8 September 2009

Chapter 6

Pünktlich zur vereinbarten Zeit stand ich dann auch mit Juli an der abgemachten Stelle und sah mich um. Wir sollten zu einer kleinen Bucht kommen weil Rafa sich nicht zwischen den ganzen Touristen an den Strand wagen wollte aus Angst dann die ganze Zeit Autogramme geben zu müssen. Gut, das leuchtete mir ein, würde ich sicher genauso machen. Komisch war nur das keiner hier war. Es standen schon keine Autos am Straßenrand. Einen kleinen Weg durch die Felsen musste man noch gehen um zu der Bucht zu gelangen, war mehr was für die Einheimischen da man nur mit dem Auto hier her kam. Wahrscheinlich kamen die anderen wieder viel zu spät also liefen wir immer zum Strand. Hatte ja auch was so einen Strand für sich alleine zu haben. Die Bucht war von beiden Seiten von Felsen eingerahmt und daher schön abgelegen.
Im nu hatten wir unseren Sonnenschirm aufgebaut und unsere Handtücher ausgebreitet. Ich lag auf dem Bauch und liess mir die Sonne auf den Rücken scheinen. Hier könnte ich es auch eine Weile aushalten. “Ist echt schön hier” Kam es dann von der Seite. “Mhh, so schön ruhig und einsam” ”Ja, vielleicht sind wir ja alleine hier und das war alles ein Witz oder so” Ja ja, ich hatte da auch so ein komisches Gefühl im Magen das hier was faul war. Beruhigend zu wissen, das es Juli auch so ging. ”Mhh, komisch ist es schon das keiner kommt. Na ja, notfalls sind wir eben alleine hier. Ich meine, du bist ja mit, da wird es nicht so langweilig” ”Vielleicht hat er gesagt das ich mitkommen soll damit du dich nicht alleine langweilst?”
”Das macht aber doch keinen Sinn. Wieso sollte er mich hier her bestellen und dann nicht auftauchen?” Sie kramte in ihrer Tasche nach dem hundersten Buch, das sie eben las und zuckte dann ratlos mit den Schultern. “Weiss ich nicht. Du kennst ihn doch besser als ich” ”Kannte” Fügte ich trocken hinzu.

Ich lag auf dem Bauch mit geschlossenen Augen und dem Kopf auf den Händen als ich Stimmen von weitem hörte. Langsam hob ich meinen Kopf etwas und schlug meine Augen auf um zu sehen wer sich jetzt doch hier her verirrt hatte. Rafa und Tomeu, sieh an, die waren ja überpünktlich! Offensichtlich waren die in eine lautstarke Diskussion vertieft, kein Wunder das man die schon von weitem hörte. Rafa fuchtelte wild mit den Händen und zog abwechselnd an den Enden von seinem Handtuch, das um seinen Hals hing.
Was mich aber viel mehr beunruhigte war, das es nur Rafa und Tomeu waren. Wo waren denn die anderen? Gut, Rafa hatte keine Namen genannt als ich mit ihm telefoniert hatte aber ein paar mehr Leute als nur Rafa und Tomeu hatte ich doch erwartet. Ich liess meinen Blick zu Juli schweifen, die offensichtlich auch schon den Besuch registriert hatte und sich umdrehte. Immerhin hörten sie auf mit dem lauten diskutieren als sie näher kamen. Ging es etwa um uns? Könnte man denken so abrupt wie die verstummt waren. Mit einem Grinsen vom einen Ohr zum anderen blieben Beide direkt vor unseren Handtüchern stehen. Ich hatte mich inzwischen hingesetzt und überlegte ob ich Rafa oder Tomeu zuerst schlagen soll. “Hola, seit ihr schon lange da?” Sagte Tomeu mit einem breiten Grinsen. Ich spürte schon wie ich leicht in Wallung geriet und das nicht vor Freude.
Kurz sah ich auf meine Uhr. “Seit 45 Minuten. Ich weiss ja nicht nach welcher Zeitzone deine Uhr geht aber wir waren pünktlich, was man von euch nicht gerade behaupten kann” Ich sah wie Tomeu kurz zu Rafa sah, wenigstens grinsten die nicht mehr so blöd. “Er ist nicht fertig geworden” Meinte Tomeu mit einem ernsten Ton und einem kurzen Blick zu Rafa. Der schnappte in der nächsten Sekunde nach Luft und sah mit großen Augen zu Tomeu. “Was?” ”Egal, wo sind denn die anderen?” Fragte ich dann um das Thema mal zu wechseln. “Die kommen gleich” Meinte Tomeu sofort. “Aha” Machte ich nur und legte mich wieder hin.

Rafa legte sein Handtuch neben meins und liess sich darauf nieder. Ich dachte Tomeu legt sich daneben aber der lag auf der anderen Seite neben Juli. Mein Bauch sagte mir immer noch das hier was richtig faul ist nur konnte ich das jetzt nicht sagen. Höchstens auf deutsch, das verstand ja keiner außer Juli. Um die Peinlichkeit noch zur Perfektion zu treiben, zog Rafa sich auch noch aus. Nein, natürlich nicht komplett aber war ja klar, das er nicht in langen Hosen und im Shirt am Strand sitzt. Warum mussten wir auch unbedingt zum Strand gehen?
Ich muss mich ja zwingen wegzusehen sonst fange ich noch an zu sabbern wenn ich Rafa noch lange ansehe. Der Anblick war einfach zu viel für meine Nerven. Das er von oben bis unten durchtrainiert ist sah man ja auch schon bei seinen Spielen aber das er spärlich bekleidet direkt neben mir sass war eindeutig zu viel des Guten. Ich musste mich schon beherrschen nicht zuzugreifen, ich würde mich sehr gerne auf ihn stürzen. Er hatte sich doch ein klein wenig verändert in den sieben Jahren ...zum positiven. Es war nicht so, das ich nur nach Äußerlichkeiten gehe aber nein sagen würde ich trotzdem nicht. Und was das allerschlimmste war, er bildet sich nichts darauf ein! Mir fallen da spontan eine Menge Leute ein die sich anders verhalten würden wenn sie so aussehen würden. Ich möchte die Frau sehen, die bei dem Anblick nicht auf dumme Gedanken kam.
Das konnte ja noch heiter werden! Um nichts unüberlegtes zu tun drehte ich meinen Kopf und sah zu Juli. Im selben Augenblick sah sie mit einem verstohlenen Blick an mir vorbei zu Rafa. Es sah aber nicht so aus als wenn sie gleich sabbert weil Rafa nicht so viel an hat sondern eher als wenn sie gleich im Sand versinkt vor Ehrfurcht. Das könnte interessant werden. Vermutlich hat sie in zehn Minuten schon wieder vergessen was Rafa so macht. Als ich mich von meinen Rafa-Fantasien lösen konnte und wieder zu Juli sah merkte ich erstmal, dass die sich mit Tomeu unterhielt. Auf englisch! Das Juli englisch konnte wusste ich aber seit wann konnte das Tomeu so gut? Ich drehte meinen Kopf wieder und sah zu Rafa. “Seit wann kann der so gut englisch?” ”Du warst nicht die einzige die hier eine Weile weg war. Er war ein Jahr in England” ”Aha” Ich hatte ja offensichtlich doch so einiges nicht mitbekommen. Ein bisschen erschreckend war es schon wie sich Tomeu um Juli bemühte. Er wusste leider das die Frauen auf ihn stehen und nutzte das auch gerne mal aus.
In dem Punkt scheint er sich jedenfalls nicht geändert zu haben wie es aussah. Der war das glatte Gegenteil zu Rafa. Ist doch schön, wenn sich wenigstens meine Freundin amüsiert. Mit Rafa war es irgendwie ein bisschen verkrampft. Wir hatten uns nichts zu sagen oder besser, fanden keinen Anfang. War auch blöd wenn Tomeu gleich daneben sitzt irgendwas privates aufzurollen. Das war was neues, früher hatte ich keine Probleme gehabt Rafa in irgendein Gespräch zu verwickeln. Das war aber mal, inzwischen leben wir komplett unterschiedlich und haben daher keine Gemeinsamkeiten oder wenn doch dann weiss der andere es nicht. Dieses lockere, unbeschwerte Gefühl von früher vermisste ich jedenfalls. Vielleicht laufe ich ja auch einer Illusion nach und benutze Rafa als Projektionsfläche für die schöne Vergangenheit.

Als Juli mit Tomeu unter lautem Gekicher ins Meer verschwand war ich mit Rafa alleine. Die schienen sich ja prächtig zu amüsieren, ich wünschte ich könnte das von mir auch behaupten. So richtig wollte ich nicht mit Rafa alleine sein. Ich liess meinen Blick zur Seite wandern, Rafa hatte wohl die gleiche Idee, da sich unsere Blicke trafen. Das gefiel mir gar nicht, da werde ich nur nervös. Da fragte ich mich doch gleich wieder wieso wir hier alleine waren. “Liege ich richtig in der Annahme, dass niemand mehr kommt?” Das war mehr eine Feststellung von mir als eine Frage.
“Sí” Kam es vorsichtig von Rafa. Ich sah wieder zu Juli und Tomeu, die eben wie kleine Kinder im Meer planschten und zählte eins und eins zusammen. “Tomeu wollte unbedingt deine Freundin sehen, er nervt mich schon seit einer Woche damit. Ich hatte nur deine Nummer nicht... bis gestern” Schön das Rafa gleich freiwillig damit rausrückte und ich ihn nicht erst fragen musste. So langsam bekam ich Wut. Tomeu benutzt Rafa als Lockvogel damit er sich an meine Freundin ranschmeißen kann und Rafa macht da auch noch mit! Ich fühlte mich ein wenig verarscht, dass musste ich echt nicht haben!
Dann soll er doch sagen das Tomeu scharf auf Juli ist und nicht so was scheinheiliges inszenieren. Blieb nur die Frage warum Rafa dann auch mit hier her gekommen ist. Er hätte ja nur eine Ausrede erfinden müssen und hätte Tomeu hier alleine auftauchen lassen. Soll ich jetzt auch noch dankbar sein das er überhaupt gekommen ist? Zweifelsohne wäre ich ja sonst das fünfte Rad am Wagen gewesen. Je länger ich darüber nachdachte um so weiter sackte meine Stimmung ab. Rafa gehört nicht zu den Menschen die gerne Spielchen spielen, dachte ich zumindest.
“Wenn das so ist kann ich ja jetzt gehen, der Plan ging ja offensichtlich auf” Ich schluckte meinen Frust runter und begann meine Sachen einzupacken. Rafa blieb mit einem betretenen Gesicht auf seinem Handtuch sitzen und sagte nichts bis zu dem Moment als ich aufstand und mein Handtuch zusammenfaltete. “Willst du wirklich gehen?” Wieso fragt er noch so blöd? War doch eindeutig wenn ich alles einpacke das ich gehe oder nicht? ”Sieht wohl so aus” Sagte ich mehr zu mir selbst und lief los. “Diana!” Was wollte er denn noch? Ich lief weiter ohne mich umzudrehen, der kann mir gestohlen bleiben!

Ich war schon fast am Auto als ich merkte, das jemand hinter mir her lief. Viele Personen kamen da aber nicht in Frage, Juli oder Tomeu konnten es nicht sein, die waren bekanntlich noch im Meer. “Diana” Ich lief weiter ohne mich umzudrehen. Rafa lief ein paar Sekunden später an mir vorbei und blieb stehen. Da er mir den Weg versperrte, musste ich wohl oder übel stehen bleiben. “Was ist denn los mit dir?” Fragte er und fuchtelte mit den Armen damit ich nicht an ihm vorbei konnte. Ich zuckte mit den Schultern und spielte die ganz Coole. “Nada, was soll sein?” Fragte ich schnippisch zurück.
”Du bist so gereizt und irgendwie komisch drauf” ”Ach was, das bildest du dir ein” ”Wir haben uns vielleicht länger nicht gesehen aber das bilde ich mir ganz sicher nicht ein” Ich rollte mit den Augen und verschränkte meine Arme vor dem Bauch.
“Darf ich keine schlechte Laune haben?” Ganz kurz huschte ein Lächeln über sein Gesicht aber es sah eher verzweifelt aus. “Ich hoffe es liegt nicht an mir” Ich zog ein übertrieben affektiertes Lächeln obwohl mir wirklich nicht danach war.
“Ach was, bilde dir nur nichts ein. Du hast ja nichts gemacht, no?” Als nächstes versteinerte sich sein Gesicht und er ging mir plötzlich aus dem Weg. Das ernste Gesicht gefiel mir gar nicht, das breite Lächeln stand ihm eindeutig besser. War er jetzt persönlich beleidigt? Und wenn schon, mir doch egal!

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