29 September 2009

Chapter 10 - Deutschland

“Hola Rafa” Sagte ich gleich da ich ja wusste das er es ist. ”Hi Diana” ”Was verschafft mir die Ehre?” Fragte ich gleich direkt damit er nicht lange um den heißen Brei redet da ich keine Zeit hatte. “Bist du noch hier?” Kam es vorsichtig. ”Äh ja aber gleich nicht mehr, wir stehen eben am check in Schalter und warten bis wir dran sind” ”Musst du unbedingt zurück fliegen?” Rafa war ja wieder mal lustig heute! Was für eine Frage...
”Sí, mein Urlaub ist zu Ende” ”Kannst du nicht noch zwei Tage länger bleiben?” Meine ausgelassene Stimmung war gleich verschwunden. Was sollte das denn jetzt? Ich dachte ich spinne! Ich hielt die Hand über das Handy und sagte Juli das ich mal eben ein bisschen weg gehe zum telefonieren, hier standen so viele Leute und es mussten ja nicht gleich alle alles mithören. Nachdem ich ein bisschen Ruhe hatte ging ich wieder ran. “Wenn du Witze machst, finde ich das gar nicht komisch!” Zischte ich ins Handy und versuchte ganz ruhig zu bleiben. Das war wirklich nichtmal ansatzweise komisch. ”Diana, ich mache keine Witze!” Kam es gleich zurück.
”Wie du machst keine Witze? Wie stellst du dir das vor? Ich kann nicht einfach hier bleiben, außerdem wüsste ich nicht wieso ich hier bleiben sollte” ”Ich dachte wir sehen uns noch mal” ”Wir haben uns doch heute früh gesehen!” ”Du verstehst echt gar nichts” Ja, da hatte er Recht! Ich verstand wirklich eben gar nichts. Kurz sah ich zu Juli, wir sind bald dran! “Du Rafa, ich muss Schluss machen wir sind gleich dran. Wir können ja noch mal reden wenn ich wieder in Deutschland bin” ”Mhh” Kam es leise. “Bis später” ”Hasta luego” Ich legte auf und steckte mein Handy wieder ein. Sicherheitshalber setzte ich mich erstmal hin. Es war noch bisschen Zeit bis wir an der Reihe sind, ich hatte das eben nur zu Rafa gesagt damit er aufhört mit fragen. Der bringt mich nur auf dumme Gedanken.
Ich wollte nicht von ihm hören das ich wegen ihm hier bleiben soll oder so was. Er wollte er sicher etwas in der Richtung sagen, nur hat er sich wohl nicht getraut. Irgendwie rückte er ja nicht richtig raus damit. Vielleicht hatte er auch Angst vor meiner Reaktion. Der muss doch spinnen mich anzurufen und zu fragen ob ich hier bleiben soll! Zwei Wochen lang hätte er Zeit gehabt dazu und jetzt wo wir zurückfliegen kommt er mit der Nummer an. Vor zwei Tagen sagte er ich soll ihn in Ruhe lassen und jetzt fragt ausgerechnet er ob ich nicht noch bleiben kann! Das war ja schon ein bisschen unverschämt. Kurz wägte ich alle Möglichkeiten ab. Klar könnte ich noch zwei Tage bleiben aber es ist Hochsaison und ich kriege sicher keinen anderen Flug zurück. Davon abgesehen bin ich ja nicht verrückt und bleibe nur weil Rafa mal eben in so einer Laune ist.
Falls er glaubt das ich springe wenn er mit dem kleinen Finger wackelt, hat er sich getäuscht! Erklären könnte ich das auch nicht. Wie sieht das aus wenn Alex am Flughafen steht und mich abholen will und dann kommt raus das ich hier geblieben bin? Irgendwie war es aber auch sehr verlockend. Das war das einzige wofür ich Rafa hasse, er bringt mich in eine unmögliche Situation. Ich war doch schon froh, dass ich nach Hause komme damit das Chaos aufhört und jetzt das!

Noch immer total verblüfft stand ich auf und lief zu Juli zurück. Sie sah kurz auf ihr Flugticket und dann fragend zu mir. “Was wollte er denn jetzt schon wieder von dir? Ich meine das ist echt irre, erst ruft Alex andauernd an und jetzt fängt Rafa auch noch an damit, muss an dir liegen” ”Nichts weiter wollte er, ich soll nur noch zwei Tage hier bleiben” Ich hatte das so gesagt als wenn nichts weiter wäre. Ihr Gesicht war echt filmreif! Eine Mischung aus Schock und Bewunderung gemischt mit Fassungslosigkeit. “Was?” Fragte sie nur mit aufgerissenen Augen.
“Ja, der muss total verrückt sein” ”Aber hallo, das ist schon echt ein starkes Stück! Weiss der auch irgendwann mal was er will?” Ich zuckte nur mit den Schultern und lächelte hilflos. “Ich weiss nicht was in dem vorgeht” ”Tsss, vielleicht kommt das von dem vielen Tennis spielen?” Sie schüttelte mit dem Kopf und sah wieder auf ihr Ticket. Ein Lachen konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. “Wundern würde mich das nicht” ”Was hast du gesagt?” ”Das ich jetzt nicht länger reden kann weil wir gleich dran sind” ”Und wie hat er reagiert?” ”Eigentlich gar nicht, ich habe ihn abblitzen lassen und gesagt ich melde mich wenn ich wieder in Deutschland bin” ”Mhh, komisch Sache! Und ich fürchtete schon das du echt hier bleibst” ”Ich bin ja nicht verrückt. Nur weil er es sich jetzt doch überlegt hat heißt das noch lange nicht das ich alles tue was er will” ”Sehr beruhigend zu hören!” Ja, genau damit beruhigte ich mich selbst auch. So was unvernünftiges würde ich nie tun. Das würde mit Sicherheit noch mal ein Nachspiel haben. Rafa scheint merkwürdige Stimmungsschwankungen zu haben!

Wir checkten ein und liefen dann schon immer zum Gate. Als wir nach fast einer Stunde endlich da ankamen, konnten wir auch schon einsteigen. Wir wären schneller gewesen hätten wir nicht noch jeden duty free Laden mitnehmen müssen aber Juli musste unbedingt noch ihr letztes Geld auf den Kopf hauen. Warum sparen wenn man es auch mit vollen Händen ausgeben kann? Als ich im Flugzeug sass und aus dem Fenster sah, wurde mir schon ein bisschen wehmütig zumute. Sollten wir wirklich schon wieder nach Hause?
Mir war es als wären wir erst gestern gekommen, ich wollte gar nicht wieder weg. Am liebsten wäre ich gleich hier geblieben und das nicht um den Urlaub zu verlängern. Tja, alles Schöne hat mal ein Ende aber ich konnte ja wieder mal hier her kommen. Kann sein Juli hat jetzt Blut geleckt und will wieder hier her bei der nächsten Gelegenheit. Sicher würde das auch zu einem großen Teil von Tomeu abhängen. Ich sah zur Seite zu ihr und grinste dann wieder breit. “Was?” Fragte sie auch gleich. “Ich dachte nur eben daran doch hier zu bleiben” ”Das war mir schon klar!” ”Nein, so meine ich das nicht. Ich meine allgemein und nicht nur wegen Rafa” ”Du lügst!” ”Ehrlich! Der kann sowieso noch was erleben, so einfach kommt der mir nicht davon” ”Ach, du willst ihn also doch sehen?” ”Ja aber nur damit ich ihm sagen kann wie daneben die Nummer mit dem Anruf war” ”Soll ich mitkommen? Mir würde da auch viel einfallen. Das war ja schon extrem dreist” ”Mhh und der dachte wohl echt das ich mir das noch mal überlege” ”Vielleicht denkt er ja das er sich alles erlauben kann nur weil er so eine Art Star ist?”
Ich nickte mit dem Kopf und sah kurz aus dem Fenster, wir rollten eben auf dem taxiway zur Startbahn. “Ich weiss auch nicht was den geritten hat. Ich kann mir nicht vorstellen, das er sich was darauf einbildet bekannt zu sein. Eigentlich hat er lieber seine Ruhe, so was passt nicht zu ihm” ”Na irgendwas wird er sich doch gedacht haben dabei. Wobei man jetzt von einem Mann nicht unbedingt erwarten kann das er logisch denkt” Ich rollte mit den Augen und musste mir ein kichern verkneifen. “Er ist nicht ganz so blöd wie er tut”

Ein paar Minuten später hoben wir auch schon ab. Jetzt war es offiziell, wir hatten Mallorca verlassen. Aww, es tat richtig weh zu sehen wie die Insel immer kleiner wird und dann verschwindet im Meer. Ich schluckte und versuchte nicht an den letzten Abflug von hier vor sieben Jahren zu denken. War aber auch gut wieder nach Hause zu kommen, da würde alles wieder seinen Gang gehen und ich muss mich nicht über ungebetene Besucher wundern. Ich hatte beschlossen Alex nichts zu erzählen von Rafa. Jedenfalls würde ich das nicht freiwillig tun, er versteht es ja doch nicht und wird nur misstrauisch. Mit Rafa konnte ich ja noch mal telefonieren und klären was er heute früh in unserem Hotelzimmer wollte. War schon ein merkwürdiger Auftritt gewesen von ihm.

Fast auf die Minute genau zwei Stunden nach dem Start in Palma landeten wir in Deutschland. Es war irgendwie deprimierend die Umgebung hier zu sehen. Das Wetter war auch nicht mehr so schön, es waren Wolken aber wenigstens war es mit 22 Grad für deutsche Verhältnisse schön warm. Ich stellte mich mit Juli an das Kofferband und wartete. Da es noch dauerte, kramte ich mein Handy aus der Tasche und schaltete es wieder an. Ich war schon dabei es wieder einzustecken als es drei entgangene Anrufe anzeigte. Ich sah kurz in die Anruferliste, Rafa!
Der Uhrzeit nach zu urteilen hat er direkt nachdem ich aufgelegt hatte angerufen aber ich hatte das Handy ja ausgeschaltet. “Jetzt sage nicht der ruft schon wieder an!” Ich sah zu Juli und musste kichern. “Nein aber er hat direkt nachdem ich aufgelegt hatte noch dreimal angerufen” ”Wahrscheinlich wollte er dich zum bleiben überreden weil er dich schon nach zwei Stunden vermisst hat” ”Ja und wenn er sich richtig angestrengt hätte, hätte vielleicht auch geklappt” ”Du meinst er hätte nur sagen müssen das er keine Sekunde länger ohne dich leben kann und das er dir alle Wünsche von den Augen abliest?” Ich rollte passend dazu mit den Augen und schüttelte mit dem Kopf. “Ja und dann noch das er alles tut was ich von ihm verlange” “Klingt gut, du solltest verlangen das er aufhört Tennis zu spielen” ”Warum?” “Na es soll schon richtig weh tun” Ich kuffte sie in die Seite und schüttelte mit dem Kopf. “Das ist nicht komisch!” ”Du hättest ja auch sagen können das er hier her kommen soll wenn er was von dir will” ”Bist du verrückt! Das macht der echt noch, so was kann ich doch nicht sagen!” ”Mhh, stimmt auch wieder”
Als unsere Koffer endlich mal da waren liefen wir zum Ausgang und waren gespannt was uns erwartet. Alex müsste ja irgendwo sein und auf uns warten. “Freust du dich schon Alex zu sehen?” ”Klar freue ich mich!” Blöde Frage, natürlich freute ich mich darauf ihn wieder zu sehen! Ich war schon aufgeregt und mein Puls wurde langsam schneller. Mit einem breiten Lächeln gingen wir durch den Ausgang, zurück in den Alltag.

Deutschland - August 2008

“Hallo Diana, du bist ja überpünktlich!” Ich lief mit einem breiten Lächeln an Juli vorbei in ihre Wohnung. “Tja, sieht wohl so aus” Sie machte die Tür nach mir zu und drehte sich dann zu mir um. “Ich fasse es ja nicht das du zu mir kommst um hier fernsehen zu gucken!” Ja, es war so. Rafa spielte ja heute bei den olympischen Spielen in Peking im Finale um die Goldmedallie und das konnte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! Leider wird das Spiel aber auf keinem deutschen Sender übertragen weil die das wohl nicht für wichtig ansehen und da ich keine Satellitenschüssel habe, kann ich keine ausländischen Sender empfangen und würde im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre gucken. Internet gab's zwar auch aber da war das Bild immer so klein und ich will es wenn schon dann auch richtig genießen können.
Juli hat es da schon besser, die hat tausende Sender, wahrscheinlich weiss sie selbst nicht genau was sie so alles empfangen kann. Ich lief gleich von selbst ins Wohnzimmer und setzte mich vor den TV um nach einem passenden Sender zu suchen. Die spanischen Sender machen immer ein riesen tam tam um Rafa also übertragen die garantiert auch das Spiel. Ich hatte kaum den TV eingeschaltet als Juli breit grinsend ins Zimmer kam. “Ich sehe, du machst es dir gemütlich. Wie wär's mit einem Kaffee oder Tee? Oder soll ich zur Feier des Tages Sekt holen?” Ich rollte nur mit den Augen. “Nein danke” Sie holte doch etwas zu trinken und setzte sich dann neben mich auf die Couch. “Du bist nie pünktlich außer es hat mit Rafa zu tun, dann erscheinst du sogar vor der Zeit, langsam mache ich mir Sorgen um dich” “Ich will nur nichts verpassen” ”Schlimm genug das du extra eher aufstehst um ihn zu sehen” Jetzt übertrieb sie aber!
Es war jetzt um 11, so früh nun auch wieder nicht. Zum antworten kam ich nicht mehr denn es fing endlich an! Awww, ich war schon richtig gespannt ob er Gold gewinnt, das wäre die Krönung nachdem schon fest steht, das er kurz nach Olympia Federer auf der Nummer 1 ablöst. Unter lautem Jubel und Applaus er Zuschauer erschien Rafa auf dem Center Court. Huh, heute ganz in weiss! Er wunk kurz den Zuschauern zu und stellte dann seine Taschen ab. Als nächstes entledigte er sich noch seiner Jacke und lief dann an die Grundlinie um sich aufzuwärmen. Von den weißen Hosen abgesehen hatte er ein rotes Oberteil ohne Ärmeln an und orange Schweißbänder an den Handgelenken und auch ein dazu passendes Bandana in orange. Wenn ich mir das so ansehe, könnte ich gleich auf dumme Gedanken kommen. Ich weiss nicht woran es lag aber fiel auf gegenüber den anderen Spielern. Das lag zum Großteil auch daran das er nicht Klamotten an hat, in die er sich dreimal reinwickeln kann weil die so weit sind.
Ich musste gleich wieder an den Tag denken als wir am Strand waren. Erst fand ich es ein bisschen komisch aber das hatte sich gelohnt, den Anblick von Rafa nur in Badeshorts werde ich so schnell nicht wieder vergessen. Zu schade das Juli davon kein Foto gemacht hatte wo sie doch sonst auch alles und jeden fotografiert. Sie hat sich wohl nicht getraut da sie dachte das Rafa vielleicht was sagt. So lange die Bilder dann nicht in der Presse oder im Internet auftauchen kann man Rafa fotografieren so oft man will. Aber gut, man konnte nicht alles haben als muss ich mich mit seinen Spielen begnügen.

“Gegen wen spielt er überhaupt?” Ich kam wieder in die Realität und sah zur Seite. “Fernando Gonzalez, das ist so einer, von denen man sonst nie viel hört weil die auf ein bestimmtes Ereignis hin trainieren und das ist für ihn Olympia” ”Der will also Gold um jeden Preis?” ”Sí, dummerweise will Rafa das aber auch” ”Und was denkst du wie es ausgeht?” Meinte sie die Frage etwa Ernst? Natürlich muss ich da nicht lange überlegen um zu einer Antwort zu gelangen. “Rafa wird es schon richten. Wird nicht einfach aber sollte machbar sein für ihn” Sie sah wieder auf den Bildschirm und schüttelte dann langsam mit dem Kopf. “Ich fasse es nicht, das wir ihn vor ein paar Wochen gesehen haben. Es ist irgendwie komisch ihn im TV spielen zu sehen. Also ich meine, die meisten kennen ihn ja nur vom TV oder aus der Zeitung” ”Mhh, ich weiss das es schwer fällt zu glauben das es die gleiche Person ist. Er sieht manchmal richtig aggressiv aus beim spielen, das glatte Gegenteil zu dem was er privat ist” Wir sagten erstmal eine Weile lang nichts und versuchten uns auf das Spiel zu konzentrieren. Wie erwartet gewann Rafa den ersten Satz mit 6:3, fing doch gut an!
“Wo ist Alex eigentlich jetzt?” Fragte sie plötzlich. “Bei seinen Eltern, die haben irgendwie Besuch und er musste sich dort sehen lassen” “Oh, da hast du ja gleich die perfekte Ablenkung gefunden” Kurz sah ich rüber zu ihr. “Was soll das heißen?” ”Na ja wenn Alex keine Zeit hat gibt's ja noch Rafa” Wenn sie es so sah, ich würde mich sehr gerne von Rafa ablenken lassen. “Willst du mir was unterstellen?” ”Nein, ich stelle nur die Tatsachen fest. Willst du Alex wirklich nicht einweihen?” ”Warum? Was glaubst du macht er wenn ich ihm sage, das Rafael Nadal mein Exfreund ist? Das hört sich doch an als hätte ich Drogen genommen” ”Und wenn es so raus kommt?” “Wie soll das denn raus kommen? Rafa wird kaum zur Presse rennen und da die Namen seiner Verflossenen sagen. Außerdem geht Alex das doch nichts an. Ich frage ihn doch auch nicht nach seiner Exfreundin” “Der feine Unterschied wird aber sein das er keinen Kontakt zu seiner Ex hat oder?” ”Was macht das aus? Ich telefoniere ab und zu mit Rafa, es ist ja nicht so das ich ihn jeden Tag sehe. Außerdem reden wir nun wirklich nicht über so brisante Dinge und wenn ich ihr frage gegen wen er spielt ist das nicht schlimm oder?”
In der nächsten Sekunde erschien ihr breites Grinsen wieder. “Aber du hättest nichts dagegen ihn öfters zu sehen oder wie?” Oh man, wieso lässt die nicht mehr locker? “Nicht nur das” Antwortete ich mit einem breiten Grinsen um das zu sagen was sie hören wollte. Sie fing dann auch gleich an mit kichern. “Ich wusste es!” ”Ist das so offensichtlich?” ”Für mich schon, du kriegst dich ja kaum ein wenn er zu sehen ist” Ich sah wieder auf den TV, Rafa war inzwischen schon ziemlich durchgeschwitzt. Wenn das Oberteil so schön an ihm klebt und er sich bei jeder Gelegenheit mit dem Handtuch über seine Arme und sein Gesicht wischt, hilft mir das nicht gerade.
Das allerschlimmste war ja das die Kameras überall waren und das Rafa von allen Seiten eine extrem gute Figur machte. “Mhh, du willst aber besser nicht wissen was ich am liebsten mit ihm anstellen würde” “Du meinst nicht Alex, richtig?” ”Mhh, richtig” “Würde ich dich nicht kennen, würde ich jetzt denken, das du was von Rafa willst” ”Oh, da bin ich sicher nicht die Einzige. Es ist aber egal, ich kriege ihn sowieso nicht, genau wie alle anderen” “Du telefonierst immerhin mit ihm, das können sicher nicht so viele von sich behaupten” ”Ja, ich fühle mich auch unheimlich geehrt” Das war leider die Realität. Ich sehe Rafa nicht außer wenn er spielt und es zufällig übertragen wird. Wie eben das Spiel von heute.
Nach dem ersten Satz wurde es kurz spannend weil es einen Tiebreak gab aber den holte sich Rafa mit 7:2 und der dritte Satz endete genau wie der erste mit 6:3 für Rafa und somit war er jetzt auch noch Olympiasieger. Na das ging ja fix, ich hatte mich doch schon auf fünf Sätze eingerichtet und jetzt war es schon zu Ende! Es war unglaublich was Rafa zur Zeit alles abräumt, an ihm führt zur Zeit kein Weg vorbei. Damit hatten wir gleich einen Anlass ein bisschen zu feiern auch wenn wir nur zu zweit waren.

Ein bisschen komisch war es schon auf den Olympiasieg von Rafa anzustoßen. Obwohl das die ganz verrückten Rafa-Fans vielleicht auch tun und es war ja nicht so das wir Rafa nicht kennen. Ich hätte ja auch gerne mal persönlich mit ihm geredet aber er hatte mir schon beim letzten Telefonat gesagt das er wahrscheinlich keine Zeit mehr haben wird nach dem Spiel. Gut, ich kann ihm auch in zwei Tagen noch gratulieren. Die Presse wird ihn jetzt wieder mit sinnlosen Fragen nerven. “Was ist das eigentlich für ein Ring?”
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah zu Juli, die eben sehr interessiert auf meinen linken Mittelfinger sah. Im nächsten Moment fiel mir ein was sie meinte. Vorhin als ich noch in meiner Wohnung war und an das Spiel dachte, hatte ich einen ganz schwachen Moment und habe den Ring von Rafa hervorgekramt, warum wusste ich auch nicht genau. War so eine spontane Laune. Nach näherer Betrachtung hatte ich ihn an den linken Mittelfinger gesteckt und da war er jetzt auch noch. Erst war ich erstaunt, dass der noch an meinen Finger passte und dann rief zufällig meine Mutter an und ich hatte den Ring total vergessen.
Es war ja nicht so das ich keine anderen Ringe hatte, von Alex hatte ich ja noch einen und von meinen Eltern hatte ich auch noch einen am rechten Ringfinger. Leider gehörte Juli zu den Leuten die immer sofort alles neue bemerken. Ich sah dann wieder in das fragende Gesicht von Juli und spürte wie mein Hals trocken wurde. “Das ähm, ist nichts besonderes” Antwortete ich während ich leicht ins schwitzen kam. Sie sah weiter mit einem fixierten Blick auf den Ring und zog dann ein breites Lächeln. Um genauer zu sein wurde sie von Sekunde zu Sekunde aufgeregter, ich will gar nicht wissen was sie glaubt was der Ring bedeutet.
“Aww lass mich raten, Alex reicht es noch nicht das du einen Ring von ihm trägst!” Was sie dachte ahnte ich schon aber leider war sie eben total auf dem Holzweg. “Der ist nicht von Alex” Sagte ich mit einem nervösen Lächeln um gleich mal Klarheit zu schaffen. Ihr Gesicht brachte dann auch gleich ihre Verwirrung zum Ausdruck. “Nicht? Von wem dann, von deinen Eltern?”

Ich rutschte ein bisschen nervös im Sitz umher und schwankte ob ich die Wahrheit sage oder nicht. Das schien ihr nicht zu entgehen. “Warum bist du so nervös? Hey, ich bin's, deine beste Freundin außerdem musst du es nicht sagen wenn du nicht willst. Ich will dich nicht in Verlegenheit bringen” ”Der ist von Rafa” Sagte ich spontan und war auf ihre Reaktion gespannt. Wie ich sah hatte sie damit jetzt nicht gerechnet, was auch nachvollziehbar war.
“Was?” Ich konnte ihr schon ansehen das sie verzweifelt überlegte was das jetzt zu bedeuten hatte. “Ja und bevor du anfängst zu fragen sage ich dir gleich das er mir den mal vor Jahren geschenkt hat zu Weihnachten, 2000 um genau zu sein. Du musst also nicht auf dumme Ideen kommen” ”Aha und wie kommst du jetzt dazu? Ich meine, den trägst du doch sonst auch nicht” “Ich hatte einen schwachen Moment heute früh und habe den rausgekramt und dann habe ich ihn vergessen weil ich abgelenkt war” Bevor sie noch weiter fragte machte ich den Ring ab und drehte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger um ihn genauer zu betrachten.
Sie wusste ja noch nicht, dass da innen eine Gravur ist 17 diciembre 2000 ~ te amo. Sie war aber nicht die Einzige, niemand außer mir und Rafa wusste von der Gravur innen und von außen war der Ring ganz schlicht in Silber und ohne Muster. Genauer gesagt wusste gar niemand das der Ring von Rafa ist, meine Eltern glauben bis heute das ich mir den mal selbst gekauft habe. Ich ließ sie damals in dem Glauben weil ich nicht wollte, dass sie mir wieder Vorträge halten wegen Rafa weil sie meinten das ich die Dinge mit ihm langsam angehen sollte. Juli merkte inzwischen wohl auch, das da innen was stand und nahm mir den Ring aus der Hand um ihn näher zu betrachten.
Nachdem sie die Gravur gelesen hatte wurde ihr Lächeln wieder breiter, zu breit für meinen Geschmack! “Ich kann kein spanisch aber das verstehe ich sogar! Was war denn an diesem Datum?” ”Seit dem Tag waren wir zusammen, das war ein Sonntag um genau zu sein” Sie gab mir den Ring wieder und lächelte immer noch so gerührt. “Ist ja süß, hat er auch so was?” ”Nein, wäre zu auffällig gewesen“ “Ich wünschte, meinem damaligen Freund wäre so was eingefallen. Glaubst du er ist alleine auf die Idee dazu gekommen?” ”Das habe ich mich auch schon immer gefragt, ich kann mir aber nicht vorstellen das er ganz alleine darauf kam” “Wenn er damals schon auf solche Ideen gekommen ist, frage ich mich was er heute verschenkt. Ich meine, von sich selbst abgesehen” Ich rollte mit den Augen und zwickte sie in die Seite. Das die aber auch immer einen blöden Spruch sagen musste. Die Vorstellung von Rafa spärlich bekleidet, auf einem Fell vor dem Kamin, mit einer roten Schleife um den Hals war ja gut aber sie passte nicht an die Stelle jetzt.
“Sich selbst zu verschenken ist auch wahnsinnig einfallsreich” ”Stimmt auch wieder. Hat er dir noch mehr solcher Geschenke gemacht?” Ich wurde bei der Frage gleich wieder sentimental. ”Dazu kam es nicht mehr da ich das Jahr darauf an Weihnachten schon hier war” Um nichts falsches zu sagen, sagte sie gar nichts mehr und sah mich nur vorsichtig an. So schlimm war's aber auch nicht, ich würde schon nicht gleich in Tränen ausbrechen. Ganz so ein seelisches Wrack war ich nun auch nicht das mich das in tiefe Depressionen stürzen würde, es waren eben schöne Erinnerungen.

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