ja mit, da wird es nicht so langweilig” ”Vielleicht hat er gesagt das ich mitkommen soll damit du dich nicht alleine langweilst?”
”Das macht aber doch keinen Sinn. Wieso sollte er mich hier her bestellen und dann nicht auftauchen?” Sie kramte in ihrer Tasche nach dem hundersten Buch, das sie eben las und zuckte dann ratlos mit den Schultern. “Weiss ich nicht. Du kennst ihn doch besser als ich” ”Kannte” Fügte ich trocken hinzu.
Ich lag auf dem Bauch mit geschlossenen Augen und dem Kopf auf den Händen als ich Stimmen von weitem hörte. Langsam hob ich meinen Kopf etwas und schlug meine Augen auf um zu sehen wer sich jetzt doch hier her verirrt hatte. Rafa und Tomeu, sieh an, die waren ja überpünktlich! Offensichtlich waren die in eine lautstarke Diskussion vertieft, kein Wunder das man die schon von weitem hörte. Rafa fuchtelte wild mit den Händen und zog abwechselnd an den Enden von seinem Handtuch, das um seinen Hals hing.
Was mich aber viel mehr beunruhigte war, das es nur Rafa und Tomeu waren. Wo waren denn die anderen? Gut, Rafa hatte keine Namen genannt als ich mit ihm telefoniert hatte aber ein paar mehr Leute als nur Rafa und Tomeu hatte ich doch erwartet. Ich liess meinen Blick zu Juli schweifen, die offensichtlich auch schon den Besuch registriert hatte und sich umdrehte. Immerhin hörten sie auf mit dem lauten diskutieren als sie näher kamen. Ging es etwa um uns? Könnte man denken so abrupt wie die verstummt waren. Mit einem Grinsen vom einen Ohr zum anderen blieben Beide direkt vor unseren Handtüchern stehen. Ich hatte mich inzwischen hingesetzt und überlegte ob ich Rafa oder Tomeu zuerst schlagen soll. “Hola, seit ihr schon lange da?” Sagte Tomeu mit einem breiten Grinsen. Ich spürte schon wie ich leicht in Wallung geriet und das nicht vor Freude.
Kurz sah ich auf meine Uhr. “Seit 45 Minuten. Ich weiss ja nicht nach welcher Zeitzone deine Uhr geht aber wir waren pünktlich, was man von euch nicht gerade behaupten kann” Ich sah wie Tomeu kurz zu Rafa sah, wenigstens grinsten die nicht mehr so blöd. “Er ist nicht fertig geworden” Meinte Tomeu mit einem ernsten Ton und einem kurzen Blick zu Rafa. Der schnappte in der nächsten Sekunde nach Luft und sah mit großen Augen zu Tomeu. “Was?” ”Egal, wo sind denn die anderen?” Fragte ich dann um das Thema mal zu wechseln. “Die kommen gleich” Meinte Tomeu sofort. “Aha” Machte ich nur und legte mich wieder hin.
Rafa legte sein Handtuch neben meins und liess sich darauf nieder. Ich dachte Tomeu legt sich daneben aber der lag auf der anderen Seite neben Juli. Mein Bauch sagte mir immer noch das hier was richtig faul ist nur konnte ich das jetzt nicht sagen. Höchstens auf deutsch, das verstand ja keiner außer Juli. Um die Peinlichkeit noch zur Perfektion zu treiben, zog Rafa sich auch noch aus. Nein, natürlich nicht komplett aber war ja klar, das er nicht in langen Hosen und im Shirt am Strand sitzt. Warum mussten wir auch unbedingt zum Strand gehen?
Ich muss mich ja zwingen wegzusehen sonst fange ich noch an zu sabbern wenn ich Rafa noch lange ansehe. Der Anblick war einfach zu viel für meine Nerven. Das er von oben bis unten durchtrainiert ist sah man ja auch schon bei seinen Spielen aber das er spärlich bekleidet direkt neben mir sass war eindeutig zu viel des Guten. Ich musste mich schon beherrschen nicht zuzugreifen, ich würde mich sehr gerne auf ihn stürzen. Er hatte sich doch ein klein wenig verändert in den sieben Jahren ...zum positiven. Es war nicht so, das ich nur nach Äußerlichkeiten gehe aber nein sagen würde ich trotzdem nicht. Und was das allerschlimmste war, er bildet sich nichts darauf ein! Mir fallen da spontan eine Menge Leute ein die sich anders verhalten würden wenn sie so aussehen würden. Ich möchte die Frau sehen, die bei dem Anblick nicht auf dumme Gedanken kam.
Das konnte ja noch heiter werden! Um nichts unüberlegtes zu tun drehte ich meinen Kopf und sah zu Juli. Im selben Augenblick sah sie mit einem verstohlenen Blick an mir vorbei zu Rafa. Es sah aber nicht so aus als wenn sie gleich sabbert weil Rafa nicht so viel an hat sondern eher als wenn sie gleich im Sand versinkt vor Ehrfurcht. Das könnte interessant werden. Vermutlich hat sie in zehn Minuten schon wieder vergessen was Rafa so macht. Als ich mich von meinen Rafa-Fantasien lösen konnte und wieder zu Juli sah merkte ich erstmal, dass die sich mit Tomeu unterhielt. Auf englisch! Das Juli englisch konnte wusste ich aber seit wann konnte das Tomeu so gut? Ich drehte meinen Kopf wieder und sah zu Rafa. “Seit wann kann der so gut englisch?” ”Du warst nicht die einzige die hier eine Weile weg war. Er war ein Jahr in England” ”Aha” Ich hatte ja offensichtlich doch so einiges nicht mitbekommen. Ein bisschen erschreckend war es schon wie sich Tomeu um Juli bemühte. Er wusste leider das die Frauen auf ihn stehen und nutzte das auch gerne mal aus.
In dem Punkt scheint er sich jedenfalls nicht geändert zu haben wie es aussah. Der war das glatte Gegenteil zu Rafa. Ist doch schön, wenn sich wenigstens meine Freundin amüsiert. Mit Rafa war es irgendwie ein bisschen verkrampft. Wir hatten uns nichts zu sagen oder besser, fanden keinen Anfang. War auch blöd wenn Tomeu gleich daneben sitzt irgendwas privates aufzurollen. Das war was neues, früher hatte ich keine Probleme gehabt Rafa in irgendein Gespräch zu verwickeln. Das war aber mal, inzwischen leben wir komplett unterschiedlich und haben daher keine Gemeinsamkeiten oder wenn doch dann weiss der andere es nicht. Dieses lockere, unbeschwerte Gefühl von früher vermisste ich jedenfalls. Vielleicht laufe ich ja auch einer Illusion nach und benutze Rafa als Projektionsfläche für die schöne Vergangenheit.
Als Juli mit Tomeu unter lautem Gekicher ins Meer verschwand war ich mit Rafa alleine. Die schienen sich ja prächtig zu amüsieren, ich wünschte ich könnte das von mir auch behaupten. So richtig wollte ich nicht mit Rafa alleine sein. Ich liess meinen Blick zur Seite wandern, Rafa hatte wohl die gleiche Idee, da sich unsere Blicke trafen. Das gefiel mir gar nicht, da werde ich nur nervös. Da fragte ich mich doch gleich wieder wieso wir hier alleine waren. “Liege ich richtig in der Annahme, dass niemand mehr kommt?” Das war mehr eine Feststellung von mir als eine Frage.
“Sí” Kam es vorsichtig von Rafa. Ich sah wieder zu Juli und Tomeu, die eben wie kleine Kinder im Meer planschten und zählte eins und eins zusammen. “Tomeu wollte unbedingt deine Freundin sehen, er nervt mich schon seit einer Woche damit. Ich hatte nur deine Nummer nicht... bis gestern” Schön das Rafa gleich freiwillig damit rausrückte und ich ihn nicht erst fragen musste. So langsam bekam ich Wut. Tomeu benutzt Rafa als Lockvogel damit er sich an meine Freundin ranschmeißen kann und Rafa macht da auch noch mit! Ich fühlte mich ein wenig verarscht, dass musste ich echt nicht haben!
Dann soll er doch sagen das Tomeu scharf auf Juli ist und nicht so was scheinheiliges inszenieren. Blieb nur die Frage warum Rafa dann auch mit hier her gekommen ist. Er hätte ja nur eine Ausrede erfinden müssen und hätte Tomeu hier alleine auftauchen lassen. Soll ich jetzt auch noch dankbar sein das er überhaupt gekommen ist? Zweifelsohne wäre ich ja sonst das fünfte Rad am Wagen gewesen. Je länger ich darüber nachdachte um so weiter sackte meine Stimmung ab. Rafa gehört nicht zu den Menschen die gerne Spielchen spielen, dachte ich zumindest.
“Wenn das so ist kann ich ja jetzt gehen, der Plan ging ja offensichtlich auf” Ich schluckte meinen Frust runter und begann meine Sachen einzupacken. Rafa blieb mit einem betretenen Gesicht auf seinem Handtuch sitzen und sagte nichts bis zu dem Moment als ich aufstand und mein Handtuch zusammenfaltete. “Willst du wirklich gehen?” Wieso fragt er noch so blöd? War doch eindeutig wenn ich alles einpacke das ich gehe oder nicht? ”Sieht wohl so aus” Sagte ich mehr zu mir selbst und lief los. “Diana!” Was wollte er denn noch? Ich lief weiter ohne mich umzudrehen, der kann mir gestohlen bleiben!
Ich war schon fast am Auto als ich merkte, das jemand hinter mir her lief. Viele Personen kamen da aber nicht in Frage, Juli oder Tomeu konnten es nicht sein, die waren bekanntlich noch im Meer. “Diana” Ich lief weiter ohne mich umzudrehen. Rafa lief ein paar Sekunden später an mir vorbei und blieb stehen. Da er mir den Weg versperrte, musste ich wohl oder übel stehen bleiben. “Was ist denn los mit dir?” Fragte er und fuchtelte mit den Armen damit ich nicht an ihm vorbei konnte. Ich zuckte mit den Schultern und spielte die ganz Coole. “Nada, was soll sein?” Fragte ich schnippisch zurück.
”Du bist so gereizt und irgendwie komisch drauf” ”Ach was, das bildest du dir ein” ”Wir haben uns vielleicht länger nicht gesehen aber das bilde ich mir ganz sicher nicht ein” Ich rollte mit den Augen und verschränkte meine Arme vor dem Bauch.
“Darf ich keine schlechte Laune haben?” Ganz kurz huschte ein Lächeln über sein Gesicht aber es sah eher verzweifelt aus. “Ich hoffe es liegt nicht an mir” Ich zog ein übertrieben affektiertes Lächeln obwohl mir wirklich nicht danach war.
“Ach was, bilde dir nur nichts ein. Du hast ja nichts gemacht, no?” Als nächstes versteinerte sich sein Gesicht und er ging mir plötzlich aus dem Weg. Das ernste Gesicht gefiel mir gar nicht, das breite Lächeln stand ihm eindeutig besser. War er jetzt persönlich beleidigt? Und wenn schon, mir doch egal!
Im nu hatten wir unseren Sonnenschirm aufgebaut und unsere Handtücher ausgebreitet. Ich lag auf dem Bauch und liess mir die Sonne auf den Rücken scheinen. Hier könnte ich es auch eine Weile aushalten. “Ist echt schön hier” Kam es dann von der Seite. “Mhh, so schön ruhig und einsam” ”Ja, vielleicht sind wir ja alleine hier und das war alles ein Witz oder so” Ja ja, ich hatte da auch so ein komisches Gefühl im Magen das hier was faul war. Beruhigend zu wissen, das es Juli auch so ging. ”Mhh, komisch ist es schon das keiner kommt. Na ja, notfalls sind wir eben alleine hier. Ich meine, du bist ja mit, da wird es nicht so langweilig” ”Vielleicht hat er gesagt das ich mitkommen soll damit du dich nicht alleine langweilst?”
”Das macht aber doch keinen Sinn. Wieso sollte er mich hier her bestellen und dann nicht auftauchen?” Sie kramte in ihrer Tasche nach dem hundersten Buch, das sie eben las und zuckte dann ratlos mit den Schultern. “Weiss ich nicht. Du kennst ihn doch besser als ich” ”Kannte” Fügte ich trocken hinzu.
Ich lag auf dem Bauch mit geschlossenen Augen und dem Kopf auf den Händen als ich Stimmen von weitem hörte. Langsam hob ich meinen Kopf etwas und schlug meine Augen auf um zu sehen wer sich jetzt doch hier her verirrt hatte. Rafa und Tomeu, sieh an, die waren ja überpünktlich! Offensichtlich waren die in eine lautstarke Diskussion vertieft, kein Wunder das man die schon von weitem hörte. Rafa fuchtelte wild mit den Händen und zog abwechselnd an den Enden von seinem Handtuch, das um seinen Hals hing.
Was mich aber viel mehr beunruhigte war, das es nur Rafa und Tomeu waren. Wo waren denn die anderen? Gut, Rafa hatte keine Namen genannt als ich mit ihm telefoniert hatte aber ein paar mehr Leute als nur Rafa und Tomeu hatte ich doch erwartet. Ich liess meinen Blick zu Juli schweifen, die offensichtlich auch schon den Besuch registriert hatte und sich umdrehte. Immerhin hörten sie auf mit dem lauten diskutieren als sie näher kamen. Ging es etwa um uns? Könnte man denken so abrupt wie die verstummt waren. Mit einem Grinsen vom einen Ohr zum anderen blieben Beide direkt vor unseren Handtüchern stehen. Ich hatte mich inzwischen hingesetzt und überlegte ob ich Rafa oder Tomeu zuerst schlagen soll. “Hola, seit ihr schon lange da?” Sagte Tomeu mit einem breiten Grinsen. Ich spürte schon wie ich leicht in Wallung geriet und das nicht vor Freude.
Kurz sah ich auf meine Uhr. “Seit 45 Minuten. Ich weiss ja nicht nach welcher Zeitzone deine Uhr geht aber wir waren pünktlich, was man von euch nicht gerade behaupten kann” Ich sah wie Tomeu kurz zu Rafa sah, wenigstens grinsten die nicht mehr so blöd. “Er ist nicht fertig geworden” Meinte Tomeu mit einem ernsten Ton und einem kurzen Blick zu Rafa. Der schnappte in der nächsten Sekunde nach Luft und sah mit großen Augen zu Tomeu. “Was?” ”Egal, wo sind denn die anderen?” Fragte ich dann um das Thema mal zu wechseln. “Die kommen gleich” Meinte Tomeu sofort. “Aha” Machte ich nur und legte mich wieder hin.
Rafa legte sein Handtuch neben meins und liess sich darauf nieder. Ich dachte Tomeu legt sich daneben aber der lag auf der anderen Seite neben Juli. Mein Bauch sagte mir immer noch das hier was richtig faul ist nur konnte ich das jetzt nicht sagen. Höchstens auf deutsch, das verstand ja keiner außer Juli. Um die Peinlichkeit noch zur Perfektion zu treiben, zog Rafa sich auch noch aus. Nein, natürlich nicht komplett aber war ja klar, das er nicht in langen Hosen und im Shirt am Strand sitzt. Warum mussten wir auch unbedingt zum Strand gehen?
Ich muss mich ja zwingen wegzusehen sonst fange ich noch an zu sabbern wenn ich Rafa noch lange ansehe. Der Anblick war einfach zu viel für meine Nerven. Das er von oben bis unten durchtrainiert ist sah man ja auch schon bei seinen Spielen aber das er spärlich bekleidet direkt neben mir sass war eindeutig zu viel des Guten. Ich musste mich schon beherrschen nicht zuzugreifen, ich würde mich sehr gerne auf ihn stürzen. Er hatte sich doch ein klein wenig verändert in den sieben Jahren ...zum positiven. Es war nicht so, das ich nur nach Äußerlichkeiten gehe aber nein sagen würde ich trotzdem nicht. Und was das allerschlimmste war, er bildet sich nichts darauf ein! Mir fallen da spontan eine Menge Leute ein die sich anders verhalten würden wenn sie so aussehen würden. Ich möchte die Frau sehen, die bei dem Anblick nicht auf dumme Gedanken kam.
Das konnte ja noch heiter werden! Um nichts unüberlegtes zu tun drehte ich meinen Kopf und sah zu Juli. Im selben Augenblick sah sie mit einem verstohlenen Blick an mir vorbei zu Rafa. Es sah aber nicht so aus als wenn sie gleich sabbert weil Rafa nicht so viel an hat sondern eher als wenn sie gleich im Sand versinkt vor Ehrfurcht. Das könnte interessant werden. Vermutlich hat sie in zehn Minuten schon wieder vergessen was Rafa so macht. Als ich mich von meinen Rafa-Fantasien lösen konnte und wieder zu Juli sah merkte ich erstmal, dass die sich mit Tomeu unterhielt. Auf englisch! Das Juli englisch konnte wusste ich aber seit wann konnte das Tomeu so gut? Ich drehte meinen Kopf wieder und sah zu Rafa. “Seit wann kann der so gut englisch?” ”Du warst nicht die einzige die hier eine Weile weg war. Er war ein Jahr in England” ”Aha” Ich hatte ja offensichtlich doch so einiges nicht mitbekommen. Ein bisschen erschreckend war es schon wie sich Tomeu um Juli bemühte. Er wusste leider das die Frauen auf ihn stehen und nutzte das auch gerne mal aus.
In dem Punkt scheint er sich jedenfalls nicht geändert zu haben wie es aussah. Der war das glatte Gegenteil zu Rafa. Ist doch schön, wenn sich wenigstens meine Freundin amüsiert. Mit Rafa war es irgendwie ein bisschen verkrampft. Wir hatten uns nichts zu sagen oder besser, fanden keinen Anfang. War auch blöd wenn Tomeu gleich daneben sitzt irgendwas privates aufzurollen. Das war was neues, früher hatte ich keine Probleme gehabt Rafa in irgendein Gespräch zu verwickeln. Das war aber mal, inzwischen leben wir komplett unterschiedlich und haben daher keine Gemeinsamkeiten oder wenn doch dann weiss der andere es nicht. Dieses lockere, unbeschwerte Gefühl von früher vermisste ich jedenfalls. Vielleicht laufe ich ja auch einer Illusion nach und benutze Rafa als Projektionsfläche für die schöne Vergangenheit.
Als Juli mit Tomeu unter lautem Gekicher ins Meer verschwand war ich mit Rafa alleine. Die schienen sich ja prächtig zu amüsieren, ich wünschte ich könnte das von mir auch behaupten. So richtig wollte ich nicht mit Rafa alleine sein. Ich liess meinen Blick zur Seite wandern, Rafa hatte wohl die gleiche Idee, da sich unsere Blicke trafen. Das gefiel mir gar nicht, da werde ich nur nervös. Da fragte ich mich doch gleich wieder wieso wir hier alleine waren. “Liege ich richtig in der Annahme, dass niemand mehr kommt?” Das war mehr eine Feststellung von mir als eine Frage.
“Sí” Kam es vorsichtig von Rafa. Ich sah wieder zu Juli und Tomeu, die eben wie kleine Kinder im Meer planschten und zählte eins und eins zusammen. “Tomeu wollte unbedingt deine Freundin sehen, er nervt mich schon seit einer Woche damit. Ich hatte nur deine Nummer nicht... bis gestern” Schön das Rafa gleich freiwillig damit rausrückte und ich ihn nicht erst fragen musste. So langsam bekam ich Wut. Tomeu benutzt Rafa als Lockvogel damit er sich an meine Freundin ranschmeißen kann und Rafa macht da auch noch mit! Ich fühlte mich ein wenig verarscht, dass musste ich echt nicht haben!
Dann soll er doch sagen das Tomeu scharf auf Juli ist und nicht so was scheinheiliges inszenieren. Blieb nur die Frage warum Rafa dann auch mit hier her gekommen ist. Er hätte ja nur eine Ausrede erfinden müssen und hätte Tomeu hier alleine auftauchen lassen. Soll ich jetzt auch noch dankbar sein das er überhaupt gekommen ist? Zweifelsohne wäre ich ja sonst das fünfte Rad am Wagen gewesen. Je länger ich darüber nachdachte um so weiter sackte meine Stimmung ab. Rafa gehört nicht zu den Menschen die gerne Spielchen spielen, dachte ich zumindest.
“Wenn das so ist kann ich ja jetzt gehen, der Plan ging ja offensichtlich auf” Ich schluckte meinen Frust runter und begann meine Sachen einzupacken. Rafa blieb mit einem betretenen Gesicht auf seinem Handtuch sitzen und sagte nichts bis zu dem Moment als ich aufstand und mein Handtuch zusammenfaltete. “Willst du wirklich gehen?” Wieso fragt er noch so blöd? War doch eindeutig wenn ich alles einpacke das ich gehe oder nicht? ”Sieht wohl so aus” Sagte ich mehr zu mir selbst und lief los. “Diana!” Was wollte er denn noch? Ich lief weiter ohne mich umzudrehen, der kann mir gestohlen bleiben!
Ich war schon fast am Auto als ich merkte, das jemand hinter mir her lief. Viele Personen kamen da aber nicht in Frage, Juli oder Tomeu konnten es nicht sein, die waren bekanntlich noch im Meer. “Diana” Ich lief weiter ohne mich umzudrehen. Rafa lief ein paar Sekunden später an mir vorbei und blieb stehen. Da er mir den Weg versperrte, musste ich wohl oder übel stehen bleiben. “Was ist denn los mit dir?” Fragte er und fuchtelte mit den Armen damit ich nicht an ihm vorbei konnte. Ich zuckte mit den Schultern und spielte die ganz Coole. “Nada, was soll sein?” Fragte ich schnippisch zurück.
”Du bist so gereizt und irgendwie komisch drauf” ”Ach was, das bildest du dir ein” ”Wir haben uns vielleicht länger nicht gesehen aber das bilde ich mir ganz sicher nicht ein” Ich rollte mit den Augen und verschränkte meine Arme vor dem Bauch.
“Darf ich keine schlechte Laune haben?” Ganz kurz huschte ein Lächeln über sein Gesicht aber es sah eher verzweifelt aus. “Ich hoffe es liegt nicht an mir” Ich zog ein übertrieben affektiertes Lächeln obwohl mir wirklich nicht danach war.
“Ach was, bilde dir nur nichts ein. Du hast ja nichts gemacht, no?” Als nächstes versteinerte sich sein Gesicht und er ging mir plötzlich aus dem Weg. Das ernste Gesicht gefiel mir gar nicht, das breite Lächeln stand ihm eindeutig besser. War er jetzt persönlich beleidigt? Und wenn schon, mir doch egal!
6 September 2009
Chapter 5
Ich lief direkt zum Hotel und liess mich dann im Zimmer rückwärts aufs Bett fallen. Minutenlang lag ich einfach nur da und starrte Löcher in die Luft. Warum war ich nur hier her gekommen? Ich hätte nie wieder einen Fuss auf diese verfluchte Insel setzen sollen. Ich hätte auch nie zu diesem blöden Club gehen sollen dann hätte ich Rafa nicht gesehen und alles wäre super. Von der aufgehenden Tür wurde ich dann in meinen Gedanken gestört. Ich sah kurz zur Seite, Juli kam rein und stellte dann ihre Tasche ab. Sie sah kurz zu mir und setzte sich dann auf die Kante vom Bett. “Wie lange willst du eigentlich noch weglaufen?” Fragte sie leise und sah mich ernst an. Ich antwortete gar nichts und starrte an die Decke. Ja, wie lange wollte ich noch davonlaufen?
Nicht mehr lange, ich konnte auch nicht mehr lange. “Rede mit ihm” Ich liess meinen Blick zur Seite schweifen und sah sie an. “Und was soll ich Alex sagen?” ”Ich meine nicht Alex” Sie meinte also gar nicht Alex... hatte ich mir schon gedacht. ”Ich will nicht mit ihm reden” ”Warum nicht?” Mein Gott, konnte sie nicht verstehen das alles nur schlimmer wird je öfter ich Rafa sehe? “Es gibt nichts mehr zu reden” Antwortete ich leise und vermied es sie anzusehen. ”Du lügst, ich sehe doch das dich das beschäftigt. Ich weiss, dass du nicht mit Rafa fertig bist” ”Und wenn schon, ist doch sowieso egal. Ich will ihn da nicht mit reinziehen” ”Ach und da frisst du es lieber in dich rein oder wie?” ”Was soll ich denn sagen? Es tut mir leid aber ich habe keine Lust dich zu sehen weil ich meine Gefühle nicht im Griff habe?” Ihr Gesicht bekam schon wieder so leicht schockierte Züge. ”Ist es echt so schlimm?” Wieso tut sie so überrascht? Sie hat ja absolut keine Ahnung!
”Ist es! Ich habe mich ja nicht freiwillig von ihm getrennt” Sagte ich trotzig wie ein kleines Kind, dem etwas verboten wurde. Sie lächelte dann langsam wieder und schüttelte mit dem Kopf. “Und ich dachte schon ich wäre die Einzige die Probleme hätte...” So langsam musste ich auch schon wieder lächeln. “Na du hast ja auch keinen Freund. Manchmal beneide ich dich direkt” ”Dafür komme ich nicht in die Verlegenheit mich nicht entscheiden zu können von wem ich nun was will” ”In der Lage bin ich ja auch nicht. Mich fragt doch keiner was ich will” ”Betrachtest du Alex als eine Art Notlösung?” Na jetzt wurde es aber! Unterstellt sie mir ich wäre mit Alex zusammen weil ich Rafa nicht haben kann? “Ja klar, irgendwie muss ich mir ja die Zeit vertreiben. Hast du wirklich geglaubt das ich ewig mit Alex zusammen sein will?” Ich betonte es noch extra, nicht das sie noch auf die Idee kommt ich könnte das Ernst meinen. Sie leierte dann auch entsprechend mit den Augen, sie muss sich nicht wundern über meine Reaktion bei der dummen Frage.
”Ich bin natürlich nicht mit Alex zusammen weil ich mich sonst langweile. Ich meine dann wären wir nicht über ein Jahr zusammen” ”Aber?” Hakte sie weiter nach. Langsam wurde mein Gesicht dann wieder ernst. “Nichts aber. Du wolltest ja auch unbedingt hier her! Ich hätte nie zu diesem Club gehen sollen” ”Willst du es jetzt auf mich schieben? Ich kann nicht dafür, das du offensichtlich noch ungeklärte Dinge hier hast. Ich kann ja nicht riechen, das du ausgerechnet auf deinen Ex triffst. So klein ist die Insel nun wirklich nicht. Du wolltest doch unbedingt nach Porto Cristo” “Was soll das denn jetzt heißen? Ich wollte hier her weil es von hier aus am nächsten nach Manacor ist und nicht damit sich die Chancen Rafa zu begegnen auf 100 % erhöhen” “Na schön wie auch immer, ist eben blöd gelaufen” ”Und jetzt?” Fragte ich und kaute nervös auf meiner Unterlippe. ”Rede mit Rafa, mach's für mich wenn schon nicht für dich. Deine Laune ertrage ich nicht mehr lange. Ich weiss, wir fliegen bald nach Hause aber bis dahin drehe ich noch durch” Langsam lächelte ich wieder.
”Vielleicht wird's ja noch viel schlimmer danach” Sie rollte mit den Augen und liess sich nach hinten aufs Bett fallen. ”Schön das deine Laune von Rafa und somit von äußeren Einflüssen abhängt” Ich schlug nach ihr und kicherte dann. “Wenigstens kann ich dann alles auf dich schieben, da du ja unbedingt wolltest das ich mit ihm rede. Ich weiss sowieso nicht worüber, in den letzten sieben Jahren habe ich auch nicht mit ihm geredet” ”Ich meine auch reden, nichts anderes!” Jetzt rollte ich mit den Augen. “Da wäre ich nicht drauf gekommen!” ”Kann man nicht wissen. Ich meine, wenn du schon ausflippst weil er nur mit dir redet, da möchte ich mir gar nichts weiter vorstellen” Ich schlug gleich wieder nach ihr auch wenn ich es nicht Ernst meinte. Die war mir eindeutig zu frech!
“Und Alex?” ”Weiss nicht, ist deine Entscheidung. Von mir erfährt keiner was” ”Der würde es sowieso nicht verstehen. Der flippt total aus und das will ich eigentlich nicht” ”Das sollte jetzt aber nicht heißen, das du mich dauerhaft als Alibi benutzen kannst” ”Hatte ich auch nicht vor”
Abends gegen 22 Uhr stand ich mal wieder vor dem Haus wo Rafa wohnte. Ein bisschen komisch war die Architektur schon, es fiel total aus dem Rahmen gegenüber den anderen Häusern. Kurz sah ich mich um, es war alles dunkel ringsum. Nicht das noch jemand denkt, ich bin ein verrückter Fan der Rafa verfolgt. Sollte ich jetzt klingeln oder nicht? Juli hatte mich ja dazu überredet aber ob die Idee wirklich so gut war? Es ist eine Sache darüber nachzudenken aber eine andere es auch wirklich zu tun. Ich wusste nichtmal was ich genau von Rafa wollte.
Könnte dumm aussehen wenn ich bei ihm auftauche und dann keinen Grund habe. Ich kann ja schlecht sagen, das ich nur mal eben vorbeigucken wollte. Vielleicht ist er ja auch nicht da, es war alles dunkel soweit ich das von hier aus sehen konnte. Ich hätte ja vorher angerufen um vorzutasten wie er das findet wenn ich hier auftauche aber ich habe ja keine Nummer von ihm. Von Tomeu leider auch nicht, sonst hätte ich den erstmal gefragt was er davon hält. Obwohl das auch eine schlechte Idee wäre, dann weiss bald ganz Manacor, das ich angeblich wieder hinter Rafa her wäre. Wie ich den kannte, würde der ein Nachfragen gleich als Steilvorlage nutzen um mir was mit Rafa anzuhängen. Ich wägte kurz alle Möglichkeiten ab und klingelte dann ganz mutig.
Da stand nicht mal ein Name am Schild aber das wunderte mich nicht wirklich. “Sí?” Meldete sich nach ein paar Sekunden eine weibliche Stimme. Aww, wer war das denn? Maríbel oder vielleicht die Freundin von Rafa? Ich wollte ja Rafa nicht in eine peinliche Situation bringen. Seine Freundin ist vielleicht nicht so begeistert von meinem auftauchen, jedenfalls wäre ich an ihrer Stelle das nicht gerade. “Hola, hier ist Diana” Ein paar Sekunden war es ruhig. “Welche Diana?” Kurz dachte ich daran zu verschwinden so lange ich das noch konnte ohne erkannt zu werden. “Diana Lopes” ”Ach du bist es, sag's doch gleich!” Es summte am Tor also ging ich rein.
Als ich an der Eingangstür war, erwartete mich schon Maríbel. Ich muss echt sagen, wenn ich nicht wüsste, das sie es ist hätte ich sie nicht erkannt. Als ich sie zuletzt gesehen habe war sie zehn und jetzt müsste sie demnach 17 Jahre alt sein. Ohne Zweifel hatte sie sich am meisten verändert. Sie sah auch irgendwie schick aus mit einem weißen Rock und einem silbernen Top, die wollte sicher noch wohin. “Hola” Sagte ich und blieb vor ihr stehen.
“Hi, Rafa hat schon gesagt das du hier bist. Ich glaubs nicht” ”Den Satz habe ich mehrmals gehört in den letzten Tagen!” ”Ich hätte nicht gedacht das ich dich noch mal sehen würde. Ich meine, ist ja doch eine Weile her” ”Tja, so schnell kann's eben gehen” ”Du willst aber sicher nicht zu mir, no?” Fragte sie dann mit einem breiten Lächeln. ”Eigentlich nicht” Sagte ich mit einem verlegenen Lächeln. Ihr Lächeln verschwand dann aber langsam. “Tja also Rafa ist nicht da, der ist irgendwo mit Tomeu. Ich glaube, der kommt heute nicht mehr hier her” Oh nein! Da ringe ich mich extra dazu durch hier her zu kommen und dann ist er nicht da! Mein Gesicht war sicher gut aber ich versuchte mir die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. “Oh, da kann man wohl nix machen” Sagte ich dann leise und zwang mich zu einem Lächeln. “Ich würde ja sagen du kannst auch hier warten aber ich habe leider noch was vor und muss gleich los” ”Ja schon ok, macht nix” ”Soll ich Rafa sagen das er sich bei dir melden soll?” Ja! Die Idee war gut, könnte direkt von mir sein!
“Er hat zwar meine Nummer nicht aber die kann ich ja aufschreiben” Ich schrieb meine Handynummer auf einen Zettel und gab ihn Maríbel. Sie sah kurz darauf und faltete ihn dann zusammen. “Ok, dann vielleicht bis irgendwann” “Sí, viel Spaß dann noch” ”Dir auch!” ”Adíos” ”Ciao” Mit einem Lächeln drehte ich mich um und lief wieder auf die Strasse.
Ein bisschen enttäuscht war ich schon das Rafa nicht zu Hause war aber ich hatte fast damit gerechnet. Er war früher auch kaum zu Hause, zumindest nicht im Sommer wenn überall was los war. Unter der Woche hatte er auch damals schon kaum Zeit, da er total eingespannt war mit Tennis und Schule. Die Krönung war dann als er auf eine Schule in Palma wechselte, dann blieb er manchmal gleich die Woche über in Palma und ich sah ihn nur am Wochenende wenn ich Glück hatte aber irgendwie ging das auch. Mehr wie einmal hatte ich mich gefragt wie der das alles hinkriegt. Mir fiel es auch teilweise schwer und ich habe nicht noch nebenbei für eine Tenniskarriere trainiert wie verrückt.
Juli sass in der Hotellobby wie ich sah und sah sich die Flamencoshow an die heute Abend stattfand. Ich holte mir was zu trinken an der Bar und setzte mich dann neben sie. Etwas erstaunt war sie dann schon als sie mich sah. “Was machst du denn hier?” Ich trank einen Schluck und zuckte dann mit den Schultern. “Er war nicht zu Hause” Ihr Gesicht war echt herrlich, sie sah ähnlich enttäuscht aus wie ich vorhin. ”Was? Oh nein! Jetzt war meine ganze Überredungskunst umsonst!” ”No, seine Schwester war da, sie will ihm ausrichten das er sich bei mir melden soll” ”Aha” Sie trank einen Schluck aus ihrem Glas und grinste dann wieder so breit.
“War wohl nix, eh?” Ich nickte wissend mit dem Kopf, konnte aber immerhin noch lächeln. “Mhh” ”Vielleicht ja morgen” ”Falls er sich mal meldet bei mir, ich habe seine Nummer nicht” Sie lächelte erst und sagte ein paar Sekunden nichts. Kommt sie gleich mit der moralischen Keule um die Ecke? Irgendwas in der Richtung kam da sicher noch. “Ich fasse es nicht, das unser Urlaub daraus besteht irgendwelchen Leuten nachzulaufen, die gar nichts wissen von ihrem Glück” Ich fühlte mich etwas bedrängt und musste mich irgendwie verteidigen. ”Also Punkt eins, sind es nicht irgendwelche Leute und Punkt zwei hast du gesagt ich soll dahin gehen” ”Schon aber es ist doch irre. Ich meine wir machen hier Urlaub und du hast nix besseres zu tun als deinem Ex nachzurennen” ”Es lohnt sich aber wirklich!” Leider musste ich lachen, das konnte ich nicht länger Ernst nehmen. “Tut mir leid” Sagte ich dann kleinlaut, da sie mich streng ansah.
Im nächsten Moment rückte sie näher und sah mich eindringlich an. “Ok, lass uns mal rein hypothetisch vom allerschlimmsten Fall ausgehen” ”Der da wäre?” Fragte ich neugierig mit hochgezogenen Augenbrauen. “Was wenn er es sich doch noch überlegt und sagt das du hier bleiben sollst?” Ich musste gleich laut prusten, dass war echt lächerlich! “Ich schätze ich brauche etwas länger um ihn dazu zu bewegen” ”Ich meins Ernst!” ”Ich auch! Also erstens sagt er das sowieso nicht und zweitens bin ich ja nicht verrückt” ”Das heißt?” Fragte sie skeptisch. “Was glaubst du von mir? Das ich alles hinschmeiße und hier bleibe wenn er mit dem kleinen Finger wackelt? Niemals!” ”So gefällt mir das schon viel besser!” Ich schüttelte mit dem Kopf und fragte mich wie sie auf so was verrücktes kam. “Traust du mir wirklich so was zu?” Fragte ich aus meinen Gedanken heraus.
Ich war nicht die Person, die ohne nachzudenken alles hinschmeißt. “Eigentlich nicht aber in den letzten Tagen erschien mir einiges neu an dir” Ein wenig gab mir das schon zu denken. Wenn es ihr schon auffällt, muss ich mich ja doch anders verhalten als sonst. Ich fand jetzt nicht, das ich mich anders verhalte als üblich, wenn man von der Tatsache absieht, das ich nicht gerade in Feierstimmung war. Das lag gewissermaßen wieder mal an Rafa und der wusste gar nichts davon! Ich wurde das Gefühl nicht los, das er nicht darüber reden will was vor sieben Jahren abgelaufen ist aber mir wär's ein persönliches Bedürfnis mit ihm darüber zu reden. Eigentlich sollte der Urlaub doch die schönste Zeit des Jahres werden. Die schönste Zeit des Jahres war bisher im Februar als ich mit Alex in Österreich Skifahren war. Eine Woche lang nur faul sein und machen was ich will, das war richtig herrlich. Das Jahr war bekanntlich aber noch nicht um, an Urlauben war aber nichts weiter geplant bis zum Jahresende.
“Wie lange wart ihr damals eigentlich zusammen?” Ich wurde aus meinen schönen Gedanken an den vielen glitzernden Schnee in Österreich gerissen. “Sieben Monate, wären fast acht gewesen” “Woher kanntest du ihn denn?” ”Eine aus meiner Klasse hatte ihren Geburtstag gefeiert und Rafa war auch da. Das muss inzwischen Ewigkeiten her sein, ich kannte ihn schon vier Jahre bis wir zusammen waren” Ihr Gesicht wurde leicht mysteriös. “Wart ihr so richtig zusammen damals?” ”Kann man auch falsch zusammen sein?” Ich wusste genau was sie eigentlich fragen wollte.
“Ich meinte ja nur, ach vergiss es” War ja schön wie sie versuchte sich zu retten, selbst schuld wenn sie so blöd fragt. “Soll ich Haltungsnoten vergeben?” So schnell würde ich jetzt nicht locker lassen auch wenn ich nicht fassen konnte, das sie mich das wirklich fragt! “Schon ok” Kam es mit einem übertriebenen Lächeln, ich sah schon wie sie schwitzte. ”Sage doch einfach das du wissen willst ob ich mit ihm geschlafen habe” Ich sah schon wie sich ihr Gesicht leicht rot verfärbte. “Diana es ist gut jetzt, du kannst aufhören, ich will keine Details hören! Ich habe nur gefragt weil die Leute im Alter von 15 Jahren unterschiedliche Definitionen von einer Beziehung haben. Manchen halten auch Händchen und nennen das Beziehung” ”No, wir haben nicht nur Händchen gehalten auch wenn das unsere Eltern dachten” Sie sah von mir weg und schüttelte mit dem Kopf. ”Ich komme gar nicht drüber weg das dein Ex Wimbledon gewonnen hat. Das ist echt ein Knüller” Jetzt musste ich doch wieder lächeln.
“Ich hab's geahnt, der hat damals schon wie ein Irrer trainiert und sich dabei auch nicht von strömendem Regen oder so was ablenken lassen. Ich meine, wer so was als Profi durchzieht, muss gewissermaßen verrückt sein um das auszuhalten” ”Du scheinst dich ja auszukennen” ”Unfreiwillig ja. Die Leute denken immer nur er spielt mal ein oder zwei Turniere und gewinnt dann alles. Die 15 Jahre Training vorher sieht ja keiner” ”Wie lange macht der das denn schon?” ”Angefangen hat er mit vier, jetzt ist er 22, du kannst dir die Jahre ja ausrechnen. Am Anfang lief es nicht so gut aber inzwischen läuft es” Sie schüttelte mit dem Kopf und sah mich mit einem verklärten Blick an. “Erstaunlich, das du kein Wort darüber verloren hast bis jetzt” ”Was hast du erwartet? Das ich zur nächstbesten Zeitung renne und sage das ich die Ex von Rafael Nadal bin?” ”Nein aber ich fände es alles viel zu spannend um keinem davon zu erzählen” ”Ach, man gewöhnt sich an vieles. Man darf sich nur nicht verrückt machen lassen von den Medien” ”Findest du es nicht komisch ihn zu sehen im TV?” Ich rollte mit den Augen und zog ein breites Lächeln. “Doch aber bleibt mir eine Wahl? Ich weiss das es nicht normal ist vor dem TV zu sitzen und zu sehen wie der Exfreund Roger Federer platt macht und das regelmäßig” Sie schüttelte mit dem Kopf als könnte sie nicht glauben das es die Wahrheit ist.
“Dann sollte ich mich wohl geehrt fühlen, das ich ihn beim Training gesehen habe?” ”Es klingt komisch aber ja es ist so. Wenn er Turniere spielt ist das Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit, meistens zumindest. Die Karten für die Turniere kosten Unsummen und sind noch dazu kaum zu bekommen zumindest gute. Für Wimbledon muss man sich bewerben weil die ausgelost werden. Da die Tour 10 Monate läuft ist er nur im Winter ein paar Wochen hier. Mit anderen Worten hier ist die beste Chance überhaupt mal kurz hola zu sagen ohne das gleich die Security eingreift und dich abführt” Sie sah mich immer noch so begeistert an. “Ich fasse es nicht! Du kennst dich offenbar aus...” ”Mhh, ich gucke ab und zu Tennis im Fernsehen” ”Na das wundert mich jetzt auch nicht mehr... guckst du immer wenn er spielt?” ”Nur wenn ich gerade Zeit habe” ”Wieso habe ich nichts davon bemerkt?” ”Wie gesagt, ich gucke nicht alles, nur ab und zu. Mach dir nix daraus Alex weiss auch nichts davon” ”Ist vielleicht besser. Ich weiss nicht wie er das findet wenn du vor dem TV sitzt und sabberst”
Jetzt musste ich mit den Augen rollen. Die tat ja gerade so als würde ich die Bildröhre küssen wenn Rafa zu sehen ist. “So blöd bin ich nicht das ich mich dabei erwischen lasse” Sagte ich breit grinsend und musste schon feixen. ”Also doch!” Kam es laut kreischend zurück. “Klar, ich warte nur darauf zu sehen wie Rafa total durchgeschwitzt von links nach rechts rennt und dabei Geräusche von sich gibt das man auf dumme Gedanken kommen könnte” “Das wollte ich hören!” “Außerdem würde Alex denken das ich übergeschnappt bin wenn ich das erzähle” ”Meinst du ich sollte ihn nach Autogrammen fragen?” Kam es dann als sie sich wieder beruhigt hatte. Offenbar hatte sie ihren Humor wiedergefunden.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber Rafa meldete sich direkt schon am nächsten Tag. Ich hatte schon damit gerechnet, das der ein paar Tage braucht um mich anzurufen. Juli witzelte schon wir wären wieder in Deutschland ehe der sich mal meldet. Da hatte ich schon krampfhaft überlegt was ich sage falls Rafa fragt was ich bei ihm wollte aber das stellte sich als nicht erforderlich heraus. Rafa hatte die grandiose Idee an den Strand zu gehen.
Bevor ich skeptisch nachfragen konnte, hing er noch an das wir nicht alleine sind und vor allem, das ich Juli mitbringen soll. Offenbar konnte er Gedanken lesen denn ich hätte mir schon ein paar Gedanken gemacht wenn er mit mir alleine an den Strand will. Aber warum sollte Juli mitkommen? Das kam mir im wahrsten Sinne des Wortes spanisch vor!
Während ich überlegte was ich sage lief ich wieder auf den Balkon, wo Juli sass und eben in einer Klatschzeitung blätterte. Sie sah kurz zu mir als ich mich hinsetzte und dann wieder in die Zeitung. “Hat Alex mal wieder angerufen und gesagt wie sehr er dich vermisst und das er es kaum noch aushalten kann dich nicht zu sehen?” Ja stimmt, der hatte heute auch noch nicht angerufen aber sie lag daneben. ”Es ist Rafa” Im nächsten Moment hob sie ihren Kopf und sah mich interessiert an. “Was?” ”Ja, sieht so aus als würden wir beiden Hübschen doch noch in den Genuss kommen Rafa ohne Klamotten zu sehen” Ihr Grinsen wurde gleich dämlich. “Ist er noch dran?” Ich sah kurz auf mein Handy und dann wieder zu Juli. ”Ja” ”Danke aber sage ihm ich habe keinen Bedarf. So genau wollte ich ihn nicht gleich kennen lernen” Im nächsten Moment wurde mir klar was sie wohl eben dachte. Denkt sie echt das Rafa so verrückt wäre und mir ein unmoralisches Angebot der Art am Telefon macht? Mein grinsen ging vom einen Ohr zum anderen. “Ich weiss ja nicht was du denkst aber er will eigentlich nur zum Strand gehen” Ihr Gesicht war so herrlich, ich könnte mich kringeln. ”Ok, was habe ich damit zu tun?” Fragte sie als sie den ersten Schreck überwunden hatte. “Er hat gesagt du sollst mitkommen. Bevor du jetzt auf dumme Gedanken kommst, sage ich gleich das noch ein paar andere Leute kommen” ”Aha, von mir aus. Ich kenne zwar keinen aber schlimmer als alleine hier zu bleiben kann's nicht werden” Gut, dass wir das mal geklärt hatten. Ich hielt das Handy wieder an mein Ohr. “Sie kommt mit” ”Super, dann bis später” Vielleicht glaubte Rafa ja schon das er den restlichen Tag warten kann bis ich ihm mal sage ob sie mitkommt oder nicht.
Nicht mehr lange, ich konnte auch nicht mehr lange. “Rede mit ihm” Ich liess meinen Blick zur Seite schweifen und sah sie an. “Und was soll ich Alex sagen?” ”Ich meine nicht Alex” Sie meinte also gar nicht Alex... hatte ich mir schon gedacht. ”Ich will nicht mit ihm reden” ”Warum nicht?” Mein Gott, konnte sie nicht verstehen das alles nur schlimmer wird je öfter ich Rafa sehe? “Es gibt nichts mehr zu reden” Antwortete ich leise und vermied es sie anzusehen. ”Du lügst, ich sehe doch das dich das beschäftigt. Ich weiss, dass du nicht mit Rafa fertig bist” ”Und wenn schon, ist doch sowieso egal. Ich will ihn da nicht mit reinziehen” ”Ach und da frisst du es lieber in dich rein oder wie?” ”Was soll ich denn sagen? Es tut mir leid aber ich habe keine Lust dich zu sehen weil ich meine Gefühle nicht im Griff habe?” Ihr Gesicht bekam schon wieder so leicht schockierte Züge. ”Ist es echt so schlimm?” Wieso tut sie so überrascht? Sie hat ja absolut keine Ahnung!
”Ist es! Ich habe mich ja nicht freiwillig von ihm getrennt” Sagte ich trotzig wie ein kleines Kind, dem etwas verboten wurde. Sie lächelte dann langsam wieder und schüttelte mit dem Kopf. “Und ich dachte schon ich wäre die Einzige die Probleme hätte...” So langsam musste ich auch schon wieder lächeln. “Na du hast ja auch keinen Freund. Manchmal beneide ich dich direkt” ”Dafür komme ich nicht in die Verlegenheit mich nicht entscheiden zu können von wem ich nun was will” ”In der Lage bin ich ja auch nicht. Mich fragt doch keiner was ich will” ”Betrachtest du Alex als eine Art Notlösung?” Na jetzt wurde es aber! Unterstellt sie mir ich wäre mit Alex zusammen weil ich Rafa nicht haben kann? “Ja klar, irgendwie muss ich mir ja die Zeit vertreiben. Hast du wirklich geglaubt das ich ewig mit Alex zusammen sein will?” Ich betonte es noch extra, nicht das sie noch auf die Idee kommt ich könnte das Ernst meinen. Sie leierte dann auch entsprechend mit den Augen, sie muss sich nicht wundern über meine Reaktion bei der dummen Frage.
”Ich bin natürlich nicht mit Alex zusammen weil ich mich sonst langweile. Ich meine dann wären wir nicht über ein Jahr zusammen” ”Aber?” Hakte sie weiter nach. Langsam wurde mein Gesicht dann wieder ernst. “Nichts aber. Du wolltest ja auch unbedingt hier her! Ich hätte nie zu diesem Club gehen sollen” ”Willst du es jetzt auf mich schieben? Ich kann nicht dafür, das du offensichtlich noch ungeklärte Dinge hier hast. Ich kann ja nicht riechen, das du ausgerechnet auf deinen Ex triffst. So klein ist die Insel nun wirklich nicht. Du wolltest doch unbedingt nach Porto Cristo” “Was soll das denn jetzt heißen? Ich wollte hier her weil es von hier aus am nächsten nach Manacor ist und nicht damit sich die Chancen Rafa zu begegnen auf 100 % erhöhen” “Na schön wie auch immer, ist eben blöd gelaufen” ”Und jetzt?” Fragte ich und kaute nervös auf meiner Unterlippe. ”Rede mit Rafa, mach's für mich wenn schon nicht für dich. Deine Laune ertrage ich nicht mehr lange. Ich weiss, wir fliegen bald nach Hause aber bis dahin drehe ich noch durch” Langsam lächelte ich wieder.
”Vielleicht wird's ja noch viel schlimmer danach” Sie rollte mit den Augen und liess sich nach hinten aufs Bett fallen. ”Schön das deine Laune von Rafa und somit von äußeren Einflüssen abhängt” Ich schlug nach ihr und kicherte dann. “Wenigstens kann ich dann alles auf dich schieben, da du ja unbedingt wolltest das ich mit ihm rede. Ich weiss sowieso nicht worüber, in den letzten sieben Jahren habe ich auch nicht mit ihm geredet” ”Ich meine auch reden, nichts anderes!” Jetzt rollte ich mit den Augen. “Da wäre ich nicht drauf gekommen!” ”Kann man nicht wissen. Ich meine, wenn du schon ausflippst weil er nur mit dir redet, da möchte ich mir gar nichts weiter vorstellen” Ich schlug gleich wieder nach ihr auch wenn ich es nicht Ernst meinte. Die war mir eindeutig zu frech!
“Und Alex?” ”Weiss nicht, ist deine Entscheidung. Von mir erfährt keiner was” ”Der würde es sowieso nicht verstehen. Der flippt total aus und das will ich eigentlich nicht” ”Das sollte jetzt aber nicht heißen, das du mich dauerhaft als Alibi benutzen kannst” ”Hatte ich auch nicht vor”
Abends gegen 22 Uhr stand ich mal wieder vor dem Haus wo Rafa wohnte. Ein bisschen komisch war die Architektur schon, es fiel total aus dem Rahmen gegenüber den anderen Häusern. Kurz sah ich mich um, es war alles dunkel ringsum. Nicht das noch jemand denkt, ich bin ein verrückter Fan der Rafa verfolgt. Sollte ich jetzt klingeln oder nicht? Juli hatte mich ja dazu überredet aber ob die Idee wirklich so gut war? Es ist eine Sache darüber nachzudenken aber eine andere es auch wirklich zu tun. Ich wusste nichtmal was ich genau von Rafa wollte.
Könnte dumm aussehen wenn ich bei ihm auftauche und dann keinen Grund habe. Ich kann ja schlecht sagen, das ich nur mal eben vorbeigucken wollte. Vielleicht ist er ja auch nicht da, es war alles dunkel soweit ich das von hier aus sehen konnte. Ich hätte ja vorher angerufen um vorzutasten wie er das findet wenn ich hier auftauche aber ich habe ja keine Nummer von ihm. Von Tomeu leider auch nicht, sonst hätte ich den erstmal gefragt was er davon hält. Obwohl das auch eine schlechte Idee wäre, dann weiss bald ganz Manacor, das ich angeblich wieder hinter Rafa her wäre. Wie ich den kannte, würde der ein Nachfragen gleich als Steilvorlage nutzen um mir was mit Rafa anzuhängen. Ich wägte kurz alle Möglichkeiten ab und klingelte dann ganz mutig.
Da stand nicht mal ein Name am Schild aber das wunderte mich nicht wirklich. “Sí?” Meldete sich nach ein paar Sekunden eine weibliche Stimme. Aww, wer war das denn? Maríbel oder vielleicht die Freundin von Rafa? Ich wollte ja Rafa nicht in eine peinliche Situation bringen. Seine Freundin ist vielleicht nicht so begeistert von meinem auftauchen, jedenfalls wäre ich an ihrer Stelle das nicht gerade. “Hola, hier ist Diana” Ein paar Sekunden war es ruhig. “Welche Diana?” Kurz dachte ich daran zu verschwinden so lange ich das noch konnte ohne erkannt zu werden. “Diana Lopes” ”Ach du bist es, sag's doch gleich!” Es summte am Tor also ging ich rein.
Als ich an der Eingangstür war, erwartete mich schon Maríbel. Ich muss echt sagen, wenn ich nicht wüsste, das sie es ist hätte ich sie nicht erkannt. Als ich sie zuletzt gesehen habe war sie zehn und jetzt müsste sie demnach 17 Jahre alt sein. Ohne Zweifel hatte sie sich am meisten verändert. Sie sah auch irgendwie schick aus mit einem weißen Rock und einem silbernen Top, die wollte sicher noch wohin. “Hola” Sagte ich und blieb vor ihr stehen.
“Hi, Rafa hat schon gesagt das du hier bist. Ich glaubs nicht” ”Den Satz habe ich mehrmals gehört in den letzten Tagen!” ”Ich hätte nicht gedacht das ich dich noch mal sehen würde. Ich meine, ist ja doch eine Weile her” ”Tja, so schnell kann's eben gehen” ”Du willst aber sicher nicht zu mir, no?” Fragte sie dann mit einem breiten Lächeln. ”Eigentlich nicht” Sagte ich mit einem verlegenen Lächeln. Ihr Lächeln verschwand dann aber langsam. “Tja also Rafa ist nicht da, der ist irgendwo mit Tomeu. Ich glaube, der kommt heute nicht mehr hier her” Oh nein! Da ringe ich mich extra dazu durch hier her zu kommen und dann ist er nicht da! Mein Gesicht war sicher gut aber ich versuchte mir die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. “Oh, da kann man wohl nix machen” Sagte ich dann leise und zwang mich zu einem Lächeln. “Ich würde ja sagen du kannst auch hier warten aber ich habe leider noch was vor und muss gleich los” ”Ja schon ok, macht nix” ”Soll ich Rafa sagen das er sich bei dir melden soll?” Ja! Die Idee war gut, könnte direkt von mir sein!
“Er hat zwar meine Nummer nicht aber die kann ich ja aufschreiben” Ich schrieb meine Handynummer auf einen Zettel und gab ihn Maríbel. Sie sah kurz darauf und faltete ihn dann zusammen. “Ok, dann vielleicht bis irgendwann” “Sí, viel Spaß dann noch” ”Dir auch!” ”Adíos” ”Ciao” Mit einem Lächeln drehte ich mich um und lief wieder auf die Strasse.
Ein bisschen enttäuscht war ich schon das Rafa nicht zu Hause war aber ich hatte fast damit gerechnet. Er war früher auch kaum zu Hause, zumindest nicht im Sommer wenn überall was los war. Unter der Woche hatte er auch damals schon kaum Zeit, da er total eingespannt war mit Tennis und Schule. Die Krönung war dann als er auf eine Schule in Palma wechselte, dann blieb er manchmal gleich die Woche über in Palma und ich sah ihn nur am Wochenende wenn ich Glück hatte aber irgendwie ging das auch. Mehr wie einmal hatte ich mich gefragt wie der das alles hinkriegt. Mir fiel es auch teilweise schwer und ich habe nicht noch nebenbei für eine Tenniskarriere trainiert wie verrückt.
Juli sass in der Hotellobby wie ich sah und sah sich die Flamencoshow an die heute Abend stattfand. Ich holte mir was zu trinken an der Bar und setzte mich dann neben sie. Etwas erstaunt war sie dann schon als sie mich sah. “Was machst du denn hier?” Ich trank einen Schluck und zuckte dann mit den Schultern. “Er war nicht zu Hause” Ihr Gesicht war echt herrlich, sie sah ähnlich enttäuscht aus wie ich vorhin. ”Was? Oh nein! Jetzt war meine ganze Überredungskunst umsonst!” ”No, seine Schwester war da, sie will ihm ausrichten das er sich bei mir melden soll” ”Aha” Sie trank einen Schluck aus ihrem Glas und grinste dann wieder so breit.
“War wohl nix, eh?” Ich nickte wissend mit dem Kopf, konnte aber immerhin noch lächeln. “Mhh” ”Vielleicht ja morgen” ”Falls er sich mal meldet bei mir, ich habe seine Nummer nicht” Sie lächelte erst und sagte ein paar Sekunden nichts. Kommt sie gleich mit der moralischen Keule um die Ecke? Irgendwas in der Richtung kam da sicher noch. “Ich fasse es nicht, das unser Urlaub daraus besteht irgendwelchen Leuten nachzulaufen, die gar nichts wissen von ihrem Glück” Ich fühlte mich etwas bedrängt und musste mich irgendwie verteidigen. ”Also Punkt eins, sind es nicht irgendwelche Leute und Punkt zwei hast du gesagt ich soll dahin gehen” ”Schon aber es ist doch irre. Ich meine wir machen hier Urlaub und du hast nix besseres zu tun als deinem Ex nachzurennen” ”Es lohnt sich aber wirklich!” Leider musste ich lachen, das konnte ich nicht länger Ernst nehmen. “Tut mir leid” Sagte ich dann kleinlaut, da sie mich streng ansah.
Im nächsten Moment rückte sie näher und sah mich eindringlich an. “Ok, lass uns mal rein hypothetisch vom allerschlimmsten Fall ausgehen” ”Der da wäre?” Fragte ich neugierig mit hochgezogenen Augenbrauen. “Was wenn er es sich doch noch überlegt und sagt das du hier bleiben sollst?” Ich musste gleich laut prusten, dass war echt lächerlich! “Ich schätze ich brauche etwas länger um ihn dazu zu bewegen” ”Ich meins Ernst!” ”Ich auch! Also erstens sagt er das sowieso nicht und zweitens bin ich ja nicht verrückt” ”Das heißt?” Fragte sie skeptisch. “Was glaubst du von mir? Das ich alles hinschmeiße und hier bleibe wenn er mit dem kleinen Finger wackelt? Niemals!” ”So gefällt mir das schon viel besser!” Ich schüttelte mit dem Kopf und fragte mich wie sie auf so was verrücktes kam. “Traust du mir wirklich so was zu?” Fragte ich aus meinen Gedanken heraus.
Ich war nicht die Person, die ohne nachzudenken alles hinschmeißt. “Eigentlich nicht aber in den letzten Tagen erschien mir einiges neu an dir” Ein wenig gab mir das schon zu denken. Wenn es ihr schon auffällt, muss ich mich ja doch anders verhalten als sonst. Ich fand jetzt nicht, das ich mich anders verhalte als üblich, wenn man von der Tatsache absieht, das ich nicht gerade in Feierstimmung war. Das lag gewissermaßen wieder mal an Rafa und der wusste gar nichts davon! Ich wurde das Gefühl nicht los, das er nicht darüber reden will was vor sieben Jahren abgelaufen ist aber mir wär's ein persönliches Bedürfnis mit ihm darüber zu reden. Eigentlich sollte der Urlaub doch die schönste Zeit des Jahres werden. Die schönste Zeit des Jahres war bisher im Februar als ich mit Alex in Österreich Skifahren war. Eine Woche lang nur faul sein und machen was ich will, das war richtig herrlich. Das Jahr war bekanntlich aber noch nicht um, an Urlauben war aber nichts weiter geplant bis zum Jahresende.
“Wie lange wart ihr damals eigentlich zusammen?” Ich wurde aus meinen schönen Gedanken an den vielen glitzernden Schnee in Österreich gerissen. “Sieben Monate, wären fast acht gewesen” “Woher kanntest du ihn denn?” ”Eine aus meiner Klasse hatte ihren Geburtstag gefeiert und Rafa war auch da. Das muss inzwischen Ewigkeiten her sein, ich kannte ihn schon vier Jahre bis wir zusammen waren” Ihr Gesicht wurde leicht mysteriös. “Wart ihr so richtig zusammen damals?” ”Kann man auch falsch zusammen sein?” Ich wusste genau was sie eigentlich fragen wollte.
“Ich meinte ja nur, ach vergiss es” War ja schön wie sie versuchte sich zu retten, selbst schuld wenn sie so blöd fragt. “Soll ich Haltungsnoten vergeben?” So schnell würde ich jetzt nicht locker lassen auch wenn ich nicht fassen konnte, das sie mich das wirklich fragt! “Schon ok” Kam es mit einem übertriebenen Lächeln, ich sah schon wie sie schwitzte. ”Sage doch einfach das du wissen willst ob ich mit ihm geschlafen habe” Ich sah schon wie sich ihr Gesicht leicht rot verfärbte. “Diana es ist gut jetzt, du kannst aufhören, ich will keine Details hören! Ich habe nur gefragt weil die Leute im Alter von 15 Jahren unterschiedliche Definitionen von einer Beziehung haben. Manchen halten auch Händchen und nennen das Beziehung” ”No, wir haben nicht nur Händchen gehalten auch wenn das unsere Eltern dachten” Sie sah von mir weg und schüttelte mit dem Kopf. ”Ich komme gar nicht drüber weg das dein Ex Wimbledon gewonnen hat. Das ist echt ein Knüller” Jetzt musste ich doch wieder lächeln.
“Ich hab's geahnt, der hat damals schon wie ein Irrer trainiert und sich dabei auch nicht von strömendem Regen oder so was ablenken lassen. Ich meine, wer so was als Profi durchzieht, muss gewissermaßen verrückt sein um das auszuhalten” ”Du scheinst dich ja auszukennen” ”Unfreiwillig ja. Die Leute denken immer nur er spielt mal ein oder zwei Turniere und gewinnt dann alles. Die 15 Jahre Training vorher sieht ja keiner” ”Wie lange macht der das denn schon?” ”Angefangen hat er mit vier, jetzt ist er 22, du kannst dir die Jahre ja ausrechnen. Am Anfang lief es nicht so gut aber inzwischen läuft es” Sie schüttelte mit dem Kopf und sah mich mit einem verklärten Blick an. “Erstaunlich, das du kein Wort darüber verloren hast bis jetzt” ”Was hast du erwartet? Das ich zur nächstbesten Zeitung renne und sage das ich die Ex von Rafael Nadal bin?” ”Nein aber ich fände es alles viel zu spannend um keinem davon zu erzählen” ”Ach, man gewöhnt sich an vieles. Man darf sich nur nicht verrückt machen lassen von den Medien” ”Findest du es nicht komisch ihn zu sehen im TV?” Ich rollte mit den Augen und zog ein breites Lächeln. “Doch aber bleibt mir eine Wahl? Ich weiss das es nicht normal ist vor dem TV zu sitzen und zu sehen wie der Exfreund Roger Federer platt macht und das regelmäßig” Sie schüttelte mit dem Kopf als könnte sie nicht glauben das es die Wahrheit ist.
“Dann sollte ich mich wohl geehrt fühlen, das ich ihn beim Training gesehen habe?” ”Es klingt komisch aber ja es ist so. Wenn er Turniere spielt ist das Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit, meistens zumindest. Die Karten für die Turniere kosten Unsummen und sind noch dazu kaum zu bekommen zumindest gute. Für Wimbledon muss man sich bewerben weil die ausgelost werden. Da die Tour 10 Monate läuft ist er nur im Winter ein paar Wochen hier. Mit anderen Worten hier ist die beste Chance überhaupt mal kurz hola zu sagen ohne das gleich die Security eingreift und dich abführt” Sie sah mich immer noch so begeistert an. “Ich fasse es nicht! Du kennst dich offenbar aus...” ”Mhh, ich gucke ab und zu Tennis im Fernsehen” ”Na das wundert mich jetzt auch nicht mehr... guckst du immer wenn er spielt?” ”Nur wenn ich gerade Zeit habe” ”Wieso habe ich nichts davon bemerkt?” ”Wie gesagt, ich gucke nicht alles, nur ab und zu. Mach dir nix daraus Alex weiss auch nichts davon” ”Ist vielleicht besser. Ich weiss nicht wie er das findet wenn du vor dem TV sitzt und sabberst”
Jetzt musste ich mit den Augen rollen. Die tat ja gerade so als würde ich die Bildröhre küssen wenn Rafa zu sehen ist. “So blöd bin ich nicht das ich mich dabei erwischen lasse” Sagte ich breit grinsend und musste schon feixen. ”Also doch!” Kam es laut kreischend zurück. “Klar, ich warte nur darauf zu sehen wie Rafa total durchgeschwitzt von links nach rechts rennt und dabei Geräusche von sich gibt das man auf dumme Gedanken kommen könnte” “Das wollte ich hören!” “Außerdem würde Alex denken das ich übergeschnappt bin wenn ich das erzähle” ”Meinst du ich sollte ihn nach Autogrammen fragen?” Kam es dann als sie sich wieder beruhigt hatte. Offenbar hatte sie ihren Humor wiedergefunden.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber Rafa meldete sich direkt schon am nächsten Tag. Ich hatte schon damit gerechnet, das der ein paar Tage braucht um mich anzurufen. Juli witzelte schon wir wären wieder in Deutschland ehe der sich mal meldet. Da hatte ich schon krampfhaft überlegt was ich sage falls Rafa fragt was ich bei ihm wollte aber das stellte sich als nicht erforderlich heraus. Rafa hatte die grandiose Idee an den Strand zu gehen.
Bevor ich skeptisch nachfragen konnte, hing er noch an das wir nicht alleine sind und vor allem, das ich Juli mitbringen soll. Offenbar konnte er Gedanken lesen denn ich hätte mir schon ein paar Gedanken gemacht wenn er mit mir alleine an den Strand will. Aber warum sollte Juli mitkommen? Das kam mir im wahrsten Sinne des Wortes spanisch vor!
Während ich überlegte was ich sage lief ich wieder auf den Balkon, wo Juli sass und eben in einer Klatschzeitung blätterte. Sie sah kurz zu mir als ich mich hinsetzte und dann wieder in die Zeitung. “Hat Alex mal wieder angerufen und gesagt wie sehr er dich vermisst und das er es kaum noch aushalten kann dich nicht zu sehen?” Ja stimmt, der hatte heute auch noch nicht angerufen aber sie lag daneben. ”Es ist Rafa” Im nächsten Moment hob sie ihren Kopf und sah mich interessiert an. “Was?” ”Ja, sieht so aus als würden wir beiden Hübschen doch noch in den Genuss kommen Rafa ohne Klamotten zu sehen” Ihr Grinsen wurde gleich dämlich. “Ist er noch dran?” Ich sah kurz auf mein Handy und dann wieder zu Juli. ”Ja” ”Danke aber sage ihm ich habe keinen Bedarf. So genau wollte ich ihn nicht gleich kennen lernen” Im nächsten Moment wurde mir klar was sie wohl eben dachte. Denkt sie echt das Rafa so verrückt wäre und mir ein unmoralisches Angebot der Art am Telefon macht? Mein grinsen ging vom einen Ohr zum anderen. “Ich weiss ja nicht was du denkst aber er will eigentlich nur zum Strand gehen” Ihr Gesicht war so herrlich, ich könnte mich kringeln. ”Ok, was habe ich damit zu tun?” Fragte sie als sie den ersten Schreck überwunden hatte. “Er hat gesagt du sollst mitkommen. Bevor du jetzt auf dumme Gedanken kommst, sage ich gleich das noch ein paar andere Leute kommen” ”Aha, von mir aus. Ich kenne zwar keinen aber schlimmer als alleine hier zu bleiben kann's nicht werden” Gut, dass wir das mal geklärt hatten. Ich hielt das Handy wieder an mein Ohr. “Sie kommt mit” ”Super, dann bis später” Vielleicht glaubte Rafa ja schon das er den restlichen Tag warten kann bis ich ihm mal sage ob sie mitkommt oder nicht.
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