Eben als ich geduscht und mich angezogen hatte, hörte ich schon wieder jemanden nach mir rufen. Man, war ich heute gefragt! “Sí?” Rief ich laut während ich in den Flur lief um nachzusehen was jetzt los war. Ein paar Sekunden später sah ich Rafa die Treppen nach oben kommen. “Du bist ja doch wieder aufgetaucht!” Sein Blick war echt gut. “Hä?” ”Nada, vergiss es. Juli dachte nur du wärst verschwunden. Sie sucht übrigens Marina weil sie einen Dummen zum Gemüse schneiden braucht” Rafa blieb stehen und sah mich eigenartig an.
Wenn ich es nicht wüsste würde ich denken der sieht durch mich hindurch. Ich wunk mit einer Hand vor seinem Gesicht. “Erde an Rafael Nadal, jemand zu Hause?” Er schüttelte mit dem Kopf. “Sorry, ich war nur in Gedanken” ”Du machst mir Angst heute!” Ich wollte in das Zimmer von mir und Alex aber wie ich sah telefonierte er eben. Um ihn nicht zu stören, lief ich zurück ins Bad. Eben als ich mich umdrehte, sah ich das Rafa mir nachlief und eben die Badtür hinter sich schloss. Ich stemmte meine Hände in meine Hüften und schnappte nach Luft.
“Was ist jetzt schon wieder?” Fragte ich mit einem genervten Blick. “Ich ähm, glaube nicht das Marina heute noch hier her kommt” Ich brauchte ein paar Sekunden um das sacken zu lassen. “Warum nicht?” Fragte ich etwas skeptisch. Rafa blieb stehen und sagte gar nichts. Er will mir nicht gerade erzählen das er sie abserviert hat oder? Nein, das konnte und durfte einfach nicht sein! Je mehr Zeit verging umso verwirrender wurden meine Gedanken. “Du weißt schon warum” Kam es nach Minuten dann endlich mal. Das musste ich erstmal verdauen, das er so was macht hätte ich nicht erwartet! Also das er mit ihr Schluss macht schon aber nicht das es so schnell geht.
Ist er jetzt total übergeschnappt? “Du hast mit ihr Schluss gemacht?” Fragte ich ungläubig nach um Gewissheit zu haben das ich nicht eben auf dem Holzweg bin. “Sí” Kam es nur abgeklärt. Das schockte mich echt, er streitet es noch nichtmal ab! Rafa machte auch nicht den Eindruck als wenn er nicht wüsste was er tut oder sagt. Mir fehlten zum ersten mal die Worte, ich wusste nicht was ich davon halten sollte. “Bist du jetzt glücklich?” Er nickte leicht und schien nach den richtigen Worten zu suchen. “Es mag sich hart und egoistisch anhören aber sí, ich bereue nichts” “Wie willst du das den anderen erklären?” ”Gar nicht, ich sage wir haben uns gestritten. Ich werde sicher nicht sagen das es an dir liegt” Oh, da war ich aber beruhigt! Ich war nicht begeistert von dem Gedanke das ich seine Beziehung auf dem Gewissen habe.
Er hat es zwar von selbst alles getan aber am Ende war ich doch der Grund. Hoffentlich erwartet er jetzt nicht von mir das ich auch so eine Verzweiflungstat begehe. “Du erwartest hoffentlich nicht auch so was von mir!” Ich formulierte das schon fast als Drohung. “No, ich will dich nicht unter Druck setzen damit. Mich hat das schon länger gestört, ich brauchte nur einen Grund. Ich erwarte gar nichts von dir. Ich sollte dir noch dankbar sein das du mir einen Grund gegeben hast” Je mehr er sagte umso fassungsloser war ich. Wie kann er denn innerhalb weniger Tage seine Meinung so grundlegend ändern das er keinen anderen Weg sieht als mit ihr Schluss zu machen?
Hat ihn etwa der Kuss vorhin so aus der Bahn geworfen das er Kurzschlussreaktionen hat und unüberlegte Dinge macht? Dabei hatte ich ihm doch ausdrücklich gesagt das er aufhören soll darüber nachzudenken, das Ergebnis sah ich ja jetzt. “Wie hat sie reagiert?” Fragte ich dann weiter da mich das wirklich interessierte. “Kannst du dir ja denken. Nicht begeistert um es mal harmlos zu formulieren. Sie ist etwas schockiert gewesen da sie wohl nicht damit gerechnet hat und dann na ja ist sie ziemlich ausgeflippt” Ja, das kann ich nachvollziehen! “Das glaube ich gleich! Was hast du denn gesagt zu ihr?” ”Nada, nur das wir offensichtlich unterschiedliche Vorstellungen von dem ganzen haben und das ich der Meinung bin das wir getrennte Wege gehen sollten”
Oh Gott, das war ein echter Albtraum! Ich musste erstmal alleine darüber nachdenken. Alex fragte zwar nach was denn plötzlich mit mir los sei aber er war schlau genug dann nicht weiter nachzuhaken. Das machte aber dann Juli. Es dauerte natürlich nicht lange bis sich rumgesprochen hatte was Rafa für eine Glanzleistung vollbracht hat. Das beste waren die Reaktionen.
Juli schnappte nur nach Luft, Tomeu sagte gar nichts und Alex schien nichts mehr zu verstehen. Der kam wohl nicht mehr nach bei den ganzen Verwirrungen. Für mich wurde das ganze auch noch unangenehm, da Juli und Tomeu der Ansicht waren, das ich der Grund bin. Ich hatte aber keine Lust mich hier als Sündenbock hinstellen zu lassen. War auch schon merkwürdig, das meine beste Freundin mir unterstellt, das ich Rafa angestiftet hätte zu dem ganzen. Es passte auch super zusammen. Die glaubt sowieso das ich auf Rafa scharf bin und nur auf eine Möglichkeit gewartet habe Marina loszuwerden. Fragt mich vielleicht auch mal jemand bevor sich alle ihre Meinung bilden? Es nutzte alles nichts, Juli blieb bei ihrer Behauptung, ich konnte vorerst nichts dagegen tun.
Tomeu tutet sicher mit in das selbe Horn aber der war sowieso auf ihrer Seite. Vermutlich entwerfen die zusammen Verschwörungstheorien, mit denen sie mich dann konfrontieren. Alex merkte noch immer nichts davon, der wunderte sich nur noch. Es war ja auch seltsam für Außenstehende. Keiner bekommt mit das sich Rafa und Marina streiten und dann serviert er sie scheinbar aus heiterem Himmel ab.
Selbst als wir schon längst im Bett lagen schien Alex sich noch zu fragen was das alles zu bedeuten hatte. “War ja echt ein ereignisreicher Tag heute” ”Kannste laut sagen!” Ich dachte dabei aber auch mit an den Kuss. Ein schlechtes Gewissen hatte ich schon obwohl es das wert war. “Macht der immer so verrücktes Zeug?” ”Nein, im Gegenteil, es passt gar nicht zu ihm. Ich weiss nicht was in ihn gefahren ist” ”So was muss man erstmal bringen. Die meisten Leute warten doch mit so was bis es mal zum Streit kommt und man sich dann im Eifer des Gefechts alle Bosheiten an den Kopf wirft” ”Es stört ihn das sie zu sehr klammert. Beziehungsweise das keiner gefragt hat was er eigentlich will” ”Ja aber wieso war er dann mit ihr zusammen?” ”Was weiss ich denn! Lange Weile vielleicht oder weil alle anderen auch eine Freundin haben?” ”Woher wusstest du das überhaupt? Hat er dir das erzählt?” ”Ja, heute Nachmittag” ”Du wusstest das vorher schon?” ”Ja aber er hat mir nicht erzählt, das er sich ein paar Minuten später von ihr trennt, ich konnte das ja nicht riechen” Er schüttelte nur mit dem Kopf.
“Komische Freunde hast du!” Da musste ich auch gleich lachen. “Gracias!” Wo er Recht hat, hat er Recht! “Vielleicht ist es ja doch nicht gut wenn man zu viel Tennis spielt” Ich musste gleich noch mehr lachen. Alex hatte so eine Art an sich so was total trocken zu sagen, da könnte ich schreien vor lachen. “Sage ihm das doch mal, das glauben nämlich alle” ”Nee, lieber nicht, wer weiss wozu der noch fähig ist” ”Liegt vielleicht an Wimbledon, das ging sicher über die Nerven” ”Du hast Olympia und Roland Garros noch vergessen. Gibt's eigentlich noch was das er nicht gewonnen hat?” ”US Open und Australian Open zum Beispiel um jetzt nur das wichtigste zu erwähnen” ”Beruhigend zu wissen, das noch Spielraum ist nach oben” ”Das allerschlimmste was passieren könnte ist das er alle vier Grand Slam Turniere im selben Jahr gewinnt. Das wäre mit dem Urknall vergleichbar”
Inzwischen kriegte Alex sich auch kaum noch ein vor lachen. “Dann hoffen wir das es nicht dazu kommt. Ich will mir auch nicht ausmalen was er dann erst irres anstellt” ”Wird es auch nicht. Ich zweifle ja nicht an seinem Talent aber das wäre echt mehr als Glück” ”Dann solltest du froh sein, das ich kein Tennis spiele, sonst müsstest du auch so was ertragen” ”Mhh, kann sein“ Ich zog es vor nicht näher darauf einzugehen sonst komme ich möglicherweise noch in Versuchung zu erwähnen das Rafa auch anders kann wenn er will.
Tennis würde ich sehr gerne in Kauf nehmen wenn es Rafa nur mit Tennis gibt. Ich tat so als sei ich müde um weiteren Fragen zu entgehen. Schließlich hatte ich schon verraten das ich vorher von dem ganzen wusste. Ich wollte nicht das er unnötig Verdacht schöpft. Führte ich ihn an der Nase rum? Kann sein aber ich hatte keine Lust auf noch mehr Ärger. War vielleicht auch ein bisschen feige von mir aber das ist mir eben egal. Im Gegensatz zu mir schlief Alex dann aber wirklich. Ich konnte nicht einschlafen und wälzte mich von einer Seite auf die andere.
Da es nichts wurde und ich ihn nicht wieder wecken wollte, stand ich vorsichtig wieder auf. Bei der Gelegenheit kann ich ja auch gleich noch runter gehen und was trinken. Ich schlich im Dunkeln den Flur entlang und ging nach unten.
Als ich in die Küche kam und das Licht wie von Geisterhand an ging, bekam ich fast einen Herzinfarkt vor Schreck! Ich drehte mich blitzartig um und sah Rafa in der Tür stehen. Kurz musste ich mich erholen. “Oh Gott, bist du verrückt geworden mich so zu erschrecken!?” Er zog ein vorsichtiges Lächeln und kam näher. “Das sollte ich dich eher fragen. Ich komme nichts ahnend die Treppen nach unten und sehe hier einen Schatten im Dunkeln entlang huschen” ”Ich wollte nur was trinken und dachte es ist nicht nötig erst Licht anzumachen” ”War wohl nix. Ich dachte schon hier gibt's Einbrecher oder so was”
Ich holte ein Glas aus dem Schrank und goss mir Wasser ein. “Was machst du überhaupt hier?” ”Ich konnte nicht einschlafen” ”Das wundert mich nicht. Bereust du schon irgendwas? Falls ich es wagen darf die Frage zu stellen” Sein Lächeln wurde langsam breiter. “No, ich bereue nichts” Gut, nach seinem Lächeln zu urteilen stimmte das direkt mal, da war ich beruhigt. Ich trank einen Schluck und machte ein gefasstes Gesicht. “Wenigstens etwas!” ”Worüber ich nur vorher nicht nachgedacht hatte war wie meine Eltern oder Maríbel reagieren werden” ”Oh, wenn du Glück hast glauben die das du verrückt geworden bist” Kurz lächelte er wieder so breit. “Ich habe keine Ahnung wie die reagieren. Es ist ja nicht so das jemand damit gerechnet hätte” ”Mhh, vielleicht glauben die du hast vorübergehende Anwandlungen und überlegst es dir noch mal anders in ein paar Tagen” Das war auch meine Meinung aber so konnte ich die Aussage geschickt verpacken.
“No, ich stehe dazu, es gibt kein zurück mehr. Es ist ja nicht so das sie mir total egal ist. Mir ist durchaus klar, das sie mich wohl jetzt am liebsten umbringen würde aber ich habe mir das gründlich überlegt. Mir ist klar, dass meine Eltern nicht begeistert sein werden” “Warum?” ”Weil die nicht verstehen werden warum ich nicht mehr mit ihr zusammen sein will. Meiner Mutter vergöttert sie, die träumt wohl schon von einer Hochzeit und ist der Meinung das sie perfekt zu mir passt. Das geht so weit, das ihre Eltern zu meinen kommen und dann machen die einen auf happy family” Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich Rafa ja verstehen. In Spanien war das eine andere Sache mit dem Familienzusammenhalt und so wie er das darstellt war eine Verlobung ja nur noch Formsache zumindest vom Standpunkt seiner Eltern aus gesehen..
“Was würde passieren wenn du es sagst?” Die Frage hätte ich auch anders stellen können denn der Fall war ja bereits eingetreten. “Meine Mutter flippt total aus. Die freut sich immer so Marina zu sehen das ich es mich kaum traue ihr die Wahrheit zu sagen” So langsam war mein Verständnis am Ende. “Man Rafa, wie alt bist du? Fünf Jahre? Die müssen das dann eben akzeptieren, es ist dein Leben nicht das deiner Eltern” ”Du kennst doch meine Eltern!” “Sí aber die beruhigen sich auch wieder. Ich kann verstehen das du Stress vermeiden willst da du sie nicht so oft siehst aber irgendwann kommt es doch sowieso. Du wirst dich kaum von Marina trennen können und dann noch darauf hoffen können das alle happy sind”
Mir schoss da so ein ganz unbequemer Gedanke durch den Kopf, Rafa war ja nicht irgendwer. “Hast du mal daran gedacht, das sie zur Presse geht?” Ich sah schon wie sich sein Gesicht versteinerte. “No, sie wollte noch nie was mit den Medien zu tun haben. Ich glaube nicht, das sie sich so was traut. Damit würde sie nicht nur mir in den Rücken fallen, die könnte sich nie mehr sehen lassen in Manacor wenn die so eine Nummer bringt” Gut, da hatte Rafa Recht, sie wäre dann sicher bei einigen Leuten unten durch wenn sie eine öffentliche Schlammschlacht anzettelt.
Ich sah nach unten und dachte nach. Es entstand eine etwas peinliche Stille zwischen uns. “Ich ähm, also es tut mir leid, das ich dich da mit reinziehe. Wahrscheinlich glaubt Tomeu das es ein abgekartetes Spiel zwischen dir und mir ist” ”Sí, könnte man so formulieren aber ich werde es überleben” Antwortete ich mit einem vorsichtigen Lächeln. “Ich will nur nicht das du wegen mir auch noch Stress bekommst” ”Alex muss es ja erstmal nicht wissen falls du das meinst auch wenn ich mich damit nicht wirklich wohl fühle” ”Wie du meinst, es ist deine Entscheidung. Obwohl es mir schwer fällt bleibt mir keine andere Wahl als zu akzeptieren das du mit ihm zusammen bist”
Warum musste er jetzt wieder mit dem Thema anfangen? Darüber war doch alles gesagt und ich will nicht diskutieren. “Bueno, also ich gehe dann mal wieder” ”Bis morgen dann”
Ich wollte gehen doch er hielt mich plötzlich am Ellenbogen fest, so das ich stehen blieb und ihn wieder ansah. Rafa stand direkt vor mir und sah in meine Augen. Ich schluckte erstmal und wäre am liebsten gleich geflüchtet. Das war mir alles zu gefährlich! Ich komme nur in Versuchung unüberlegte Dinge zu tun. Leider fiel es mir immer schwerer meine Gedanken auf Alex zu konzentrieren, der Blick von Rafa war zu einladend.
Ganz leicht begann ich zu schwitzen, es knisterte doch spürbar zwischen uns. Ich könnte mich in seinen Augen total vergessen. Das er langsam näher kam störte mich nicht, eher im Gegenteil! Je näher mir Rafa kam, umso schneller wurde mein Puls. Ich konnte mich dann einfach nicht länger zurückhalten und umschlang ihn während ich ihn küsste. Es war einfach unmöglich nein zu sagen, die Option stand gar nicht, es tat alles zu gut. Die Küsse machten alles nur noch viel schlimmer, danach könnte ich süchtig werden. Seine Hände an meinen Hüften halfen auch nicht, ich verlor total die Kontrolle über mich. Mein einziger Gedanke war wie ich Rafa aus seinen Klamotten rauskriege. Ich zog an seinem Shirt etwas bevor ich meine Hände darunter verschwinden liess.
Soweit war ich schon mal, fiel es mir dann kurz ein. Nur störte es Rafa dieses mal offenbar nicht im geringsten. Er revanchierte sich auf ähnliche Art, als seine Hand hinten unter meinem Top verschwand, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Das war mehr als ich vertragen konnte, langsam wurde es mir doch ziemlich warm. Irgendwie stolperten wir umschlungen aus der Küche in irgendein Zimmer.
So richtig bekam ich das nicht mit da ich extrem abgelenkt war. Rafa liess sich nach hinten fallen und zog mich hinterher. Kaum das ich lag drehte er mich auf den Rücken und hielt meine Hände fest. Wollte er mich jetzt auffressen? Sein Blick deutete so was an und von mir aus kann er das ruhig tun! Ich würde genauso unter seinen Händen und Küssen wegschmelzen wie vor sieben Jahren. Träumte ich das eben oder lag Rafa über mir? Immerhin hatte er noch etwas an aber viel war es nicht mehr und das könnten wir ja ändern. Ich bekam nicht mehr viel mit um mich rum doch von irgendwoher ertönte plötzlich ein lauter Knall.
3 November 2009
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