22 November 2009

Chapter 18

Als eine Hand an meinem Arm war, erschrak ich und schlug ich um mich zur Verteidigung. Was will der jetzt noch? “Diana, ich bin es“ Ich schnappte nach Luft und sah Rafa vor mir knien. Er hielt meine Hände fest und sah mich besorgt an. “Was hat er gesagt?” Ich sah zur Seite und schniefte. “Das er mich nicht mehr sehen will” Rafa setzte sich neben mich und umarmte mich. Ich lehnte mich an ihn und schloss meine Augen. Mal wieder war Rafa zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein paar Tränchen flossen auch noch, das war zu viel alles.
Wenigstens kann mir nichts passieren wenn Rafa hier ist. In dem Moment war ich echt froh das er hier ist, es war gut zu wissen das ich mich in seinen Armen gehen lassen kann. Obwohl wir uns länger nicht gesehen hatten, änderte sich nichts daran das ich ihm blind vertraue. Bei Alex war ich mir da inzwischen nicht mehr so sicher, das er so ausrasten kann war mir neu und machte mir auch ein bisschen Angst. Wer weiss wozu der noch fähig ist. “Es tut mir leid wie das gelaufen ist” Erstmal sagte ich nichts. Als seine Hand über meine Wange strich wurde ich aber wieder daran erinnert wozu Alex fähig ist.
Ich hielt seine Hand fest und verzog mein Gesicht etwas, es tat doch ein bisschen weh. Rafa wurde wohl misstrauisch und lehnte sich nach vorn um meine Wange sehen zu können. “Dios mío! Hat er zugeschlagen?” Ich wich seinem Blick aus und sah nach unten. Irgendwie schämte ich mich dafür das es soweit gekommen war das er zugeschlagen hatte. “Diana, ich habe dich etwas gefragt!” Kam es noch mal nur dieses mal etwas ernster. “Wahrscheinlich habe ich das verdient” Murmelte ich leise und weigerte mich ihn anzusehen. Rafa liess mich los und sprang auf. Oh nein, bitte nicht! Was hatte der vor? Ich will nicht das er sich jetzt mit Alex anlegt, das bringt doch keinem was! Ich hatte aber keinen Nerv um mich jetzt darum zu kümmern.

Das von mir befürchtete laute Geschreie blieb dann aber aus. Rafa erschien ein paar Minuten später mit Eiswürfeln in einem Wischtuch und setzte sich wieder neben mich. “Habe dir was mitgebracht” Ein kurzes Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. “Gracias auch wenn's nicht viel nützen wird” Vielleicht kriege ich ja jetzt noch Frostbeulen im Gesicht, was soll's. Ich sah ihn dann wieder an und versuchte rauszufinden was er jetzt eben von Alex wollte.
“Was hast du gemacht? Ich meine von Eiswürfel holen abgesehen” Fragte ich dann nach da mir sein Blick nichts verriet. “Ich habe ihn rausgeschmissen” ”Was?” Fragte ich mit großen Augen etwas überrascht. “Sí, ich habe ihm gesagt das er eine halbe Stunde hat um sein Zeug zu packen und von hier zu verschwinden” ”Und wo soll er hin?” ”Mir doch egal, meinetwegen soll er am Strand schlafen. Ich kann ihn unmöglich hier dulden wenn er zuschlägt. Das ist echt das letzte” ”Sí aber musstest du ihn gleich rauswerfen?”
Im nächsten Moment verfinsterte sich sein Gesicht. “Findest du es etwa ok das er zuschlägt? Dir ist schon klar das so was zu Körperverletzung zählt no?” ”Rafa, jetzt lasse mal die Kirche im Dorf! Ich werde es überleben!” ”Wer weiss was der noch anstellt. Macht der so was öfters?” Das meinte er jetzt nicht Ernst oder? “Was glaubst du denn? Natürlich nicht, ich lasse mir doch so was nicht bieten von ihm” Ich sagte erstmal nichts weiter aber als Alex tatsächlich Minuten später mit seinem Koffer die Treppen nach unten kam wurde mir klar, das Rafa das Ernst gemeint hatte. Ohne etwas zu sagen verschwand Alex mit einem lauten Türknallen. Ich sah etwas deprimiert auf den Boden und versuchte das alles zu begreifen. Ich fühlte mich wie im falschen Film!
“So ein Trottel! Der hat dich gar nicht verdient” Kam es nach ein paar Minuten schweigen von Rafa. Ich hob meinen Kopf wieder und sah ihn an. “War ja klar das dir das wieder alles so passt. Wegen dir ist es doch erst soweit gekommen, du bist doch Schuld an allem! Du wolltest doch sowieso das er verschwindet damit du freie Bahn hast bei mir” Erst verfinsterte sich sein Blick bevor er aufsprang und verschwand. Oh nein! Ich schaffte es auch echt alles zu vermasseln.

Ein paar Sekunden später stand ich auf und lief ihm nach. Erst lief ich Alex hinterher und jetzt Rafa, es war verrückt alles. Rafa stand oben im Flur und starrte an die geschlossene Badtür. Ich blieb neben ihm stehen und suchte die passenden Wörter. Ich hatte nicht vor Rafa so zu provozieren wie ich das mit Alex gemacht hatte. Alex war mir eben egal, Rafa nicht. “Es tut mir wirklich leid, ich habe das nicht so gemeint” Sagte ich leise und sah ihn zerknirrscht an.
Da er mich weder ansah, noch mit mir redete, stellte ich mich vor ihn das er mich zumindest ansehen musste. “Ich will dir nicht die Schuld zuschieben, ich weiss das ich selbst Schuld daran bin wie das aufgeflogen ist. Ich ähm, bin nur etwas durcheinander, das war bisschen viel alles” Immerhin hellte sich sein Gesicht etwas auf. “Ich kann verstehen, das du durcheinander bist, das geht mir auch so. Ich weiss das ich Schuld daran bin wie das alles hier gelaufen ist, ich wusste doch auch nicht was ich machen soll!”
Ich sah ihn betreten an und kaute auf meiner Unterlippe. Er machte einen Schritt in meine Richtung bevor er mich wieder umarmte. Ich schlang meine Arme um seine Hüften und zog ihn an mich. Ich war echt froh das Rafa hier war und mich tröstete, alleine würde ich jetzt durchdrehen. Seine Umarmung tat richtig gut, ich könnte mich daran gewöhnen. Irgendwie konnte ich nicht glauben was alles passiert war innerhalb der letzten beiden Tage. Es ging so schnell alles. Vor knapp einer Woche war ich mit Alex nichts schlimmes ahnend hier her gekommen um Urlaub zu machen und jetzt tröstet Rafa mich. “Was ist denn hier los?” Ich schlug meine Augen wieder auf und sah zur Seite. Juli und Tomeu starrten uns total entgeistert an.
Rafa lockerte seine Umarmung etwas, liess mich aber nicht los. “Wo ist Alex?” Fragte Juli da keiner von uns etwas sagte. Rafa sah mich mit einem fragenden Blick an als wenn er mich fragt ob er sagen kann was passiert ist. Ich nickte ihm leicht zu und machte ein ernstes Gesicht. “Er ist weg” Meinte Rafa dann nur. Die Gesichter von Juli und Tomeu wurden immer verwirrter. “Wie er ist weg? Wohin ist er denn?” Fragte Juli weiter mit aufgerissenen Augen. “Ist mir egal” Ich sah schon das sie immer noch nicht hinterher kam. “Er hat zugeschlagen, ich habe ihn rausgeschmissen” Es entstand eine merkwürdige Stille. Ich weiß nicht ob sie mitbekommen hatten was im Wasser los war, wahrscheinlich nicht.
Daher konnten sie sich keinen Reim darauf machen was hier los war. Vielleicht waren sie auch so schockiert weil Rafa mich umarmte und gar nicht daran dachte mich loszulassen.

Um ein für alle mal Klarheit zu schaffen gingen wir nach unten. Vielleicht sollten wir Juli und Tomeu einfach mal auf den aktuellen Stand bringen. Ich hoffe nur, das die nicht die moralische Keule über uns schwingen, dann drehe ich noch durch. Rafa versuchte mehr oder minder deutlich zu machen wie es zu dem Kuss im Wasser gekommen war und zu der anschließenden Reaktion von Alex. Die Gesichter von Juli und Tomeu waren einmalig.
Erstmal sagte keiner was, ich hatte sowieso schon länger kein Wort mehr gesagt. Auch wenn Tomeu und Juli unsere Freunde sind, das war schon unangenehm. “Und dann?” Fragte Juli weiter. “Ist er total ausgeflippt und hat zugeschlagen” Sagte ich leise. Sie schüttelten beide leicht ungläubig mit dem Kopf. “Ich will ja nicht neugierig sein aber warum macht ihr so was? Erst verschwindet Marina und heute Alex, hättet ihr das nicht anders machen können wenn ihr schon nicht die Finger voneinander lassen könnt?”
Ich sagte nichts mehr und fühlte mich wie ein Kleinkind, das etwas angestellt hat und jetzt Ärger bekommt. Kurz sah ich zu Rafa, der machte auch ein betretenes Gesicht. Können wir was dafür das wir unsere Gefühle nicht im Griff haben? Da wir nichts sagten, standen sie wieder auf und gingen nach oben.

Wir blieben erstmal schweigend sitzen. “War wohl nix” Ich sah zur Seite, Rafa lächelte ja schon wieder! Ich lehnte mich nach hinten bis ich schon fast lag, Rafa hockte ja noch auf der Kante und sah nach unten auf den Teppich. Ich legte eine Hand an seinen Rücken und zog an seinem Shirt, das er sich nach hinten lehnt. Als er das tatsächlich tat, rückte ich näher zu ihm und umarmte ihn. Natürlich machte ich mir Gedanken, wie es jetzt weiter geht.
Es würde mich wundern wenn Alex sich wieder einkriegt. Was mich ein bisschen erschreckte war das es mir irgendwie gar nicht viel ausmachte das er weg war. Erst dachte ich immer ich würde die Krise kriegen wenn wir uns trennen und dann erstmal ein paar Tage total durchhängen. Daher hatte ich mich auch so gesträubt mit ihm über Rafa zu reden weil ich Angst hatte vor seiner Reaktion. Erstaunlicherweise war es mir fast total egal.
Rafa fing mich auf und wenn er mich umarmt ist es mir sowieso egal was andere tun, ich fühle mich total wohl in seiner Nähe. “Bereust du das?” Ich hob meinen Kopf und sah ihn an. “No, das war es wert. Wäre doch sowieso irgendwann rausgekommen. Es hätte nur nicht gleich so dramatisch ausfallen müssen” Ich sah schon, das der Satz seine Wirkung nicht verfehlte, das es das wert war ging bei ihm sicher runter wie Öl. “Du hättest dich ja von mir fern halten können. Ich hätte das akzeptiert” Das Lächeln gefiel mir gleich viel besser! “Ich kann mich nicht von dir fernhalten auch wenn ich will nicht” Wenigstens konnte ich das jetzt ohne jegliche Schuldgefühle sagen.
Alex hielt mich irgendwie davon ab offen zu sagen was ich will. Wegen ihm redete ich mir selber ein, das ich glücklich war. Ich wollte mir selbst nicht eingestehen das ich Rafael Nadal will und nicht Alex.

Ich dachte das ich vorerst ungeschoren davon komme aber auf meine beste Freundin Juli war wie immer verlass. Kaum das ich mal kurz alleine war passte sie mich in der Küche ab. Eigentlich wollte ich nur was trinken und sah aus dem Augenwinkel zu ihr. “Was?” Fragte ich dann noch da sie mich eigenartig ansah. Sie zuckte mit den Schultern und verzog ihr Gesicht. “Ach nichts, es scheint nur das totale Chaos ausgebrochen zu sein und ich komme nicht so schnell hinterher”
Ich dachte, es gibt sowieso kein entkommen vor einem Gespräch dieser Art also warum nicht sofort? “Welchen Teil hast du denn nicht verstanden?” Fragte ich während ich mich ihr gegenüber an den Tisch setzte. Sie sah kurz zur Tür ob wir alleine waren. Das hätte sie sich auch sparen können wenn sie mich auf deutsch anspricht, Rafa und Tomeu verstehen davon kein einziges Wort. “Wie kann es sein, das du dich total gehen lässt während Alex nichts schlimmes ahnend am Strand liegt?”
Kurz sah ich nach unten, meinte sie etwa den Kuss? “Ich weiss nicht genau, hat sich eben so ergeben” Offenbar hatte ich sie jetzt völlig verblüfft. “Die Ausrede muss ich mir merken!” ”Das ist keine Ausrede!” ”Das ist absolut irre! Hast du geglaubt das Alex nichts merkt? Ich will mich nicht aufregen aber das war ziemlich blöd” Ich rollte mit den Augen und hoffte, das wir das nur einmal durchkauen müssen. ”Mir ist selbst klar, das es daneben war. Ich habe nicht nachgedacht” ”Wenn ich dich nicht kennen würde, käme ich zu dem Schluss das du das absichtlich gemacht hast um Alex los zu werden. Das Rafa in der Beziehung schräg drauf ist war mir bekannt aber das du da mitmachst!” ”Ich weiss wie das aussieht, so war das alles nicht geplant aber ich konnte nicht nein sagen” ”Vielleicht war's ja ganz gut so, wer weiss was noch alles passiert wäre. Ich meine erst verschwindet Marina ohne ein Wort und jetzt Alex. Das war ja auch echt ein starkes Stück wenn er dich mit Rafa gesehen hat” ”Ich kann's leider nicht mehr rückgängig machen” ”Würdest du das wenn du es könntest?” Ich sah ausweichend nach unten und dann wieder zu ihr.
“Willst du eine ehrliche Antwort?” ”Also nein. Ich hoffe das ganze lohnt sich am Ende auch für dich. Ich gehe mal davon aus das Rafa dich gerne tröstet. Zumindest dürften ihm die neuesten Entwicklungen gelegen kommen” ”Er ist doch sowieso an allem Schuld. Diese ganze beschissene Idee mit dem Urlaub hier kam doch von ihm” Sie schüttelte erst langsam mit dem Kopf und rollte dann mit den Augen. “Da haben wir ja den Schuldigen gefunden. So richtig traurig scheinst du aber nicht zu sein weil Alex weg ist” Ich trank einen Schluck und sah sie ernst an.
“Er hat mir angeboten mit nach Mallorca zu kommen” Im nächsten Augenblick entgleisten ihre Gesichtszüge wieder. ”Was?” ”Er hat mir das schon angeboten als wir noch in Deutschland waren” ”Obwohl er zu dem Zeitpunkt noch mit Marina zusammen war? Der muss ja echt verzweifelt gewesen sein! Und was machst du?” ”Ich fliege mit dir nach Hause. Ich muss erstmal alles klären” ”Du lässt dir die Chance auf zwei Tage mit Rafa entgehen?” Ich rollte nur genervt mit den Augen. “Ok, bin schon ruhig” Schob sie gleich noch hinterher.
Nach ein paar Sekunden wurde ich aber wieder nachdenklich. “Ich wollte das wirklich nicht. Vor einer Woche bin ich hier her gekommen um Urlaub zu machen und jetzt bin ich meinen Freund los und bin mir nicht im Klaren was ich von Rafa genau will” Vorsichtig erschien ihr Lächeln wieder. “Ich habe nicht den Eindruck, dass du nicht weißt was du von ihm willst” “So einfach ist das nicht” “Ich hätte nicht gedacht das ich das jemals sagen würde aber vielleicht solltest du ihm einfach eine Chance geben. Nach dem zu urteilen was er alles gemacht hat in den letzten Tagen scheint ihm allerhand an dir zu liegen. Ich meine, er hat theoretisch in Kauf genommen das sie zur Presse rennt und auspackt”

Ein paar Vorwürfe machte ich mir schon. Es wäre nie dazu gekommen wenn ich Rafa gestern nicht genötigt hätte mir zu sagen was er will. Es hatte bisher auch so schön geklappt das ich meine Gefühle unterdrückt habe. Das war ja jetzt nicht länger nötig. Wie wird das denn jetzt mit Alex? Soll ich tut als wäre nichts und praktisch von jetzt auf gleich mit Rafa zusammen sein?
Das geht doch nicht! Was mich viel mehr beschäftigte war wo ich wohnen soll. Der Mietvertrag lief auf den Name von Alex und nachdem Rafa ihn eben hier rausgeschmissen hat wird der sich gerne revanchieren und mich aus seiner Wohnung schmeißen. Sicher könnte ich die erste Zeit bei meinen Eltern unterkommen, die wohnten ja nicht weit weg. Die würden auch große Augen mache wenn ich sage das Alex sich von mir getrennt hat. Wenn die erfahren das Rafa hinter allem steckt, flippen die aus. Die sagen sicher wieder das ich aufhören soll mich an Rafa zu klammern weil er so weit weg wohnt und es sowieso keinen Sinn hat.
Mir fiel gleich wieder die Aktion von Rafa ein als er mich anrief als wir in Palma am Flughafen waren. “Warum hast du mich damals angerufen als ich schon in Palma war am Flughafen?” Rafa sah zu mir und zog ein vorsichtiges Lächeln. “Das Thema hatten wir doch schon!” ”Weiss ich aber du redest dich ja immer raus” ”Also schön, ist ja jetzt sowieso egal. Wenn du es unbedingt hören willst. Ich wollte nicht das du gehst. Als ich im Hotel war und die gepackten Koffer sah, wurde mir klar, das es zu spät ist. Ich meine, ich wusste doch das du einen Freund hast und nicht einfach so da bleiben würdest” ”Ich frage mich echt wie das jetzt werden soll” ”Ich fahre Übermorgen zurück nach Manacor. Wenn du willst kannst du mitkommen, ich habe aber nur zwei Tage Zeit da ich dann nach Madrid muss” ”Mhh, ich glaube nicht das das nötig ist, vorerst kann ich sicher auch zu meinen Eltern ziehen. Die werden echt begeistert sein wenn die mich wieder am Hals haben” ”Hast du dann noch Urlaub oder musst du in drei Tagen wieder Arbeiten?” ”No, ich habe dann noch zwei Tage Urlaub, muss ja meine Klamotten alle noch waschen” ”Willst du wirklich nicht mitkommen nach Mallorca? Nach Hause fliegen kannst du auch von Palma aus und jetzt ist sowieso keine Hauptsaison also sollte es freie Flüge geben”
Ein bisschen schmunzeln musste ich schon bei der Vorstellung, es klang schon sehr verlockend. “Höre auf mich auf solche Ideen zu bringen!” Sagte ich ernst, musste dann aber doch lächeln. “War nur ein Vorschlag” ”Es ist nicht so das ich nicht will aber ich muss erstmal alles klären. Schämst du dich eigentlich gar nicht?” ”Warum?” ”Na den einen Tag trennst du dich von deiner Freundin und am nächsten Tag bietest du mir an mit nach Mallorca zu kommen” ”Es ist ja nicht so, das ich dich erst seit einer Woche kenne” ”Trotzdem! Wie sieht das denn aus?” ”Das ist mir total egal, ich kann nicht ständig auf andere Rücksicht nehmen. Das lief eben dumm mit Marina, es ist ja nicht so das sie mir total egal ist aber ich kann es nicht ändern. Je länger du hier warst umso klarer wurde mir das ich sie nicht liebe” Der Vorschlag war schon extrem verlockend, ich könnte zwei Tage lang abtauchen und meinen Problemen aus dem Weg gehen.
Ich sagte Rafa erstmal nicht was ich davon halte mit nach Mallorca zu fahren und sagte ich müsste erst nachdenken darüber. Erstmal nahm mich Juli in die Mangel. Die konnte es kaum glauben, die Ereignisse überschlugen sich ja förmlich seit gestern. Natürlich nutzte sie wieder die Gelegenheit um mir zu sagen das sie ja schon länger dache, das ich wieder schwach werden würde wenn Rafa es versucht. Warum er so eine Anziehungskraft auf mich hat weiss ich auch nicht, ich würde am liebsten Rund um die Uhr in seiner Nähe sein.

Vorerst sah ich Rafa ja auch noch, wenn auch unter anderen Umständen als vor einer Woche. Es war schon eine verrückte Konstellation hier. Juli und Tomeu wussten gar nicht wie sie tun sollten, das war schon etwas peinlich teilweise. Auf der anderen Seite dann Rafa, der nicht so begeistert aussah und mein Gesicht war sicher nicht viel besser. So richtig deprimiert war ich aber gar nicht. Nichts mit tagelangem Heulen und endlosen Selbstvorwürfen.
Juli bot mir ja auch eine gute Show zur Ablenkung. Die konnten sich beim Essen gerade so beherrschen. Da wir ja jetzt wenn auch ungeplant zwei Personen weniger waren hatten wir die Sitzordnung ein wenig verändert. Juli sass neben Tomeu und Rafa neben mir, ich hätte mich auch neben Tomeu gesetzt aber wenn Juli auf der anderen Seite sitzt, dann springt irgendwann einer über den Tisch weil die keine Sekunde getrennt sein können.
Es war aber auch so peinlich genug, sie machten zwar nichts weiter aber die Blicke die sie sich gegenseitig zuwarfen waren schon eindeutig. Ich konnte ja auch nicht ständig wegsehen auch wenn ich mir Mühe gab. Irgendwann konnte ich soviel Glück aber nicht länger ertragen und räusperte mich laut. Prompt sahen dann auch alle zu mir.
“Nichts” Sagte ich nur und trank einen Schluck Wein. Als hätten sie nur darauf gewartet, verschwanden die Turteltäubchen in Windeseile auf ihr Zimmer.

Eine Weile herrschte dann schweigen. Ich sah aus dem Augenwinkel zur Seite und sah schon das Rafa mühe hatte nicht laut zu lachen. “Lasse es ruhig raus” Sagte ich ernst. In der nächsten Sekunde sah er zu mir und zog das umwerfende Lächeln. “Ist Juli immer so?” ”Es liegt an Tomeu” ”Findest du nicht auch das die ein kleines bisschen Übertreiben?” ”Liegt vielleicht daran das die selbst nichts mehr mitkriegen weil überall so ein rosa Schleier davor ist” ”Das macht mir Angst!” Spätestens jetzt musste ich auch kichern.
“Warum? Weil du dich selbst auch mal so zum Deppen machen könntest? Falls es dich beruhigt, die betreffenden merken in dem Moment nicht das sie sich zum Deppen machen aber das muss ich dir ja nicht erklären no?” ”No, du hast mir ja vor Jahren als lebendes Beispiel gedient” Oh nein, jetzt fing er damit wieder an! Ja, ich hatte da was dummes getan als wir damals zusammen waren. Rafa ging ja eine Weile lang auf eine Schule in Palma und da blieb er gleich die ganze Woche da und war nur am Wochenende in Manacor. Das hat mir aber nicht in den Kram gepasst weil ich Rafa nicht nur am Wochenende sehen wollte also habe ich eine schlimme Krankheit vorgetäuscht um nicht in die Schule zu müssen und bin dann heimlich nach Palma gefahren.
Natürlich ohne Rafa vorher einzuweihen. Er war aber nicht der einzige, meine Eltern wussten auch von nichts. Die sind total ausgeflippt und haben mir Taschengeld auf Lebenszeit gestrichen. Zum Glück beruhigten sie sich nach einer Weile wieder. Die dachten ich sei übergeschnappt weil ich wegen Rafa nach Palma gefahren bin dabei hatte ich ihn einfach nur vermisst. “Falls du Palma meinst... ich dachte du freust dich mich zu sehen” Sagte ich mit einem Augenrollen. ”Das schon aber du hättest vielleicht deinen Eltern sagen sollen wo du bist. Ich meine, wenn du schon die ganze Woche lang abtauchst” ”Die hätten das sowieso doch nie erlaubt” ”Das kann ich mir vorstellen!” Es waren ja nicht nur meine Eltern, da wo Rafa die Woche über gewohnt hat war man auch nicht begeistert über mein auftauchen.
Zu guter letzt sind die Eltern von Rafa noch ausgeflippt weil die glaubten das er mich dazu angestiftet hat, da hatte ich echt eine Glanzleistung abgeliefert! “Wird nicht wieder vorkommen” Meinte ich dann nur. “Schade, über die Art Überraschung freue ich mich immer” ”Tja, man kann nicht alles haben” Ich sah auf meine Uhr und trank dann den Wein aus. “Ich gehe dann auch mal ins Bett” ”Mhh, wie du meinst” ”Buenas noches” ”Dir auch” Mit einem breiten Lächeln stand ich auf und wollte gehen. “War das schon alles?” Fragte er auch gleich mit hochgezogenen Augenbrauen und einem hoffnungsvollen Blick.
Ich stellte mich direkt hinter seinen Stuhl und legte meine Hände auf seine Schultern. “Was willst du hören?” ”Das weißt du doch” Kam es ohne das er mich ansah. “Sí, darum sage ich es ja auch nicht” Ich drückte ihm einen Kuss auf die Wange und grinste ihn dann breit an. “Außerdem habe ich wahnsinnige Kopfschmerzen” Hing ich feixend noch an. ”So leidend siehst du gar nicht aus. Ich verspreche auch das ich dich in Ruhe lasse” “Das kannst du doch sowieso nicht!” Bevor er mich doch noch überredet, ging ich ins Haus und verschwand in meinem Zimmer.

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